Science Fiction Double Feature – Die Lyrics expliziert

Die „Rocky Horror Picture Show“ ist vielleicht der größte Kultfilm aller Zeiten. Hier in München, in den Museum Lichtspielen, läuft er seit dem 24. Juni 1977 ununterbrochen am Freitag und Samstag in der Spätvorstellung. Und immer noch regnet es aus Wasserpistolen, immer noch wird Konfetti geworfen und immer noch wird der Titelsong „Science Fiction Double Feature“ laut mitgesungen.

Dieser Song ist eine Hommage an die Horrorfilme der 30er bis 50er, an das Studio RKO und an das Kino an und für sich. Wo eben einst zwei alte B-Movie-Filme zum Preis von einem liefen – ein „Double Feature“ eben. Aber wer versteht die Referenzen im Text dieses Songs? Welche Personen sind gemeint? Welche Filme? Wir klären das hier einmal für alle.


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Michael Rennie (1909-1971)

Michael Rennie stammt aus Bradford, UK. Er begann in jungen Jahren eine vielversprechende Karriere in einem damals hochmodernen Beruf: Autoverkäufer. Nachdem er aber im gesamten ersten Jahr kein einziges Auto verkaufen konnte, beugte er sich dem Willen seines Onkels und wurde Geschäftsführer in dessen Fabrik. Im zweiten Weltkrieg diente er als Pilot in der Royal Air Force und verdingte sich danach als Musicalschauspieler. Und „I’ll Be Your Sweetheart“ machte ihn in England tatsächlich zum viel gefeierten Star. Also machte er es Charlie Chaplin, Stan Laurel oder Cary Grant nach und suchte Ruhm und Erfolg in Hollywood. Dort konnte er aber nur eine einzige Hauptrolle ergattern, die des außerirdischen Klaatu in „The Day the Earth Stood Still“. Also kehrte er auf die britischen Inseln zurück und spielte noch erfolgreich den „Harry Limes“ in der Fernsehversion von „The Third Man“. Er war, wie viele seiner Zeitgenossen, auch ein leidenschaftlicher Kettenraucher, weswegen er auch frühzeitig an chronischer Lungenentzündung verstarb.


day_the_earth_stood_still_posterThe Day the Earth Stood Still (1951)

Tragen nicht alle Menschen in sich den nagenden Verdacht, sie wären nicht folgsam genug? Hier kommt also ein Ausserirdischer namens Klaatu, der große Ähnlichkeiten mit Michael Rennie hat, als übermächtiger Bote unserer unbewußten Schuldgefühle, um ‘mal eben nach dem Rechten zu sehen. Er beauftragt seinen Roboter Gort (Der dem ersten Ironman aus dem Film ähnelt und wie Cyclops Strahlen per bösem Blick verschießt) damit, das Raumschiff zu bewachen, während er sich inkognito auf die Suche nach dem größten Denker der Menschheit macht. Als Begleiter und Kumpan sucht er sich erst einmal einen Hund aus, dann einen kleinen Jungen, bevor er sich dann doch für eine Frau des damals populären Typs großbrüstige Blondine entscheidet. (Wahrscheinlich die erste Wahl eine nicht-ausserirdischen Mannes.) Wir sehen dann noch die Benutzung des bekannten Plotdevice „Tod und Wiederaufstehung“, bevor uns Klaatu seine messianische Message hinterlässt: „Erdlinge, seid lieb und brav zueinander. Sonst verbrennt euch mein Roboter zu Kohlestaub!“ Wahrscheinlich eine pazifistische Botschaft, aber doch mit leicht faschistischen Nachgeschmack, wenn ihr mich fragt.


flash_gordonFlash Gordon (1936-1940)

Liebe Science-Fiction-Filme der Gegenwart: Sagt mal brav „Danke“ an eure Mami, euren Papi, Tante und Onkel namens Flash Gordon! Alex Raymond hat den blonden Hünen als Held eines unglaublich gut gezeichneten Zeitungstrips erfunden und dessen Popularität sorgte für eine Umsetzung für die Kinoleinwand. „Flash Gordon“ ist ein klassischer Cliffhanger, also eine Filmserie, die vor dem Hauptfilm lief, mit einer hochspannenden Situation endete und war in dieser Funktion außerordentlich erfolgreich.
Der Titelheld wurde gespielt von Buster Crabbe. Unnachahmlich seine darstellerische Vielfalt, die an den verstorbenen Laurence Olivier erinnert. Nach dessen Tod. Er war mit dieser Rolle unglücklich, da ihn zum einen störte, dass er sich immer die Haare blondieren musste und weil der Rest des Cast sich immer über seine Schauspielerei lustig machte. Die Damsell in Distress, Dale, wird gegeben von Jean Rogers, der Ire Mark Shannon spielt den deutschen Wissenschaftler Dr. Hans Zarkov. (Der später, aus politischen Gründen der russische Wissenschaftler Dr. Alexej Zarkov wird.)
Eigentlich gibt es nur einen erwähnenswerten Schauspieler bei dieser Produktion und das ist Charles Middleton, der „Ming, the Merciless“ mimt, den zeittypischen kriminellen, manischen, orientalischen, faschistischen Wissenschaftler-Diktator.
In Wirklichkeit ist das Konzept das einer mittelalterliche Rittergeschichte, man hat nur Magie mit Wissenschaft ersetzt. Andere Leihgaben an Star Wars: Der Titel-Crawl, die Stadt in den Wolken, Rebellen gegen das Imperium, die Soft-Wipes-Überblendungen und das „Wir schalten die Powerstation aus, die praktischerweise nicht bewacht wird und dann geht alles kaputt.“


claude_rainsClaude Rains (1889-1967)

Aus ärmlichen Verhältnissen stammend und mit einem Sprachfehler behaftet, hätte sicher niemand gedacht, dass Claude Rains einmal der wichtigste Nebenrollen-Darsteller seiner Zeit wird. Gerade seine Stimme und seine Art zu sprechen, vielleicht durch jahrelanges Training perfektioniert, verschafften ihm oft Rollen, die er aufgrund seiner Statur sonst nie bekommen hätte. 1926 machte er sich von Großbritannien auf nach Amerika und landete seine erste wichtige Rolle als „The Invisible Man“. Aber er ist auch Prince John in „Robin Hood“, Captain Renault in „Casablanca“, Professor Challenger in „The Lost World“ und – vielleicht am besten – der britische Diplomat Dryden in „Lawrence of Arabia“. Den großen Durchbruch als Lead-Actor hatte er nie und trotz vier Nominierungen als bester Nebendarsteller durfte er auch keinen Oscar mit nach Hause nehmen. Aber sechs Ehefrauen ist ja auch schon einmal ‘was!


invisible_manThe Invisible Man“ (1933)

Dies ist einer der großen, klassischen Universal-Horrorfilme, in einer Reihe mit „Dracula“, „Frankenstein“ oder „Wolfman“ zu nennen . Hier hatte Claude Rains seine erste Hauptrolle, aber diesen Auftritt verbringt er entweder als Voice-Actor, da gerade „unsichtbar“ oder komplett in Mullbinden eingewickelt.

Eigentlich auch keine B-Movie, das passendere Wort wäre Blockbuster. Die Spezialeffekte – Dreifachbelichtung – waren für damalige Verhältnisse atemberaubend und fallen auch dem heutigen Betrachter nicht unangenehm auf. Der Plot: Um bei den Frauen zu landen, kocht sich ein Wissenschaftler ein Gebräu, das unsichtbar macht. Weil er aber wohl einen Beipackzettel nicht genau genug gelesen hat, entwickelt er als Nebenwirkung auch die irrige Vorstellung, er könne, unsichtbar wie er ist, doch gleich noch die Welt unterwerfen. Weitere Nebenwirkung ist die Widerstandsfähigkeit gegen niedrige Temperaturen, denn einen nicht unerheblichen Zeitraum des Filmgeschehens tappt der Unsichtbare nackt durch den Schnee. Ohne zuviel zu verraten: Kugelsicher macht die Rezeptur nicht.


fay-wrayFay Wray (1907-2004)

Als die junge Kanadierin ihre Arbeit neben diesem hochgewachsenen, dunkelhaarigen Primaten mit der undeutlichen Aussprache beendet hatte, gab es eine neue Kategorie von Schauspielerinnen: Die „Scream Queen“. Junge Frauen wurden in den alten Studiotagen wie heute Fussballer gehandelt und als die Paramount keinen Gewinn mit Fay Wray machen konnte, verscherbelte man sie an RKO, wo sie einige erfolgreiche Filme drehte, z.B. „Doctor X“, „The Vampire Bat“ oder eben „King Kong“.
Letzteres sollte für immer die wichtigste Rolle ihres Lebens bleiben, auch wenn sie noch bis ins hohe Alter weiterarbeitete. Eine damals zu schlüpfrige und noch heute verwirrend erotische Szene aus „King Kong“, in der das Biest die Schöne entkleidet, gibt es übrigens erst seit den Neunzigern zu betrachten. An ihrem Todestag wurden zu ihrem Gedenken alle Lichter des Empire State Buildings für eine Viertelstunde ausgeschaltet – zu Recht.


king_kongKing Kong (1933)

Man kann sich heute vielleicht nicht mehr vorstellen, wie dieser Film auf das Publikum der Dreissiger gewirkt hat, denn die damals brandneue Stop-Motion-Animation ist für uns doch etwas hölzern, aber dieser Film ist die Mutter aller Monsterfilme. Der deutsche Verleiher hat aus Angst vor Haftung bei panischen Reaktionen den Film in „Die Fabel von King Kong – Ein amerikanischer Trick- und Sensationsfilm“ umbenannt.
Die Produktionslegende geht so: Eine mittelmäßige Filmcrew ist unterwegs, um alle möglichen Arten gefährlicher Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu filmen. Es gelingt ihnen, einen jungen Gorilla zu fangen und man beschließt, diesen gegen einen Komodo-Waran kämpfen zu lassen. Da kommt jemand und meint lakonisch, er könne mit Spezialeffekten da noch einiges verbessern, z.B. einen Riesenaffen gegen einen Brontosaurus antreten lassen. So kam’s dann.
Dieser Klassiker ist in meinen Augen einer der fünf einflussreichsten Filme aller Zeiten und der einzige, dessen Neuauflagen alle gut anzuschauen sind und in ihrer Interpretation für sich stehen.


it-came-from-outer-spaceIt Came from Outer Space (1953)

Konnte wirklich keiner den Special-Effect-Leuten vorher sagen, dass das „It“ aus „Outer Space“ in hellem Tageslicht gefilmt wird? Dann hätte man vielleicht doch die billigen Möbelrollen verdecken können! Abgesehen von diesem kleinen Verständigungsproblem ist dieser Film der archetypische SciFi-Horror-Kalter-Kriegs-Schinken der Fünfziger. Viele billige Klischees, aber dafür wenig Geld und absurd übersteigerte Mimik der Schauspieler. Trotzdem immer noch genießbar, was vielleicht daran liegt, dass die Idee von Ray Bradbury stammt. Richtig schön ist der Film, wenn man ihn im Original sieht. Nee, nicht wegen der Sprache, sondern wegen 3D. In den Fifties hatten wir nämlich auch schon einen 3D-Hype im Kino. Hier wurden die Signale für’s Auge mit Farbfiltern getrennt, so dass das Ergebnis ein plastischer Schwarz-Weiss-Film ist. Übrigens: Aufpassen, nicht aus Versehen das Remake von 1996 anzuschauen. Das ist nämlich nicht… hmm… gut.


doctor_xDoctor X (1932)

Vor Professor X („X-Men“) gab es Doctor X. Und auch der hiess ‘Xavier’. In dieser Verfilmung eines Theaterstücks betreibt er eine gruselige Forschungsanstalt, in der alle beteiligten Wissenschaftler sich dadurch auszeichnen, einen gewissen Hang zur Homo-Sapiens-Diät zu haben. (Sie wissen schon: Du darfst alles essen, es sei denn es ist nicht Menschenfleisch.) Im Unterschied zu dem, was die Lyrics da so nebenbei behaupten, kann man eigentlich nicht wirklich sagen, dass Doktor X hier eine Kreatur baut – aber wollen wir ‘mal nicht weiterspoilern. Auf der Habenseite bei dieser Produktion sind erstens Fay Wray im 100%-Scream-Queen-Modus zu nennen und die Einführung von sinnlosem Techno-Babble á la Geordi LaForge in die Dialoge. Auf der Sollseite muss man sagen, dass das ein tolles Theater-Drehbuch ist!


anne_francisAnne Francis (1930-2011)

Schon im zarten Alter von sechs Jahren begann Anne Francis ihre Schauspielkarriere, was im Rückblick vielleicht ein bisschen voreilig war. Eigentlich blieb sie nämlich immer festgelegt auf die Rolle der Nebenrollenblondine, selbst wenn sie neben so altwürdigen Granden wie Spencer Tracy, Sidney Poitier, Leslie Nielsen Glenn Ford, Barbra Streisand oder Jerry Lewis (O.k. altwürdig nehme ich zurück) spielte. Deswegen führte ihr Weg dann auch folgerichtig ins Fernsehen und man konnte sie in Serien wie „Columbo“, „Last Survivors“, „Dallas“ oder besonders „Honey West“ bewundern.
„Honey West“ war eine Krimiserie und Anne Francis spielte eine Privatdetektivin, wohl die erste Frau für diesen Archetyp – bemerkenswert auch der zahme Ozelot mit Namen Bruce,  der manchmal entscheidend zur Aufklärung der Fälle beiträgt.


forbidden-planet-movie-posterForbidden Planet (1956)

In Deutschland recht wenig bekannt, ist „Forbidden Planet“ – in Angelsachsien ein richtiger Kultfilm. Auf der Positivseite haben wir hier: Anne Francis als seltsame „Altaira“, Leslie Nielsen als männlicher Held (Ja, die „Naked Gun“), ein übergroßes Küchengerät als R2D2s Grosspapa „Robby“ und ein eher optimistischer Twist in der Geschichte, der den Film von den anderen Kalter-Krieg-SFs unterscheidet, wo im Dunkel immer haarige Monster oder fiese Aliens lauern. Auf der Nicht-so-richtig-positiv-Seite wären: Schlechtes Acting – schlechtes, schlechtes Acting, ein Planet der völlig unmotiviert explodiert (Hatte der einfach schlechte Laune, oder was?) und eine untergegangene, ausserirdische Zivilisation. Wenn man diese Zutaten alle zusammenwirft, kommt dabei ein SF-Streifen ‘raus, den man einfach lieben muss. Ein Must-See.


leo_g_carrolLeo G. Carrol (1892-1972)

Der nächste britische Import für das Berufsbild „Nebenrollendarsteller“. Hitchcock schätzte ihn sehr und setzte ihn in sechs seiner Filme ein, aber am meisten profilierte er sich durch seine Rolle in „Wuthering Heights“. Die Akademie übersah ihn in diesem Jahr und nominierte lieber Lawrence Olivier für den Oscar als bester Hauptdarsteller. Seine Rolle in „Tarantula“ verdient eigentlich keine weitere Erwähnung, was aber hiermit trotzdem geschehen ist. Heutzutage ist er vielleicht am ehesten bekannt als der „Uncle“ in „The Man from U.N.C.L.E.“ Eigentlich galt seine wahre Leidenschaft dem Theater, er trat insgesamt in 300 verschiedenen Stücken auf.


tarantulaTarantula (1955)

Sagt der eine Wissenschaftler zum anderen: „Wie wär’s, wenn wir etwas bauten, mit dem man Dinge riesig vergößern kann. Wenn wir das auf Weizenkörner richten, haben wir das Welthungerproblem gelöst!“ (Um vorherzusagen, dass die Weltbevölkerung im Jahr 2000 3.6 Milliarden Menschen sein wird. Es waren dann doppelt so viele, Professor Deemer.) Klingt einleuchtend. Sagt der andere: „Oops!“ Schon ist die Riesenspinne geschaffen. Pech für die Kleinstadt nebenan. Spoilere ich zuviel, wenn ich verrate, dass auch noch Napalm in dem Film vorkommt? O.k., entschuldigung, aber ich mochte diesen Film nie. Ich habe keine Spinnenphobie, aber eben auch keine Phobie vor Gummibällen, in die noch acht Gummistangen gesteckt wurden. (Eine sehr seltene Phobie, mit einem laaangen lateinischen Namen!) Übrigens hat die Spinne auf dem Poster zwei Augen statt acht – die Gummispinne im Film aber nicht.


janette_scottJanette Scott (geb. 1938)

Bevor sie zehn Kerzen auf ihrem Kuchen auspusten musste, hatte sie schon in 12 Filmen mitgespielt. Und bevor es 15 Kerzen wurden, hatte sie schon ihre Autobiografie geschrieben. Trotzdem haben wenige dieser Streifen die Zeiten überdauert. Zu erwähnen wären wahrscheinlich „No Highway in the Sky“ mit James Stewart und Marlene Dietrich und „Helen of Troy“, wo sie die Kassandra darstellte – und Brigitte Bardot die Helena. „Day of the Triffids“ wurde komplett ohne sie gedreht, aber diese erste Version machte den Verleih unglücklich, so dass ihre Rolle nachträglich in den Film eingefügt wurde. Ihren Co-Star in diesem Film, Howark Keele, ist sie in ihrem ganzen Leben nicht einmal begegnet.


day_of_the_triffidsThe Day of the Triffids (1962)

Gutes Beispiel für eine schlechte Buchverfilmung. Auf Zelluloid wurden viele Plot-Twist gekürzt und ein Happy-End hineinoperiert, auf Papier ist das Ganze eine Parabel über sozialen Druck, Moral und des Kampfs von feudalen Systemen gegen demokratische unter extremen Druck. Stellen Sie sich vor, Sie wachen auf und 99,9% der Menschheit sind erblindet und einer Invasion riesiger, intelligenter Pflanzen ausgeliefert. Im Buch sind diese Triffids intelligente, mobile Dreibeiner, im Film dämliche Topfpflanzen auf Rollen. Im Buch sind die Pflanzen unbesiegbar. Im Film schrumpeln sie zu bedauernswerten Klumpen zusammen, wenn man sie Salzwasser aussetzt. Wirklich: Gutes Buch, auch stilistisch, aber mittelmäßiger Film.


dana_andrewsDana Andrews (1909-1992)

Der junge Dana Andrews studierte brav und schloss mit einem Master of Business Administration ab. Leider gab es während der Großen Depression nicht besonders viel Business zu administrieren, so dass er nach Kalifornien trampte, um einen Durchbruch als Filmschauspieler zu feiern. Weitere Stationen seiner Karriere umfassen Busfahrer, Orangenpflücker und Regalauffüller, bis er nach komplizierten Initiationsriten in die geheime Gilde der Tankstellwarte aufstieg. Mit einer Finanzspritze seines Chefs landete er eine Rolle im „Pasadena Community Playhouse“, wo er von Samuel Goldwyn höchstpersönlich entdeckt und unter Vertrag genommen wurde. Sechs Jahre später erreichte er mit „The Best Years of Our Lives“ tatsächlich die Spitze. Dies war ein Film jener Sorte, wo jeder Mitwirkende, vom Maskenbildner zum Kabelträger für den Oskar nominiert wird. Alle außer Dana. Von hier arbeitete er sich konsequent nach unten weiter, bis er schließlich 1963 Präsident der Screen Actors Guild wurde. Er bewies genug Würde, um danach nicht noch Gouverneur oder Präsident zu werden.


curse_of_the_demonThe Curse of the Demon (1957)

Ein selten gewürdigtes Meisterwerk des atmosphärischen Films, der noch heute ein Publikum in seinen Bann zwingen könnte. Der Horror stammt hier nicht vom bösen Monster – tatsächlich wurde dies vom Produzenten in den Film gedrückt, entgegen der Wünsche des Regisseurs Jaques Tourneur und des Hauptdarstellers Dana Andrews. Auch sind es weder Spezialeffekte oder außergewöhnliche Schauspielerei, die hier die bedrohliche Stimmung schaffen, es ist vielmehr der kreative Umgang mit Schatten, Geräuschen und expressionistischen Kameraeinstellungen. Ein wirklich wichtiger Film, eine Ausnahme in der Produktionsgeschichte der Fünfziger, weswegen ich hier auch keinen Millimeter Handlung spoilern möchte. „It’s in the trees! It’s coming!“


when_worlds-collideWhen Worlds Collide (1951)

Der erste Film im Song gibt uns einen SF-Messias, der letzte einen SF-Noah. Dr. Henderson entdeckt zwei Zwergplaneten auf dem Weg zur Erde. Der erste fliegt so nahe vorbei, dass er Erdbeben, Vulkanausbrüche und Schnupfen hervorruft, der zweite trifft genau die Mitte unseres schönen Erdballs. Nachdem sich seine ersten Prognosen bestätigen, gelingt es ihm, gegen alle Zweifler, eine interplanetare Arche zu bauen, um wenigsten eine Nucleus der Menschheit zu retten. Die Auswahl ist dann aber eher wenig wissenschaftlich: Z.B. seine Tochter, deren Freund, ein herumstreunender kleiner Junge und ein zufällig auftauchender Hund. George Pal gewann für diesen Film einen Oscar, obwohl er ihn weder produzierte noch Regie führte – und seine Braut war auch nicht an Bord. Auch ein Must-See.


george_palGeorge Pal (1908-1980)

Eigentlich als Marincsák Gyórgy in Cégled, Ungarn geboren, studierte er in Budapest und wurde in Weimarer Zeiten Chef der Zeichentrick-Abteilung der UFA. Er floh vor den Nazis in die USA, wo er seine „Puppetoons“ entwickelte, eine Mischung aus Puppenspiel und Zeichentrick. Dieser Erfolg machte ihn bald zu der angesagten Koryphäe für Spezialeffekte in Hollywood, er nahm insgesamt sechs Oscars mit nach Hause und war für Meisterwerke verantwortlich wie „Destination Moon“; „When Worlds Collide“, „War of the Worlds“ und „The Time Machine“. Seiner Zeit voraus war er mit dem Konzept, aus jedem seiner Werke, dass ihm auch nur einen Dollar verdient hatte, noch einen Nachfolger ‘rauszuquetschen. Heute, wo es kaum noch Originalfilme gibt, würde man ihn wohl besser verstehen. Wenn Sie übrigens einen Film schauen, wo Mr. Pal für die SFX verantwortlich zeichnet, passen Sie genau auf: Er versteckte immer ein Bild von Woody Woodpecker irgendwo!


Dieser Artikel ist eine freie Übersetzung eines Artikels von meinem verstorbenen, englischsprachigen Blog aus dem Jahre 2006. Damals hatte ich auch noch diesen Clip dazu geschnitten. Die Qualität ist mittlerweile lausig, aber für die Interessierten:

 

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