Expl0558: Der Monsterplan

Gestern ging es ja um die Bedeutung der Zombie-Schwemme in Film und Fernsehen. Und da hat mich, gleich beim Schreiben, noch die Idee zu diesem Hörspiel angelacht. Mit einem Vampir und einem Werwolf noch obendrauf.


Download der Episode hier.
Musik: „Monster“ von JAY HOLLIN / CC BY 3.0


V: Ah, schön, dass ihr beide da seid. Tut mir leid, dass ich mich etwas verspätet habe. Aber ich hatte beim Herfliegen heftigen Gegenwind. Ihr kennt das ja. Ach ne, kennt ihr ja gar nicht. Sorry, mein Fehler. Habt ihr euch einander schon vorgestellt? Nicht? Also, dann erlaubt mir die Ehre.
Das hier ist, wie man schon an der Körperbehaarung leicht erkennen kann, ein Werwolf. Aber nicht irgendein x-beliebiger Werwolf, sondern der berüchtigte Werwolf von Ribbensbüttel.
W: (bellt)
V: Ja, genau. In der Nähe von Wolfsburg. Mit bürgerlichem Namen Manfred und noch ein Nachname, der mir aber entfallen ist.
W: (bellt)
V: Meinetwegen. Manfred Müller halt. Jetzt aber der Werwolf von Ribbensbüttel.
Und das hier, lieber Manfred, das ist das, was von Sascha übrig ist. Jetzt, wo er tot ist und ein schrecklicher Zombie.
S: Gehirn…
V: Hach, das kann ja eigentlich nur ein zauberhafter Abend werden. Mit zwei so wortgewandten und schlagfertigen Komikern in der Gesellschaft.
W: (bellt)
S: Gehirn…
V: Ach, ich habe vergessen, mich selber vorzustellen. Mein Name ist Graf von Morlock. Max, Graf von Morlock. Und ich bin nun schon seit geraumer Zeit auch im Monstergeschäft. Weil ich seitdem ein Vampir bin. Ist mir eine Freude, meine Lieben.
W: (bellt)
S: Gehirn…
V: Ja ja, was auch immer. Ich habe diesen Termin vorgeschlagen, weil ich ein Anliegen habe. Jungs, wir sind die nennenswertesten Monster, die Deutschland abseits des Parteiensystems zu bieten hat.
W: (bellt)
S: Gehirn…
V: Auf jeden Fall. Ich habe mal so Statistiken bemüht. Alle Filme und Serien zum Thema Vampire, Werwölfe und auch Zombies ausgewertet. Und ich muss sagen, es schaut nicht gut aus für uns, Jungs. Am Ende endet es mit dem Ende. Also mit dem Tod. Dem nochmaligen Tod in Deinem Fall, Sascha.
S: Gehirn…
V: Wir sind alle drei Monster, die eigentlich eher Infektionen ähneln. Oder Epidemien. Wir sind sozusagen ansteckend. Ein Biss reicht und unser Opfer ist dann auch ein Vampir, Zombie oder Werwolf. Wir breiten uns dann aus.
Und irgendwann, wenn wir genug Menschen angesteckt haben, sozusagen, dann werden die Gesundos halt darauf aufmerksam. Wenn es auf einmal keine jungen Frauen im Adel gibt, weil die alle zu Vampiren wurden. Oder in einer Stadt einfach alle Menschen schon Zombies sind. Dann beginnen die Normalos halt zu handeln. Und dann ist die Stadt schnell einmal von der Landkarte radiert. Oder der Vampir hat einen Pflock im Herzen. Oder der Werwolf wird von Silberkugeln durchsiebt. Und das ist dann nicht das Happy End für uns, oder?
W: (bellt)
S: Gehirn…
V: Schön, dass wir da Einigkeit gefunden haben. Wir müssen also äußerst geschickt vorgehen, wenn wir auf Dauer unseren ausgefallenen… Diäten frönen wollen. Nicht einfach mal hier knabbern und mal dort schlecken, wie es uns gerade so einfällt. Das führt früher oder später zur Entdeckung.
Wir müssen planmäßig vorgehen. Und überlegt. Denn unsere Ernährungsgewohnheiten ergänzen sich! Ganz prima sogar. Ist euch das schon einmal aufgefallen?
W: (bellt)
S: Gehirn…
V: So so. Na ja, das dachte ich mir schon fast. Darum habt ihr ja mich. Der Vampir mit dem Köpfchen. Der Schlaueste aller Monster. Das Genie mit dem Großhirn.
S: Gehirn…
V: Genau. Vielen Dank. Also hört mir einfach ‘mal zu. Es ist im Prinzip ganz einfach. Die erste Beobachtung ist schon einmal, dass wir bei der Wahl des Zeitpunkts von Manfred abhängig sind. Denn dessen Fähigkeiten kommen ja traurigerweise nur alle 28 Tage so richtig zum Tragen, wenn nämlich Vollmond herrscht. Wir können uns also nur alle 28 Tage eine Mahlzeit gönnen. Und die teilen wir uns dann geschwisterlich. Ich bekomme das Blut, Manfred das ganze Fleisch und Sascha eben das Gehirn.
S: Gehirn…
V: Wichtig ist dann, dass wir nach der Mahlzeit sofort das Weite suchen und uns für die nächsten 27 Tage in einem anderen Bundesland bedeckt halten. Anderes Land, andere Polizei, andere Abteilung. So wechseln wir also durch, bis wir dann nach 420 Tagen einmal die Runde durch sind. Dann ist aber schon längst Gras über die damalige Mahlzeit gewachsen. So bleiben wir den Rest unserer Tage unentdeckt. Und Rest unserer Tage bedeutet dann auf ewig. Tada! Genial, oder? Wie findet ihr das?
W: (bellt)
S: Gehirn…
V: Ja, ich habe mir gedacht, dass ihr das sagen werdet. Wollen wir das so machen?
W: (bellt)
S: Gehirn…
K: Hallo, meine Herren. Verzeihen Sie die Störung. Mein Name ist Dieter und ich bin heute abend ihr Kellner. Ich hoffe Sie zur vollsten Zufriedenheit durch die kulinarischen Spezialitäten unseres Hauses zu geleiten.
V: Was? Ach so. Stimmt. Ist ja ein Restaurant. Hallo Dieter. Es ist ganz einfach. Wir nehmen, wie immer die große Schlachtplatte. In der Küche kennt man unsere Vorlieben bereits. Wir waren hier schon ein paar Mal.
K: Schlachtplatte? Oh, das tut mir leid, aber da muss ich sie enttäuschen. Befürchte ich sehr. Sie müssen wissen, wir haben hier vor fast einem Jahr die Pächter gewechselt. Die „Burgstuben“ sind nun ein vegetarisches Restaurant. Das liegt einfach im Trend der Zeit, wissen sie.
V: Vegetarisch?
K: Ja, mein Herr. Es gibt bei uns nichts auf der Karte, dass einmal ein Gesicht gehabt hat, sozusagen. Das ist nicht nur gesünder und ökologisch besser, sondern auch teurer.
V: Was sagt man dazu?
W: (bellt)
S: Gehirn…
V: Ja, genau. Ich denke auch. Wenn das so ist… Dann muss unser Plan noch ein bisschen warten. Das ist ja nicht zumutbar eigentlich. Dann, lieber Dieter, habe ich einen neuen Menüvorschlag. Und ihr seid wahrscheinlich meiner Meinung, werte Freunde…
W: (bellt)
S: Gehirn…
K: Was wäre dann ihr Wunsch?
V: Dann gibt es heute für unseren Tisch statt Schlachtplatte einfach Dieter!