Expl0540: Tim Burton

Als Tim Burtons „Batman“ in die Kinos kam, entdeckte man nicht nur Superhelden als Genre für Erwachsene, sondern auch die Macht des Marketing. Trotz dieses Erfolgs hat sich Burton einen ganz eigenen Stil bewahrt. Zur Premiere von “Die Insel der besonderen Kinder” hier meine Rangliste (fast) aller Tim-Burton-Filme.


Download der Episode hier.
Beitragsbild: By Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20299046
Opener & Closer: “Tim Burton’s Secret Formula” von CollegeHumor
Musik: “Spooks (2011)” von The Wind Whistles / CC BY-NC 3.0


[toggle title=”Skript zur Sendung”]
Wahrscheinlich… weil ich als Illustrator ausgebildet bin, mag ich Bilderbücher. Die sind ja leider meistens für Kinder, Erwachsene müssen da meistens auf so ‘was wie ‘graphic novels’ zurück greifen. Es gibt da aber einen sehr interessanten Zwitter. Ein Bilderbuch, das auf uralten Photos basiert. Schwarzweißbilder, gefunden auf Flohmärkten, die geschickt zu einer Geschichte verwebt sind. Sehr interessant, sehr spannend, ein bisschen gruselig. Dieses Buch heißt im Original: „Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children”. Frau Einsiedlers Heim für wunderliche Kinder – wäre meine Übersetzung.

Ich war nicht besonders erfreut zu hören, dass dieses Meisterwerk verfilmt werden soll. Tja. Hilft nix. Hollywood hört nicht auf mich. Morgen läuft dann bei uns also “Die Insel der besonderen Kinder” in Deutschland an. Nicht so gute Übersetzung. Aber: Sooo schlimm Angst habe ich nicht, denn der Film hat den richtigen Regisseur gefunden. Nämlich Tim Burton.

Den kann man jetzt mögen oder nicht mögen, aber im Laufe von 30 Jahren hat er wirklich einige verdammt gute Filme gemacht und auch ein paar nicht so tolle. Sogar grottige. Es gibt wenige Regisseure, von denen ich behaupten kann, ich hätte fast alle ihre Filme gesehen, aber bei Tim Burton ist das schon so. Er hat seine Handschrift bewahrt.

Darum hier meine persönliche Liste der 16 besten Filme von Tim Burton in aufsteigender Reihenfolge. Zwei Filme kommen nicht vor. Denn 18 hat er gemacht. Zum einen natürlich “Die Insel der besonderen Kinder”, weil der ja gerade erst anläuft.

Und zum anderen “Frankenweenie” von 2012, den ich auch nicht gesehen habe. Knetfiguren. Obwohl das sicher ein Herzensprojekt von Tim Burton ist. Der Vorgänger, ein Kurzfilm, hat ihn als jungem Mann vor langer Zeit seinen Job bei Disney gekostet. “Frankenweenie” ist also eine Wiedergutmachung am Schicksal gewesen. Trotzdem nicht gesehen.

Fangen wir also mit dem meiner Meinung nach schlechtestem Tim-Burton-Film aller Zeiten an. Der ist aus dem Jahr 2001 und immerhin hat der Meister da seine zweite “Muse” kennengelernt. Weil sie irgendwie wie ein Schimpanse ausschaut, so damals sein Urteil. Die Rede ist natürlich von “Planet der Affen”. Oder von Helena Bonham-Carter, mit der Burton das Sorgerecht für zwei Kinder teilt und bis vor zwei Jahren auch zusammen lebte. Der Film ist eine sehr lustlose Bastelarbeit, die ihr schlechtes Drehbuch hinter Spezialeffekten verstecken will. Merkt man aber…

Platz Nr. 15 ist “Dark Shadows” von 2012.
Eine Verfilmung einer sehr beliebten Fernsehserie aus den Sechzigern. Damals eine große Sache, welche Serie schafft schon 1200 Episoden, bitte? Bei Burton und Johnny Depp aber ist das alles zu gewollt witzig und funktioniert nicht. Ich verstehe die Absicht, aber ich habe, glaube ich, nicht einmal auch nur schmunzeln müssen. Großartige Schauspieler, die grundlos rumstehen und nichts Vernünftiges zu sagen haben. Das ist “Dark Shadows”.

Nummer 14: “Sweeny Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street.” 2007.
Geliebt von Hardcore-Tim-Burton-Fans, ich weiß. Aber ich persönlich sehe es nicht so gerne, wenn aus Rache Kehlen aufgeschnitten werden, selbst wenn es so kunstvoll ist. Und dann mag ich auch keine Musicals. Weil ich gaaanz, gaanz selten selber spontan eine Ballade trällere. Übrigens, weil eben Musical, einer von zwei Filmen, deren Musik nicht von Danny Elfman geschrieben wurde. Denn Tim Burton ist ein Familienmensch.

Die unglückliche 13: “Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche”
Ein typischer Tim-Burton, ich weiß. Irgendwie romantisch, irgendwie makaber, irgendwie gruselig. Aber ich habe ein Problem bei Stop-Motion-Filmen: Ich kann da persönlich, gefühlsmäßig, anteinehmenderweise keinerlei Beziehung herstellen! Singende Knetfiguren, die sich lieben, obwohl einer der Partner bereits tot ist? Mir — emotional — völlig egal.

Und die 12: “Sleepy Hollow” von 1999
Der Lieblilngsfilm meines Ex-Podcast-Partners Michael Labiner, der aber den Explikator nicht hört, sonst würden wir schon wieder streiten müssen. Ein Slasher-Movie mit wirklich guter Musik, der auch ungefähr eine Stunde funktioniert. Aber dann geht alles irgendwie kaputt. Irgendwann hat man auch die Ästhetik satt. Pluspunkt: Helena Bonham-Carter spielt ausnahmsweise nicht mit. Obwohl Tim Burton ein Familienmensch ist.

Nummer 11: “Charlie und die Schokoladenfabrik” von 2005. Ein sehr erfolgreicher Film, auch sehr beliebt. Aber ich bin halt ein alter Sack. Und bei allem Respekt vor Johnny Depp: Gene Wilder ist Willy Wonka und wird es immer bleiben. Da ist Burtons Lieblingshauptdarsteller für mich noch Welten entfernt. Obwohl Tim Burton ein Familienmensch ist.

Dann die 10, auch ein typisches Remake: Alice im Wunderland von 2010. Es heißt immer, das sei Burtons größter Erfolg, wegen eine Milliarde Dollares Einspielergebnis. Aber, Leute, ihr müsst den Erfolg der Inflation anpassen! Ich mag diesen Film nicht – sorry, Birgit — aber die Buchvorlage sehr! Die ist einfach nur… Verrückt! Der Film ist auch abgedreht, aber es gibt einen Unterschied: Der macht Sinn. Die Handlung macht Sinn. Das geht aber so was von gar nicht.

Neun ist “Pee Wee’s irre Abenteuer”, der erste abendfüllende Film von 1985. Schlecht gealtert, wird wohl heute keiner mehr so toll finden. Aber damals war dieser irre, schräge Stil, dieses Überdrehte noch etwas völlig Neues im Kino. Kudos! Willkommen im Kino, Herr Burton!

Darum gleich die Nummer acht. “Edward mit den Scherenhänden” von 1990. Ein Film, den ich damals sehr… verwirrend fand. Heute ist mir klar, dass es eine autobiographische Arbeit war. Von jemandem, der Nähe sucht, sie aber nicht finden kann. Wie Klein-Timmy in der High School. Darum dieser gute Platz.

Die sieben ist: “Batmans Rückkehr” von 1992
Weil ich wie jeder Comic-Fan auch ein Batman-Fan bin. Mehr dazu bei der

Nummer sechs: “Batman” von 1989
Das war damals eine RIESEN-Nummer. Das kann man nicht einmal mit der heutigen Präsenz der Superheldenfilme vergleichen. Inflationsangepasst Tim Burtons erfolgreichster Film. Und der erste Superheldenfilm im Kino, der nicht hauptsächlich für Jugendliche oder sogar Kinder gemacht war. Siehe Adam West. Somit der ehrwürdige, respektable Großvater der heutigen Comic-Book-Verfilmungen.

Auf Platz 5 ist “Big Eyes” von 2014. Der ist ein bisschen untergegangen im Kino, aber für jeden, der Christoph Walz mag, ein Muss. Aus dem seltsamen Fall der Margaret Keane wollte ich auch einmal eine Sendung machen. Denn jeder, der in den 70ern Kind war, kennt nämlich ihre Bilder. Diese traurigen Kinder mit den großen Augen. Deren Schöpferin vom eigenen Mann ausgebeutet wurde wie eine Sklavin. Was wiederum die Bilder noch trauriger und gruseliger macht. (flüstert) Trotzdem hässliche Bilder…

Platz vier ist “Beetlejuice” von 1988. Der hieß in Deutschland im Kino damals “Lottergeist Beetlejuice” und ist meine Lieblings- und Paraderolle von Michael Keaton. Das war ein neuer, sehr erfrischender Mix aus schrägem Horror und absurder Komödie. Godot meets Mephisto. Und damit auch der erste Film, der ganz deutlich das zeigt, was Burtons ganz persönliche Handschrift ist.

Platz drei ist dann “Mars Attacks” von 1996. Zugegeben: Der funktioniert nicht so in allen Aspekten. Aber er ist so eine liebevolle Hommage an die Sci-Fi-Filme der 50er, das ich ihn einfach mag. Das statistische Mittel ist einfach sehr gut. “Ack-Ack”, sagen die Marsianer und schauen genauso aus wie die grünen Männchen, die man sich einst – in meiner und Tim Burtons Jugend — so vorgestellt hat. Und dann ist da Tom Jones. Was will man mehr?

Platz zwei ist aus ganz ähnlichen Gründen “Ed Wood” von 1994. Bei dem ist es nämlich genauso, dass er eine wirklich liebevolle Hommage ist. An den vielleicht mutigsten, den selbstbewusstesten aber auch vielleicht den schlechtesten Regisseur aller Zeiten. An Ed Wood. Und das ist auch ein Johnny Depp, der auf dem Höhepunkt ist – der bringt diesen speziellen naiven Elan des erfolglosen Regisseurs ansteckend rüber. “Plan 9 from Outer Space” ist einer der unterhaltsamsten Science-Fiction-Filme aller Zeiten – gerade weil er halt so grottig schlecht ist. Und Ed Wood hatte den Mut, das zu machen.

Dann bleibt nur ein Kandidat für meinen Lieblingsfilm übrig und das muss dann… (trommelwirbel) “Big Fish” sein, von 2003. DER Tim-Burton-Film, der mich am allermeisten berührt hat. Die Surrealität, die Fantasie, aber auch diese emotionale Seite. Ja, der einzige Tim-Burton-Film, bei dem ich geheult habe. (Und ich heule verdammt schnell – ich sagen nur: “Little Stewart 2”! Hat da jemand außer mir geheult? Eben…)

Wenn ihr also noch nie einen Film von Tim Burton gesehen habt, dann empfehle ich euch die umgekehrte Reihenfolge dieser Sendung. Und wünsche euch viel Spaß! Und drückt mir die Daumen für die “Insel der besonderen Kinder”. Ich habe da ein gemischtes Gefühl…
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