Expl0662: Die 8, 9, 8, 9, 10 Planeten


Könnten wir uns jetzt so langsam auf eine feste Anzahl an Planeten einigen? Man kommt ja mit dem Merkspruch lernen gar nicht mehr hinterher! Denn außer dem ominösen Planet 9 gibt’s seit neuestem vielleicht sogar eine Nummer 10. Kennt sich ja keine Sau mehr aus, oder?


Download der Episode hier.
Opener und Closer: „Plan 9 From Outer Space – Best Lines“ von CeruleanFilms
Musik: „Rock Star“ von Michael Ellis / CC BY-NC-SA 3.0


Immerhin 36 Jahre lang, bis 2006 hatten wir in unserem Sonnensystem neun Planeten. Irgendwie war uns der kleine Pluto so richtig ans Herz gewachsen, auch wenn die Durchschnittstemperatur von minus 229 Grad ihn nie so richtig zum Touristenparadies gemacht hätte.

So saßen wir als zehn Jahre frustriert auf unseren Sofas und überlegten uns, wie wir die ganzen, nun völlig umsons auswendig gelernten Merksprüche umdichten könnten. Ich finde ja folgenden Merkspruch prima: „Mein Vater erklärt mir an jedem Sonntag unsere natürliche kosmische Ordnung.“

Das steht für Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, den Kuiper-Gürtel und die Oortsche Wolke. Das ist praktisch, weil wir dann alle Zonen mit Objekten, die um unsere Sonne kreisen drinne haben. Nur für den Fall, dass da noch Überraschungen lauern.

In der Folge 430, April letzten Jahres, hatte ich ja schon davon erzählt, dass es da tatsächlich einen Kandidaten gibt, der sich für den freigewordenen Platz von Pluto bewirbt.

Konstantin Batygin, der Rockstar der Astronomie und Michael Brown, der Mann, der uns den Pluto genommen hat, haben letztes Jahr eine steile These aufgestellt. Die beiden Forscher des Caltech behauupten, dass da weit zwischen Kuiper-Gürtel und Oortscher Wolke ein einsamer Planet still und unbemerkt seine Bahnen zieht.

Zehn Erdmassen hat er, vier Erddurchmesser ist er dick und wahrscheinlich ein Riesenklumpen Eis, Er ist vier Lichttage entfernt und braucht zur Umrundung der Sonne mindestens 10.000 Jahre braucht, vielleicht auch 20.000.

Und die beiden kommen auf diese Behauptung, weil ihnen etwas an den Sednoiden aufgefallen ist. Das ist eine Gang von einem halben Dutzend Objekten, der Boss ist der Zwergplanet Sedna. Deren Umlaufbahnen sind seltsam, weil ihre Apsidenlinien so brav geordnet sind. Die Apsidenlinie ist die gedachte Verbindung zwischen dem sonnenfernsten und sonnennahesten Punkt einer Umlaufbahn.

Wenn nur unsere bekannten Planeten auf die Sednoiden einwirken würden, dann würden sich diese Linien viel individueller verteilen. Irgendetwas musste da also in ihrer Nähe sein, dass soviel Masse hat, soviel Schwerkraft produziert, dass sich die Gang dem anpassen muss.

Das ist natürlich damals sehr umstritten gewesen. Die NASA hatte das in ersten Meldungen für unwahrscheinlich erklärt. Die Presse hat gleich wieder Weltuntergang verkündet. Kein Witz, die New York Post hatte in einem Video erklärt, dass dieser ominöse Planet Neun uns böse Kometen aus dem Kuiper-Gürtel schickt und es dewegen besser wäre, offene Rechnungen beim Finanzamt zu bezahlen. Weil die einen auch nach der Apokalypse auftreiben würden.

Doch seit dem letzten Jahr hat sich vieles getan und die Berechnungen, die Batygin und Brown in ihrer Computersimulation getätigt haben, scheinen relativ wasserdicht zu sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass da ein Planet still vor sich hinzieht, den wir noch nie vor eine Linse bekommen haben, wird mittlerweile mit sehr hohen Zahlen beziffert.

Alle suchen also nach dem Kandidaten mit dem Arbeitstitel „Planet Neun“ from Outer Space. Wenn wir irgendwann ein Foto von unserem Neuzugang bekommen, sind wir endlich wieder Neun. Der nächste Merkspruch muss gedichtet werden.

Und auch den brauchen wir uns vielleicht nicht lange merken, denn es gibt vielleicht sogar einen Kandidaten Nummer zehn. Und das dieses neue Phantom gleich die Ordnungszahl Zehn bekommt, macht auch gleich deutlich, dass die Theorie von der Nummer Neun recht breite Akzeptanz hat.

Kathryn Volk und Renu Malhotra von der University of Arizona ist da nämlich etwas Komisches aufgefallen. Im Kuipergürtel selber verborgen.

Noch einmal zum Überblick: Eine astronomische Einheit sind 149.597.870 Kilometer. Das ist der Abstand der Erde von der Sonne. Der Neptun, momentan das Schlusslicht unserer Planeten fliegt in eine Abstand von gemittelt 30 AE um die Sonne. Danach kommt der Gesteinsmüll des Kuipergürtels so um die 40 AE. Dann lange nichts und dahinter kommt Planet Nine mit einem Abstand von 700 AE. Ganz, ganz, ganz weit draussen, in den Banlieus des Sonnensystems folgt die Oortsche Wolke, die 100.000 AE von der Sonne weg ist. Braucht das Licht der Sonne zu uns auf die Erde 500 Sekunden, kommt es bei Herrn Jan Hendrik Oorts Kometenmüllplatz erst nach 1,6 Jahren an.

Das ist wichtig, weil Planet 10 nämlich laut Berechnungen der beiden Astronomen im Kuipergürtel selber seine Bahnen zieht, also viel näher an uns dran wäre. Den Forschern waren Unregelmäßigkeiten in den Umlaufbahnen verschiedener Objekte im Gürtel aufgefallen und ihre These ist, dass da mitten in den Kometen und Zwergplanetchen noch einmal ein Planet in der Größe des Mars versteckt seine Bahnen zieht.

Das ist momentan noch hochspekulativ, das Paper ist noch nicht einmal veröffentlicht, aber wird wohl bald im Astronomical Journal erscheinen. Ich persönlich verstehe natürlich in dem Paper nur jedes zwanzigste Wort. „And“ oder „If“ oder „will“ oder „have“, so ‘was halt.

Alessandro Morbidelli vom Côte d’Azur Observatorium in Nizza hat auf jedem Fall dem New Scientist schon einmal ins Mikro diktiert, dass er das für unwahrscheinlich hält, weil wir den ja sonst schon hätten finden müssen.

Warten wir’s also ab. Vielleicht sollten wir auch eines nach dem anderen erledigen, finde ich. Kein Grund zu Hast hier. Wir könnten aber derweil schon einmal über den neuen Namen von Planet Nine diskutieren.

Ich persönlich habe ja die römischen Gottheiten ganz schön satt. Ich meine „Jupiter“, wie eingebildet kann man sein? Bei unserem armen, verwaisten Pluto habe ich persönlich nie an den Gott der Unterwelt gedacht, sondern immer an den Hund von Micky Maus. Darum hatte ich den auch so ins Herz geschlossen.

Deswegen plädiere ich hiermit ganz unter uns, den Planeten Neun, so er denn bald ein Proträt von sich machen lässt, nach meiner Lieblings-Comic-Figur zu nennen. Statt Juno, Minerva, Apollo, Diana, Vulkan – das geht ja schon wegen Mr. Spock nicht! – Vesta oder Ceres – um die noch unbelegten römischen Götter aufzuzählen, soll Planet Neun „Gaston Lagaffe“ heißen!

Was denn?