Expl0619: Geldregen


Wenn man kein Geld hat, dann ist widersinnigerweise Geld das wichtigste Thema im Leben. Und wenn man wirklich verzweifelt ist, kann man schon einmal hoffen, es möge Geld regnen. Denn mannchmal, eher selten, passiert das auch. Wie die heutigen Fälle beweisen!


Download der Episode hier.
Closer: „Homer Simpson, We’re in the money“ von Canal de Ak3larr3
Musik: „Let Me Be (2017)“ von David Sanya Beats / CC BY-NC-SA 3.0


Ein paar Mal in meinem Leben war ich schon so richtig pleite. Eines Monats vor langer, langer Zeit hielt ich ein Fünfmarkstück in der Hand und mir wurde klar, dass dies für die nächsten vierzehn Tage meine letzte Kohle war. Und was habe ich damit gemacht? Lose gekauft. Weil ich doof bin.

Lose oder Lotto oder jedes andere Glücksspiel sind der in feste Regeln gegossene Wunsch, ohne Anstrengung und Mühen ein sorgenfreies Leben führen zu können. Ein berechtigter Wunsch natürlich! Wenn der liebe Gott so ein toller Schöpfer ist, warum gibt es dann Banken, Vermieter, Finanzamt und Akne? Geld müsste es regnen, aber das passiert halt nie… Oder nur in Märchen.

Wenn man die Fälle ausschließt, wo das halt doch passiert ist. Wie z.B. jüngst, am 8. Februar in Kuwait City. Könnte man sagen, in Kuwait regnet’s dauernd Geld wegen des Erdöls, aber in diesem Fall hat’s sich ganz konkret um zwei oder drei Millionen Dirham gehandelt. Wahrscheinlich im Wert von € 750.000 – seltsamerweise waren die Scheine später nicht mehr zu zählen.

Es waren hauptsächlich 500-Dirham-Scheine, das entspricht jeweils ca. € 125. Auf YouTube ist ein Video zu sehen, wie das Geld herabregnet. Und eine Handvoll Kuwaiti das geduldig und ohne jeden Stress oder Anzeichen von Panik vom Boden auflesen.

In vielen Fällen, wenn es Geld regnet, gibt es dafür eine ganz einfache Erklärung. Da sitzen z.B. in einem Penthouse gelangweilte Millionärskinder und machen sich einen Heidenspaß, indem sie Mamas Portokasse an die Bedürftigen New Yorks verteilen.

Oder ein Bankier – stellen wir ihn uns in einem Anzug vor und mit einer dicken Kubanischen im Mund. Äh, Zigarre, meine ich. Und selber ist er auch dick – also dieser Klischeebankier zählt seine Zinseszinsgewinne, als das Zimmermädchen oder der Zimmerjunge hereinkommt und die Zugluft die schönen Scheine über die Wall Street verteilt!

Oder ein Philantrop, sagen wir ‘mal Bill Gates, erwischt ein paar Gläser Château Mouton Rothschild 2010 zuviel – die Flasche kostet so an die € 7000,- – setzt sich in seinen Privathelikopter und lässt uns ganz direkt und haptisch an seinem Reichtum teilhaben.

Man ahnt, dass das noch seltener vorkommt als ein Gewinn im Lotto, aber trotzdem sind alle diese Dinge so oder so ähnlich schon geschehen und das nicht nur einmal, sondern mehrmals.

Doch außer den Geldregen, die man erklären kann, gibt es auch Vorfälle, die man nicht erklären kann. So wie im Fall von Kuwait City, wo es für den plötzlichen monetären Segen bis heute keine Erklärung gibt. Keiner scheint die dreiviertel Million zu vermissen. Kuweit halt…

Anders war das z.B. 1968 auf dem Parkplatz des örtlichen Supermarkts in der Newington Road in Ramsgate in Kent, UK. Dort regnete es Pennies. In kurzen, heftigen Schauern fielen sie mit einer so hohen Geschwindigkeit vom Himmel, dass man sie kaum sehen konnte, aber deutlich hören. Sagte auf jeden Fall der Kassierer, der den Vorgang in einer Rauchpause beobachtete. Leider wissen wir nicht, wieviele Pennies in diesem Fall in Ramsgate aufgeschlagen sind, dafür gibt es hier den zusätzlichen fun fact, dass diese – laut Polizeibericht – alle verbogen waren.

Auch in England liegt Kidlington. Ein Dorf acht Kilometer von Oxford entfernt, wo es am 20. Februar 2007 hunderte von 100-Pfundnoten regnete, was den ansässigen Pubs an diesem Dienstag deutlich überdurchschnittliche Einnahmen bescherte.

Als es auf dem vierspurigen McClellan Highway bei Boston zu einem plötzlichen Geldregen von immerhin $ 7000,- kam, waren leider Polizisten die ersten am Niederschlagsort und die haben brav alles aufgesammelt und gemeldet. Doch! Haben die! Indianer-Ehrenwort!

So ähnlich wie die glückliche Motorradfahrerin in Worms, die im Juli 2007 auf der Autobahn anhielt und herabregnende Geldscheine brav aufsammelte und dann, wie es sich gehört, bei den örtlichen Behörden abgab. Es handelte sich dabei, so die Polizei, um einen „erheblichen“ Betrag.

Doch es regnet nicht nur Pfund oder Euros, es regnet auch Lire, wie z.B. in Mantova, wo immerhin Lirescheine im Wert von 8000 Euro durch die Luft segelten oder aber wie in Frosinone. In dem kleinen Dorf in der Nähe von Rom kam man aber leider nur auf einen Gegenwert von 5000 Euronen.

Das Guiness Book of Oddities vermeldet auch einen Vorfall in Bourges, Frankreich, wo es gleich 1000-Franc-Noten waren, die die Bewohner aufsammeln konnten. Auch in diesem Fall konnte die Polizei keine Abschätzung abgeben, wie hoch die Summe des Geldregens insgesamt war. Nur zu verständlich.

Alle diese Fälle sind belegt und in keinem meldete sich bisher jemand, der sein Geld vermissen würde. „Oh, dear! Somehow I lost my collection of bent pennies. Must’ve been a while ago, I guess it was 1968. Remember, darling, that night we smoked pot once. I better call the constable, don’t I?“

Warum es wohl Geld regnet? Das wissen wir in diesen Fällen eben nicht. Aber es ist kein Geldregen protokolliert aus der Zeit, als wir noch keine Wolkenkratzer oder Flugzeuge gebaut haben. Das könnte ein Hinweis sein, Watson.

Was ich euch eigentlich mit dieser Sendung sagen will, ist: Ihr seht, Sterntaler kann Wahrheit werden.
Denn: /Clip „Wunder“
Ja ja, schon gut. Schon recht. Man muss nur daran glauben. Bla bla. Ich habe auch geglaubt mit meinen fünf schäbigen Losen Geld zu gewinnen. Sonst hätte ich’s ja nicht gemacht! Und sowieso:

In Deutschland gelten für geregnetes Geld die gleichen Regeln wie für jedes andere Fundstück. Ein braver Bürger gibt das bei der Polizei oder im Fundbüro ab. Dort werden dann Sterntalers Adresse, der Fundort und die Summe protokolliert. Meldet sich der Verlierer nicht in einer Frist von sechs Monaten kann Sterntaler das Geld tatsächlich behalten.

Aber natürlich gilt es, auch diese Einnahmen in der Steuer-Erklärung anzugeben, denn auch die Schäubleins der Welt wollen gerne an Wunder glauben. Einnahme ist Einnahme, ob das Geld von Himmel fällt oder nicht!

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