Expl0502: Märchenzeit

Eigentlich ist es humoristisch schon fast zu einfach, sich über Märchen lustig zu machen. Aber, obwohl ich als kleines Kind meine Märchenplatten geliebt habe, konnte ich ‘mal wieder nicht anders. Hier also das Märchen von Roselindela und Ferdinand. Hörspiel.


Download der Episode hier.
Intro & Outro: “Buddy” – Composed and performed by Bensound / CC BY-NC-SA 3.0
Beitragsbild: By Dobre Cezar (Own work) [CC BY-SA 3.0 ro], via Wikimedia Commons
Musik: „Street Signs and White Lies“ von Madelyniris / CC BY 3.0


[toggle title=”Skript zur Sendung”]
Hallihallo, liebe Kinder und ‘mal wieder willkommen zu Onkel Explikators Märchenstunde. Heute mit einem Märchen über die Liebe.

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da gab es ein kleines Königreich. Hier schien immer die Sonne, außer in der Nacht. Und hier herrschte immer das herrlichste Wetter, außer es pisste in Strömen.

In diesem Land war jeder Mensch glücklich, außer es ging ihm richtig scheiße. Die Bäcker buken das beste Brot, die Konditoren kredenzten den köstlichsten Kuchen und die Metzgermeister schlachteten und zerlegten nur die allerliebsten Kälber und Lämmer.

Niemand litt in diesem Lande Not, keiner musste darben. Denn König Reginald I. regierte über seine Untertanen weise und gerecht. Weswegen das Volk ihn auch Reginald, den Blutigen nannte.

Und es begab sich nun, dass der König nur ein einziges Kind sein eigen nannte. Eine gar anmutige junge Frau, der die Fee Parsippa nicht nur einen magischen Segen mit auf den Weg gegeben hatte, sondern auch den Namen Rosalindela.

Prinzessin Rosalindela verbrachte eine glückliche Kindheit in den weiten Gefilden des herrlichen Schlossparks. So groß und prächtig war das Gelände, dass man kaum durch die schwer bewaffneten Wachposten, den Stacheldraht und die Tellerminen von seiner Herrlichkeit abgelenkt wurde.

Ach, und wie liebte König Reginald seine blondgelockte Tochter! Prinzessin Rosalindela musste gar zweimal die Volljährigkeit erreichen, bevor er ihr in seiner unendlichen Güte gestattete, auch durch die Wälder und Weiden außerhalb des herrlichen Schlossparks zu tollen. Kaum sechs Wochen nach diesem Disput mit seiner anmutigen Tochter konnte er auch wider köstliche Kuchen zu sich nehmen und das königliche Hospital verlassen.

Und so sehen wir die fröhliche Prinzessin jauchzend durch die Wälder tanzen. Obwohl sie auf ihr viertes Lebensjahrzehnt zuschritt, konnte sie sich noch an den Spielen ihrer Kindheit erfreuen. Ihr Lieblings-Spielzeug war ein güldener Ball, der immer so herrlich in der Sonne glitzerte. Den warf sie immer wieder lachend hoch in die Lüfte und fing ihn doch immer wieder sicher in ihren Armen. Und da Gold eine relative Dichte von 19,32 g/cm3 hat, besaß Prinzessin Rosalindela auch die mächtigsten Oberarme im ganzen Königreich.

So begab es sich, dass die Prinzessin an einen wundersamen Brunnen kam, der mitten im Wald stand. Und als sie sich zögerlich dem seltsamen Bauwerk näherte, wurde sie eines putzigen kleinen Tieres gewahr, dass am Brunnenrande saß und sich sonnte.

„Was für ein putziges kleines Tier“, dachte sich da die holde Prinzessin und schlich sich näher. Da ergriff sie ein seltsames Gefühl. Obwohl es sich bei diesem Gesellen nur um einen kleinen Teichfrosch handelte, so war ihr doch, als würde sie dies Wesen kennen.

Der Frosch wiederum, als er der Prinzessin gewahr wurde, riss seine kleinen Froschäuglein weit auf und stürzte sich – hopplahopp, Du hast es nicht gesehen – in den Brunnen und damit in seinen sicheren Tod.

„Welch gar seltsames und ungewöhnliches Verhalten“, dachte die Thronfolgerin bei sich. Doch schon im nächsten Moment fiel ihr Blick auf ihre güldene Kugel und sie setzte ihr heiteres Spiel ungetrübt fort.

Doch genau an diesem herrlichen Sommertage wollte es ein gnädiges Schicksal, dass Prinz Ferdinand von HauenStechenNiederHochHausen auf seinem prächtigen Schimmel durch den königlichen Wald trabte.

In dem Moment als er der lieblichen Gestalt der Prinzessin gewahr wurde, die da so anmutig und verträumt vor sich hin spielte wie ein unschuldiges Kind, da ward er wie vom Blitz gerührt. Ohne einen Moment auch nur einen Gedanken zu verschwenden sprang er, von wildem Begehren ergriffen, von seinem treuen Pferd.

Dieses ward ob dieser Tat hoch erfreut. Hatte doch der leicht adipöse Prinz besonders heute gar schmerzhaft auf seinem Rücken gelastet. Und der Wallach hatte ja eh’ schon Probleme mit dem Ischias. So tänzelte er mit einem Lächeln auf seinem Pferdemaul in leichtem Galopp aus dieser Geschichte und ward nie mehr gesehen.

Der Prinz aber näherte sich nun eleganten Schritts der Prinzessin. Diese war auch seiner mit leichtem Erschauern gewahr geworden. Kaum war er ihr auf zwei Schritt nahe, da fiel der Königssohn vor ihr auf die Knie. Denn er war über seinen Degen gestolpert.

„Oh, Du holdes Geschöpf, Du Krönung der göttlichen Schöpfung, Du, die selbst die Anmut einer Feenkönigin in den Schatten stellst und den Bizeps von Arnold Schwarzenegger! Ich bin der Prinz von HauenStechenNiederHochHausen. Du hast Dich unauslöschlich tief in mein Herz gebrannt. Du bist es, die schon seit den Tagen, als ich noch schlank war, nächtens in meinen Träumen erscheint. Ich kann nicht anders, ich muss Dich fragen: Willst Du mein Weib werden? Mein Schicksal mit mir teilen? Meinen Thron und mein Hab und Gut? Meinen Dildo aus purem Sterling-Silber?“

„Gemach, junger Prinz, gemach! Erlaube er mir einen Moment der Besinnung!“ antwortete die liebliche Prinzessin und kehrte dem erwartungsschwangeren Freier den Rücken zu. Doch sogleich ward auch ihr Herz von Liebe erfüllt. Denn das königliche Haus derer von HauenStechenNiederHochHausen war in hohem Maße kreditwürdig, wie ihr die Creditreform-App auf ihrem Smartphone verriet.

„Ja, mein königlicher Adonis! Auch mein Herz ist Dir zugetan in den zärtlichsten Gefühlen, die mein Herz je fühlte. Lass’ uns sofort aufbrechen und den Segen meines gütigen Vaters für unser heiliges Bündnis einholen!“ hauchte da Prinzessin Rosalindela. Und ergänzte: „Wie war noch einmal Dein Vorname?“

Doch König Reginald wollte sein zärtliches Butterblümchen, die einzige Frucht seines Schoßes nur gar zu ungern gehen lassen. Gram und Angst erschütterten die Seele des Herrschers, als das junge Paar vor ihn trat. Alleine die Auskunft von Creditreform auf dem Handy seiner Tochter konnte sein hartes Herz erweichen.

„Nun denn, tapferer Prinz! Gerne will ich Dir meine Rosalindela zum Weibe geben. Aber zuerst musst Du erweisen, dass Du ihrer auch würdig bist! Breche nun auf! Durchquere den Finsterwald, aus dem noch nie ein Mensch zurück gekommen ist, überquere den Ozean, dessen Ende noch kein Seefahrer erkundet hat und bringe mir den Kopf des sagenhaften Drachen Chrstr… Schrusskr… Krkrakr… des sagenhaften Drachen, dessen Namen niemand aussprechen kann!“

„Gerne will ich das für Dich tun, oh weiser Herrscher Reginald! Doch ist es mir nicht möglich. Denn zum einen hat mich Gott gestraft mit einer Fichtenallergie und zum anderen mit der grausamsten Form der Seekrankheit. Schon der Wellenschlag in einem Pokal gefüllt mit reinstem Wasser erregt in mir Übelkeit, derer ich nicht habhaft werden kann. Gibt’s noch einen anderen Job?“

„Wohlan, lasse er mich überlegen. Gut. So sei es. Bringe er mir den reinsten Wein, der in meinem Reiche seine Veredelung erfährt und das wohlschmeckendste Brot, das die fleißigen Bäcker in meinem Reiche nur zu fertigen wissen und die Hand meiner Tochter ist Dir gewiss!“

„Och nö. Jetzt komm’! Wie wäre es mit einem Sixpack und einer Tüte Chips von der Tanke?“

„So sei es, tapferer Ferdinand von HauenStechenNiederHochHausen! Schreite er von hinnen und vollbringe er seine tapfere Tat!“

Noch in derselben Nacht wurde eilends der fromme Pfarrer geweckt, um das glückliche Paar zu vermählen. In der herrlich ausgemalten Hofkapelle ward der gesamte, schläfrige Adel des kleinen Königreichs versammelt, um Zeuge zu werden, wie die liebliche Prinzessin und der leicht angeheiterte Prinz Mann und Frau werden sollten.

Nachdem der wackere Geistliche eine Predigt gehalten hatte, die jedem Anwesenden Tränen in die Augn getrieben hatte, so sehr hatten alle Gähnen müssen, und nachdem die heiligen Fragen gestellt waren, beschloss der Mann Gottes seinen Vortrag mit der Aufforderung, dass das königliche Paar ich küssen möge.

Beherzt schloss nun Prinzessin Rosalindela ihren Ferdinand in ihre muskulösen Oberarme und drückte ihm zärtlich ihre Lippen, die wie Rosenknospen im Tau funkelten, auf die seinen.

Worauf sich Prinz Ferdinand schlagartig in einen Teichfrosch verwandelte. Es wurde nun sehr still in der Kapelle. Die Beffchen des Pfarrers rollten sich vor Schreck auf – man konnte das hören.

„Verdammte Scheisse! Immer die gleiche Kacke! Auf Männer ist einfach kein Verlass!“ entfuhr es da der holden Prinzessin. „Wenn Du unbedingt willst, dass ich Dir einen Thronfolger aus dem Bauch presse, dann gewöhn’ Dich endlich an den Gedanken, dass Du da eine Samenbank für zahlen musst, alter Geizkragen! Kannste Dich bei Deiner blöden Cousine Parsippa für bedanken! Ich bin dann ‘mal raus aus diesem affigen Spiel!“

Sprach’s, liess das Mikrofon fallen, verließ die Kapelle, und spielte fürderhin ungestört mit ihrem güldenen Ball.

Und wenn sie nicht gestorben ist, dann ist sie heute noch ohne Kinder und Single und springt immer noch jauchzend durch die königlichen Wälder. Ist ja auch voll in Ordnung.
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