Expl0617: Planetentaufe


Wenn ich dann ‘mal berühmt bin, dann werden sie Planeten nach mir benennen? Habt ihr das auch schon einmal geträumt? Nein? Ich auch nicht. Wie werden aber Himmelsobjekte benannt, wer macht das? Und wo kann ich mich registrieren, wenn ich einen Pudding nach mir taufen will?


Download der Episode hier.
Bildrechte: Joe Mabel [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
Opener: „Next steps after NASA discovers 7 Earth-size planets“ von CBS This Morning
Closer: „Bill Nye “The Earth Is A Closed System” Guy von Celebrate Truth
Musik: „Le Coeur en Vadrouille (2015)“ von CaLey n’ DaNis / CC BY-ND 3.0


Rauch? Im Ernst. Rauch. Warum denn bitte Rauch? Warum sind Namen denn bitteschön Rauch? Schall, das leuchtet mir ja noch ein, aber Rauch? Namen sind Schall und Rauch… Hat sich wahrscheinlich ein Kiffer ausgedacht, diese Redensart.

Natürlich sind Namen schon wichtig, das ist irgendeine Form von Magie. Der Vorname zumindest kann ja oft über ein Schicksal entscheiden. Als Lehrer 2009 im Rahmen einer Studie gefragt wurden, ob sie Vorurteile gegenüber Kinder mit bestimmten Namen haben, schrieb eine Grundschulpädagogin auf ihren Fragebogen: „Kevin, das ist kein Vorname. Kevin ist eine Diagnose.“

Und weil man mit der Namensgebung ein Schicksal formen kann, macht uns das auch besonders Spaß. „Wie nennen wir jetzt Deine neue Rennmaus, Kevin? Ach? Speedy Gonzales? Das hast Du Dir aber toll ausgedacht! Da ist sicher noch nie jemandem eingefallen!“

Als die Nasa unlängst bekanntgab, dass es gelungen ist, im Orbit eines roten Zwergs mit Namen Trappist-1 sieben Planeten nachzuweisen, da war das Medienecho schon ganz gut. Als die Raumfahrtagentur aber auf Twitter dazu aufforderte, nun doch bitte Namensvorschläge für die sieben neuen Himmelsobjekte zu schicken, war der Wirbel in meiner Filterblase noch größer.

Es gab viele gute Vorschläge. Zum Beispiel Schneewittchens sieben Zwerge: Bashful, Doc, Dopey, Happy, Sleepy, Sneezy and Grumpy. Die deutsche Version wurde nicht vorgeschlagen, die wäre unpassender, dann hießen die Planeten sonst: Brummbär, Seppel, Happy, Chef, Hatschi, Schlafmütz und.. wait for it: Pimpel.

Schöne Idee auch, die Planeten nach den Hauptfiguren aus Friends zu benennen, also Planet Rachel, Planet Monica, Planet Phoebe, Planet Chandler, Planet Joey, Planet Ross and Planet Janice.

Mein persönlicher Vorschlag wären ja die sieben Todsünden: Hochmut, Geiz, Wollust, Jähzorn, Völlerei, Neid und Faulheit. In der theologisch richtigen Anordnung macht das den Planeten Wollust auch zu einem habitablen Planeten, was bestimmt den Tourismus dorthin deutlich anregen würde – da tut sich ja noch nicht besonders viel.

Doch natürlich wurde keiner dieser zahlreichen geistreichen Vorschläge ausgewählt. Auch wenn es zum Beispiel mit den Namen der Astronauten, die beim Unglück der Challenger 1986 ums Leben kamen auch ernsthafte Vorschläge gab. Eine kurze Gedenksekunde also für die Vorstellung, dass es Planeten hätte geben können, die Scobee, Smith, McNair, Onizuka, Resnik, Jarvis oder McAuliffe hätten heißen können.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Das sind natürlich alles nur Gedankenspiele, die die PR-Abteilung der NASA sich ausgedacht hat. Und die steht nicht gerade im Verdacht, von wissenschaftlichen Prozessen sooo viel zu wissen. Jedes Jahr gibt es Wasser auf einem anderen Objekt zu vermelden, wir hatten auch schon nachgewiesene Mikroben auf Marsgestein und schon mindesten drei Mal den Raumschiffantrieb der Zukunft. Das letzte Mal übrigens mit einem Schuss von moderner Quantenesoterik angerichtet.

Es ist einfach so: Die Nasa vergibt keine Namen in der Astronomie. Wir können uns das Hirn leersaugen, aber niemals wird ein Planeten „Planet McPlanetface“ geben. So wie eben das berühmte Antarktis-U-Boot jetzt „Boaty McBoatface“ heißt. Pech, wenn man zu sehr auf die sogenannte Schwarmintelligenz des Internets vertraut…

Die Namensvergabe für Himmelskörper ist mittlerweile international geregelt. Und das ist aus gutem Grunde so, denn vor 1919 gab es keinerlei feste Regelung. Weswegen auch heute noch einige Objekte im All bei uns auf Erden gleich mehrere Namen tragen. Im Sternbild des großen Bären zum Beispiel gibt es eine Sonne, einen gelben Zwerg, mit gleich sechs verschiedenen Namen. Hier die Liste – nur zu Anregung, falls ihr einen Namen für eure Rennmaus sucht: Da wären Ursa Major 47, FK5 1282, GC 15087, Gilese 407, HR 4277 and SAO 43557

Das ist natürlich hinderlich für die wissenschaftliche Arbeit, denn man kann sich nie sicher sein, ob man über das gleiche spricht. Im Zuge der Vereinheitlichung gibt es auch heute noch bereits entdeckte und beschriebene Himmelsfunde, die aus den Katalogen gestrichen werden müssen, weil man keine Übereinstimmung erreichen kann.

Darum macht das mit den Namen seit 1919 die IAU, die Internationale Astronomische Union. (Es ist so befriedigend, wenn Abkürzungen in Englisch und in Deutsch funzen, oder? Nicht so wie der Krampf um DNA und DNS…)

Und die machen das mit aller Sorgfalt und mit einigen vorgeschriebenen Regeln und einer gewissen Etikette. Und zwar nicht nur für Planeten, Zwergplaneten, Kometen oder Monde, sondern auch für die geopgraphischen Besonderheiten auf selbigen.

Wenn heutzutage ein neues Objekt am Himmel entdeckt wird – und ja, das kann man selber, so gut sind mittlerweile auch Hobbyteleskope – meldet man das der IAU. Die vergibt erst einmal eine provisorische Katalognummer und nach einem zweiten Beleg für die Entdeckung eine feste Nummer. Sozugen so etwas wie eine ISBN-Nummer.

Erst dann geht der Prozess der Namensfindung los. Bei Kometen folgt man da der guten, alten Sitte, die beiden ersten Entdecker in den Namen zu integrieren. Die heißen dann Shoemaker-Levy, Schwassmann-Wachmann, Grigg-Skjellerup oder Honda-Mrkos-Pajdušáková…

Bei Asteroiden kann man sich als Entdecker bei den Namensvorschlägen austoben, wenn man ein paar Regeln beachtet. Der Name sollte nicht zu lang sein, theoretisch irgednwie aussprechbar und natürlich verschieden von anderen bereits benannten Asteroiden. Die Namen von Unternehmen sind tabu und auch Tiernamen wie z.B. Hasso, Fluffy oder Speedy Gonzales. Historisch oder politisch wichtige Figuren können Paten werden, aber nur wenn sie schon hundert Jahre tot sind. Was für die glücklichen Eltern die Tauf-Feierlichkeiten in der Planung natürlich deutlich erschwert…

Wenn es um die Benamsung von Bergen, Tälern und ähnlicher Merkmale geht, versucht die IAU diese auf einem Objekt nach einem Einzelthema durchzubenennen. Die Täler des Merkur heißen alle nach verlassenen Städten, also z.B. Angkor, Caral oder Timgad; die Krater auf dem Mond Europa nach keltischen Göttern, also z.B. Rhiannon, Maeve oder Elathan.

Bleiben noch die Planeten. Eine recht neue Aufgabe, denn die Namen für die Planeten unseres Sonnensystems sind ja schon länger besetzt. Eigentlich haben das die Römer erledigt. Und an deren Schema hatten wir uns z.B. auch in der kurzen Zeit gehalten, als Pluto einmal einer unserer Planeten war. (Der heißt jetzt übrigens immer noch so. Aber er will momentan nicht darüber reden.)

Doch seit 1992 haben wir ja auch Planeten entdeckt, die um andere Sonnen kreisen. Exoplaneten. Das war damals eine Sensation und heiß diskutiert. Der erste Exoplanet wurde im Sternbild des Pegasus nachgewiesen und ist nur schlappe 50 Lichtjahre von der Erde entfernt. Seine ISBN-Nummer – offiziell heißt das Flamsteed-Bezeichnung – die ist 51 Pegasi b.

Damals hat man ihn unoffiziell „Bellerophon“ getauft. Die Idee war, die Benamung nach dem römisch-griechischen Pantheon einfach fortzusetzen. Doch wir fanden immer schneller immer mehr Exoplaneten. Heute, Sonntag, sind es offiziell 3457, weitere 116 warten noch auf eine zweite Beobachtung. Aber die Zahlen müsst ihr euch nicht merken, morgen stimmen die schon nicht mehr.

Damit ist aber das Muster mit den Griechen und den Römern zu klein und die IAU musste sich etwas anderes überlegen, sie war schon ziemlich hintendran mit den ganzen Taufen. Also hat sie 2015 für ein paar Dutzend Planeten einen Online-Wettbewerb ausgerufen und auch schon 17 Kandidaten ausgewählt.

Seit dem 15. Dezember 2015 heißt 51 Pegasi b nicht mehr Bellerophon. Seit dieser Taufe ist der offizielle Namen „Dimidium“. Lateinisch für „die Hälfte“. Weil er wahrscheinlich ein Planet vom Typ Jupiter ist, aber nur die halbe Masse hat.

Das ist lame. Die anderen 16 Namen sind aus den Namen von astronomischen Instituten oder Gesellschaften geschnitzt. Der an sich coole Name „Thunder Bay“ z.B. ist einfach nur eine Referenz auf das „Thunder Bay Center der Royal Astronomical Society of Canada“.

Megalame! Die Wahrscheinlichkeit, dass meine Vision wahr wird und es irgendwann einen bewohnbaren Planeten gibt, der „Wollust“ heißt, die geht stark gegen Null.

Ach, übrigens: Immer wieder findet man Unternehmen, die Namensrechte an Himmelsobjekten verkaufen. Auf uwingo.com z.B. kann man für nur 5 Dollar Landmarken auf dem Mars benennen. Oder für 10 Dollar sogar Exoplaneten. Coole Geschäftsidee! Die leben rein vom Ausdrucken von Urkunden, die nicht einmal das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind.

Wenn ihr bis hierher zugehört habt, dann wisst ihr es besser: Das mache man als schlauer Explikator-Fan nicht. Ihr könnt stattdessen dieses Projekt auf Patreon, Flattr, Paypal oder per Überweisung mit einer beliebigen Summe unterstützen und mich dann, wenn wir uns begegnen, so nennen wie ihr wollt. Oliver wäre mein Vorschlag, aber eurer Phantasie sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt.

Mit einer Ausnahme: Kevin. Kevin, das geht nicht.

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