Expl0600: Jobkiller Computer


Ich habe keine Angst vor Robotern. Ich will endlich einen haben! Wir schreiben das Jahr 2017 und wo ist mein persönlicher C3PO. Ach, wie? Der steht bei Daimler am Fließband? Warum das denn? Heute also: Warum es nicht Roboter und Computer sind, die die Zukunft der Arbeit bedrohen…


Download der Episode hier
Musik: „My Job’s Been Taken Over By A Robot“ von The Music Moron


Wir alle haben es gelesen, ich habe auch schon viel darüber gesprochen: Die zunehmende Automatisierung und die Künstliche Intelligenz zerstören unsere Arbeitsmärkte. Es gibt jetzt schon Roboter, die in konventionellen, analogen Küchen einen Burger von A-Z zubereiten können. Und nachdem die bei McDonalds oder Burger King jetzt schon so schmecken, als hätte sie ein Roboter gemacht – who cares?

Jetzt beschäftigen wir ein Heer von Menschen, die unsere Internet-Bestellungen in unsere Wohnungen tragen. Oder wenigstens einen Zettel schreiben, dass sie uns nicht angetroffen haben. Das rührt mein Herzelein immer sehr, da bin ich immer so dankbar, während ich zu entziffern versuche, wo meine Lieferung dieses Mal abgegeben wurde. Auch ihr werdet bald durch Drohnen und autonome Fahrzeuge ersetzen, Rache ist Blutwurst!

Die Mittelklasse bangt um ihre Jobs und wählt überall Politiker, die ihr die guten, alten Zeiten zurückversprechen. Es hilft nichts, immer wieder zu betonen, dass Deutschland doch ein sooo reiches Land ist – die Menschen haben nicht umsonst Angst, ihre Position in unserer Gesellschaft ist gefährdet.

Es sind auch nicht nur Kurierfahrer und Pizzaboten, Taxi- oder Brummifahrer, die bedroht sind. Die künstliche Intelligenz kann auch einen Haufen Steuerberater, Juristen, Ärzte, Werbefuzzis und auch Programmierer obsolet machen.

Grippe? Keine Lust auf U-Bahn, Wartezimmer und Arbeitgeber? Telefoniert einfach, so lange ihr wollt, mit IBMs Watson. Der hat auch eure Krankenakten und alle medizinischen Fachbücher der Welt abgespeichert. Der verschreibt dann eure Medikamente und eine Stunde später werden sie von der freundlich surrenden Apothekerdrohne vorbei gebracht. Good bye, Hausarzt! Hätteste ‘mal Hausbesuche gemacht!

Soweit kennen wir alle das Szenario ja mittlerweile ausreichend. Bald sind also die Hälfte unserer Jobs weg und das Ende der Arbeit ist gekommen. Aber nun, was tun? Was tun, wenn 20 Millionen Deutsche ihren Job verlieren?

Darauf gibt es immer zwei Lösungsvorschläge.

Der konservativere ist: Bildung, Bildung, Bildung! Je höher der Bildungsgrad, desto höher die Chancen auf einen Job. Das klingt logisch. Das leuchtet ein.

Da ist nur ein Problem: Wenn wir alle Berufskraftfahrer zu Programmierern umschulen könnten, dann… hätten wir halt zu viele Programmierer. Und die Tatsache ist ja: Es ist auch nicht jeder in der Lage, ein Akademiker zu werden. Sorry. Das ist eine Tatsache der Biologie, die wir Liberalen gerne einmal vergessen. Not all men are born equal. Die Hälfte aller Deutschen hat einen IQ unter hundert. Ist wahr. Denn genau SO definieren wir den IQ nämlich.

Und selbst, falls ich mich irre: Wenn 50% aller Jobs nicht mehr nötig sind, dann werden durch den Wandel doch auch nicht auf einmal 20 Millionen neue Akademikerstellen geschaffen, oder übersehe ich da etwas?

Die zweite Lösung ist das bedingungslose Grundeinkommen. Jeder kriegt das Existenzminimum und ein Taschengeld obendrauf vom Staat, egal ob er arbeitet oder nicht. Dann kann die Hälfte unserer Gesellschaft, die jetzt gerade so eben mal knapp über die Runde kommt, auch endlich wieder konsumieren und die Wirtschaft ankurbeln! Eine Win-Win-Situation.

Die ich übrigens auch lange gepredigt habe. Auch wenn es völlig in den Sternen steht, wie man das bezahlen kann. Selbst, wenn man wirklich beeindruckend viel Kohle sparen kann, wenn man die ganze Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe, Hartz IV, Wohnzuschüsse und ähnliches streicht. Ach, und natürlich auch das Heer an Beamten, das jetzt über ein würdiges Leben der Betroffenen richtet, wenn man diese Leute alle entlässt. Können sich dann gleich hinten anstellen.

Das Thema lässt mir keine Ruhe, da stimmt irgend etwas nicht…

Zum einen: Wir können von der Automatisierung nicht sagen, wie viele Jobs sie bisher gekostet hat. Es gibt keine belastbaren Daten. Globalisierung, Wirtschaftspolitik, Effizienz oder Demographie lassen sich nicht aus den Zahlen herausrechnen. Es ist verwunderlich, aber so wie es sich darstellt, hat die Roboterisierung z.B. in der Automobilindustrie weltweit gesehen… keine Jobs gekostet. Faktisch, nicht in „hätte, täte, könnte“-Szenarien.

Zweitens: Die Versprechungen der AI, der künstlichen Intelligenz begleiten mich schon recht lange. Schon in den Achtzigern wurde uns versprochen, die Spracherkennung steht vor der Tür. Und auch wenn es beeindruckend ist, was Siri, Cortana, Alexa und all’ die anderen Computerweibchen so können: Es reicht nicht. Es reicht noch lange nicht.

Und „Deep Thinking“ ist nichts anderes als ein Marketing-Gag. Klar, es gibt „Quill“. Eine Software, die zum Beispiel Forbes einsetzt, um Sport- oder Börsennews schreiben zu lassen. Und die Pressetexte, die Quill schreibt, lassen sich nicht gut von denen unterscheiden, die bisher Volontäre ins Netz gestellt haben. Aber das ist nicht AI, nicht künstliche Intelligenz. Das ist eine Phrasendresch-Datenbank, mehr nicht. Börsenmeldungen waren schon immer doof. Sorry Journalisten, ihr schafft euch auch anders selber ab.

Das Dritte, das ist aber das Entscheidende: Unsere Gesellschaft leidet momentan nicht an den Folgen der Automatisierung oder der KI. Unsere Gesellschaft leidet darunter, dass so viele Menschen kaum über die Runden kommen und so wenige Aussichten haben. Das die Schere zwischen den Armen und den Reichen zu groß ist und immer größer wird. Mindestlohn mal 40 Stunden mal vier Wochen? 1360 Euro. Also ungefähr die Miete einer Familienwohnung in München.

Seit den Siebzigerjahren sinken die Löhne für Arbeiter und Niedrigverdiener, wenn man die Inflation und die steigenden Lebenskosten berechnet.

Wir haben eine ganze Gesellschaftsschicht geschaffen, das Prekariat, das sich durchschlagen muss ohne große Aufstiegschancen. Kein Grundschulkind träumt davon, einmal Pizzabote zu werden. „Aah, der Stress, der Geruch, die unzufriedenen Kunden und das schlechte Trinkgeld – das will ich mal beruflich machen!“

Wir brauchen auch nicht unbedingt ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Wir brauchen bloß ein gerechteres Steuersystem. Eines, dass das Kapital besteuert und nicht die Arbeit. Das schützt auch vor der Jobkrise durch Roboter und AI. Denn ein Roboter in einer Fabrik ist in Wirklichkeit Kapital. Ein Roboter zahlt keine Steuern.

Es ist ein grundsätzlicher Fehler im System, dass sich Kapital über eine gewisse Grenze hinaus überhaupt so anhäufen lässt. Keiner wird Multimillionär durch harte Arbeit, das ist ein Märchen. Man wird das durch unser aller Schulsystem, durch unser aller Wirtschaftssystem und durch den Mehrwert der Arbeit anderer. Wir alle arbeiten für die Gehälter der Topmanager und Banker.

Nicht die Roboter und nicht die Computer sind das Problem, sondern der überbordende Kapitalismus seit über dreißig Jahren. Als America noch great war, übrigens, Herr Trump, in den Siebzigern, da war der Spitzensteuersatz 75% und nicht 25% wie jetzt.

Und es wird auch nicht kommen, wie z.B. Jeffrey Sachs von der Columbia prophezeit. Der meinte, Starbucks sei das nächste Unternehmen, das automatisiert wird. Da irrt er sich aber gründlich.

Die künstliche Intelligenz ist nicht eine unausweichliche Technologie, die uns von Außerirdischen aufgezwängt wird. Wir entscheiden das selber. Und wenn wir den Kaffee lieber von Menschen kaufen wollen, verdammt!, dann wird ein Barrista-Roboter keine Chance haben, Herr Sachs. Es geht nicht allen immer um die Kohle.

Wenn wir die Krisen der Zukunft bewältigen wollen, dann brauchen wir einen handlungsfähigen Staat. Und der wird erst dann wieder handlungsfähig, wenn er das Kapital – unser aller Eigentum – wieder aus den Händen einiger weniger holt.

Und warum nicht einfach negative Lohnsteuer? Ab einem gewissen Einkommen schießen wir den Geringverdienern etwas zu. Es braucht gar kein Grundeinkommen, keine gesellschaftliche Revolution, wir könnten mit einer einzigen Steuerreform, mit einem einzigen Gesetz unsere Gesellschaft sofort gerechter machen. Wir müssen das nur wollen.

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