Ich wollte ja am Anfang eine Sendung machen, in der der Macher nicht wichtig ist. Die Vorstellung irgend eine Art von Popularität zu haben, war mir unangenehm. Aber Hören ist eine intime Sache und so haben wir uns über die Zeit doch gut kennen gelernt, Ihr Hörende und ich. Darum hier ein Blick hinter die Kulissen.


Download der Episode hier.
Opener und Closer: Von den berüchtigten Insult-O-Grams auf YouTube.
Musik: „Happy Birthday“ von Jason Silver / CC BY-SA 3.0



Nicht ausschalten! Ihr seid richtig beim Explikator! Und Hallihallo! Natürlich.

Und das war auch nicht das neue Intro. Sondern ein viel älteres. Nämlich das meines ersten Podcasts, der „Labiner und Wunderlich“ hieß und schon lange nicht mehr funkt. Der eine oder andere Hörer kennt ihn vielleicht noch.

Für alle anderen: Ich habe mich damals 24 Mal mit meinem Freund Michael Labiner zusammen gesetzt und ca. 90 Minuten gestritten. Weil ich das mit Michael eh’ immer tue. Was natürlich zu 100 Prozent an ihm liegt, nicht an mir!

Dann wurde uns das aber beiden zu viel, speziell mir ging das eine oder andere Thema zu sehr an die Nieren. Der Podcast hätte uns sonst wahrscheinlich die Freundschaft gekostet. Das war also ein klassisches Podcast-Format, dass man mittlerweile despektierlich „Laberpodcast“ nennt.

Das war in den Jahren 2011 und 2012. Mein Einstieg in diese Form des Radios im Internet, die wir Podcast nennen. Was aber eigentlich gar keine inhaltliche Definition ist. Sondern eher einen Vertriebsweg beschreibt. Podcasts gehört habe ich allerdings schon länger. Der erste, denn ich abonniert hatte, war „Schlaflos in München“ von Annik Rubens. Die ja leider aufgehört hat.

Den Explikator hier, den gibt es heute genau 250 Sendungen lang. (Zwei Sendungen sind im Müll gelandet und eine andere, eine Konzeptstudie, hat nur der Christian gehört bisher.)
Und es ist genau der Geburtstag. Denn den Piloten, also die Nullnummer, die habe ich heute vor genau einem Jahr aufgenommen!

/Clip „Jubel“

Das klang damals noch so:
/Clip 01 Anfang
Und endete noch so:
/Clip 02

Der Anfang der allerersten, echten Folge klang dann so:
/Clip 03

Zwischen „Labiner und Wunderlich“ und dieser ersten Sendung ist damals ganz viel Leben passiert. Meine Kinder sind beide erwachsen geworden und ausgezogen, ich habe mich von meiner Frau getrennt, wichtige Kunden verloren und bin wieder nach München gezogen, in eine kleine 48 qm-Wohnung. Da gibt’s einen großen Raum, der ist mir Wohn- und Esszimmer, Küche, Arbeitsplatz und Studio in einem. 20 cm neben dem Mikro brummt meist missmutig mein alter Kühlschrank.

Das war für mich zu Anfang eine richtige Scheisszeit. Ich litt sehr unter der Trennung und der Tatsache, dass mich jetzt, mit 50, auf einmal keiner mehr brauchte. Und ich hatte noch nie im Leben alleine gelebt. Ich war von Mami und Papi in die nächste Familie gezogen, unsere WG. Und seit 1989 wohnte ich mit meiner Frau zusammen. 1993 und 1995 haben wir den Haushalt dann mit jeweils einem Kind erweitert. Und plötzlich, 2013, saß ich da. Alleine.

Also die richtige Zeit, um sich ausgiebig Chips, Schokolade und vieler, vieler Serien hinzugeben. Und am meisten dem Selbstmitleid. Von morgens bis abends.

Und nach ca. einem halben Jahr begann ich dann ganz behutsam, diesen neuen Podcast zu planen. Ich wollte eine neue Art von Morgenradio machen, in den ersten Folgen wünsche ich immer noch „Guten Morgen“. Und auch ein Format, dass für Einsteiger in die Welt des Podcasts sofort zu verstehen ist. Weil es hauptsächlich inhaltlich anders ist als das gewohnte Dampfradio.

Und nur wenig von der Präsentation. Ich habe zwar ‘mal ein Stimmcoaching besucht, aber da wäre ich am Ende so eine Wohlfühl-Kuschel-Stimme geworden, wie sie im Radio üblich und austauschbar sind.
„Lächeln Sie beim Sprechen“ oder „Stellen Sie sich ein wohlwollendes Publikum vor“ waren so Tipps. Ich will aber lieber überbetonen und die Stimme verstellen und Quatsch machen. Und bei ernsten Themen eben auch ‘mal nicht.

Und nach vielem Nachdenken und Planen ging dann am 2. August 2014 der allererste Explikator auf Sendung. Den wahrscheinlich fast nur meine Frau, meine Kinder und meine Mutter gehört haben. Damals habe ich mir nur einen Artikel ausgesucht, zu dem ich mir ein paar Notizen gemacht habe und dann ohne Skript ins Mikro geredet.

Aber ich habe dann schnell gemerkt, dass das mit nur einer Stimme nicht gut ist. Ohne akustische Trenner und Unterbrecher sind acht Minuten schon eine lange Zeit, um jemanden zu zuhören. Ich wollte einfach mehr Information verpacken in diese Zeit, als das Improvisieren möglich gemacht hätte. Also begann ich zu skripten.

Um dann Schritt für Schritt zu lernen, dass man für’s Hören ganz anders schreiben muss als für’s Lesen. Mittlerweile habe ich mir 21 Regeln gemacht, wie man für’s Hören schreibt. Die ich aber auch dauernd breche, zugegeben.

Ein anderes Element, dass mir wichtig wurde, war eine verbindliche Struktur. Viele Menschen hören den Explikator täglich und da ist es wichtig, dass man sich auf bestimmte Dinge verlassen kann. Wie z.B. das Hallihallo am Anfang. Oder das halb gejodelte Ciao-Ciao am Ende. Das ja vielen auch auf die Nerven geht, zugegeben. Aber ich hab’ mich schon so daran gewöhnt, ich mach’ das mittlerweile auch oft privat. Und dann fehlt mir immer die Outro-Musik im Hirn…

Und man muss sich auch darauf verlassen können, dass der Explikator am Morgen auch gefälligst da ist. Wenn ich einen Lieblings-Podcast habe, der auf einmal nicht mehr verlässlich kommt, dann ärgert mich das immer sehr. Bin da ein bisschen zwanghaft, wahrscheinlich.

Und das hat ja prima geklappt mit der Regelmäßigkeit. Einmal habe ich aus Versehen einen Feiertag ausgelassen, den es nur in Bayern gibt. Ein anderes Mal habe ich irgendwie Mist gebaut, aber das flog mir dann schon um halb sieben auf Twitter um die Ohren und war schnell gefixt.

Ein tolles Jahr ist das geworden, dank dieser Sendung. Ich möchte mich ganz, ganz herzlich bei euch bedanken, meine lieben, geschätzten, verehrten Zuhörenden. Wie oben geschildert, habt ihr mir, ohne es zu wissen, echt aus einer schweren Zeit geholfen. Seit dem Explikator ging’s aufwärts. Wie es das Leben so will, habe ich jetzt auch wieder zwei echt coole Kunden, treibe wieder meinen Sport und finde mittlerweile: Das Alleine leben hat auch eine ganze Reihe von Vorteilen, die ich gar nicht kannte bis dahin.

Mittlerweile werden jeden Tag über 1000 Sendungen gehört und ich weiß von vielen, dass sie mich und meine Sendung fest in ihr Leben eingebaut haben. Das ich, Oliver Wunderlich, ein Bestandteil ihres Alltags bin. Puuh, ich kriege beim Schreiben eine Gänsehaut, wenn ich das so sage.

Unsere Beziehung, geneigte Zuhörerin, ist natürlich etwas einseitig. Ihr wisst so einiges von mir, kennt meine Meinungen, meine Interessen und meinen gewöhnungsbedürftigen Humor, ich weiß von den meisten nichts.

Aber ich weiß auch von vielen etwas. Ich habe durch die Sendung viele neue Menschen kennen gelernt, neue Freunde gewonnen. Ich habe ein tolles Feedback von euch bekommen. Ob auf Twitter, in den Kommentaren der Website oder, das scheint euch am liebsten zu sein, per Email. 160 Emails habe ich von euch bekommen, die meisten sagen nur Dankeschön, manche geben Anregungen und alles in allem nur eine richtiges Hatemail. Roch übrigens ziemlich nach AfD.

Ich bin der Meinung, alle schöpferische Tätigkeit hat eine therapeutische Ebene. Für mich war das mit dem Explikator auf jeden Fall so. Ihr habt mir, ob ich euch kenne oder nicht, viel gegeben. Das erfüllt mich mit einer tiefen Dankbarkeit euch gegenüber. Meiner neuen Explikator-Familie, die in ganz Deutschland verteilt ist, wie cool ist das denn?
Und die mir freiwillig jeden Tag acht, neun Minuten zuhört! Unglaublich!

Ich denke, es gibt noch viel zu verbessern an meinem Schreiben, Reden und Senden. An der Struktur und an der Themenaufbereitung. Und ich habe auch noch ganz, ganz viele Ideen. Das Leben ist bunt. Und die Angst ist immer noch der Gegner.

Der Explikator wird weiter ohne Werbung bleiben und auch kostenlos. Im August werde ich, für diejenigen, die das können und wollen, per Patreon die Möglichkeit einräumen, diese kleine Sendung und damit mich auch mit Geld zu unterstützen.
Aber davon mehr, wenn es dann so weit ist…

Noch einmal vielen, vielen Dank für das erste, gemeinsame Jahr!