Zu uns in die Grundschule sind noch der heilige St. Nikolaus und der Krampus gekommen. Erstens, weil die Grundschule in Bayern stand und zweitens, weil das schon lange her ist. Denn mittlerweile sind die beiden fast arbeitslos. Wir begleiten sie bei einem ihrer letzten Auftritte bei der Familie Obermüller.


Download der Episode hier.
Opener: „Christoph Waltz Explains Krampus“ von The Tonight Show Starring Jimmy Fallon
Closer: „Ho ho ho (I Know You Don’t Believe In Me)” von Nate Butler
Musik: „Santa Claus is Coming To Town by the United States Air Force Academy Band“ / Public Domain Mark 1.0



Zwei seltsam aus der Zeit gefallene Gestalten wandern durch die Winternacht. Es herrscht das klassische Weihnachtswetter. 15 Grad und Nieselregen. Sie wandern auf das Reihenmittelhaus einer Kleinfamilie in einem Vorort einer großen Stadt zu.

Es sind St. Nikolaus und Krampus. Nikolaus trägt einen fast leeren Jutesack auf dem Rücken. Schweißflecken zeichnen sich auf seiner Bischofsmütze ab. Der Krampus trägt eine Weidenrute und einen Regenschirm.

(Regengeräusche)

K: Du? Nikki?
N: Ja, was gibt’s, Krampi?
K: Du? Ich hätte da einen Vorschlag…
N: Ich höre.
K: Wollen wir’s heute ‘mal umgekehrt machen?
N: Wie meinst Du das?
K: Na, ich verteile Schokolade, Äpfel und Orangen und Du haust die Kinder?
N: Das geht natürlich nicht.
K: (weinerlich) Waruhuhum?
N: Marketing. Ich bin ein Bischof und Du so eine Art Teufel oder Dämon.
K: Ach, Bischöfe misshandeln also keine Kinder?
N: Ach, Teufel verteilen Obst und Schokolade?
K: Na ja, Schokolade macht immerhin Karies…
N: Abgesehen davon bringt das die Kinder doch total durcheinander.

(Pause)
K: Aber ich hasse es, Kinder zu hauen. Das ist irgendwie so… unzeitgemäß!
N: Na, dann steckst Du sie einfach alle in den Sack! Das macht eh’ mehr Angst!

(Pause)
K: Ich hasse es auch, Kinder in den Sack zu stecken. Das ist ja wie Folter!
N: Oh, Mann! Krampus, das Weichei!
K: In Wirklichkeit mag ich Kinder!
N: Echt?
K: Die sind so unschuldig!
N: Das glaubst Du immer noch? Nach all’ den Jahren?
K: Ja! Ich würde lieber die Eltern hauen!
N: Jetzt reichts! Keine Diskussion mehr! Es glauben eh’ kaum noch Kinder an uns, die Arbeit wird von Jahr zu Jahr weniger! Du kannst Dich freuen, wenn Du überhaupt noch jemanden hauen kannst! So! Jetzatle. Wir sind da! Es bleibt alles, wie es war! Basta!

Die beiden klingeln an der Haustür. Der Vater öffnet die Tür.
V: (übertrieben) Ja, wer ist denn das, zu so später Uhrzeit?
N: (genervt) Ich bin der heilige St. Nikolaus. Ich wollte sehen, ob die kleine Laura auch brav war?
K: (brüllt)

V: (flüstert) Unsere Tochter heißt Evelyn!
N: Oh! Echt? Bin ich hier bei Neumanns?
V: Nein, wir sind die Obermüllers!
N: Das tut mir schrecklich leid! Moment…
K: (brüllt)

V: Dann komm’ doch rein, lieber Nikolaus! Mal schauen, ob die Evelyn auch brav war!
Evelyn: Ach du lieber Nikolaus,
komm doch einmal in mein Haus!
Hab so lange an dich gedacht!
Hast mir auch was mitgebracht?
N: Äh, schon aufgesagt! Bisschen kurz für meinen Geschmack, aber immerhin. Ja, dann schauen wir ‘mal, ob wir ‘was für Dich haben. Krampus, überprüfe mal die Liste. Sie, Herr Obermüller, haben Sie vielleicht ein Schnäpschen? Draußen ist es bitterkalt…
V: Was? Es hat 15 Grad!
N: Okay, aber es ist nass, DAS müssen Sie zugeben!
V: Moment, gleich. Ich gönne mir auch einen!

Vater, Mutter und Nikolaus gönnen sich einen. Und dann noch einen.

K: Die kleine Evelyn bekommt nur eine Tracht Prügel, denn sie war gar nicht brav!
M: Was? Wieso das denn?
K: Hier steht, dass sie den zweiten Weltkrieg angefangen hat!

Es wird sehr still im Hause Obermüller. Ein Tropfen Schnaps rinnt an der Flasche herunter. Man kann das hören…

M: Wie bitte? So ein Unsinn! Meine Tochter ist eine brave Schülerin und friedfertig auch noch! Die würde nie einen Krieg anfangen! Das wäre mir komplett neu!
K: Was in meinen Unterlagen steht, stimmt immer!
M: Evelyn, hast Du etwa heimlich den zweiten Weltkrieg angefangen?
E: Nein! Abgesehen davon ist der schon seit 1945 vorbei.
N: Aha! Und woher weißt Du das, wenn Du nichts damit zu tun hattest?
K: Meine Unterlagen stimmen immer!
E: Das weiß ich von Google. Und ich bin doch erst sieben! Ich bin erst1998 geboren! 53 Jahre nach Ende der zweiten Weltkriegs!
M: Und sie ist auch echt gut in Mathe – sehen Sie?
N: Ja, das ist echt verwirrend. Dann schreiben wir einfach statt „Zweiter Weltkrieg angefangen“ nur „Polen überfallen“, ok?
M: Das kommt überhaupt nicht in Frage!
N: Antisemitische Hetzschriften verbreitet?
M: Auf keinen Fall!
N: O.k., dann einigen wir uns auch „Ist jähzornig und hat fiesen Mundgeruch!“ Mein letztes Angebot!
M: Aber das stimmt doch auch nicht!
K: Hey, Boss!
N: Was gibt’s?
K: Die Mutter hat recht. Das waren die Listen aus einem vergangenen Leben.
N: Oops! Das passiert seit dem Update auf Windows 10 dauernd, das ist ärgerlich!
M: Wie bitte? Soll das heißen, mein Kind ist die Wiedergeburt von Adolf Hitler?
N: (beschwichtigend) Nein, nein, nein! Machen Sie sich nur keine Gedanken! Kann ich noch ein Schnäpschen haben? Auf den Schreck?

Vater, Mutter und Nikolaus gönnen sich einen. Und dann noch einen.

N: (angeheitert) So, kleine Evelyn. Weilst Du so brav gewesen sein tust, hat der Nikolaus hier ‘was für Dich in seinem Sack.
E: Ein Buch. Danke, lieber Nikolaus! „Wie man sicher jede Frau rumkriegt. Flirt-Tipps für Profis“ Was soll ich denn damit?
N: O.k., dann gib her. Dann ist das da Dein Geschenk.
V: Könnte ich vielleicht… das Buch
N & M: Das kommt überhaupt nicht in Frage!

N: So, hier, dann nimm’ das, liebe Laura!
V & M & E: (genervt) Evelyn!
E: Was soll ich denn damit? Ein Rasier-Apparat?
N: Das wirst Du schon noch brauchen, warte nur ein paar Jährchen. Und hier haste noch einen Apfel und eine Walnuss! Könnte ich vielleicht noch einen…

V & M & E: Nein!
K: Und ich vielleicht?
V & M & E: Raus!

(Eine Tür knallt. Es regnet immer noch.)

K: Wieder einen Kunden weniger…
N: Ach ja. Scheiß drauf. Ich frag’ mich echt, wem ich bloß die blöde Barbiepuppe gegeben habe…
K: Ich glaub, ich kündige…
N: Weißt Du ‘was? Das ist Deine erste richtig gute Idee! Das mach’ ich auch! Soll doch der bescheuerte Weihnachtsmann die ganze Arbeit machen…
K: Ho ho ho!

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