Expl0654: McDonalds


Zum Glück komme ich aus München. Denn dort konnte ich ins erste deutsche McDonalds gehen – gleich gegenüber des Grünwalder Stadions. Das hat mein Leben bereichert. Auch wenn ich nicht wusste, dass ich damit Teil eines Immobilien-Geschäfts wurde. Erklärt euch Ellen heute einmal…


Download der Episode hier.
Opener: „McDonald`s – Friseur – “einfach gut” (D 1994)“ von McDriveWien
Closer: „McDonalds Menu Song 1989“ von Retrontario
Musik: „Les connasses qui bossent chez McDonald’s (2016)“ von ANTHONY / CC BY-NC-SA 3.0


Hey, diesen Satz habe ich lange nicht mehr gesagt. Wir waren ja eine Woche im Urlaub – bei Traumwetter, Glück gehabt. Aber wir haben trotzdem an neuen Ideen gearbeitet, lasst euch überraschen. Ach, was mir noch einfällt: Ich bin jetzt auch bei Twitter. Mein Handle ist DieExplikatorin – in einem Wort. Danke noch einmal für euer tolles Willkommen. Noch kenne ich mich nicht so richtig aus, aber das lerne ich schon. Wundert euch aber nicht, wenn ich nicht gleich antworte, ok?

Genug Meta-Gerede. Kehren wir zurück zu dem knallharten, investigativen Journalismus, den ihr von dieser Sendung gewöhnt seid! Denn heute legen wir offen, wer in Wirklichkeit der größte Immobilienbesitzer der Welt ist! Nur hier, bei der Explikatorin!

Es ist… clip/drumroll (leicht enttäuscht) Na ja, wahrscheinlich ist es der Vatikan. Das weiß man leider nicht so genau. Aber das meinte ich auch gar nicht. Reden wir also lieber von der Nummer Zwei. Also noch einmal:

Es ist… clip/drumroll (begeistert) McDonalds! Ja, ich meine den größten Burgerbrater der Welt. Das Fast-Food-Unternehmen mit den schottischen Wurzeln. Dieses Unternehmen mit weltweit knapp einer halben Million Angestellten funktioniert nämlich anders, als man denken mag.

Denn, genau genommen, ist McDonalds ein Immobilienunternehmer. Das geht so, ein kleines Beispiel: Ich, Ellen Anders plane mich endlich selbstständig zu machen und Franchise-Nehmer zu werden. Denn in Bobingen gibt es keinen McDonalds.

Also rufe ich in Schottland an: „Hey, McDonalds, ich habe den Eindruck, hier ist ein Big-Mac-Versorgungsloch! Hier leben viele Menschen, die es weiter als 16 Kilometer zum nächsten Mäkki haben. Da sollten wir etwas machen!“

Dann antwortet McDonalds: „Das könnte eine gute Idee sein! Warte mal, wir kucken uns um.“

Das Unternehmen wertet dann die Lage aus und wie viel Geld die Leute in Bobingen so haben. Und was es für Immobilien es hier so gibt. Und, wenn man schon einmal recherchiert: Ob ich jemals außereheliche Affären hatte, an welch’ körperlichen Leiden ich so leide und warum genau ich das letzte Mal beim Arzt war.

Wenn aber doch alles passt, dann kaufen die eine Immobilie, bauen da ein McDonalds rein und ich werde der Pächter. Ab jetzt geht es nur noch darum, dass ich brav meine völlig überhöhte Miete zahle. Denn, wenn ich pleite gehe, dann holen sie sich den nächsten Freiwilligen. Das Risiko für EmDi geht gegen Null.

Glaubt ihr vielleicht nicht, aber dann lasst mich einmal einen der Gründer des Unternehmens zitieren, nämlich Harry Sonneborne. (Macho-Stimme) „Eigentlich sind wir ja ein Immobilien-Unternehmen. Der einzige Grund, warum wir Hamburger verkaufen, ist die Tatsache, dass diese am meisten Gewinn abwerfen, von dem unsere Restaurantbesitzer uns dann ihre Miete zahlen können.“

So. Basta. Ihr mögt euch fragen: Sonneborne? Gründer von McDonalds? Das ist komisch, oder? Das kann man aber erklären.

Und weil es heute ja um Geschichte geht, fangen wir wie gewohnt bei Adam und Eva an.

Wenn man der Bibel Wort für Wort glaubt, waren es nur 5000 Jahre nachdem Adam und Eva zum ersten Mal Geschlechtsverkehr hatten, bis in New Hampshire zwei Brüder geboren wurden. Die da hießen: Richard und Maurice. Und McDonalds hießen sie auch noch und ja, sie stammten von schottischen Auswanderern ab.

Als die Große Depression die westliche Welt schüttelte, träumten die beiden davon, spätestens mit 50 Millionäre zu sein. Aber in New Hampshire war kein Blumentopf zu gewinnen, also versuchten sie ihr Glück in Kalifornien. Im Film-Business.

Aber es haute nicht so richtig hin. Sie bekamen nie eine Hauptrolle. Na ja, sie bekamen nicht einmal eine Komparsenrolle. Sie wurden nicht einmal Schauspieler. Der filmigste Job, den sie hinkriegten, war es in einem Vorort von Los Angeles ein Kino zu eröffnen. Das aber leider keiner so richtig besuchen wollte, sie gingen schnurstracks pleite.

Maurice war bereits 37 und Richard 31. Es wurde also langsam knapp für die Vision, mit 50 Millionär zu sein. Neuer Versuch. Anderes Gewerbe.

Die beiden eröffneten sie ein Barbecue-Restaurant. Ein Grill-Restaurant. „Dick & Mac McDonald – McDonald’s Bar-B-Q“ hieß das. Das erste McDonalds.

Aber dieses Etablissement hatte nichts gemein mit einem McDonalds, wie wir es kennen. Die Spezialität waren Sandwichs mit Grillfleisch. Mit laaange gegrilltem Schweine- oder Rindfleisch. Pulled Pork oder Pulled Beef würde man das heute nennen. Klar, es gab auch einen Burger. Den „aristocratic burger“, der war aber echt teuer im Vergleich.

Das Geschäft lief so: Man fährt mit dem Auto zu McDonalds, dann kommt eine Bedienung und reicht einem eine Speisekarte. Dann bestellt man, das Essen wird zubereitet und man wartet halt. Dann isst man sein Essen entweder im Restaurant oder im Auto oder man fährt wieder.

Der Laden lief super, die Brüder prosperierten. Es ging ihnen prächtig. Aber es fielen ihnen zwei Dinge auf: Erstens bestellten die meisten Kunden Burger und zweitens fuhren viele Kunden wieder weg, weil es bei McDonalds nicht schnell genug ging – es staute sich vor dem Restaurant.

Also machten Dick und Mac den Laden dicht und starteten mit einem neuen Modell. Alle Bedienungen wurden entlassen. Die Küche wurde zu einem Fließband umgebaut. Jeder Koch hatte genau eine Aufgabe. Brötchen toasten, Burger braten, Gürkchen schneiden und auflegen, Sauce draufspritzen und so weiter. Die paar Gerichte auf der Karte wurden schon einmal vorab fertig gekocht. Gegrillt. Gebraten. Frittiert.

Und die Kunden fuhren dann vor, bestellten an einem Fensterchen und fuhren dann ruckizucki weiter, denn ihr Essen war ja schon längst vorbereitet und fertig.

Das erlaubte den McDonalds so richtig billig und preisgünstig zu sein und damit lief das Geschäft so richtig toll. Im ersten Jahr des ersten Restaurants, das Fast-Food erfunden hatte, waren es satte 350.000 Dollar Gewinn. Fantastillionen in heutigen Dollars.

Das fiel auch dem Milch-Shake-Maschinen-Verkäufer Ray Kroc auf, der an die Brüder beruflich eben Milch-Shake-Maschinen verkaufte. Er machte einen Deal mit den Brüdern und eröffnete selber eine McDonalds-Filliale nach der anderen.

Aber Kroc und die echten McDonalds verstanden sich nicht so gut. Es klappte nicht zwischen den bodenständigen Yankees aus New Hampshire, die sich um die Qualität des Essens sorgten und dem umtriebigen Unternehmer. Kroc hatte erkannt, dass es eine tolle Idee war, eine Marke zu erfinden und zu vermarkten. Und das Geschäftsrisiko den Subunternehmern zu übertragen. Er kaufte das Wort „McDonalds“ und das Fast-Food-Konzept für 2,7 Mio Dollars. Die McDonalds durften sich jetzt nicht mehr McDonalds nennen.

Trotzdem klappte das alles nicht so besonders gut. Ein gut behütetes Geheimnis in der Geschichte des Unternehmens McDonalds ist es, dass sie tatsächlich in den Fifties beinahe pleite gegangen wären. Die meisten Freunde und Bekannten, die Ray Kroc überredet hatte, sich als Franchise-Nehmer von McDonalds zu versuchen, machten das einfach nicht so toll…

Und jetzt kommt der Auftritt von Harry Sonneborn. Von diesem findigen Kopf stammt die Idee, das Unternehmen von einem Burger-Brater zu einem Immobilien-Unternehmen umzustrukturieren.

Wenn ihr das nächste Mal also beim schottischen Rindfleisch-Verbrenner einen Cheeseburger esst – denn das ist der Deutschen Lieblingsprodukt – dann denkt daran:
Eigentlich zahlt ihr nicht für Lebensmittel… Nee, das ist das falsche Wort.
Eigentlich zahlt ihr nicht für Nahrungsmittel… Nee, immer noch falsch.
Eigentlich zahlt ihr nicht für Füllmittel.

Ihr zahlt in Wirklichkeit dem Sub-Unternehmer Geld, der seine ganze Existenz an Burger und Fritten verkauft hat. Nur damit dieser der Company mit dem erkauften Namen „McDonalds“ die Immobilie finanziert, in der ihr gerade sitzt oder steht.

Ihr seid Teil eines Immobilien-Geschäfts. Also dann: Viel Spaß beim Essen in dem Unternehmen, dass weltweit das meiste Spielzeug in der ganzen Welt verteilt! Viel Spaß bei McDonalds!

Und ich meine das nicht einmal ironisch: Denn, wenn wir über den wirklich größten Immobilienbesitzer der Welt reden, den Vatikan – wow, da kann ich euch von einem wirklich abgebrühtem Geschäftsmodell erzählen!