Expl0573: Men at Work

Wie schon einmal erwähnt, entstehen bei mir gegenüber Luxuswohnungen mitten im Univiertel. Der Baulärm macht aber zur Zeit das Schreiben und die Aufnahme von Sendungen echt schwierig. Aber es gibt da einige Pläne für die Zukunft…


Download der Episode hier.
Musik: „Build (2015)“ von Kara Square and Piero Peluche / CC BY-NC 3.0


ALLES BLEIBT SCHÖNER.
So sieht es aus, wenn man Lebensqualität mit Adressen verbindet. Der Metzger in der vierten Generation steht dafür ebenso ein wie der Käseladen oder der Weinhändler. Und die Biobäckerei duftet morgens so gut aus der Backstube. Ob es der verrückte Eismacher an der Amalienstraße oder das schicke Forum Vorhölzer auf dem Dach der Technischen Universität ist – die Maxvorstadt ist authentisch und bietet manchen verborgenen Schatz für Stadtentdecker. Und selbst die langjährigen Maxvorstädter erfreuen sich daran, wie sich der Stadtteil immer wieder neu erfindet.

So kann man das auf der Website therese-maxvorstadt.de lesen. Therese nennt sich das Bauprojekt schräg gegenüber. Und:

VERZICHTEN SIE AUF NICHTS!
Mit Therese geben wir dem städtischen Wohnen nicht nur einen kreativen Namen.
Aus einem ehemaligen Produktionsstandort der ARRI AG entwickeln wir eine ganz neue Wohnqualität inmitten der Maxvorstadt. Hier an der Theresien­straße entsteht ein wohlüberlegtes Ensemble von Wohnungen, das sich harmonisch in die Nachbarschaft einfügt und eine Oase der Ruhe im neuen Quartiershof bietet. Dabei verfolgen wir ein klares Konzept: Eine breite Vielfalt an Wohnungsgrößen und -zuschnitten soll mit der typischen Hofstruktur der Maxvorstadt in Einklang gebracht werden. Kurz: In der Therese ist die Vielfalt zu Hause.

Ein absurder Imagefilm wirbt auf der Website für die 116 Luxusobjekte der Therese. Alle Menschen sind darin bekifft glücklich, weil sie in der Therese leben. In der ach so, authentischen Maxvorstadt. Wo München ganz besonders München ist. Und auf vielen Fotos sieht man dann die Schokoladenseitendes Viertels. Den berühmten Obsthändler an der Uni, das renommierte jüdische Restaurant mit Eintrag im Guide Millau, der Käseladen, den hippen Stoffladen, die Puppenklinik.

Die Therese selber steht aber an einer der schmutzigeren Ecken des Viertels. Das wird natürlich nicht gezeigt. Da wäre das „Shakira“, eine Bar voller Glücksspielautomaten, deren Geschäft erst um Mitternacht so richtig beginnt. Der kleine, nicht so richtig hygienische Obstladen, der aber wohl eher vom Verkauf von Prepaid-Telefonkarten und Shishas lebt. Und die Tattoo-Bude „Herzstich“. Oder der Flohpalast. Oder, gegenüber, ein Schmuddelpodcaster namens Explikator. Bislang also wirklich bunt, vielfältig, aber nicht nobel.

Das ist nämlich das wahre München, die wahre Maxvorstadt. Wir können uns aber völlig sicher sein, dass diese Läden alle verschwinden werden, wenn erst einmal die bekifften, laut Imagefilm mehrheitlich blonden Millionärskinder hier ihr Studium aufnehmen. Ein Empfangstresen, schallabschirmende Tore, eine Tiefgarage mit extrabreiten Stellplätzen – denn der SUV muss ja auch reinpassen – das passt nicht so recht zu Shakira, Herzstich oder dem Flohpalast.

Und wegen dieser fucking Therese wird hier gerade versucht ein Loch zu bohren, dass wohl bis in die Hölle reichen soll, wenn der Lärm ein Indiz dafür ist. Oder die Tatsache, dass die Bohrung seit über einer Woche immer wieder aufgenommen wird. Keine Ahnung, was die da machen. Eine Kostprobe habt ihr ja im Opener gehört, die Aufnahme ist von meinem Balkon.

Wenn ich etwas schreiben will, dann muss ich die Wohnung verlassen. Wenn ich etwas aufnehmen will, muss ich geduldig auf eine Pause bei den Arbeiten warten oder nach 22:00 Uhr das Mikro einschalten.

Ich kann deswegen immer noch nicht garantieren, wann ich welche Sendungen so hinkriege, aber ich arbeite an Alternativen. Jetzt fahre ich erst einmal zu meiner Freundin, wo ich auch eine kleine Sprechkabine gebaut habe. Für morgen und den Montag ist also schon einmal gesorgt.

Haltet mir also weiter die Treue – zusammen schaffen wir das, oder? Fucking Therese…