BASIC wird 50 Jahre alt!

Es ist nicht leicht, die Bedeutung der ersten, weitverbreiteten Programmiersprache BASIC zu erklären. Das Netz ist voll mit Babyboomern, die rührende Geschichten von ihren ersten Schritten mit dem Computer posten. Auch ich würde gerne melancholisch darüber berichten, aber in meinem Hinterkopf höre ich die Stimme meines Sohns: “Papa, das hast Du schon fünfzehn Mal erzählt!”

Kurz zu den Fakten: Die Legende will es, dass am 1. Mai 1964 im Dartmouth College in New Hampshire zu ersten Mal ein Rechner mit BASIC bedient wurde. BASIC wäre ein selbsterklärender Name für das Design dieses Interpreters gewesen, denn es ist an normales Englisch angelehnt und wegen seiner wenigen Befehle leicht zu erlernen. Tatsächlich ist BASIC aber eine Abkürzung für “Beginner’s All-purpose Symbolic Instruction Code”.

 

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IBM GPN-2000

Zu dieser Zeit gab es wenige Computer weltweit und nicht nur war die Rechenzeit begrenzt, auch die Bedienung war umständlich, meist mit Lochkarten, und nur von Fachpersonal auszuführen. Forscher und Mathematiker mussten ihre Software faktisch von Fall zu Fall selber schreiben. Es existierte also keine universale Programmiersprache, noch eine, die kostenlos war. Software in dem Sinne gab es eigentlich nicht, es gab nur Lösungen für diesen einen speziellen Rechner, dessen Software Teil des Lieferumfangs war. Die Väter von BASIC aber entschieden, ihre Sprache kostenlos anzubieten.

Als also Mitte der Siebziger die ersten Microcomputer aufkamen, explodierten die Benutzerzahlen, denn diese Maschinen hatten, schon aus Kostengründen, BASIC quasi als Betriebssystem. Bald folgten die ersten Rechner, die man mit heutigen PCs vergleichen kann, wie z.B. der IBM-PC, Commodore PET oder der Apple II. Und auch diese hatten ihren BASIC Dialekt im Lieferumfang. Noch wichtiger in Deutschland aber waren die sogenannten Homecomputer, vor allem der C64. In meiner Generation hat fast jeder, der überhaupt mit Computern zu tun hat, auch Erfahrungen mit diesem Gerät. Fragen Sie nur nach Load “*”,8,1 oder POKE 53280,0

 

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Startup-Screen des C64

Bevor Speichermedien überhaupt Verbreitung fanden, ermöglichte BASIC die Verbreitung von Software. Und zwar in geschriebener Form. Unsere Kreationen wurden also vom Fernsehschirm abgeschrieben und, wenn man das Spiel noch einmal spielen wollte, wieder eingetippt. Fehlerfrei natürlich. Viele Zeitschriften und viele Bücher mit Listings, also ausgedruckten Programmen, erschienen zu dieser Zeit. Man konnte auch, mit geringem Aufwand, diese Software von einem zum anderen System portieren.

Bis Ende der 80er Jahre war BASIC praktisch die Lingua Franca des Programmierens. Ohne die Entscheidung von John G. Kemeny und Thomas E. Kurtz, ihre Entwicklung zu verschenken, hätten sich nicht so viele Menschen an der Entwicklung von Software und Hardware beteiligen können. (Und unsere Eltern, die zwar das Programmieren pädagogisch sinnvoll fanden, aber nicht das Spielen, hätten sich nicht zum Kauf eines Homecomputers überreden lassen.) Es hätte weder Microsoft noch Apple in dieser Form gegeben, noch hätten die Karrieren von Paul Allen, Steve Wozniak, Larry Ellison, Steve Jobs oder Bill Gates so stattgefunden.

Gesellschaftlich gesehen hat sich in den Jahren von BASIC in meiner Generation ein Riss aufgetan. Viele waren von Computern und dem seltsam blinkenden Cursor fasziniert, noch mehr von den Möglichkeiten damit zu spielen. Die Faszination ein funktionierendes Stück Software geschrieben zu haben, lässt sich halt auch schwer vermitteln und ist ein etwas einsames Vergnügen. Der große Rest der Jugendlichen tat das als Spielerei ab und wendete sich anderen Dingen zu. Man kann diese heute Vierzig- bis Fünfzigjährigen an dem prinzipiellen Unverständnis ihrem Smartphone gegenüber erkennen. Die BASIC-Programmierer von einst aber stürzten sich in jede neue Entwicklung, bastelten bald an autoexec.bat und config.sys, setzten Jumper auf ihren Soundblasterkarten und grillten das eine oder andere Motherboard.  Natürlich wurde ein Modem angeschafft, auf BBS-Foren und im Usenet kommuniziert und dann begeistert am Internet mitgeschraubt. Viele bloggen und podcasten heute noch, was das Zeug hält. Zwar lässt sich zumindest an meinen Kontoauszügen nicht erkennen, dass heute Nerds die Welt regieren, aber wenigstens stehe ich den modernen Technologien nicht mit Unverständnis oder Unsicherheit gegenüber. Und das verdanke ich eigentlich BASIC.

Netter Rückblick auf den Brotkasten als Spieleplattform: Young in the 80ies, Folge 11
Den C64 im Browser emuliert (=nachprogrammiert) gibt’s bei C64x.de

 

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