Expl0636: Hunde sind giftig!


Wir haben zwei Hunde. Das ist toll, aber es ist manchmal auch eklig. Darum bin ich bei dem Artikel „Dein Hund, die Dreckschleuder“ auch hängengeblieben beim Browsen. In der Zeit wird aufgelistet, wie viele Krankheiten unsere Lieblingshaustiere so übertragen. Seitdem leben wir jetzt im Keller.


Download der Episode hier.
Opener: „Dog Barks The Star Wars Theme Song“ von The Michael Dennis
Closer: „Comedian Bill Burr – Owning a dog“ von ThePrimas
Musik: „Dialogue Avec Mon Chien“ von LÖHSTANA DAVID / CC BY-NC-SA 3.0


Ich wollte ja immer viele Haustiere haben. Nun, das habe ich jetzt wirklich. Da wäre eine Meersau mit Namen Misu – ihr Kumpel ist unlängst verstorben. Und da wäre unsere Hündin, mit dem Namen Shani. Eine Fressmaschine, dreiviertel Windhund und ein Viertel Hausschwein. Hoffentlich hört die die Sendung nicht. Und der Cowboy, Rasse unbekannt, der mit seinen 12 Jahren leider völlig taub ist. „Cowboy, Cowboy, Cowboy!!! (Außer Atem) Hier, ein Leckerli…“

Für ihre Namen können sich die beiden bei den Leuten im Tierheim bedanken. Und dann wären da noch Katze Eins, die stoische Maya mit den kaputten Kniescheiben und der kleine Kater Lino, der mir die Hände so zurichtet, dass andere Katzenbesitzer mich sofort als Kollegen erkennen.

Aber bleiben wir bei den Hunden. Auch, wenn ich die gefühlt 120 Fische vergessen habe, deren Namen ich aber hier nicht aufzähle. Erstens, weil das zu zeitraubend wäre und zweitens, weil sie keine haben.

Man kann ja über die Hundehaltung viel erzählen und auch viel diskutieren. Ich kann Menschen, die Hunde nicht mögen, absolut verstehen. Manchmal begegnet man beim Gassigehen solchen und die Angst in ihren Augen beim Anblick unserer Riesentiere tut mir wirklich leid. Ich gehe dann natürlich einen Bogen.

Auch wenn ich sehr glücklich bin mit unseren leicht neurotischen, aber herzensguten Tieren hat es natürlich viele Nachteile, Hunde zu haben. Von der eingeschränkten Urlaubsplanung bis zum täglichen Kacke-Einsammeln. Und von der Tatsache, dass es einfach zu viele Haustiere gibt, die dann in Heimen entsorgt werden, wollen wir gar nicht reden.

Und jetzt ist es auch noch so, dass Hunde wohl doch giftig sind. Die Zeit titelte diese Woche: „Dein Hund, die Dreckschleuder!“ Zuerst fragte ich mich: Woher wissen die das denn? Aber sie meinten gar nicht Erde, Gras, Haare, Sabber oder Speisereste in der Wohnung.

Nee, was die meinten: Hunde töten! Hunderttausende Menschen jedes Jahr! Und nicht, indem sie sie totbeissen, das sind nur ein paar Hundert Fälle im Jahr weltweit. Es sind ganz andere Dinge, die die Hundehaltung so gefährlich machen! Ellen und ich haben uns auf jeden Fall hier im Keller verschanzt und warten, bis die Hunde schlafen…

Denn Hunde übertragen z.B. die Erreger Campylobacter jejuni und Campylobacter coli. Mindestens jeder zehnte Hund läuft damit rum, amerikanische Mikrobiologen tippen eher auf 50%. Und wenn man als Mensch diese fiesen Bakterien aufschnappt, dann stirbt man! Ach nee, habe mich verlesen, dann kriegt man fiesen Durchfall. 70.000 Deutsche sind davon jedes Jahr betroffen!

Doch der Hauptübertragungsweg ist gar nicht der Hund, das steht da auch, in einem Nebensatz versteckt. Das Robert-Koch-Institut führt die Übertragung des Campylobacter in seinem epidiologischen Bulletin gar nicht erst auf. Quelle eins ist immer noch rohes Hühnerfleisch, dann folgt Schweine- und Rindfleisch.

Na, gut. Was hätten wir noch im Angebot? Ah! Gleich noch mehr Durchfall. Denn der Campylobakter ist nur die Nummer Zwei bei bakteriell übertragenen Durchfallerkrankungen. Nummer Eins sind natürlich die Salmonellen.

Die übertragen aber laut Artikel die Hunde gar nicht. Die könnten bloß auf getrockneten Schweineohren lauern. Und wenn man die gibt, dann sollte man sich nachher deswegen unbedingt die Hände waschen. Aber: Die sollte man auch nicht geben. Schwein und Hund, das ist keine gute Kombination.

Dann wäre da noch die Tollwut. Das ist natürlich ein guter Einwand. Wahrscheinlich sterben jedes Jahr 55.000 Menschen an der Tollwut. Und tatsächlich werden 99% dieser Erkrankungen durch den Hund übertragen. Nicht von den armen Füchsen, die wir deswegen schon beinahe ‘mal ausgerottet hatten.

Das ist ein guter Punkt. In Deutschland gilt die Tollwut übrigens seit 2008 offiziell als ausgerottet. Vielleicht können wir doch noch den Keller verlassen, wenn der Artikel so weitergeht. Mal sehen, was gibt’s denn noch.

Siehe da: Hunde sind Zwischenwirte für alle möglichen Erreger. Da wären, laut Zeit, die viszerale Leishmaniose in Lateinamerika und Südasien. Und der Medinawurm im Tschad, der dort von Straßenhunden verbreitet wird.

Dann werden wir wohl jetzt doch wieder rauskommen. Denn Hundehaltung hat auch viele Vorteile, so wissenschaftlich gesehen. Es gibt gleich mehrere Studien, die einigermaßen belegen, dass Hundehalter im Durchschnitt gesünder leben. Und die Ursache wird im Gassigehen vermutet. Kann ich mir vorstellen, ich jogge zum Beispiel jeden Tag ca. 3 Kilometer mit der Shani. Und die ist zwar nicht mehr die Jüngste, aber wenn die einen Spurt hinlegt… Keine Chance.

Und dann gibt es eine weitere Studie, die nachweist, dass Singlefrauen, die einen Hund haben, seltener depressiv werden als hundelose Frauen. Die Studie behauptet aber nicht, dass Frau ohne Mann automatisch depressiv wird, keine Angst, Singlemänner mit Hund haben die einfach nicht untersucht.

Meine Lieblingsstudie ist aber eine aus dem United Kingdom. Psychiater haben dort 77 Kinder befragt. Die waren Mädchen oder Jungs, aber hatten alle Geschwister und Haustiere, meistens Hunde. Die Forscher verwendeten einen üblichen Fragebogen, den „Network Relationships Inventory“, und wandelten ihn leicht ab, um die Haustiere auch zu erfassen.

Das Ergebnis: Alle Kinder profitierten anscheinend von der Beziehung zu ihrem Haustier mehr als von der Beziehung zu ihren Geschwistern. Dogs ARE a kid’s best friend. Aber, wollen wir nicht schummeln: Das lag hauptsächlich daran, dass das Konfliktpotential bei Geschwistern halt größer ist. Hunde blockieren halt nicht stundenlang das iPad oder kucken die falschen Serien im Fernsehen…

Und: Wenn wir schon nicht schummeln wollen: So schlimm war der Artikel in der Zeit gar nicht. Da steht, neben all den Horrorzahlen auch gedruckt, dass man in Deutschland keine Angst vor der Hundehaltung haben müsste. Der Nutzen würde den Schaden bei weitem übersteigen. Man sollte sich nach dem Abschlecken halt die Hände waschen, den Hund nicht im Bett schlafen lassen, Hundefutter nicht im Kühlschrank lagern und Kot nicht im Garten rumliegen lassen. Dann ist man auf der sicheren Seite.

Das sind tatsächlich gute Tipps. Und wir werden den Keller also doch wieder verlassen. Was wirklich gut ist. Denn hier unten haben wir nichts zu essen gelagert. Ach, doch! Hundefutter!

Ich wollte ja nicht mehr schummeln. Wir waren gar nicht im Keller versteckt. Denn der größte Krankheitsüberträger für den Menschen ist der Mensch. Selbst wenn einige Erreger, die ein Hund mit sich herumschleppt, auf den Menschen übertragbar sind, so ist das doch nur ein Bruchteil.

Beim Menschen sind aber alle Erreger menschlich. Wer auf Nummer Sicher gehen will, der schafft besser seinen Partner ab. Und putzt sich nach jedem Kuss ordentlich die Zähen. Am besten gar nicht anfassen. Oder getrennte Schlafzimmer. Oder – noch besser – getrennte Wohnungen. Oder – noch besser – getrennte Wohnorte. Oder – noch besser – getrennte Planeten. Oder – noch besser…