Expl0509: Leben nach dem Tod

Ich erwähne manchmal, dass ich religiös bin. Weswegen ich die Frage der Fragen beantworten muss: Glaubst Du, dass es ein Leben nach dem Tod gibt? Davor drücke ich mich immer gerne, weil die Antwort wahrscheinlich unbefriedigend ist. Aber heute muss ich ein Versprechen einlösen und darüber reden. Sorry!


Download der Episode hier.
Hafenmusik: “Hamburger Veermaster” von der Niendeicher Sing und Spielgemeinschaft
Musik: „Do You Still Dream (2016)“ von Explosive Ear Candy / CC BY-NC-ND 3.0


[toggle title=”Skript zur Sendung”]
Hallihallo!

Jetzt muss es wohl ‘mal geschehen. Und es ist mir eher unangenehm. Ich erwähne in meinen Sendungen ab und zu, dass ich „religiös“ bin. Und an den Reaktionen sehe ich, dass viele meiner Hörer das nicht sind. So weit alles gut. Jeder darf ja, wie er mag…

Wenn ich das aber erwähne, bekomme ich mehr Feedback als bei anderen Sendungen. Und seit fast zwei Jahren taucht immer wieder die Frage auf: „Glaubst Du dann auch an ein Leben nach dem Tod?“ Und aus guten Gründen habe ich mich um die Antwort immer gedrückt. Meine Reaktion war immer: „Dazu mache ich ‘mal eine Sendung, o.k.?“ Geschickt, oder?

Tja, und irgendwann muss man Worten auch Taten folgen lassen. Der Hauptgrund für mein Zögern ist dabei gar nicht, dass ich Angst hätte, mit meiner Antwort jemanden zu verschrecken oder zu verärgern. Denn so Dinge wie Glauben sind ja eher privater Natur, da sollte jeder seine eigene Art haben, damit umzugehen.

Es ist eher so, dass ich solche Themen nicht gerne behandele, gerade WEIL sie privater Natur sind. Und ich bin auchich in keinster Weise berufen oder kompetent, hier irgendwelche Weisheiten ins Mikrofon abzusondern. Alles, was nun folgt, ist nur meine eigene, kleine Sichtweise auf solche Fragen. O.k.? Nichts Besonderes hier zu hören! Wird euch eh’ enttäuschen…

O.k. Na dann. Meine erste Beobachtung zu dieser Frage ist, dass ich sie eben hauptsächlich von Menschen gestellt bekomme, die ich eher als nicht-religiös, atheistisch oder agnostisch einschätzen würde. Ich habe viele religiöse Menschen kennengelernt und mit vielen geredet. In vielen Geschmacksrichtungen. Für die allermeisten ist die Frage nach einem Leben nach dem Tod eine mit sehr geringer Priorität.

Das gilt für gläubige Christen, Juden, Buddhisten und Muslime. In den meisten Religionen gibt es da schon Vorstellungen, aber den meisten Gläubigen ist das nicht so wichtig.

Die zweite Beobachtung ist, dass viele Menschen wohl der Meinung sind, Wissenschaft und Religion seien zwei Pole. Zwei Standpunkte, die sich ausschließen. Entweder das eine oder das andere – man muss sich entscheiden.

Das sehe ich nicht so. Eines meiner fünf Themen ist ja eben Wissenschaft, weil das ähnlich wie Geschichte, Filme oder Hörspiele (die man witzig finden kann oder auch nicht) eine Leidenschaft von mir ist.

Manche eher religiöse Menschen denken, die Wissenschaft hätte auf jede Frage schon eine Antwort, die Welt sei praktisch zu Ende erklärt. Bleiben nur die sogenannten „letzten Dinge.“ Beschäftigt man sich näher mit unserem Wissensstand über die Welt, gewinnt man eher einen gegenteiligen Eindruck. Viele Dinge wissen wir noch nicht, wir stehen am Anfang.

Grob geschnitzt ist die wissenschaftliche Methode ungefähr: Beobachtung, Experiment, Daten sammeln, Daten auswerten, Hypothesen formulieren und: Theorien entwickeln. Und gerade beim letzten Punkt gilt jede Theorie genau so lange, bis sie falsifiziert ist. Bis wir wissen, dass die Datenlage mit einer anderen Theorie besser zu erklären ist.

Also gilt für die Wissenschaft: Es gibt kein Leben nach dem Tod. Denn es gibt ja keine Beobachtung. Es laufen keine ehemaligen Toten durch die Straßen, The Walking Dead ist nur Fantasy – muss man manchmal dazu sagen… Experimente zu diesem Thema kann man ja auch schlecht machen, Versuchspersonen dürften ausgesprochen schwer zu überzeugen sein.

Für die Wissenschaft – und für mich – ist diese Frage ungefähr von dem Format wie: „Und was, wenn man nun doch durch 0 teilen könnte?“ Eine Frage, die man nur mit einem herzhaften „Häh?“ beantworten kann.

Auf der anderen Seite ist es tatsächlich so, dass wir viele Dinge nicht wissen. Zum Beispiel, was Energie eigentlich so genau ist, wo sie herkommt und warum sie nicht weggeht. Oder eben, was „Leben“ so genau ist. Unsere Definition bis jetzt ist da eher so eine Art Checkliste von Eigenschaften als eine gültige Erklärung. Die Grenze zwischen Leben und Nicht-Leben ist sehr unscharf, die müssen wir dauernd unseren Erkenntnissen anpassen.

Und: Nein, das ist kein Schlupfloch. Keine Hintertür, um euch doch noch von der Richtigkeit religiöser Vorstellungen zu überzeugen. Ich habe einfach Zweifel an unserer gängigen Definition, wo Leben beginnt oder aufhört. Wo Empfindungsfähigkeit anfängt oder aufhört. Wo Bewusstsein anfängt oder aufhört. Oder eben auch: Wann ist man tot? Wann beginnt man zu sterben?

Die Frage nach einem Leben nach dem Tod wird aber wohl von Menschen gestellt werden, die sich da sicherer sind als ich. Und meistens schwingt da ein Hintergedanke mit. Denn für Viele sind Religionen einfach Systeme, die Menschen geschaffen haben, um sich über den Tod hinweg zu trösten. Während Nicht-Religiöse dem Sensenmann tapfer in die Augen blicken, wissend, dass mit dem letzten Schnauferl der Ofen aus ist.

Es ist richtig, in den meisten Religionen gibt es die Vorstellung, dass nach dem Totenschein noch nicht Schluss ist. Aber, ganz ehrlich, nach vielen Jahren Plackerei mit Religionen: Trost bietet keine dieser Projektionen. Das ist eine grundlegender Irrtum, glaube ich.

Da wäre zum Beispiel das Jüngste Gericht. Gott beendet sein Experiment. Alle aufstellen, durchzählen! Dann wählt er die Streber aus, um ewig zu leben, den Rest der Menschheit lässt er von seinem Vize in der Hölle grillen. Verzichte.

Ewiges Leben alleine klingt schon schrecklich. Wenn man unendlich lebt und gerne Filme kuckt, dann sieht man jeden Film unendlich oft. Der Horror!

Wenn ich in Fleisch und Blut als Person Oliver mit meinem Bewusstsein ewig weiterleben muss: Vielen Dank! Wo ist der Ausgang, ich bin dann nämlich mal raus! Ich kenne ja meine Schwächen und Fehler so ungefähr, die halte ich nicht ewig aus. Und werden die mir dann durch göttliche Gnade genommen, dann bin ich nicht mehr ich. Nein, wenn ich nach dem Tod von Petrus oder Lucifer als Person Oliver begrüßt würde, dann wäre ich echt von dem Konzept tief enttäuscht.

Oder Reinkarnation! Immer wieder geboren werden, ohne davon zu wissen! Was für eine Mogelpackung! Statt 80 Jahre muss ich dann 8000 Jahre ableisten. Oder 80.000? Und ändert das etwas am Sinn? Stellt sich nicht die Sinnfrage nach 80 Jahren genauso wie nach 8000? Nee, da werde ich auch nicht unterschreiben.

Was hätten wir noch? Nirwana? Wörtlich zu übersetzen mit Verwehen. Also mit Erlöschen, Aufhören. Aus. Äpfel. Amen. Schon gut, ich weiß schon, so ist das nicht gemeint. Aber immerhin: Nie mehr wiedergeboren werden. Das Rad des Lebens verlassen. Kein Wunder, dass die ganzen Boddhisattvas das keine richtig tolle Idee fanden und das verweigert haben.

Die Religion bietet auch keine Antwort auf die Frage nach dem Leben nach dem Tod. Darum halten schlaue religiöse Menschen – ich also nicht – darüber lieber den Mund. Es hat sich im Laufe der Geschichte herausgestellt, dass Religionen, denen das Leben NACH dem Tod wichtiger war als das Leben VOR dem Tod, diese Ideen früher oder später missbrauchen. Jedes Glaubenssystem, dass nicht vor dem Tod Sinn macht, ist gefährlich.

O.k. also Butter bei die Fische: Glaube ich jetzt an ein Leben nach dem Tod? Oder ‚was? Drückt sich hier herum, der Herr Explikator. Ehrlich gesagt: Mir ist das völlig wurst. Ich finde die Frage ist einfach falsch gestellt. Ich könnte die erst beantworten, wenn ich genau wüsste, was Leben ist und was Tod. Aber davon habe ich persönlich nicht den blassesten Schimmer! So lange halte ich es mit der Wissenschaft. Es gibt hier keine Indizien für ein Leben nach dem Tod.

Aber ich denke nicht, dass mit dem Tod „alles“ vorbei ist. Und wenn nur die Biosphäre der Erde meine Atome anders verbaut! Die ist da nämlich sehr sparsam mit. Würde mir auch schon reichen. Passt.

Und der Rest an Vorstellungen? Mei. Schau mer mol. Dann semma scho. Der Tod kommt sicher. So lange verschwende ich daran keine weitere Hirnzelle – das ist für mich geistige Energieverschwendung. Eine rein akademische Frage. Nicht einmal darüber zu diskutieren macht Spaß.

War das eine gute Antwort?
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