Expl0667: Bitcoins


Warum die Kryptowährungen das Geld von morgen sind. Und der Wechselkurs, der gerade den Massenmedien den Mund wässrig macht, eigentlich nur eine Nebensache ist. Bitcoin, Ethereum und die Alternativen sind aber nicht nur digitales Geld, sie sind eine politische Botschaft.


Download der Episode hier.
Opener & Closer: „Why you need to start using Bitcoin“ von Michael Connell – Comedian
Musik: „Welcome To The Blockchain (The Bitcoin Song)“ von Toby Ganger


Man sieht und hört und liest überall von den Bitcoins, weil deren Wechselkurs gerade durch die Decke geht. Hinz und Kunz und Hinzin und Kunzin, deren Hunde, Katzen und auch der Goldfisch kaufen sich jetzt Bitcoins, denn die sind 2200 Dollar wert. Und das ist eine gute Sache, je mehr Menschen mitmachen, desto besser. Schön wäre es auch, wenn aus Versehen die Börsen einsteigen würden, ohne zu bemerken, dass sie sich damit ihr Grab schaufeln.

Was aber Bitcoins oder andere Kryptowährungen, wie z.B. Ethereum oder LiteCoin oder Peercoin oder Dogecoin. Ja, es gibt Hundemünze. Auf der Website steht: „Dogecoin ist eine quelloffene Peer-to-Peer-Digitalwährung, die von Shiba Inus weltweit bevorzugt wird.“

Das basiert auf einem letztes Jahr sehr populären Meme und ist mittlerweile schon die neuntgrößte Kryprowährung. Fragt nicht. Ich verwende ab jetzt zur Vereinfachung den Ausdruck Bitcoin und meine damit alle anderen digitalen Währungen mit. Und ich werde auch das Mining nicht erklären dieses Mal, mir geht es eher um eine andere Botschaft.

Auf den ersten Blick ist Bitcoin natürlich eine seltsame Sache. Denn man hat ja nichts von Wert in der Hand. Auf den zweiten Blick ist so ein Hunderteuroschein vom Sachwert auch eher bescheiden. Insofern kein Unterschied. Der Euro ist ein Fiatgeld. Fiat heißt: Es möge sein. Und das bedeutet, drastisch vereinfacht: Das Stück Papier in unserer Hand hat nur Wert, weil wir alle daran glauben. Und weil wir an die Banken glauben, die brauchen wir nämlich für den Euro, die bestimmen dessen Wert.

Eigentlich sind Bitcoins aber auch wie Gold. Denn mit Gold kann ich überall auf der Welt zahlen, wenn ich das will. Da brauche ich dann keine Regierung oder keine Bank dafür. Und wenn mein Gold weg ist, dann ist es weg. Ist bei Bitcoin nicht anders: Wenn ich meine digitale Brieftasche lösche, ist meine Kohle futsch.

In Wirklichkeit sind Bitcoins aber eigentlich nur große Exceltabellen. Der Wert ist in einer großen Tabelle festgelegt. Für meinen Geldbeutel steht da momentan der Wert 0,00000000 Bitcoins in der Tabelle. Aber Bill Gates hat wahrscheinlich einige Bitcoins, sagen wir einmal 10. Wenn er mir jetzt fünf abgibt, dann steht in der Tabelle bei uns beiden eine Fünf.

Diese Tabelle ist also verdammt wichtig. Wer die hat, der kontrolliert das Geld. Im Falle des Euro hat jede Bank so eine Tabelle und die Zentralbank eine für die Banken und keiner darf reinschauen. Das ist ungefähr das Geschäftsmodell der Schweizer Banken.

Bei Bitcoin ist das anders. Jeder, der mitmacht hat die Tabelle. Da stehen die Werte für jeden digitalen Geldbeutel drinne und auch noch alle jemals mit Bitcoin getätigten Zahlungen seit 2009. Das aber trotzdem anonym, weil man da ja nicht mit Namen steht oder mit Adresse, sondern nur als verschlüsselter Code.

Das eigentlich Schöne an Bitcoins ist ja auch nicht die Anonymität. Denn sobald man altes Geld in das neue Geld wechseln will oder umgekehrt, ist die ja auch gerne mal flöten. Das Schöne an Bitcoin ist der Peer-to-Peer-Charakter. Peer kennt ihr vielleicht von peer pressure, das ist ein altes, englisches Wort, das im Prinzip Ebenbürtiger heißt.

Filme per torrent herunterladen funktioniert so. Die Daten des Films liegen verteilt auf den Rechnern aller User, die eine Software benutzen, mit dem man Torrent-Dateien herunterladen kann. Und so ist das bei Bitcoin auch. Die erwähnte Tabelle liegt auf jedem Rechner verschlüsselt. Und die Verschlüsselung der Bitcoins ist im Prinzip unangreifbar.

Das bedeutet: Bitcoins kommen ohne jede Bank und ohne jede Regierung aus. Wenn wir uns treffen und beide die eine App für unsere Bitcoins besitzen, dann können wir Geld austauschen. Anonym, sofort.

Und auch übrigens weltweit, ohne dass Extra-Gebühren anfallen. Alle reden von einer globalisierten Welt, aber das alte Geld ist immer noch nationalistisch und protektionistisch. Und nicht nur der böse Trump oder die dumme May, wir in der EU erheben auch Zölle nach Lust und Laune.

Denn wir haben ein Geldproblem. Wir haben seit 2008 sogar ein massives Geldproblem, aber weil wir unsere Zivilgesellschaften opfern, um das Loch zu stopfen, hat das noch keiner so richtig gemerkt.

Ein Teil des Problems ist, dass wir für unser Geld an den Kapitalismus glauben müssen.

Und der ist schon länger eine Religion. Betritt man in irgendeiner Großstadt die Verwaltung einer Bank, versteht man das intuitiv, denn das sind Kirchen. Reich zu sein ist das Paradies auf Erden und arm zu sein ist die Hölle. Geld ist Transzendenz, Geld ist Gott – gesegnet ist derjenige, der sich Markenartikel leisten kann.

Banken und Regierungen entscheiden zudem mit dem alten Geld auch, wer ins Paradies kommt und wer in die Hölle. Sie verdienen an jedem Verkauf mit altem Geld mit. Selbst der Dealer zahlt seine Mehwertsteuer, wenn er sich nach dem Verkauf an der Tanke einen Schampus kauft.

Banken und Regierungen steuern unser Leben mit dem alten Geld. IWF, Rettungsschirme und die Zentralbanken schreiben den Regierungen vor, wie sie sich verhalten müssen, um an Geld zu kommen. Das alte Geld ist die Währung einer Religion.

Aber, wenn wegen irgendeiner Krise nur ein Bruchteil der Deutschen an den Bankschalter gängen und ihr Geld ausgezahlt hätten wollen sollen haben, weil sie gerade eben vom Glauben abgefallen sind, dann bricht wahrscheinlich das ganze System ums alte Geld zusammen. Das ist dann weg.

Wenn die Bankomaten keinem mehr Geld ausspucken, dann wird das im Supermarkt schnell ungemütlich.

Die gute Nachricht: Wir brauchen das alte Geld nicht mehr. Das alte Geld das sind Schäuble, Draghi, Donald Trump, die Saudis, Fesche Börsenmakler, überbezahlte Bankenmanager und Carsten „Rentnerschreck“ Maschmeyer.

Das alte Geld wird sterben, das neue Geld ist nicht aufzuhalten. Sagt zum Beispiel außer mir Bill Gates und der kennt sich mit Geld echt viel besser aus als ich.

Das neue Geld, das sind wir nämlich alle. Ohne Banken. Ohne Regierung. Ohne quasi-religiösen Überbau. Das neue Geld ist open-source. Ist kostenlose Software.
Kryptowährungen sind sehr politisch. Das haben die meisten bloß noch nicht begriffen. Euros in Bitcoins wechseln ist ein subversiver Akt.

Bitcoin, schon wieder stellvertretend verwednet. Aber das ist nun einmal das älteste und bewährteste System. Man sollte nicht vergessen, dass es trotzddem immer noch die Betaversion ist – und die anderen Währungen erst recht.

Ein paar Anmerkungen noch, bevor ihr loslegt und euch auch eine hundertsel Bitcoin holt:

Erstens: Die digitale Brieftasche kann man durchaus verlieren oder vergessen. Das ist wie bei einem Passwort auch. Wenn man diese sogenannte Wallet vergisst oder nicht sicher gespeichert oder gar ausgedruckt und verleoren hat – besonders gefährlich, dann ist die Kohle weg. Ist aber bei Ebanking ja auch nicht anders.

Zweitens: Klar, mit Stand heute ist eine Bitcoin € 2200,- wert. War aber auch schon einmal bei 0,001 Cent. Und wird auch noch einmal viel, viel höher steigen, denn im Unterschied zu dem gewöhnlichen, alten Geld ist die absolute Menge an Bitcoin gedeckelt. Aber man kann auch 0,00000001 Bitcoin zum Zahlen verwenden, wenn man das will. Der Kurs wird auf jeden Fall weiter schwanken – volatil heisst das wohl auf altgeldisch – eine sichere Anlage ist das nicht.

Drittens: Die Gesetzeslage ist eindeutig: Wir zahlen in Deutschland Einkommens-, Umsatz- und Lohnsteuer, sowie Kapitalertragssteuern auf alle Anlagen, egal ob man die in Euro oder Bitcoin besitzt. Seit 2013 ist in Deutschland der Handel mit Bitcoins legal, deswegen ist der Einzelne auch verpflichtet, seine Anlagen zu melden und zu versteuern. Freiwillig, versteht sich, kontrollieren kann der Staat das nicht.

Insgesamt bin ich mir sicher, dass das neue Geld nicht aufzuhalten ist. Bitcoins oder andere Kryptowährungen sind die Zukunft. Das alte Geld ist analog und überholt in einer globalen, digitalen Welt. Es schadet uns sogar und den Armen der Welt schadet es am meisten. Mit jedem Tag wird es schlechter.

Das neue Geld ist digital und wird mit jedem Tag besser und mit jedem Nutzer mächtiger.

Ähm. Moment. Jetzt habe ich gerade bei der Recherche die sogenannte Wankcoin entdeckt. Deutsch also die Wichsermünze. Auch so eine Kryptowährung. Da minet man Geld, ach, das habe ich ja noch nicht erklärt, da generiert man also Geld, während man Pornoseiten ankuckt. Und der Slogan der Wankcoin ist: „Bank while you wank!“ Zu hochdeutsch: „Erledige monetäre Transaktionen, während Du Dich selber sexuell befriedigst.“

O.k. Das ist schon seeehr strange. Aber schon auch interessanter als Börsennachrichten…