Expl0626: Der Kasperl Larifari


Ich war nicht im Kindergarten, das war einst noch keine Selbstverständlichkeit. Stattdessen haben mir Schallplatten Gesellschaft geleistet. Und am liebsten hatte ich die mit dem Kasperl Larifari. Stellt sich die Frage: Wie geht’s dem denn heute so?


Download der Episode hier.
Musik: „Larifari (2009)“ von Kopfkracher / CC BY-NC-ND 3.0


K: Tritratrallala! Tritratrullala! Das Kasperle bin wieder da!
(Pause)
K: Ich sagte Tritratrallala! Hallooo?
(Pause)
K: Wieso is’n des ganze Wirtshaus so laar? Ned eine Menschenseele. Da schaugst aber…
S: Ah, da bist Du ja! Servus, Kasperl!
K: Seppl! Grüß Dia Gott! Mei, schee, das Du no da bist! Ich hab scho denkt, des Wirtshaus ist gar koa Wirtshaus mehr und koaner geht da nimmermehr nei…
S: Ja mei, Kasperl. Das ist nicht ganz falsch, Deine Beobachtung. Du warst halt lange weg. Ach, Danke für die Karten aus der Türkei, aus Afrika und aus China!

K: Gern! Koa Problem! Mei, i sag’s Dir, i hob ja Gschichten derlebt, dagegen san der Roiber, der Zaubere, des Krokodil und sogar der Deifi nix! Da in der Türkei, das hat’s so an gschwoin, grosskopferten Sultan…
S: Ich weiß, Kasperl. Ich hab’ ja Dein Blog gelesen. Und der Wachtmeister hat sogar Deinen YouTube-Channel abonniert…
K: Ah so, dann ist recht. Da wird sich mein Sponsor freuen. Sag’ scho, Seppl: Kimmt da niamands mehr nei? Dös is ja leer da herinnen, wie meiner Oma ihr Sparstrump. Kannt’s sei, dass man do noch a Bier bstelln ko?
S: Ja mei, Kasperl. „Bier“ in dem Sinne, also so im eigentlichen Wortsinn… Das gibt’s hier nicht mehr. Und Dein Zigarillo kannst Du auch gleich stecken lassen, Kasperl. Das ist jetzt kein Wirtshaus mehr, also so im eigentlichen Wortsinn. Das ist jetzt unser Kulturzentrum.
K: Oh weh, oh weh, oh weh! Dau haut’s mi ja glei aus meinen Designerschlappen! Sag’ scho ernsthaft, Seppl: Kein Wirtshaus mehr? Und der Stammtisch, wo hockan die oidn Bodschn jetzat alle zamm?
S: Ja mei, Kasperl. Den Stammtisch gibt’s schon lange nicht mehr. Ist keiner mehr gekommen. Du warst halt lange weg.

K: Du damischer Uhu, des stimmt doch ned! Du derbleckst mi, oder, Du Gscheidhaferl!
(Pause)
K: So is des. Oh weh, oh weh, oh weh. Sag’ scho, Seppl: Wo san die denn nochat alle? Und wos is’, do verreckst, ein Mojito?
S: Das heißt Mochito, Kasperl. Das ist a Longdrink. Oder ein Cocktail. Weiß ich selber nicht so genau. Ich bin hier auch nicht ehr so oft…
K: Ja, sauber. Dann sag’ scho, Seppl, oida Zipflklatscher: Was macht’n jetzat a jeder so? Wenn’s koa Wirthaus mehr gibt, wos mochd man do dann herund?
S: Ja mei, Kasperl, ein jeder ‘was anderes. Du warst halt lange weg…
K: Was macht’n die Großmutter, die oide Kachl?
S: Topflappen, das macht die. Die ist, ein halbes Jahr warst Du weg, in den Seniorenstift „Blühende Landschaften“. Die hat ja Betreuung gebraucht. Konnte ja nicht einmal mehr selber die Kaffeemühle drehen, weißt. Aber Topflappen häkeln, das geht noch…
K: Oh weh, oh weh, oh weh… Aber des hab’ ich ja gar ned gewusst, Seppl!
S: Ja mei, Kasperl, Du warst halt lange weg.
(Pause)
K: Dann sag’ oamai, Seppl: Was macht’n die Prinzessin a so?
S: Die hat jetzt auf der Apfelwies’n, wo wir immer die Maikäfer gefangen haben, wo jetzt das neue Gewerbegebiet ist, ein Fitness-Studio nur für Frauen. Soll gut laufen, hab’ ich gehört.
K: Sauber! Oiso, Sachen gibt’s, die glabt Dia a niamands…
K: Dann sag’ oamai, Seppl: Du sperriger Kletzn: Deine Gretl. Was macht denn die?
S: Ja mei, Kasperl. Das war ja immer mehr Deine Gretl als meine, Kasperl. Aber die wohnt gar nicht mehr hier, die Gretl. Da war dieser Vertreter für Solarzellen, der den Stall energetisch auf Vordermann gebracht, und dann…
K: Oh weh, oh weh, oh weh… Hearst auf, Mia wiad ja ganz buntscheckat do!
(Pause)
Des schmeckt ja greislig, des Moschitozeugs da. Da werd die Bedienung neibrunzt hom…
Dann sag’ oamai, Seppl, Du Lätschnbeni: Der Bürgermeister, wos mochdn der?
S: Ja mei, Kasperl, wir haben jetzt ja eine Bürgermeisterin. Der alte Bürgermeister, der wohnt auch nicht mehr da. Der hat sich ein Haus gekauft auf Las Palmas und dann ist er mit Sack und Pack umgezogen…
K: Kreiz Biam Bam und Hollastaudn! Oh weh, oh weh, oh weh! Mei, mei, mei…Wer bleibdn da no?Sag’ oamai, Seppl, Du Haumtaucher: Der Zauberer? Was is’n aus dem Zauberer woi gworn? Der is doch sicher ned wegzogn, oder?
S: Ja mei, Kasperl, weggezogen nicht, im eigentlichen Wortsinn. Aber der hat halt auch umgebaut. Neue Zeiten. Du warst halt lange weg, Kasperl. Der hat seine Burg umgebaut in einen Freizeitpark für die Leute aus der Stadt. „Hogwarts“ heißt das, glaub’ ich. Nach dem Harry Potter. Soll gut laufen, hab’ ich gehört. Und weißt Du, was die Attraktion ist?
K: Na, Seppl, das woas I ned. Jetzat sog scho, Du Tritschler: Was ist denn die Attraktion?
S: Das Krokodil ist der Hit des Parks! Als Du weg warst und keiner mehr versucht hat, es mit dem Knüppel jeden Tag tot zu schlagen, da ist es ganz handzahm geworden, das Krokodil. Frißt den Münchner Kindern die Zuckerstückl nur so aus der Hand. Glaubst Du des, Kasperl?

K: Oh weh, oh weh, oh weh. Da bist Du weg und dann kommst Du heim und dann hat Dein Dorf scho quasi eine 360 Grad-Wendung gemacht….
S: Aber 360 Grad, Kasperl, das würde bedeuten…
K: Etzat! Der Räuber? Den gibt’s scho no, den Räuber, oder?
S: Ja mei, der Räuber, Kasperl, was soll ich sagen. Seit die Oma mit der Kaffemaschine im Seniorenstift ist, hat der sich quasi sozial verbessert. Der raubt jetzt niemanden mehr aus. Also nicht so mit Waffengewalt, oder so…
K: Ja, wos? Heast auf! Kimm sag’ scho, Seppl: Was macht der Räuber jetzt so?
S: Der hat umgelernt, der Räuber. Ist schon lange her. Du warst halt lange weg, Kasperl. Der hat jetzt am Marktplatz ein Büro. Der verkauft Immobilien.
K&S (unisono): Soll gut laufen, hab’ ich gehört.
(Pause)
K: Oh weh, oh weh, oh weh. Kaum bist amoi ein paar Jahre weg, scho steht da herund koa Schwein mehr auf dem anderen. Do legst Di nida und stehst fei nimma auf. Jetzat woas I a nimmer. Die Ruamzuzler, diese blotscherten Pfundhami, die verrecktn…
S: Ja mei, Kasperl. Du warst halt lange weg. Den Wachtmeister hast Du vergessen!
K: Ja! Sauba! Recht host, Du Loamsieder, Du reidiger! Der Wachtmeister! Wo mochdn der?

S: Ja mei, Kasperl. Nachdem Du weg warst, hat er sich sehr verändert. Er hatte ja jetzt viel Zeit. Da hat er begonnen auf Körper und Geist zu achten. Der ist jetzt nicht nur der Vorsitzende vom Buchklub und dem Schachverein, der schaut auch richtig fesch aus…
K: Fesch schaugt der aus! Der gwamperte Hallodri?
S: Der ist kein bisschen dick. Der hat jetzt Muskeln und ein Sixpack.
K: Wos hod der? An Sixpäck? Ja, pfuideifi! Is des a so a Scharrn wia der Mojito, der verbrunzte?

S: Nein, das ist sexy.
K: Sexy? Jo, leck’ doch mich am Arsch! Die ausgschamt Bochratz und sexy! Du redst daher, wia wenn Du gamsig auf den werast, Seppl!
S: Na ja. Gamsig nicht, im eigentlichen Wortsinn. Nach zwei, drei Jahren Beziehung ist die Libido halt auch nicht mehr die, die sie in der Phase der Verliebtheit einmal war…
(Pause)
K: Wos sogst?
S: Der Wachtmeister und ich, wir wohnen zusammen. Wir sind ein Paar.
K: No amoi, I glaub’ die Pissbraus’n do is doch vui starker, ois ma glaubt… Wos hast gsogt?
S: Ja mei, Kasperl. Du warst halt lange weg. Ich bin schwul. Und der Wachtmeister auch.
K: Schwul bist Du? A wooos!
S: Ja, Kasperl.
K: Ja, wann bist Du den schwul gwordn, Du gstumpater Grantler Du?
S: Ich war schon immer schwul, Kasperl. Man wird schwul geboren…
K: Ja Pfiatigott, Elisabeth! Kreizhimmisakrament: Nachat warst Du scho schwul, wie mia den Roiber gfangen hom, die Prinzessin befreit und den Zaubere neiglegt hom?
S: Ja, Kasperl.
K: Aber des hob I ja nia gmerkt.
S: Nein, Kasperl. Du warst immer beschäftigt. Schimpfnamen für mich ausdenken, z.B.
K: Jetzat sog I nix mehr…

S: Ja mei, Kasperl. Du warst halt lange nicht da. Das ist alles nicht mehr so, wie es war.
K: Des derfst song… Des derfst song…
S: Alles anders.
K: Ois anders. Ois is anders. Des is quasi eine Umwälzung. Eine Umwertung aller Werte, Seppl. Verstehst Du das? Kein Platz für Unernst mehr!
S: Ja, Kasperl. Das wissen wir. Das sind moderne Zeiten. Fortschritt. Aber wir sind vorbereitet. Da machen wir schon ‘was…
K: Und was macht ihr?
S: Das, was wir schon immer gemacht haben, Kasperl.
K: Wos war des gwesn?
S: Wir wählen halt die CSU!
(Pause)

K: Ja. Mmmh. Jetz fällts mia ein: Ich muas amoi ganz schnell nach Timbuktu, Seppl. Hoitst mia des Plotzerl im Kulturzentrum frei, oder? Ihr brauchts koan Larifari mehr do in Bayern, ihr seids scho genug Kasperln! Mach’s guat, oida Spezi.
S: Mach’s gut, Kasperl! Mach’s guat. Weg ist er…