Er gilt immer noch als einer der größten Entdecker: Christoph Kolumbus. Aber, wenn man die Geschichte nach dem Zeitpunkt, wo zum ersten Mal ein moderner Europäer amerikanischen Grund betrat, weiter erzählt, bleibt nicht viel Gutes mehr zu berichten.


Download der Episode hier.
Opener: „Columbus Day – Learning about Christopher Columbus“ von Kids Learning Videos
Closer: „John Oliver: Columbus Day – How Is That Still A Thing (HBO)“ von LastWeekTonight
Musik: „Cristobal Colon“ von Marta Mattoti / CC BY-SA 3.0



Vorgestern war in den USA mal wieder „Columbus Day“. Das ist mittlerweile so ein halber Feiertag. In mehr als der Hälfte der amerikanischen Staaten haben an diesem Tag die Post und die Schulen zu. Warum das so ist, weiß keiner mehr so genau.

Aber das Andenken an diesen großen Entdecker liegt ja auch etwas im Argen. Das liegt nicht einmal an der „Entdeckung Amerikas“ – eines Kontinents, auf dem bereits Millionen Menschen lebten, sondern daran, was nach diesem Datum dann so passiert ist.

Den Anfang der Geschichte kennt man ja. Kolumbus fuhr nach eigenen Aussagen schon zur See, seitdem er 14 Jahre alt war. In irgendeinem der unübersichtlichen Konflikte der Mittelmeermächte damals war er theoretisch in militärischem Dienst unterwegs. Praktisch gesehen hat als sanktionierter Pirat. Oder Korsar, wie man sagt.

Dass unser Planet eher die Form einer Kugel hat, als die einer Pizza, das war damals nicht wirklich neu. Das war den meisten Menschen mit einer gewissen Bildung klar. Uneins war man ob der Größe dieser Kugel. Und damals war eine Theorie sehr populär, die unseren Erdball glatt um ein Fünftel kleiner machte als bisher gedacht.

Die Portugiesen suchten bereits länger einen Weg nach Indien. Der Plan war sich mit dem Handel mit Gewürzen, Farben und Stoffen aus Westindien eine goldene Nase zu verdienen. Das portugiesische Konzept war dabei, Afrika zu umsegeln, um nach Westindien zu gelangen.

Weswegen einige schlaue Menschen auf einen Alternativplan kamen: Einfach nach Westen zu fahren, dann müsste man ja früher oder später im Osten Indiens ankommen. Und bei der Idee mit der kleinen Kugel wäre das sogar schneller.

Kolumbus tingelte dann durch die Höfe Europas mit dem Angebot, er könne als erfahrener Navigator diese Expedition leiten. Und würde unermessliche Schätze mit nach Hause bringen. Eine Idee, die den Spaniern besonders gut gefiel, denn diese Portugiesen mit ihrer großen Klappe, die nervten schon tierisch.

Drei kleine Schiffe brechen also auf, Ostindien zu besuchen. Die Reise dauert erheblich länger als erwartet, denn die Erde ist halt doch größer als erwartet. Aber nach gut 10 Wochen entdeckt Kolumbus dann die Bahamas. Oder eine kleine Insel davon, die er San Salvador nennt. Das da schon Menschen wohnen, könnte bedeuten, dass wohl schon jemand vorher die Insel entdeckt hat, möchte man meinen. Aber das sind ja nur Wilde. Die haben sich wahrscheinlich nur verlaufen.

Dann entdeckt Kolumbus noch Kuba. Und Hispaniola. Und weil dabei das größte der drei Schiffe auf Grund lief, die Santa Maria, gründete man hier mit dem dabei entstandenen Baumaterial die erste spanische Siedlung in Westindien, nämlich „Weihnachten“, so der Name.

Kolumbus ist damit nicht nur Admiral, sondern auch Gouverneur und Vizekönig von Westindien. So war’s mit den spanischen Regenten ausgehandelt. Der erste Kontakt mit den Vormietern läuft ganz o.k. ab, aber dem Kennerblick fällt der prächtige Goldschmuck ins Auge.
Das, ja, das hätte es reichlich, so die Auskunft der Taheeni.

Schnappt sich der Kolumbus also ein Schiff und kehrt mit den guten Nachrichten zurück. 39 Mann lässt er zurück, um die neue Kolonie aufzubauen. Chilli, Baumwolle, Tabak, Papageien und entführte Ureinwohner beeindruckten Ferdinand und Isabella, das spanische Königspaar durchaus, aber die Menge an Gold war… underwhelming. Also gaben sie dem Entdecker 17 Schiffe, deren Laderäume dann aber so richtig… mit Gold und so… wir verstehen uns…

Zurück in Weihnachten waren alle Spanier tot. Ein Nachbarstamm war vorbeigeschneit und hatte die Kolonie erst einmal flach gemacht. Und dieser böse Stamm, der sollte auch viel Gold haben, so die Auskunft der Nachbarn. Also trat mit diesem neuen Gesprächspartner in Verhandlungen. Das löste Kolumbus, indem er drei hochrangige Mitglieder des neuen Stamms öffentlich köpfen ließ und einem weiteren die Ohren abtrennen. Um die Verhandlungsposition zu verdeutlichen.

Das drückte etwas auf die Stimmung. Wie auch die Tatsache, dass die Minen vor Ort alles andere als ergiebig waren. Aber irgendetwas musste der Gouverneur machen, Reichtümer hatte er ja versprochen. Weswegen er sich den Sklavenhandelt ausdachte: 500 Eingeborenen werden – zack – versklavt, getauft und dann nach Spanien geschickt. Was immerhin 300 eine Zeit lang überlebten.

Der Rest der Urbevölkerung musste nun Gold ranschaffen. Wer nicht genug Gold herankarrte, wurde empfindlich gestraft. So wie Ohren abschneiden, Hände abhacken oder zu Tode peitschen. Wer sein Soll erfüllte, musste eine Bronzemünze um den Hals tragen. Damit er nicht ganz so schnell totgeschlagen würde. Für die Eingeborenen natürlich ein Zeichen der Schande.

Nachdem niemand mehr Zeit hatte, sich um die Felder oder die Jagd zu kümmern, brach eine Hungersnot aus. Trotzdem: Alle mussten weiter nach Gold graben. In den ersten drei Jahren starben 50.000 der ursprünglich 300.000 Bewohner an Gewalt oder Hunger. Weitere 50.000 brachten sich aus Scham um.

Während Kolumbus in Spanien nach weiterer Unterstützung suchte, kümmerte sich Bartolomeo, sein Bruder und Vizegouverneur um die Kolonie. Und der war noch ein Ticken brutaler und fieser. Als Kolumbus zurück kommt, schaut’s schlecht aus für die Kolonie. Denn auch die Hälfte der Spanier hatte begonnen, gegen die Terror-Diktatur der beiden Brüder zu rebellieren.

In Spanien berichteten derweil die Rückkehrer aus Ostindien von den Grausamkeiten und der Unfähigkeit Kolumbus’, weswegen die Herrscher einen neuen Gouverneur einsetzten und Kolumbus aller Ämter enthoben.

Anders ausgedrückt: Kolumbus mag ein Kind seiner Zeit gewesen sein, dem ausgehenden Spätmittelalter oder der beginnenden Renaissance. Und Grausamkeiten gegen wilde Heiden da entschuldbarer gewesen sein. Aber Kolumbus war bereits damals seinen eigenen Landsleuten zu brutal. Und zwar sowohl im Umgang mit den Spaniern als auch im Umgang mit den Eingeborenen.

Außerdem hatte Vasco da Gama den Weg nach Westindien gefunden. Und die Portugiesen verdienten sich die prophezeite goldene Nase. Während aus Hispaniola nur wenig Gold kam und nur Sklaven, die in Europa nicht lange lebten.

50 Jahre nach Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus lebten auf Hispaniola von 300.000 „Indianern“ noch 300. Kolumbus selbst hat also den Pfad abgesteckt, den wir Europäer in Amerika beschreiten würden. Sklavenhandel und Genozid. Für Gold.

Dass er nicht Ostindien, sondern einen neuen Kontinent entdeckt hat, dass hat der alte, gebrochene Mann nie zugegeben. Weswegen der Kontinent jetzt auch nach Amerigo Vespucci „Amerika“ heißt und nicht nach ihm „Christophia“. Auch gut so.

Gedenken wir also nicht mehr einem habgierigen, brutalen und grausamen Conquistador.
Wir sollten uns eher dafür entschuldigen, dass Kolumbus auf den Bahamas landete.

Especially to the Indians. Who are not from India in any way and never were.

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