Wie wir sterben.

Der Tod ist ein natürlicher Teil des Lebens und trifft jeden von uns mit einer Wahrscheinlichkeit von 100%. Trotzdem schaut man ungern genauer hin, vielleicht aus einer unbewussten Angst, aus der Statistik heraus könne einen der Sensenmann schnappen. Oder aber, weil man das Thema am liebsten ganz verdrängt. Dabei kann einem die Beschäftigung mit dem Tod vielleicht das Sterben erleichtern.

Denn eines steht fest: Sterben ist nichts für Feiglinge. Man stirbt nicht friedlich im Bett und keiner fällt um und ist tot. Das ist eher ein Wunschdenken von uns Überlebenden – die Wahrscheinlichkeiten dafür sind sehr, sehr gering.

Woran wir sterben, unterscheidet sich zwar stark nach Geschlecht und Alter, aber über alle Sterbefälle hinweg kann man schon eine Statistik basteln. Wir sterben mit 40% Wahrscheinlichkeit an einem Herz-Kreislauf-Versagen, als nächster Massenmörder wird uns, mit 25% Wahrscheinlichkeit, der Krebs dahin raffen.Versagen der Atmungsorgane folgt mit ca. 7%, das der Verdauungsorgane mit 5% und Unfälle mit 4%. Gewalt und Infektionen, die in manchen Ländern die Statistik anführen, spielen bei uns eine geringe Rolle; Vergiftungen, Suizide und Drogentode erreichen nicht einmal die Ein-Prozenthürde.

Wie wir sterben - Muerto

Unser Sterbeort wird mit 40% Wahrscheinlichkeit ein Krankenhaus sein, und dort wahrscheinlich die Aufnahme- oder die Intensivstation. Mit 25% folgen die Altersheime, die damit das „Zuhause“ abgelöst haben – womit die Statistik impliziert, dass Altersheime nicht als „Zuhause“ empfunden werden. Sterbehospize spielen mit 2% noch keine große Rolle.

Wenn die Zeit gekommen ist anzuerkennen, dass jetzt unser letztes Stündchen schlägt, machen wir – psychologisch gesehen – mehrere Phasen im Umgang mit dem Unvermeidlichen durch. Diese sind durch Elisabeth Kübler-Ross erkannt und benannt worden: Ablehnung, Wut, Verhandlung oder Verdrängung, Depression und – hoffentlich – Akzeptanz.

Die depressive Phase ist bei den meisten Menschen mit Reue verbunden oder mit dem Gefühl, etwas versäumt zu haben. Laut Bronnie Ware, einer professionellen Sterbebegleiterin, die ein Buch mit dem Namen „The Top 5 Regrets of the Dying“ geschrieben hat, merken Sterbende, „…dass man sich bewusst für Glück und Freude entscheiden kann.“ Top-Regret sei der Wunsch „den Mut gehabt zu haben, mein eigenes Leben zu leben.“

Wie wir sterben - Sensenmann

Generell sterben wir, weil wichtige Organe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden und die Arbeit einstellen. Egal, wo das Sterben im Körper beginnt, es erreicht irgendwann das Herz und das Hirn. Ist man nicht mit Schmerzmitteln versorgt, ist Sterben meist von Schmerz und Panik begleitet. Vokabeln wie Herzangst, Todespanik und Vernichtungsschmerz werden oft zur Beschreibung verwendet – der Todeskampf trägt seinen Namen nicht umsonst.

In Deutschland ist man klinisch tot, wenn das EEG trotz Wiederbelebungsversuchen längere Zeit eine Null-Linie zeigt – nach fünf Minuten ohne Blut und damit Sauerstoff treten bereits irreversible Schäden im Gehirn auf, nach 10 Minuten sind die Hirnzellen tot. Aber das Sterben ist noch nicht vorbei.

Andere Organe haben beim Sterben mehr Geduld, Leberzellen sterben nach einer halben Stunde, die Lunge beginnt nach einer Stunde zu sterben, die Muskeln halten 8 Stunden durch und die Spermien haben die längste Leitung – die brauchen mehrere Tage, um ihren Job endgültig einzustellen. Der Körper erkaltet ohne Durchblutung und schon nach 16 Stunden hat er normale Hauttemperatur erreicht.

Ohne lebende Zellen beginnen die hochsauren Verdauungssäfte die Selbstauflösung und zersetzen uns von innen. Die Zoologie in unserem Körper gerät auch durcheinander und die ehemals freundlichen, bakteriellen Mitarbeiter aus Darm und Mundhöhle töten die restlichen lebenden Zellen ab. Das ist die Verwesung. Diese führt zur Bildung von Gasen und der Körper wird aufgebläht, es bilden sich Blasen unter der Haut.

Unsere Haut wird wie Pergament, bald lassen sich die Venen gut erkennen und sogenannte Leichenflecken entstehen. Weil es nicht mehr unablässig durch den Organismus gepumpt wird, folgt das Blut einfach der Schwerkraft. Die Totenstarre setzt nach zwei Stunden schon ein und löst sich aus ungeklärten Gründen nach 2 Tagen wieder. Haare und Nägel wachsen nicht nach, das ist eine urban legend.

Wie wir sterben - Grabsteine

Was werden wir dabei fühlen? Menschen, die dem Tod im letzten Moment von der Schippe gesprungen sind, berichten meistens – und das über alle Kulturen hinweg – ähnliches. Schlagartig tritt ein Gefühl tiefer Ruhe ein und man hat das Gefühl, den Körper zu verlassen und sich beim Sterben von aussen zuzusehen. Szenen oder ganze Abschnitte des eigenen Lebens erscheinen vor dem inneren Auge und ein Gefühl von tiefem Glück, einer universalen Ruhe und eines Einsseins mit dem Universum erfasst uns, wenn wir Teil des großen Lichts werden, dass wir plötzlich wahrnehmen.

Ein Drittel der Menschen mit Nahtodeserfahrungen berichten auch von negativen Erlebnissen. Hierbei differieren die Berichte stark und zeichnen kein einheitliches Bild. Von Eiseskälte bis zu Höllenhitze, von unerträglichen Gefühlen der Einsamkeit und Wut oder Hass reicht hier das Spektrum. Auch wenn manche Forscher, wie z.B. Raymond A. Moody, diese Vorfälle mit Unfällen oder Selbstmorden begründen, so scheint die statistische Beweislage für diese These eher dünn.

In Deutschland schreibt das Gesetz vor, dass wir nun bestattet werden. Und das frühestens 48 Stunden nach dem Todeszeitpunkt, in der Regel innerhalb einer Woche. Es sind folgende Bestattungsarten gestattet: Almwiesenbestattung, Anonyme Bestattung, Baumbestattung, Diamantbestattung, Eisbestattung, Erdbestattung, Felsbestattung, Feuerbestattung, Flugbestattung, Gruftbestattung, Körperspende, Luftbestattung, Naturbestattung, Öko-Bestattung, Seebestattung, Weltraumbestattung und Wiesenbestattung.

Die Kosten müssen die Bestattungspflichtigen tragen und sie liegen zur Zeit bei € 3000,- bis € 9000,- für die gängigen Bestattungsformen. Ausgefallenere Formen können auch mehr kosten, eine Weltraumbestattung fängt bei € 11.000,- erst an.

Das war’s dann. Das Leben geht weiter. Aber ohne uns.

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