Expl0666: Der Golfstrom


In Wexford, in Irland stehen, wegen des Golfstroms, Palmen am Hafen. Habe ich selber gesehen! Die wirkten zwar nicht sehr motiviert, eher etwas verzweifel, aber sie waren da! Was aus denen wird, wenn der Golfstrom abbricht? Und versinkt Europa dann im Eis? Mal nachkucken, was die Wissenschaft dazu weiß…


Download der Episode hier.
Opener & Closer: „Game of Thrones – Winter is Coming Compilation“ von Sebastiaan Westerman
Musik: „Liberteens (2015)“ von EMERALD PARK / CC BY-ND 3.0


Willkommen beim Filmquiz vom Explikator! Welcher Film ist das?
Clip /Day After Tomorrow

Richtig, das ist aus „Day After Tomorrow“. Der hat mittlerweile auch schon 13 Jahre auf dem Buckel, man mag es nicht glauben. In Amerika wird er immer noch als der Hollywood-Blockbuster gesehen, der die Menschen erst auf den Klimawandel aufmerksam gemacht hätte.

Roland Emmerich, der immer auf der Suche ist, wie er die Welt als nächstes untergehen lassen kann, hatte sogar einen wissenschaftlichen Berater. Der kann aber kaum aus dem Feld der Metereologie gewesen sein. Das war wahrscheinlich eher so ein Typ Wissenschaftler, der seine Thesen an sich selber austestet. Und sich intensiv mit bewusstseinserweiternden Drogen beschäftigt.

Doch gerade macht wieder die Meldung die Runde, ab dem Jahr 2050 würde Europa spätestens eine neue Eiszeit erleben. Eben ähnlich wie in „Day After Tomorrow“. Deutschland unter Eismassen. In Sachsenhausen sitzen die Touristen dann vor einer riesigen Eiswand und werfen trotzig mit Handkäs nach den Gletscherzungen. Das Oktoberfest besucht man auf Schlittschuhen und bei 2 Grad plus gibt’s Hitzefrei an den Schulen.

Und das alles, weil der Golfstrom ausgefallen ist. Der wird manchmal auch zärtlich Europas Heizung genannt. Und er ist wahrscheinlich wirklich der Grund, warum man in Kanada eher zu Eishockey tendiert und in Irland zu Rugby. Denn im direkten Vergleich ist es in Nordeuropa wärmer als auf dem gleichen Breitengrad in Kanada.

Der Golfstrom ist eine Meeresströmung im Atlantik. Er födert warmes Wasser aus dem Golf von Mexiko – hence the name – nach Europa. Dachte sich zumindest Benjamin Franklin, der sich den Namen ausgedacht hat.

Er transportiert 3o Millionen Kubikmeter Wasser in der Sekunde über den Ozean, bei einer Geschwindigkeit von 1,8 Metern, wieder in der Sekunde. Das ist so schnell wie ein langsamer Jogger und damit für eine Meeresströmung recht fix.

Wenn man so die Leistung berechnet, kommt er auf ca. 1.5 Petawatt. Könnte man diese Energie gewinnen und ins Stromnetz einspeisen, dann könnten wir alle aktiven 500 Kernkraftwerke auf der Welt dichtmachen. Und noch zwei Millionen mehr davon, die wir noch gar nicht gebaut haben.

Seine Dynamik kommt aus einer großen Wasserumwälzungspumpe, die thermodynamische Gründe hat. Wenn der Ozean so vor Grönland und Labrador vor sich hindümpelt, dann kühlt es recht schnell sehr aus. Kaltes Wasser aber ist schwerer als warmes Wasser, weil sich die H2O-Moleküle da näher zusammenkuscheln.

In einem Glas Grönlandwasser sind also mehr Moleküle als in einem Glas Mexikowasser. Beides ist nicht zum Verzehr geeignet, denn es handelt sich um Meerwasser. Also Salzwasser. In gewissen Mengen wirkt das ähnlich wie Modern Talkin, es ist ein verlässliches Brechmittel.

Die Wassermassen sinken auf zwei- bis dreitausend Meter ab und drücken Richtung Süden. Gleichzeitig drückt das die wärmeren Wassermengen in Richtung Irland, um das Rugbyspiel am nächsten Samstag zu erwärmen.

Das Untergangs-Szenario, das die Basis auch von „Day After Tomorrow“ ist, funktioniert so: Wenn sich das Klima erwärmt, dann erwärmt sich auch das in Grönland, sinkt nicht mehr so massiv und tief hinab und die Umwälzung funktioniert nicht mehr. Je geringer die Temperaturunterschiede zwischen Norden und Süden, desto weniger Umwälzleistung.

Bis der Golfstrom irgendwann – vielleicht im Jahre 2050 – dann von heute auf morgen einfach komplett aufhört. Mit einem Schlag, von heute auf morgen. Man geht im Sommer ins Bett und wenn man aufwacht, steht im Garten ein Schneemann mit der Karotte an der falschen Körperstelle. Der Horror!

Tatsächlich ist dieser Mechanismus beobachtbar, der Golfstrom baut im statistischen Mittel sein Leistung ab. Ob er aber jemals ganz seine Arbeit einstellt, ist rein hypothetisch und warum das von heute auf morgen der Fall sein sollte, in noch höherem Maße.

Denn auch ein zweiter Einfluß spielt eine Rolle. Denn der Klimawandel macht das Meer weniger salzig. In den Eismassen der Pole ist nämlich Süßwasser gespeichert, ähnlich wie in den bereits auftauenden Permafrostböden Sibiriens, die auch die Weltmeere speisen.

Und Süßwasser ist von Hause aus schon einmal leichter als Salzwasser. Weil halt kein Salz drinne ist. Ist ja logisch, wenn man Salz in ein Glas Wasser rührt, ist das ja dann nicht wirklich weg, auch wenn man es nicht mehr sehen kann.

Das leichte Süßwasser verlangsamt die Pumpe Golfstrom zwar fast nicht messbar, aber einen Einfluß hat sie doch.

Bis jetzt hält sich der selbige übrigens sehr viel tapferer als angenommen, man geht aber trotzdem von einer spürbaren Verlangsamung der Mechanik in den kommenden hundert Jahren aus.

An einen kompletten Abriss in dieser Zeit glaubt die deutliche Mehrheit der Klimaforscher nicht. Aber nehmen wir einmal an, die Masse der Wissenschaftler irrt sich und so Einzelpersonen wie der schräge Professor aus „Day After Tomorrow“ haben recht.

Bräche die Pumpe komplett zusammen, würde sich die mittlere Jahrestemperatur in Deutschland tatsächlich spürbar um ein bis maximal zwei Grad senken. Der Einfluss dieses riesigen Wasserwerks ist also deutlich geringer als man denken mag. Die Klimaerwärmung würde, wenn der Golfstrom bleibt und wir nicht noch immer mehr CO2 in die Atmospäre blasen, selbst für die Nordsee eine Erwärmung um 2,5 Grad bedeuten, für Bayern eher so etwas um die vier Grad.

In der Bilanz bleibt also immer noch die Hitze das Problem.

Das ist aber kein Grund, sofort in tiefenentspannte Bauchatmung überzugehen. Die metereologischen Modelle sind mit Vorsicht zu genießen. Wir beginnen gerade erst, so komplexe Modelle zu basteln, wie es die moderne Computertechnologie überhaupt zulässt. Doch noch sind diese Rechengesetze weit von einer Beschreibung von Mutter Natur und ihrer scheinbar chaotischen Art entfernt.

Und was der Golfstrom wirklich für die Fauna und Flora bedeutet, steht noch einmal auf einem anderen Notizblock. Das ist an Komplexizität auch kaum vorherzusagen. Denn er transportiert ja nicht nur Wärme und Salz, sondern auch gigantische Meeren an Plankton nach Europa.

Golfstrom hin oder her, das größte Problem, das diese Generation hat, ist und bleibt die Klima-Erwärmung an und für sich.

Aber wenigstens brauchen wir nicht Angst vor einer neuen Eiszeit haben. Sagt übrigens auch der wissenschaftliche Berater von Roland Emmerich. Der arbeitet neuerdings an einem neuen Forschungsschwerpunkt: Badesalze.

Nein, nicht was ihr wieder meint. Nur so, zum Baden. Lavendel-Duft als Aphrodisiakum und so…