Expl0639: Don’s Plum


Da sind also diese zwei großen Schauspieler Toby Maguire und Leonardo DiCaprio, die sich wirklich anstrengen, dass niemand ihr Frühwerk „Don’s Plum“ sieht. Habe ich aber trotzdem gemacht. Darum verstehe ich die beiden jetzt ganz gut.


Download der Episode hier.
Opener: „LEONARDO DICAPRIO SUCKS!“ von CompanionlessNymph18
Closer: „Mean Tweets Live“ von Jimmy Kimmel Live
Musik: „Don’t Leave Now (2016)“ von JAKE GORDON / CC BY-SA 3.0


Filme anzuschauen, die man nicht anschauen soll, war schon immer besonders spannend. Ich erinnere mich gerne zurück, wie wir so mit ca. 16 Jahren heimlich über den Zaun des Autokinos geklettert sind, uns neben einem Auto versteckt haben, nur um „Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd“ zu kucken. Der ab 18 war. Eine Sexkomödie von 1974. Aber weder lustig, noch sexy.

Dann gibt es noch Filme, die fertig produziert sind, aber dann doch nicht ins Kino kamen. Berühmt ist z.B. der „Fantastic Four“-Film von Bernd Eichinger und Roger Corman. Der ist einfach der schlechteste aller schlechten Fantastic-Four-Verfilmungen. Allzu verständlich.

Und dann gibt es, auch ziemlich berühmt, ein Frühwerk von Leonardo DiCaprio, bekannt als Oscarpreisträger und Toby Maguire, bekannt als Spiderman und seitdem auch als erfolgloser Filmproduzent. Der Film heißt „Don’s Plum“ und niemand soll ihn sehen, wenn es nach den beiden nicht mehr jungen Jungstars geht.

Produziert wurde der Film 1999 von Dave Whatley unter der Regie von R.D. Robb. Außer den beiden Superstars spielen noch Marissa Ribisi und Amber Benson mit, bekannter sind vielleicht noch Scott Bloom oder Kevin Conolly.

Dave Whatley gilt auch als Autor, wobei wahrscheinlich nicht viel gescriptet ist, die Schauspieler scheinen einfach so vor sich hin zu improvisieren. Es geht um eine Gruppe junger Männer, die sich einmal die Woche in der Bar mit dem Namen „Don’s Plum“ – Donalds Pflaume, auf Deutsch – treffen.

Und sich dann einfach unterhalten, was ihnen so widerfahren ist. Es gibt da zum Beispiel ausgiebige Gespräche über das Masturbieren, es wird viel geraucht und viel getrunken, ein bisschen gestritten und sehr, sehr oft „Fuck“ gesagt. Was ja im Amerikanischen das Gütesiegel für „Authentizität“ ist.

Das Besondere ist, dass jeder der vier Männer zu diesen Treffen eine Frau mitbringen muss. Nur Derek, gespielt von Leonardo DiCaprio, tut das nicht. Die deutsche Wikipedia schreibt recht treffend: „Alle gebärden sich frech und unnahbar, beleidigen, fummeln, streiten, scherzen. Dabei kommen sich die Geschlechter in allen Kombinationen auf unterschiedliche Weise näher, was sich meist in latenter Gewalt ausdrückt.“

Das trifft es ganz gut. Ich finde, es wäre auch durchaus passend, wenn man sagt, die jungen Männer sind ein Haufen narzisstischer, egozentrischer, gelangweilter, unsozialer, sexbesessener Los-Angeles-Arschlöcher.

Speziell Maguire und DiCaprio, die alle beide schon Rankings als „Sexiest Man Alive“ hatten – keine Ahnung warum – zeigen hier deutlich ihre dunklen und fiesen Charakterseiten. Keinem der beiden LA-Arschlöcher, die sie in diesem Film „darstellen“, möchte man nachts alleine begegnen.

Der Film entstand innerhalb einer Nacht und ist alles andere als ein Must-See. Wem man Leonardo DiCaprio oder Tobey Maguire nicht mag, dann kann man sein Vorurteil mit „Don’s Plum“ gut pflegen. Aller anderen werden nach „Don’s Plum“ Leonardo DiCaprio und Tobey Maguire nicht mehr mögen.

Als der Film in den USA veröffentlicht werden sollte, bemühten die beiden eine Menge Rechtsanwälte, um genau das zu verhindern. Das sei nur ein Übungsfilm gewesen, der sollte nie veröffentlicht werden. Den habe man nur gemacht, um dem Kumpel RD Robb einen Gefallen zu tun. Beide hätten kein Geld dafür gesehen und überhaupt: Was für eine Frechheit aus dem Material, das ja nur ein Kurzfilm werden sollte, ein Feature zu schneiden. Das war sooo nicht besprochen.

Ja, die Aussagen widersprechen sich. Robb und Whatley hielten dagegen: Das ist ein amerikanischer Film, gemacht von Amerikaner, deswegen sollten ihn auch Amerikaner sehen dürfen! Kling patriotischer, als es gemeint ist. Denn gemeint ist: Überall außer in den USA und Kanada ist der Film nämlich erschienen. Zwar nicht im Kino, nur 2001 in Cannes, aber man kann ihn bequem auf Amazon bestellen. Allerdings nur als DVD, Streaming haben die beiden Stars verboten.

Genau wie sie dafür Sorge tragen, dass der betreffende Wikipedia-Artikel in Englisch dauernd wieder gelöscht wird oder Kopien des Films auf YouTube oder Vimeo vom Netz genommen werden.

Andere Argumente waren, dass die beiden durchaus Geld bekommen haben für den Dreh, jeder $ 350,- für den Abend. Und es auch andere Ausgaben gab, also müsste allen Beteiligten klar gewesen sein, dass die Macher das irgendwie wieder reinholen wollen.

Der Rechtsstreit tobte hin und her und im Jahre 2000 einigte man sich außergerichtlich. Wahrscheinlich hat Whatley eine genügend große Summe Geld bekommen.

Freunde sind die beiden Großen und Whatley und Robb nicht mehr, man hat seit dem Streit kein Wort mehr miteinander gesprochen.

Warum also die Aufregung um einen so schlechten Film? Warum das ganze Theater? Weil „Don’s Plum“ ein dunkles Geheimnis verbirgt. In den 90ern ließen es DiCaprio und Maguire, die richtig gute Freunde sind und noch eher unbekannte Schauspieler so richtig krachen. Regelmäßig trafen sie sich mit ihrer Gang, zu der auch Kevin Conolly oder David Whatley gehörten und machten genau das, was die Menschen auch in Don’s Plum machen.

Nämlich sexistische Bemerkungen, Kellnerinnen angrabschen aber kein Trinkgeld geben – eine der Regeln dieses elitären Clubs und allgemein zuviel trinken und sich im Kleines-Arschloch-Sein suhlen. Auch die Regel, dass jeder eine Frau zum Allgemeinen betatschen mitbringen muss existierte wohl zu dem einen oder anderen Zeitpunkt.

Man nannte sich stolz die Pussy Posse, übersetzt vielleicht am besten mit „Die Muschi-Bande“ und machte Los Angeles unsicher. Das Geheimnis von „Don’s Plum“ ist wohl einfach, dass zu deutlich sichtbar wird, dass weder DiCaprio noch Maguire hier eine große schauspielerische Leistung abliefern. Weil sie gar nicht schauspielern. Die beiden waren einfach Ende der Neunziger in Wirklichkeit, im echten Leben ein Haufen narzisstischer, egozentrischer, gelangweilter, unsozialer, sexbesessener Los-Angeles-Arschlöcher.

Darum der ganze Aufwand, den Film zu verbieten, man will sich nicht das Image ruinieren, dass man sich so sauber aufgebaut hat.
Whatley hat 2016 erst wieder eine Website veröffentlicht, „FreeDonsPlum.com“, in der der Film per Vimeo gestreamt wurde. Immerhin drei Wochen lang. Jetzt ist da nichts mehr zu sehen. Aber jeder, der ihm das Port überweist, so schreibt er, dem würde er den Film per Post schicken.

Aktuell kann man den Film aber wieder auf YouTube sehen, wird sich aber auch nur um ein paar Tage handeln. Bis die nächste Sperrungsrunde sich wieder dreht. Denn in Wirklichkeit kann man Filme nicht mehr verbieten.

Don’s Plum. Ich habe ihn gesehen. Jugendsünde halt. Kann man irgendwie verstehen. Tobey Maguire und Leonardo DiCaprio sind aber wahrscheinlich trotzdem Arschlöcher.