Expl0550: Amadeus vs. Ludwig

Was wenige wissen: Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven waren nicht nur Rivalen, sondern auch echt gute Kumpels. Und haben sich regelmäßig gegenseitig auf den Anrufbeantworter gesprochen. Wie man heute nachhören kann.


Download der Episode hier.
Closer: „Mozart and Beethoven – Horrible Histories“ von Emilie Nutley
Musik: „Bagatelle no. 25 ”Für Elise”, WoO 59“ von Simone Renzi / CC BY-NC 3.0


[toggle title=”Skript zur Sendung”]
AB: Hier Beethoven. Ich bin nicht da. Sie können nach dem elektronischen Fanfarenton eine Nachricht hinterlassen. Ist mir doch egal. Piep.

Hallo Luigi! Ich bin’s, der Amadeus! Ich hab’ mir gestern Deine Sinfonie runtergeladen. Illegal natürlich. Meinst’, ich zahl für so einen Unsinn wie diese „Erotica“ oder wie sie heißt, auch noch in Geld. Na, auf jeden Fall gfallt mir die gar ned schlecht, muss schon sagen. Vor allem das Thema in c-Moll ab Takt 16 ungefähr is’ nett. Wo hast Du des denn dieses Mal geklaut? Weil, von mir isses ausnahmsweise ja mal nicht. Ach, ich soll Dir auch schöne Grüße ausrichten vom Stanzerl. Die lässt fragen, ob Du denn jetzt schon einmal… Du weißt schon… Mit einem Maderl das spezielle Spiel gespielt hast, meint Sie. Weil, das würden wir dann schon gerne wissen. Mach’s gut, taube Nuss, und melde Dich ‘mal wieder, wennst in der Gegend bist!

AB: Hallo! Schön, dass Du anrufst. Wie geht’s? Haha, ist nur ein Scherzerl! Ich bin gar nicht da! Das ist nur der Anrufbeantworter! Aber kannst ja trotzdem was sagen nach dem Piep. Piep.

Amadeus. Alte Saufnase. Bin erfreut, dass Du mir eine Nachricht hinterlassen hast. Hoffe sehr, es geht Dir und Deiner Leber gut. Habe selber unlängst Deine komische Oper gehört, die Zauberflöte. Trage mich seitdem mit dem Gedanken entweder völlig taub zu werden oder selber eine Oper zu schreiben. Damit die Menschheit einen Endruck davon gewinnen kann, was eine Oper eigentlich sein kann. Papagena, wenn ich mir das nur überlege. Allerdings gebe ich widerwillig zu, dass mir „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen!“ gefällt und mir irgendwie aus selbigem spricht. Deiner Gattin – oder war es Cousine? – kannst Du ausrichten, sie möge sich keine Sorgen machen um den Zustand meiner Fortpflanzungsorgane. Sie kann sich bei Interesse aber jederzeit von deren Funktionsfähigkeit überzeugen. Mit freundlichen Grüßen, Dein Ludwig van.

Ludwig, Du kleiner Stänkerer! Merk schon, Du bist mir immer noch bös’, dass ich Dich damals nicht als Schüler aufgenommen hab’, stimmt’s? Weißt, ganz ehrlich, das bereue ich mittlerweile auch sehr. Denn hätte Dich ein gütiger Lehrmeister früh unter Deine Fittiche genommen, dann hätte wirklich etwas aus Deinen Talenten werden können. Du würdest jetzt nicht Deine Vermieter mit Deinem Pianospiel terrorisieren, sondern wärst wahrscheinlich der beste Holzfäller von Bonn. Das wäre doch befriedigender, oder? Übrigens habe ich Deine Tragödie gesehen. Fidelio also, so so. Da gibt es ja diesen schönen Chor. „Oh, welche Lust“ heißt der wohl. Kann man ohne jede Änderung auf Staatsbegräbnissen spielen lassen, finde ich. So traurig ist das. Wie kommst Du auch dazu, über Themen zu schreiben, zu denen Du keine Erfahrungen vorzuweisen hast? Das ist schon ein bisserl anmaßend, oder? Aber mach’ nur weiter! Das mit dem Holzfällen solltest Du Dir auf jeden Fall aber noch einmal genau überlegen! Das wäre doch für uns alle die bessere Lösung, oder?

Ach, Wolfgang, Du Mozartkugel! Außen simple Schokolade und nach innen wird’s dann immer noch süßer. Ich freue mich ja immer, wenn meine Haushälterin mir Deine Anrufe aufschreibt. Das ist immer ein kleiner Höhepunkt und lenkt mich von meiner Arbeit ab. Meine Arbeit, die übrigens, ganz nebenbei bemerkt, ausgesprochen gut bezahlt wird. Ganz Europa reißt sich um meine Noten, während Du und Constanze immer noch ein Kind auf die Welt bringt, das ihr nicht ernähren könnt. Das kommt halt davon, wenn man statt zu komponieren immer nur das… wie nennt ihr das noch einmal… ah ja: Schnackseln im Kopf hat. Ich hoffe auf jeden Fall, dass es euch sechs oder sieben Mozarts, ich habe leider den Überblick verloren, gut geht und ihr genug zu beißen habt.

Übrigens hat mich vor kurzem ein anderer Wiener Musiker angeschrieben, der weltberühmte und richtig gut verdienende Salieri. Der hat mich gefragt, ob ich seiner Gesellschaft der Musikfreunde beitrete. Hat er Dich das auch gefragt? Übrigens ein ausgezeichneter Kompositeur, wenn Du mich fragst.

Ach, Ludwig, kleiner Wuschelkopf! Vielen Dank für Deine frommen Wünsche, aber wir haben schon unser Auskommen. Und, im Gegensatz zu Dir, sogar Spaß dabei. Das ist halt so die Lebensart hier in Wien. Ist halt eine Weltstadt und nicht ein verschlafenes Kuhdorf wie Dein Dings… Bumm, nee, hieß irgendwie anders… Bomm? Ach, jetzt hab ich’s: Bonn! Während Wien eine Hauptstadt ist, wird das kleine Bonn immer ein Kaff bleiben und nie eine Hauptstadt werden. Und das schlägt sich halt auch in der Musik nieder.

Wobei ich zugeben muss, Deine neunte Symphonie hat mir schon ein bisserl imponiert. Gefällt mir eigentlich ganz gut. Die Idee, in einer Symphonie auch einen Chor zu verwenden, ist schon richtig revolutionär. Hätte mir ruhig ‘mal selber einfallen können. Wenn Du ‘mal wieder nach Wien kommst, dann schau’ bei uns vorbei, würde mich freuen, Dir mal wieder durch die Haare zu strubbeln, Du Lausbub, Du Nordrhein-Westfale, Du tauber!

Mozart, ich habe jetzt Deine letzte Nachricht gelesen. Vielen Dank für das Lob! Mir gefällt die Neunte auch recht gut, wenn ich sie in meinem Kopf höre. Leider spielt das Orchester und auch der Chor nie so laut, dass ich das auch einmal in echt hören würde, die Musiker heutzutage spielen alles immer pianissimost, musst Du wissen.

Ich muss meinerseits gestehen, dass mir auch Dein Requiem ausgezeichnet gefallen hat. Hätte ich selber kaum besser schreiben können. Mit großem Abstand meine Lieblingsarbeit aus Deiner Feder. Ich hoffe, Du entwickelst Dich in diese Richtung weiter. Das Tragische steht Dir gut.

Tatsächlich plane ich einen baldigen Umzug nach, Du wirst es nicht erraten, Wien. In der dann endlich der größte Komponist aller Zeiten leben wird. Nicht nur der zweitgrößte, wenn Du verstehst, was ich meine. Hahahaha – war nur ein Scherz meinerseits. Ich kann nämlich auch witzig sein, wenn ich will. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder, das letzte Mal war ich doch recht jung. Bis bald, Dein Ludwig.

AB: Das ist der Anschluss von Dieter Bohlen, dem berühmtesten Musiker, der je gelebt hat. Ich habe keinen Bock, mit Dir zu reden, Du Pfeife. Aber Du kannst ‘was nach dem Piepston sagen, wenn Du willst. Den hab’ ich übrigens selber komponiert. Bringt mir also jedes Mal GEMA-Kohle. Geil, gell?

Dieter, alte Kellerassel! Hier der Amadeus!

Und der Ludwig auch!

Wir wollten nur Danke sagen. Also ich wollte Danke sagen. Die Constanze hat bei uns nur dreißig Sekunden „Geronimos Cadillac“ gespielt und schon waren alle Ratten tot. Ausgezeichnete Arbeit, Alter, ausgezeichnet.

Ja, und ich wollte mich bedanken, dass ich nichts mehr hören kann. Aber da kannst Du ja gar nichts dafür. Nee, ich wollte mich bedanken, dass Du keine Musik mehr machst. Das ist nämlich… eine echte Verschwendung von Notenpapier.

Das war fast witzig, Ludwig. Fast…
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