Expl0595: Preppers


Die jungen Pioniere waren „Immer bereit“! Recht haben die gehabt. Man bereitet sich vor! Am besten auf alle Umstände, wie zum Beispiel den Weltuntergang, sowieso der bald kommt. Und das muss man gründlich machen. Sich präparieren. Man muss ein Prepper werden. So wie ich. Dann doch nicht…


Download der Episode hier.
Opener: „Anderson Cooper Zombie Apocalypse News“ von LIVE with Kelly
Closer: „Scrubs You’re Going To Be OK“ von MegaLamb
Musik: „End of The World (2010)“ von Anitek / CC BY-NC-SA 3.0


Jetzt ist es wirklich einmal Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Die Welt wird untergehen! Unsere Zivilisation wird weggeweht werden wie Herbstlaub. Der Euro, an den wir alle glauben, kann morgen schon nicht mehr das Papier wert sein, auf das er gedruckt wird.

Seht euch doch diesen verrückten Trump an. Der ist in der Lage, einen Krieg mit China anzuzetteln mit seinem Kumpel Putin. Oder aber die Börsen brechen plötzlich zusammen. Oder islamistische Hacker legen das Internet lahm. Denn ohne das Netz bricht auch die ganze Wirtschaft zusammen.

Was passiert, wenn Menschen am Bankomaten auf einmal ihr Geld nicht mehr bekommen? „Sorry, danke für Dein Geld, aber wir sind pleite!“ Hah, ihr werdet sehen, in nicht einmal zwei Tagen fällt diese Zivilisation völlig auseinander! Dann wird aus dem Menschen wieder ein Wolf.

Banden werden durch die Straßen ziehen und die Supermärkte plündern, von einem Moment auf den anderen herrscht das Faustrecht! Es wird nur überleben, wer sich auf die Apokalypse vorbereitet hat. Und im tiefsten Inneren wissen wir das doch alle. Gebt es zu! Zivilisation ist nur ein dünner Schleier, Geld ist etwas, an das wir einfach glauben und am Ende geht es darum, wer eine Dose Bohnen mehr hat.

So wird es kommen. Ganz klar. Und wer das nicht zugibt, der ist einfach naiv. Dumm. Unvorbereitet. Wenn Du Deine Familie liebst, wenn Du jemanden zu schützen hast, ach was: Wenn Du gerne überleben willst, dann musst Du Dich vorbereiten! Präparieren.

Und deswegen gibt es, vor allem in den USA, wo annähernd jeder Dritte glaubt, noch persönlich das Ende der Zivilisation zu erleben, die sogennanten Preppers. Die, die sich präparieren. Und nachdem auch in Europa die Furcht vor der drohenden Apokalypse um sich greift, gibt’s immer mehr Preppers auch bei uns.

Und das sind nicht alle Paranoide. Nicht alle Phobiker. Im New Yorker erschien gestern ein Artikel „Doomsday Prep for the Rich“. Die superreichen Erfolgstypen aus Silicon Valley sind wahrscheinlich zu 50% Preppers. Und wenn die schon glauben, die USA wird von Revolten erschüttert werden… Das sind doch die Blicker. Die Leute, denen wir nacheifern sollen. Sagen die ganzen Coaches, Unternehmensberater und Marketingfuzzis.

Nein, Preppers sind einfach Menschen mit Weitblick. Menschen wie Du und ich. Na ja, wie ich zumindest. Ich gebe zu. Ich war ein Prepper. Oder ich wäre beinahe einer geworden. 2007, in unserem Reihenhaus. Meine Kinder 12 und 14 Jahre alt. Die Wirtschaft wird kollabieren. Ich war mir sicher.

Dann bin ich auf einen Flyer des Bundesamts für Katastrophenschutz gestoßen. Vorräte für zwei Wochen soll man sich anlegen. Rät diese Bundesbehörde. Mit Informationen, wie man das am besten bewerkstelligt und was man am besten kauft und wie man die Käufe verwaltet.

Gut, dachte ich, dann habe ich 10 Kilo Nudeln, aber wie koche ich die? Ohne Wasser oder Strom? Und bald hatte ich nach Studium diverser Webseiten eine Einkaufliste zusammen. 200 Liter Wasser, regelmäßig nachzufüllen. Mehrere Petroleumlampen, die haben Aufsätze, da kann man auch kochen drauf. Lebensmittel wie Reis, Nudeln, Dosenessen, dehydrierte Vorratsbeutel.

Medikamente, Verbandszeug, Antibiotika, Taschenlampen, Radios mit Kurbeln statt Batterien, die wichtigsten Dokumente im Notfallrucksack wassergeschützt stets bereit. Stahltüren für den Keller, Bücher für die zwei Wochen, in denen draußen die Apokalypse tobt.

Und Silber, wir müssten Silber kaufen! Gold ist viel zu teuer, sagen die Preppers. Aber Silber wird nach dem Tod des Euros auch viel wert sein. Und 3000 Euro in bar für die Übergangszeit. Zum Bestechen. Das macht alles Sinn! So kann ich meine Kinder schützen! Die Welt wird untergehen, aber ich, ich werde dann lachen! Hah!

Na ja, dann fand ich auch noch diesen Ratschlag: Wenn das Chaos ausbricht, dann werden sich die Starken nehmen, was sie brauchen. Auch von uns Preppers. Aber Schusswaffen bekommt man ja hier nicht. Also empfehlen die Prepperseiten die Anschaffung einer Armbrust. Gibt’s ohne Waffenschein. Und ist auch ziemlich tödlich.

Man muss hart sein beim Weltuntergang. Man kann seine Vorräte nicht mit jedem teilen. Wenn dann die Nachbarn im Vorgarten stehen, um uns auszuplündern, dann müsste ich meine Familie verteidigen. Das ist einfach die bittere, logische Schlußfolgerung. Im Vorgarten würde ich stehen und im Notfall schießen. „Ihr kriegt meine Farfalle nicht“, würde ich brüllen und – pläng – im Notfall schießen. Da lag er also in seinem Blut, mein unvorbereiteter Nachbar. Mit meinem Pfeil im Brustkorb. Tut mir leid, es ging um Leben oder Tod, Herr Achner.

Der Herr Achner Mit dem ich immer so nett über den Gartenzaun geratscht hatte. Dessen Tochter unser Babysitter war. Der schon einmal für uns schneegeschippt hatte, wenn wir wieder bis in die Puppen schliefen. Ein netter, verantwortungsvoller, sympathischer Mann, der hart arbeiten musste für sein Reihenhaus. Und ich hatte ihn erschossen.

Da bin ich aufgewacht aus meinem Alptraum. Dem Prepperalptraum. Wir haben genau gar nichts gekauft. Kein Silber, keine Nudeln und ganz sicher keine Armbrust. Und meine neuen Prepperfreunde habe ich nie mehr gehört. Die waren alle doch ein bisschen seltsam. Die hatten ja gar nicht wirklich so richtig schlimme Angst vor dem Weltuntergang. Nee, das war anders. Seltsam. Die haben sich eher darauf gefreut.

Denn bei der Apokalypse, da wären die Preppers die Helden. Aus wäre der langweilige Bürojob. Hah, Boss, Du wolltest mir keine Gehaltserhöhung geben, stimmt’s? Tja. Fehler. Großer Fehler. Jetzt kriegst Du auch keine Farfalle. Egal, wie sehr Du bettelst. Tut mir leid, ich muss wieder in meinen Bunker. Viel Spaß beim Verhungern! Muharrharrharr…

Die Preppers sind eine eingeschworenen Gemeinde, die es einfach besser wissen. Und wenn dann der Doomsday kommt, dann werden sie es uns aber zeigen! Verspottet hat man sie! Verlacht! Und jetzt? Wer hat jetzt die Farfalle und wer nicht?

Ich bin kein Prepper mehr. Ich glaube nicht an den Weltuntergang, wie er da vorgedacht wird. In erster Welle, zweite Welle und dem Neubeginn, wenn es dann nur noch Ackerbau und Jagd gibt. Ich glaube ja nicht einmal an Ackerbau und Jagd. Das ist kein Kinderspiel, das ist verdammt unmöglich in Europa so seine Familie durchzubringen.

Im Gegenteil: Ich mag diese Welt, diese Zivilisation, diese Gesellschaft. Ich werde sie in Worten so lange verteidigen, wie ich kann. Und nicht innerlich schon aufgeben.

Und, sollte ich mich irren, dann bleiben mir genau drei verschiedene Optionen.

Option Eins. Nichts passiert. Ich werde alt und sterbe. Mein ganzes Leben habe ich mich gut vorbereitet und hier, im Straßencafé erwischt mich Gevatter Herztod. Bumm. Ich war so gut vorbereitet. Meine ganze Freizeit ging für die Angst vor dem Weltuntergang drauf. Ich habe Preppersachen gekauft und gekauft und gekauft. Ein richtiger Apokalypse-Konsumwahn war das! Doch die Börsen haben gehalten, der Euro ist immer noch da und das Leben in ständiger Furcht war völlig umsonst…

Option Zwei: Die Welt geht unter. Und ich sterbe. Wurst, wie gut ich vorbereitet war. Hier in Augsburg verstrahle ich auch, wenn die Bombe München trifft. Schön, dass ich im Bunker fünfzehn Kilo Nudeln habe, dummerweise bin ich im Büro, beim Kunden, im Urlaub oder beim Farfalle-Kaufen . Pech auch, dass die mich die schöne Armbrust nicht mit ins Kino haben mitnehmen lassen, diese unpräparierten Naivlinge an der Kinokasse! Egal, ich bin tot.

Option Drei: Wir hatten recht! Wir Preppers hatten recht! Der Untergang kam und es war genau, wie vorhergesagt. Alle, die sich nicht vorbereitet hatten, sind tot. Erschossen, verhungert, überfahren, verstrahlt, unter Trümmern verschüttet, erstochen, erschlagen oder an Wundbrand verendet. Auch mein blöder Boss, der mir keine Gehaltserhöhung gegeben hat. Bei uns im Bunker gibt’s dafür heute ‘mal wieder leckere Farfalle und ich lese zum siebten Mal aus „Herr der Fliegen“ vor. Wir haben es geschafft! Überlebt! Ein Planet, wo alle menschlichen Bewohner Preppers sind. Außer Preppers ist keiner mehr am Leben!

Aber zugegeben: Manchmal, abends in unserem Bunker bete ich leise. Ich bitte Gott um eine zweite Apokalypse. Ein Leben nur unter Preppers? Nee, lieber bin ich tot….

Und darum geht’s ja eigentlich. Um den Tod. Entweder ich habe recht. Dann sterbe ich wahrscheinlich an Herzkapserl oder Raucherlunge. Oder die Preppers haben recht. Dann wäre es ein Armbrustpfeil in der Brust oder Farfalle-Vergiftung. Mei, einen Tod stirbt man halt immer. Aber wenigstens habe ich vorher Spaß und nicht ständig den Weltuntergang vor Augen.

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