Wa Wissenschaft – Explikator https://explikator.de Thu, 03 Sep 2026 16:33:34 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 Allein im All? https://explikator.de/2026/08/30/allein-im-all/ Sun, 30 Aug 2026 16:28:28 +0000 https://explikator.de/?p=948

Wenn morgen Aliens in, sagen wir einmal Bochum, landen – würden wir uns da freuen oder nicht? Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht ist es ja ganz o.k., alleine im All zu sein. Aber wie wahrscheinlich ist das? Hier hilft die Drake-Gleichung beim Berechnen. Und seit meiner letzten Sendung dazu hat sich einiges getan!

Skript

Die am meisten gehörte Episode des alten Explikators, vor zehn Jahren, hieß „Alleine im All?“. Darin ging es um die Drake-Gleichung, ein hypothetischer Ansatz, die Wahrscheinlichkeit für Leben im Universum zu berechnen. Aber in zehn Jahren ändert sich vieles. Zeit für ein Update.

Wo sind sie, die Vulkanier oder wenigstens die Klingonen? Die Gungans, die Atlantiden, die Reptiloiden, die kleinen Grauen? Die Thetanen? Die Vogonen?

So ging das damals los. Ich habe damals auch ein paar Böcke geschossen. Zwei Fachbegriffe verwechselt. Eine Zahl um sechs Größenordnungen danebengelegt. Und der schöne tröstliche Schluss, der ganz am Ende kam, hat zwei Jahre später ein Team aus Oxford ziemlich gründlich widersprochen.

Also nochmal von vorn. Die Drake-Gleichung.

1961 war ein gutes Jahr fürs All. Juri Gagarin verließ als erster Mensch für kurze Zeit diesen Planeten. Und ein junger Astronom namens Frank Drake bekam die Aufgabe, eine kleine Konferenz zu organisieren. Green Bank, West Virginia. Eine Handvoll Leute.

Und Drake stand vor dem Problem, das jeder kennt, der schon einmal eine Sitzung vorbereiten musste: Worüber reden wir genau? Und in welcher Reihenfolge?

Darum hat er seine Gleichung aufgeschrieben. Nicht als Rechenmaschine. Als Tagesordnung. Jeder Faktor ein Programmpunkt.

Auf der linken Seite steht N. Die Zahl der Zivilisationen in unserer Galaxis, mit denen wir überhaupt Kontakt haben könnten. Rechts stehen sieben Werte, die man miteinander multipliziert.

R Stern: wie viele Sonnen pro Jahr in der Milchstraße neu entstehen.

fp: der Anteil dieser Sonnen, der Planeten hat.

ne: wie viele Planeten pro System in der habitablen Zone liegen. Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Wasser bleibt flüssig.

fl: auf welchem Anteil davon überhaupt Leben entsteht.

fi: auf welchem Anteil dieses Leben intelligent wird.

fc: welcher Anteil dieser Intelligenzen dann auch sendet. Funk, Laser, irgendetwas, das wir bemerken könnten.

Und L: wie lange die senden. In Jahren.

Und jetzt nochmal, schnell, am Stück: Sonnen, mal Planeten, mal habitabel, mal Leben, mal Intelligenz, mal Sendebereitschaft, mal Lebensdauer. Sieben Zahlen, ein Produkt, fertig ist N.

Klingt handlich. Ist es auch. Das Problem ist nicht die Formel. Das Problem sind die Zahlen, die man hineinsteckt.

Denn jetzt kommt, was in den letzten zehn Jahren passiert ist. Und das ist eine Menge.

Als ich diese Folge das erste Mal gemacht habe, kannten wir ungefähr zweitausend Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Vor einem Jahr waren es bereits 6.000 – aber 8.000 Kandidaten warten noch auf ihre Bestätigung.

Und es blieb nicht beim Zählen. Eine große Auswertung der Kepler-Daten kam zu dem Ergebnis, dass etwa die Hälfte aller sonnenähnlichen Sterne einen Gesteinsplaneten haben könnte, auf dem flüssiges Wasser an der Oberfläche möglich wäre. Vorsichtig gerechnet sind das mindestens dreihundert Millionen solcher Welten. Allein bei uns in der Milchstraße.

Das heißt: Die ersten drei Faktoren der Drake-Gleichung sind keine reinen Schätzungen mehr. Das sind Messwerte. Mit dicken Fehlerbalken, sicher. Aber gemessen.

Und dann kommt fl. Auf wie viel Planeten entsteht Leben. Und da hört es auf.

Wir wissen nicht, wie wahrscheinlich es ist, dass auf einem passenden Planeten auch Leben entsteht. Wir wissen es kein bisschen genauer als 1961. Denn wir haben genau einen Fall, den wir untersuchen können, und dieser Fall sind wir selbst.

Aus einer Stichprobe von eins lässt sich keine Häufigkeit ableiten. Das ist kein Forschungsrückstand, den irgendwer mit genug Geld aufholen könnte. Das ist ein Zustand. Und für fi und fc gilt folgerichtig dasselbe. fi bedeutet intelligentes Leben und fc meint die Zivilisationen, die senden.

Die Drake-Gleichung ist also in zwei Hälften zerfallen. Links Astronomie. Rechts — ja, was eigentlich. Philosophie mit Dezimalstellen.

Kleiner Abschwiff. Frank Drake ist jahrelang mit einem Nummernschild durch Kalifornien gefahren, auf dem NEQLSL stand. N equals L. N gleich L. Und L bedeutet: Wie lange senden sie.

Das ist ein Witz mit Fußnote. Wenn man plausible Werte in die ersten sechs Faktoren einsetzt, kürzt sich der ganze Vorderteil ungefähr auf eins zusammen. Was übrig bleibt, ist L. Die Lebensdauer.

Ein Mann, der jeden Tag zum Einkaufen fährt mit der wichtigsten Erkenntnis seines Fachgebiets hinten auf dem Blech. Abschwiff Ende.

L ist der Faktor, an dem alles hängt. Wie lange überleben die intelligenten Aliens?

Unsere Zivilisationen sind, sagen wir mal, zehntausend Jahre alt. Ist das viel? Das Universum ist 13,8 Milliarden Jahre alt. Da passen ein paar Millionen Zivilisationen à zehntausend Jahre hintereinander hinein, ohne dass sich zwei davon jemals begegnen. Die Milchstraße kann rappelvoll gewesen sein mit Klingonen und Vulkaniern. Nacheinander. Und alle könnten schon wieder weg sein.

Sind wir also Babys? Pubertierende? Im besten Alter? Oder mit Atomwaffen und Klimaerwärmung schon altes Eisen?

Und daraus folgt etwas Merkwürdiges. Von diesen sieben Faktoren können wir genau einen beeinflussen. Nicht durch Forschung. Nicht durch bessere Teleskope. Sondern schlicht dadurch, dass wir nicht aussterben. Jedes Jahrhundert, das wir schaffen, macht das All statistisch belebter.

Damals habe ich am Ende ein Paper zitiert. Adam Frank und Woodruff Sullivan, 2016. Die haben die Frage umgedreht. Nicht: Gibt es gerade jetzt jemanden? Sondern: Gab es jemals irgendwo jemanden? Und weil „jemals“ den Faktor L überflüssig macht, kommt eine sehr saubere Antwort dabei heraus. Wir wären nur dann die einzige technische Zivilisation der Universumsgeschichte, wenn die Wahrscheinlichkeit dafür kleiner wäre als eins zu zehn Milliarden Billionen.

Ich habe daraus gemacht: Wir sind nicht allein. Das war zu schnell. Frank und Sullivan sagen, dass vor uns fast sicher jemand da war. Über die Gegenwart sagen sie nichts.

Zwei Jahre später kamen Anders Sandberg, Eric Drexler und Toby Ord. Ihr Einwand: Alle setzen einzelne Zahlen ein, wo eigentlich breite Unsicherheitsspannen stehen müssten. Rechnet man es richtig, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass wir in unserer Galaxis allein sind. Womöglich sogar im gesamten beobachtbaren Universum. Es gäbe dann gar kein Rätsel zu lösen. Nur eine schlecht gerechnete Gleichung.

Wogegen wiederum eingewendet wurde, dass dieses ganze Ergebnis fast vollständig davon abhängt, wie man einen einzigen Faktor behandelt. Nämlich fl. Den, über den wir nichts wissen. Wie oft entsteht Leben?

Das ist auch der Grund, warum wir so verzweifelt auf Mikroben auf dem Mars hoffen. Dann hätten wir ja zwei Steinplaneten in der habitablen Zone. Wenn auf dem Mars Leben entstanden wäre, wird es auch wahrscheinlicher, dass es auf den dreihundert Millionen Artverwandten, die wir in der Milchstraße vermuten, ebenso möglich ist.

Die Vulkanier, die Atlantiden, die Reptiloiden, die Thetanen und die Vogonen könnten längst dagewesen sein, vielleicht kommen sie erst noch. Statistisch gesehen, können wir die Wahrscheinlichkeit für Aliens beeinflussen, indem wir überleben. Wenn wir statt zehntausend Jahren Zivilisation zwanzigtausend Jahre schaffen, verdoppelt sich der Faktor L. Wie in N equals L.

Es hilft, nur zu überleben. Für Frank Drake und seine Gleichung.

Ach, noch eine Aktualisierung: Frank Drake ist am 2. September 2022 gestorben. Er wurde 92.

Quellen:

NASA: Tally of Planets Outside Our Solar System Reaches 6,000

NASA: About Half of Sun-Like Stars Could Host Rocky, Potentially Habitable Planets

ScienceDaily: Are we alone? Setting some limits to our planet’s uniqueness

arXiv: Dissolving the Fermi Paradox (Sandberg, Drexler, Ord 2018)

EA Forum: The Fermi Paradox has not been dissolved

]]>
Frühstücken https://explikator.de/2026/08/24/fruehstuecken/ Mon, 24 Aug 2026 15:58:25 +0000 https://explikator.de/?p=930

Die wichtigste Mahlzeit des Tages? Das Frühstück! Gut gelernt. Aber erstens behaupten wir das noch nicht lange, zweitens ist es eine gesponserte Marketingbehauptung und drittens gibt es keine wirklich belastbare wissenschaftliche Bestätigung.

Skript

Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages! Ohne Frühstück hat man nicht genug Energie, ohne Frühstück wird man übergewichtig und ohne Frühstück droht das baldige Ende der westlichen Zivilisation. Das haben uns unsere Eltern beigebracht. Das glauben wir alle. Klingt ja auch logisch. So traumatisch ist es für manche Kulturkreise, nachts nichts essen zu können, dass bei ihnen das Frühstück Fastenbrechen heißt.

Arme Engländer, arme Franzosen. Jede Nacht fasten zu müssen. Da sind wir in Deutschland prosaischer. Wir haben halt früh ein Stück. Morning Piece.

Die Botschaft ist aber in Deutschland angekommen. Wir glauben alle, dass das Frühstück eben die wichtigste Mahlzeit des Tages ist. Das hat ja irgendjemand mal als erster gesagt, oder?

Hat er. Beziehungsweise: hat sie.

Der Satz taucht 1917 auf, in einer Zeitschrift namens „Good Health“. Geschrieben hat ihn eine Diätassistentin, Lenna Cooper. Herausgegeben wurde „Good Health“ von ihrem Chef. Und der hieß Dr. John Harvey Kellogg.

Ja, richtig. Der mit den Corn Flakes. Der abgedrehte Gesundheitsapostel, der aus gesundheitlichen Gründen auf Sex, auch mit sich selbst, verzichtete und eine tägliche Darmspülung für das Natürlichste der Welt hielt. Menschen mit diesem Programm sollte man, glaube ich, nicht so recht über den Weg trauen.

Wobei der Geschäftsmann in der Familie sein Bruder war, Will Keith, der die Flocken in Serie gab und Zucker zufügen ließ — worüber sich die beiden jahrzehntelang zerstritten und vor Gericht zogen.

Wirklich groß gemacht hat den Satz dann eine Firma, der die Corn Flakes gar nicht gehörten. 1944 fuhr General Foods eine Kampagne für ihre „Grape Nuts“. Auch ein Cereal. Motto: Iss ein gutes Frühstück, mach einen besseren Job. Im Radio lief dazu ein Satz, den du kennst: Ernährungsexperten sagen, das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages. Sagen die. Die Ernährungsexperten. Während sie ihr Salär zählen.

Natürlich liegt es im wirtschaftlichen Interesse aller Beteiligten, das Frühstück zur wichtigsten Mahlzeit des Tages zu erklären. Abends, nach getaner Arbeit, sagt sich ja keiner: Ah, jetzt erst einmal gezuckerte Maisflädchen mit Milch übergießen!

Als Forschungsobjekt ist das Frühstück eine schwierige Sache. Historisch gesehen ist es auf jeden Fall eine Erfindung der Moderne. Klar hat man auch in der Antike irgendwann einmal seine erste Mahlzeit gegessen. Aber weder Griechen noch Römer wären auf die Idee gekommen, sich gleich nach dem Aufstehen erst einmal den Wanst voll zu hauen.

Im Mittelalter frühstückten in ganz Europa eigentlich nur die Kranken und die Alten. Das verdanken wir auch dem Einfluss der Kirche. Der große Scholastiker Thomas von Aquin führt mit großer Detailverliebtheit auf, warum das Frühstück ein Zeichen der Völlerei ist. Und Völlerei ist ja eine der berühmten Todsünden.

Eine erwachsene, gesunde Person hätte sich im Mittelalter geschämt, mit einem Nutellabrötchen oder einer Schüssel Müsli erwischt zu werden. So schlecht war das Image des Frühstücks.

Das änderte sich erst so langsam im 16. Jahrhundert. Natürlich war es der Adel, der mit den alten Vorstellungen brach und sich schon in der Früh einen Happen gönnte. Bis das bei der Bevölkerung unten ankam, vergingen noch einmal Jahrhunderte.

Und dann kam der große Durchbruch und auf dem ganzen Kontinent änderten sich die Gebräuche. Was aber nicht an einem neuen Rezept für Croissants lag oder der Erfindung der Orangenmarmelade. Die verbreitetste Erklärung dafür, warum wir in Europa frühstücken, lautet: Kaffee. Oder Tee.

Seitdem wir Coffein haben, frönen wir unserer Abhängigkeit am liebsten morgens. Und weil das den Kreislauf ordentlich anschubst, bemerkt man eventuelle Löcher im Bauch auch besser. Kaffee und Tee sind appetitanregend. Denn vor diesen Warmgetränken war es üblich, nach dem Aufstehen erst einmal ein Bierchen zu exen.

Diejenigen, die tatsächlich etwas aßen zum Frühstück, also Alte und Kranke und Völlerer, die hatten auch echt ein Stück früh. Ein Stück Roggenbrot. In der Regel. Manchmal mit etwas Käse, manchmal in Milch getunkt. Erst mit den Warmgetränken entstand dann eine größere Vielfalt. Und die Briten aßen bald Bacon, die Franzosen drechselten sich hübsche Croissants und wir begannen Marmeladen auf Weizenbrot zu schmieren. Guten Appetit!

Gut, das wäre geklärt. Frühstück ist eine Erfindung der Moderne. Die Römer, Griechen und die alten Rittersleut sind noch ohne zurechtgekommen. Aber ist es denn jetzt wirklich die wichtigste Mahlzeit des Tages? Bin ich nur leistungsfähig und gesund, wenn ich reichlich frühstücke? Frühstücke wie ein Kaiser, esse zu Mittag wie ein König und zu Abend esse wie ein Bettelmann. Rät der Volksmund.

Wie so oft, wenn es um Ernährung geht, spielt der Glaube eine größere Rolle als die Wissenschaft. Es gibt Ernährungsberatende, die auf Diäten schwören, die damit beginnen, dass man das Frühstück ausfallen lässt. Andere behaupten, dass das der sichere Weg zum Übergewicht sei, weil man später Heißhungergefühle entwickelt und sich dann unkontrolliert etwas Ungesundes reinstopft.

Und selbst, wenn es darum geht, was man denn frühstückt, befinden wir uns in Gottes Hand bei der Entscheidung. Die einen schwören auf Obst und Gemüse, die anderen spotten zurück: Das ist der sichere Weg in die Übersäuerung. Über Nacht eingeweichte Keime, das ist das Richtige!

Aber wo bleiben die Eiweiße? Am wichtigsten für den Körper morgens sind doch die Eiweiße, jammern aus der Ecke die Dritten. Das ist gerade falsch! Kohlenhydrate, sonst bleibt man ja hungrig, um noch eine Meinung zu hören.

Die wissenschaftliche Beweislage ist, wie schon gesagt, dünn. Auf den ersten Blick überwiegen die Forschungen, die betonen, wie wichtig das Frühstück ist. Menschen, die regelmäßig auf das Frühstück verzichten, so heißt es, erhöhen ihr Risiko, an Diabetes Typ II zu erkranken. Auch Kinder oder Kranke tun gut daran, den Blutzuckerspiegel nicht zu sehr schwanken zu lassen. Aber dafür reichen gegebenenfalls auch die zwei Löffel Zucker im Kaffee.

So richtig belastbar ist da wenig. Denn wenn man die Studien ignoriert, die von Firmen finanziert sind, die ein Interesse verfolgen — wie zum Beispiel Kellogg’s, Quaker Oats und Ferrero, also Nutella — dann bleibt nicht mehr so viel über.

Es ist wahrscheinlich nicht richtig, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist. Dafür gibt es nicht den Hauch eines Belegs.

Wichtig ist, was am Ende des Tages insgesamt gegessen wurde. Das Nutellabrötchen alleine macht nicht dick. Das Müsli alleine ist nicht zu süß, die Früchte alleine nicht zu sauer und der Bacon alleine nicht zu fett. Die Summe macht’s.

Wer am Morgen Hunger hat, esse. Worauf Lust besteht. Halt nur so viel, bis der Hunger weg ist. Und wer lieber eine halbe Stunde in die Kaffeetasse starrt, mache das. Wenn der Körper keine Hungersignale sendet, muss man sich nichts reinstopfen. Irgendwann essen auch die Kaffeetassenstarrer. Eine Mahlzeit ist immer die erste des Tages.

Quellen:

Pubmed: Effect of breakfast on weight and energy intake

Online-Library: Breakfast Skipping, Body Composition, and Cardiometabolic Risk

Huffposts: Lenna Cooper 1917 / Good Health

Priceonomics: Grape-Nuts-Kampagne 1944

Thomas von Aquin, Summa II-II q. 148

YouGov zu deutschen Frühstücksgewohnheiten

Youtube: Intro: Sesame Street: The Breakfast Song

]]>
Das Geburtstagsproblem [Archiv] https://explikator.de/2026/08/19/das-geburtstagsproblem/ Wed, 19 Aug 2026 15:58:42 +0000 https://explikator.de/?p=918 Unterstützende hören diese Episode hier bei Steady oder hier bei Patreon

Statistik ist mir, im Großen und Ganzen, unverständlich. Neulich bin ich über das sogenannte „Geburtstagsproblem“ gestoßen, dass mich völlig überrascht hat. Also habe ich mich reingekniet, um das Ganze durch das Erklären selber zu kapieren. Vielen Dank also vorab!

Skript

Natürlich habe ich jeden möglichen Respekt für die Statistik. Es gibt eine ganze Reihe an wissenschaftlichen Disziplinen, die nicht ohne sie auskommen würden. Scheinbar gehört dazu nicht nur die Quantenmechanik, sondern auch die Psychologie? Ich scherze nur, klar leuchtet mir das ein.

Das Besondere an Statistik ist, dass wir irgendwie nicht dafür gebaut sind. Ein Beispiel: Es gibt im Englischen die sogenannte „Gambler’s Fallacy“, was auf Deutsch manchmal als „Spielerfehlschluss“ eingedeutscht wird, manchmal aber auch Monte-Carlo-Effekt genannt wird.

Nehmen wir das denkbar einfachste Spiel. Ein Würfel. Gewonnen hat, wer als erster eine Sechs würfelt. Angenommen Du würfelst und würfelst und würfelst und auch nach dreißig Versuchen hast Du noch keine sechs gewürfelt – dann gehst Du doch davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit jetzt höher ist, dass sie bald kommt.

So besessen ist unser Hirn davon, Muster zu entdecken. Ist aber natürlich Unsinn. Bei jedem Würfeln ist die Wahrscheinlichkeit ein Sechstel, dass eine Sechs fällt. Immer wieder und wieder. Da ist keine Schicksalsmacht, die sich Notizen macht und auch der Würfel merkt sich nicht, wie viele Augen er wann gezeigt hat.

Ein besonders beeindruckendes statistisches Problem ist aber das sogenannte Geburtstagsproblem. Ich habe ja an einem Tag im Jahr Geburtstag und so geht es Dir mit hoher Wahrscheinlichkeit auch. Ich kannte übrigens eineiige Zwillinge, die an zwei verschiedenen Tagen Geburtstag hatten, obwohl zwischen den Entbindungen nur 30 Minuten lagen. Aber: Abschwiff.

Das Geburtstagsproblem stellt folgende Frage: Wie viele zufällig ausgewählte Personen muss man in einen Raum stellen, damit die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Personen am gleichen Tag Geburtstag haben, bei 50 Prozent liegt?

Noch etwas präziser: Es geht nicht darum, dass noch eine andere Person am gleichen Tag wie Du Geburtstag hat, sondern darum, wann sich zuerst irgendein Paar im Raum den gleichen Geburtstag teilt.

Als Person ohne Statistik-Kenntnisse würde man jetzt annehmen: Na ja, das Jahr hat 365 Tage. Davon ist 182 gut die Hälfte, also braucht man eben 183 Personen. Fertig. Problem gelöst.

Das ist aber falsch. Die richtige Lösung ist: 23. Sind 23 zufällig ausgewählte Menschen in einem Raum, ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei am gleichen Tag Geburtstag haben 50:50. Unglaublich, oder?

Bei 23 Personen gibt es nicht nur 23 Vergleiche, sondern 23 x 22 Kombinationen, geteilt durch zwei, wegen Paar. Das heißt, es gibt 253 mögliche Paarkombinationen. Bei jedem einzelnen Paar ist es unwahrscheinlich, dass sie am gleichen Tag geboren wurden, aber bei 253 Paaren ist es gut möglich.

Darum liegt die Wahrscheinlichkeit bei 41 Personen schon bei 90 Prozent, bei 57 schon bei 99 Prozent und bei 70 Personen bei 99,9 Prozent. Denn da gibt es 2.415 mögliche Paare.

Man könnte von dieser Zahl – also die 23 – sogar behaupten, dass sie experimentell nachgewiesen ist. Und zwar durch Fußballer. Nur Männer in diesem Fall. In einem WM-Kader sind 23 Spieler aufgestellt und bei der WM 2014 hat sich jemand die Geburtstage angeschaut: In mehr als der Hälfte aller Mannschaften gab es ein Geburtstags-Paar.

Gut, ob das wirklich eine zufällige Auswahl ist, könnte man bemängeln. Alles junge Männer, die Fußball spielen – vielleicht gibt es da ein Häufung für beispielsweise Winter-Geburtstage. Who knows?

Jetzt wäre die interessante Frage, zumindest für mich: Wie berechnet man diese Wahrscheinlichkeit? Das ist schwierig zu erklären, hoffentlich kriege ich es hin.

Wir rechnen umgekehrt, das heißt, wir berechnen die Wahrscheinlichkeit, dass alle Personen im Raum verschiedene Geburtstage haben.

Rufen wir Person Nummer eins in den Raum. Sie kann an jedem Tag Geburtstag haben. Es gibt ja noch keine andere Person, mit der sie sozusagen kollidieren könnte. Also rechnen wir 365 durch 365, das ergibt 1.

Bei Person zwei müssen wir den Zähler um eins verkleinern, denn ein Tag ist ja schon besetzt und wir wollen ja berechnen, dass kein Zwilling entsteht. Wie gesagt, wir machen das umgekehrt.

Bei Person zwei berechnen wir also 364 durch 365, das wäre dann 0,997; bei Person drei sind wir dann bei 363 durch 365 und so weiter und so fort, am Schluss sind wir dann bei 343 durch 365. 23 Personen, 23 verschiedene Brüche.

Die multiplizieren wir jetzt. Warum? Weil wir wollen, dass alle Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:

Person 2 verschieden von Person 1 UND Person 3 verschieden von beiden UND Person 4 verschieden von allen dreien …

Dieses „UND“ ist das Signal zum Multiplizieren. Jeder Bruch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die jeweils neue Person den bisherigen Erfolg nicht kaputt macht. Man verkettet also lauter „und es klappt weiterhin“-Schritte. Manchmal kommt man schneller ans Ziel, wenn man ausrechnet, wie oft etwas nicht passiert.

Wir multiplizieren also alle 23 Brüche und erhalten als Ergebnis 0,493. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei 23 Personen im Raum kein Paar mit dem gleichen Geburtstag dabei ist. Weil wir das ursprünglich aber andersrum wissen wollten, drehen wir das jetzt wieder um: 1 minus 0,493 ist 0,507. Die Wahrscheinlichkeit, DASS bei 23 Personen ein Geburtstags-Paar entstanden ist, liegt also ein kleines bisschen über 50 Prozent.

Jetzt höre ich Menschen mit einer Mathematik-Allergie aufstöhnen: Und wieso ist das wichtig? Gibt es da eine Anwendung im richtigen Leben? Und die Antwort ist: Leider ja. Denn das Geburtstags-Problem dient Hacker*innen für den sogenannten Geburtstags-Angriff. Es geht dabei um Kryptografie. Um Verschlüsselung.

Als man begann digitale Daten zu übertragen, lief das oft über Telefonleitungen. Eine nicht sehr verlässliche Technologie. Also kam jemand auf die Idee, jedem Zahlenblock von, sagen wir einmal, sieben Zahlen einen hinzuzufügen, der die Quersumme der ersten sieben war. Auf der Empfangsseite rechnete man das zurück, und wenn diese Rechnung nicht aufging, war klar, dass es zu Störungen gekommen war.

Etwas Ähnliches, bloß viel komplizierter, gibt es in der Kryptografie. Stellen wir uns einfach eine Verschlüsselungsmaschine vor, die zu jeder Datei einen eigenen Fingerabdruck generiert. Hash nennt sich das. Ein Original erhält einen Fingerabdruck. Das gleiche Original erhält auch immer den gleichen Fingerabdruck. Verändert sich im Original auch nur ein Komma führt das zu einem komplett anderen Fingerabdruck.

Ach, auch wichtig: Aus dem Fingerabdruck kann man nicht das Original wieder herstellen. Man muss also nur den Fingerabdruck anschauen, um zu wissen, ob eine Datei verändert wurde, oder ob es sich um’s Original handelt.

Die Anzahl der Fingerabdrücke ist aber begrenzt, die Zahl der Originale theoretisch unendlich. Früher oder später haben zwei verschiedene Originale den gleichen Fingerabdruck. Das freut Hacker*innen, weil man jetzt diese Originale austauschen kann, ohne dass die Prüfung Alarm schlägt.

Jetzt gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass diese Verschlüsselungsmaschine genau 365 verschiedene Fingerabdrücke produzieren kann. Wie viele verschiedene Originale muss ein Hacker oder eine Hackerin prüfen, bis die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Originale den gleichen Fingerabdruck haben, bei 50 Prozent ist? Genau, nur 23 Stück.

Eine solche Methode war zum Beispiel MD5, der „Message-Digest Algorithm 5“, der für jede Datei einen 128bit-Fingerabdruck erzeugte, angezeigt durch 32 Buchstaben und Ziffern. Der wurde vom Geburtstagsproblem eingeholt und gilt mittlerweile als geknackt. Der Hack braucht auf modernen Rechnern nicht einmal eine Sekunde, bis er eine dieser sogenannten Kollisionen findet. Für die Sicherheit ist er wertlos geworden.

Mein persönliches Geburtstagsproblem ist, dass es am 29. November ganz verlässlich immer Scheiß-Wetter hat. Ach, an dem Tag hast Du auch Geburtstag? Na, siehste!

Quellen:

Wikipedia (en): Birthday Problem

Wikipedia (en): MD5

]]>
Deutschland: So viele Namen! [Archiv] https://explikator.de/2026/08/17/deutschland-so-viele-namen/ Mon, 17 Aug 2026 17:09:29 +0000 https://explikator.de/?p=909 Unterstützende hören diese Episode hier bei Steady oder hier bei Patreon

Warum heißt Deutschland eigentlich in jedem Land völlig anders? „Italia“ bleibt in allen Nachbarsprachen erkennbar und das Vereinigte Königreich wird einfach nur übersetzt. Germania, Tyskland, Alemagne, Německo, Vokietija oder Bēsh Bi-tschah-hī Bi-kē-ja – da soll sich noch einer auskennen!

Skript

Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sagt auch mein italienischer Personalausweis. Geboren in Germania, deswegen bin ich ein Tedesco. Und da haben wir schon das Problem! Wo ist denn da der Zusammenhang? Warum bin ich kein Germano, warum komme ich nicht aus Tedeschia?

Wenn es um Deutschland geht, gibt es international ein wildes Durcheinander. Italien heißt bei allen Nachbarn irgendwie wiedererkennbar Italia, dabei ist das Land nur zehn Jahre älter als Deutschland. Woher kommt das Kuddelmuddel?

Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir mehr in der Mitte liegen und so viele Nachbarn haben. Und, wie schon gesagt, Deutschland gibt es ja erst seit 1871. Im Diskurs mit Nazis immer wieder wichtig, das zu erwähnen. Hat überhaupt nichts mit Germanen zu tun. Das heißt aber auch, einzelne Teile der heutigen Republik haben das Urteil der Nachbarn geprägt.

Darum ordnen wir das Ganze lieber nicht historisch, sondern linguistisch.

Fangen wir gleich mit „Deutschland“ an. Wir nennen uns selber „Deutsche“. Aber warum?

Da wäre eine indo-europäische Wurzel, die Theu-di-skas lautet. Das wurde im Altdeutschen zu „diutisc“ und bedeutet schlicht: „vom Volk“. Oder „von den Leuten“. Wie so viele Selbstbezeichnungen in allen Sprachen, bedeutet es schlicht: Einer von denen. Oder: Wir Volk halt.

Erst durch die römischen Einflüsse diente es zur Abgrenzung von Adel und Klerikern, die Latein sprachen. Deutsche sind also Menschen, die kein Latinicum haben. Die da oben, wir Deutschen.

Auch die Niederländer nennen uns dankenswerterweise „Duitsland“, die Schweden „Tyskland“ und auch das italienische „Tedesco“ stammt aus dieser Wurzel.

Allerdings heißt das Land für die Italiener „Germania“, genau wie für die Ungarn und beinahe genauso wie für die Briten „Germany“.

Das ist interessant, weil dieser Ausdruck im Kopf eines einzelnen Menschen entstanden ist, der rechtfertigen wollte, warum es sich nicht lohnte, das Land dieser frei erfundenen Germanen zu kolonialisieren.

Wir reden natürlich von Gaius Julius Caesar und damit auch von seinen Büchern zum gallischen Krieg. Seine Versuche, rechts vom Rhein Fuß zu fassen, sind alle gescheitert. Also erdichtete er ein eigenes, primitives Volk – die Germanen – die sich von den etwas zivilisierteren Galliern völlig unterschieden. Diese Germanen würden nur dafür leben, mit ihren Nachbardörfern in ständigem Krieg zu leben. Das wenige Nutzland, das sich in diesem endlosen Wald finden ließ, wäre deswegen dauernd verwüstet.

Tatsächlich gibt es keinerlei archäologische Hinweise darauf, dass sich die Bevölkerung links und rechts des Rheins irgendwie unterschied. Das Wort „Germanen“ hat sich Caesar ausgedacht, die wahrscheinlichste linguistische Wurzel ist ein keltisches Wort für „Nachbar“. Auch wichtig für Nazi-Gespräche: Germanen hat sich Caesar nur ausgedacht.

Dann sind wir ja auch noch Alemannen. Sagen die Franzosen, die Spanier, die Portugiesen und – seltsamerweise – die Türken, die das aus dem Arabischen extrahiert haben. Gleiche Wurzel wie die Spanier.

Diese Alemannen waren ein Stamm, der während der Völkerwanderung an der Grenze zu Frankreich landete und für die Sprachfärbung des Schwyzerdeutsch oder des Tirolerischen verantwortlich sein dürfte. Linguistisch eine sehr interessante Sache. Man könnte sagen, dass das Schweizerische dem Hochdeutschen schon einen Schritt voraus ist.

Wenn also die Alemannen durch ihre Geschwätzigkeit aufgefallen sind, stellt sich die drängende Frage, warum unsere slawischen Nachbarn uns als Stumme einstufen?

Denn die Wurzel für Niemcy im Polnischen, Německo im Tschechischen oder Nemačka im Serbischen ist die slawische Wurzel „Niemciv“, was schlicht und einfach einen tauben Menschen beschreibt, oder einen Menschen, der aus diesem Grund nicht in der Lage ist, eine verständliche Sprache zu sprechen.

Das ist keine seltene Zuschreibung. Im antiken Griechenland hießen alle, die kein Griechisch sprechen konnten, die Barbaren, was nichts anderes bedeutet, als die Menschen, die nur Quatsch reden. Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber …

Dann gibt es noch eine interessante Ausnahme. Im Litauischen heißt Deutschland Vokietija, im Lettischen Vācija. Diese Wortherkunft, diese Etymologie ist heiß diskutiert. Am wahrscheinlichsten ist eine baltische Wurzel, die bedeutet, dass jemand zu laut redet.

Dann gibt es die exotischeren Varianten, nicht unsere Nachbarn. Da wäre zum einen Navajo, in dem Deutschland „Bēsh Bi-tschah-hī Bi-kē-ja“ heißt. Das bedeutet: Das Land, in dem die Leute Eisen-Hüte tragen“. Das bezieht sich natürlich auf die Pickelhauben und Stahlhelme auf den Fotos aus dem 19. und 20. Jahrhundert, der ersten Begegnung der Navajos mit deutscher Kultur und ist wahrscheinlich eine urban legend. Aber war zu schön, um es nicht zu erwähnen, sorry.

Dann ist Deutschland im Chinesischen das Land der Tugend. Das ist aber eher ein linguistischer Zufall und keine Anerkennung moralischer Überlegenheit. Vielmehr hat man versucht, den Klang des Wortes „Deutschland“ in der chinesischen Schrift, die auf Silben basiert, möglichst gut wiederzugeben.

Das Ergebnis klingt dann wie „Déguó“ und ist die beste Näherung. Das übernahmen auch die Nachbarn, darum sagt man in Japan Doitsu und in Vietnam Đức.

Daran sieht man auch, wie nahe das an „Dutch“ ist, tatsächlich macht das Vietnamesische da auch keine Ausnahme. Niederländer oder Deutsche – essen doch beide Würstel mit Kraut, oder?

Das bringt mich auf, sagen wir es überfreundlich, die Spitznamen. Denn ein anderer Ausdruck für Deutsche ist natürlich „Kraut“ im Englischen. Das ist im ersten Weltkrieg geprägt worden und bezieht sich natürlich auf Sauerkraut. Fermentierung ist nicht die Stärke der englischen Küche und so hat man auch geflissentlich übersehen, dass die französischen Verbündeten mehr Sauerkraut herstellen als die Kaisertreuen auf der anderen Rheinseite. Ist übrigens immer noch so.

Die Franzosen selber neigen eher zu „Boche“. Das hat man mir in der Provence 1983, mit einem Hakenkreuz, auf meine Ente geschmiert. Gott sei Dank nur in den Staub. Ich dachte zuerst, das bedeute „Wasch mich“! Aber wahrscheinlich kommt dieser Ausdruck von „tête de boche“, kurz: Holzkopf.

Im Niederländischen gibt es noch „Mof“. Die linguistische Wurzel ist unklar, aber die Verwendung für Saisonarbeiter ist schon für das 16. Jahrhundert nachgewiesen.

Im italienischen Reddit taucht manchmal „Crucchi“ auf. Das bezieht sich auf Österreicher und Deutsche, Schweizer sind nicht gemeint. Dessen Herkunft zu ermitteln, war aufwändig und interessant, trotzdem ist das Ergebnis nicht eindeutig.

Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass deutsche Kriegsgefangene in Jugoslawien das kroatische Wort für Brot – „Kruh“ – beim Betteln verwendeten.

Das reicht für heute. Cracker, Honky, M’zungo, Ang Mo und Gwailo müssen wir leider auslassen.

Deutschland ist eine Abstraktion. Ich, als Bayer, fühle mich seelenverwandter mit Österreichern als mit Holsteinern. Wir haben auch die Ostfriesen, die Westfriesen leben in den Niederlanden. Die Elsässer werden immer wieder ausgetauscht, die Sorben haben eine slawische Sprache und sind trotzdem Deutsche. Die Schweizer sprechen außer Französisch, Räto-Romanisch und Italienisch auch deutsch, aber keiner versteht sie.

Es ist nur zu verständlich, dass unsere Nachbarn sprachliche Probleme bei der Einordnung haben, oder?

Es ist okay, wenn wir beschließen, uns irgendwie zusammenzutun. Ich bin dabei. Europa wäre mir lieber, aber Deutschland, 83 Mio. Menschen, das ist schon okay. Ein Anfang.

Wir sollten nie vergessen, dass wir als ziemliche Newcomer auf der Weltbühne sind. Nicht einmal die gemeinsame Sprache ist besonders alt – es gab ja nicht einmal Germanen. Oder Tedeschi. Oder Niemci. Oder Kartoffeln.

Quelle:

Youtube: Intro: Stereotypes Germans Hate About GERMANY

]]>
Zeitreise? Nein, danke! [Archiv] https://explikator.de/2026/07/30/zeitreise-nein-danke/ Thu, 30 Jul 2026 14:35:45 +0000 https://explikator.de/?p=846 Unterstützende hören diese Episode hier bei Steady oder hier bei Patreon.

Kaum ein Science-Fiction-Franchise ohne die obligatorische Reise in die Vergangenheit. Deren Paradoxe ruinieren mir regelmäßig die Laune am Zuschauen. Darum heute ein Blick auf die Physik, die sie – Thermodynamik sei Dank – nicht zulässt.

Skript

Die Frage aus dem Intro ist berechtigt, auch wenn Hulk sie abbügelt: Was wären „Dr. Who“, „Zurück in die Zukunft“, „Terminator“, „12 Monkeys“, „Looper“, „Midnight in Paris“, „Outlander“, „Butterfly Effect“ oder einfach jede mögliche Science-Fiction-Serie, wenn sie Physik verstehen würden?

Ich habe mit Zeitreisen aber wirklich ein Problem. Jede Storyline, die ich kenne, produziert so viele Paradoxe, dass es mich immer aus der Immersion wirft. Da können der Hulk und Ant-Man so viel philosophieren, wie sie wollen – das ist trotzdem alles Quatsch.

Lassen wir mal den offensichtlichen Unsinn weg, wo sich die Protagonist*innen selber begegnen, oder aus Versehen ihre Mutter von der Paarung abhalten. Das Großvaterparadox wurde ja in diesen Geschichten schon genug ausgebreitet.

Tatsächlich ist weder in der Newtonschen, noch in der einsteinschen Physik ein Zeitvektor verbaut. Kurt Gödel wies Einstein nach, dass die allgemeine Relativitätstheorie Zeitreisen in die Vergangenheit nicht ausschließt. Was Einstein entsetzt haben soll. Ob das stimmt, weiß ich nicht.

Was die Allgemeine Relativitätstheorie wirklich aussagt, ist, dass es Zeit nicht als Konstante gibt. Da ist keine externe Kraft im Raum, die man Zeit nennen könnte. Im Prinzip gibt es nicht einmal einen Zeitpunkt, den wir „Gegenwart“ nennen können. Das funktioniert zwischen uns Menschen auf der Erde ganz gut, aber wir sind ja alle gleich schnell. So ungefähr 107.000 Stundenkilometer schnell.

Zeitdilatation heißt der Effekt, der dazu führt, dass der Astronaut, der mit 80 Prozent der Lichtgeschwindigkeit schnell mal auf Alpha Zentauri vorbeischaut, bei der Heimkehr bemerken muss, dass sein Zwillingsbruder auf einmal vier Jahre älter ist als er.

Man kann das noch absurder machen. Wenn wir am Nachthimmel Alpha Zentauri bewundern, was in Europa nur ab und zu und nur auf den Kanarischen Inseln möglich ist, dann haben die Photonen, die auf unsere Netzhaut treffen, vier Jahre für ihre Reise gebraucht. Für das Photon aber, das ja mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs war, kann man überhaupt nicht von Zeit sprechen, es sei denn, man könnte durch Null teilen. Der Moment, in dem es von seinem Stern ausgestoßen wurde und das Aufschlagen auf der Netzhaut, sind praktisch gleichzeitig. Mehr noch: Die Distanz zwischen Emission und Absorption ist für das Photon null.

Ist das nicht fantastisch? Ist nicht dieser Fakt allein schon ein Grund, sich mit Physik zu beschäftigen? Das illustriert übrigens auch, warum Reisen mit mehr als Lichtgeschwindigkeit paradox sind.

Okay. Abschwiff, nur um darzustellen, welche Rolle Zeit in der allgemeinen Relativitätstheorie spielt.

Denn das eigentliche Problem für die Zeitreisenden ist ein anderes. Die Entropie. Der zweite Satz der Thermodynamik. Der Teil der Physik, der durchaus einen Zeitvektor hat. Entropie wird gerne mit „Unordnung“ oder „Chaos“ übersetzt. Sprich, die Unordnung im Universum nimmt ständig zu. Das mag stimmen, aber Unordnung klingt so nach Kinderzimmer und die kann man ja aufräumen.

Man könnte Entropie auch als Informationsproblem bezeichnen. In einem Gas zum Beispiel haben die Moleküle extrem viele Mikrozustände, jedes kann in einer Sekunde an einem beliebigen anderen Ort sein, was es sehr, sehr schwierig macht, Informationen über sie einzuholen. Anders ist es bei Salz. In einem Kristall hat jedes Atom genau einen richtigen Platz. Und wenn wir schnell eine Pinkelpause machen und dann noch einmal schauen, hat sich wahrscheinlich kaum ein Atömchen vom Platz gerührt.

Salz hat eine niedrige Entropie, Gase eine hohe Entropie. Und der zweite Satz der Thermodynamik besagt nichts anderes, als dass sich Systeme – rein statistisch gesehen – in der Regel von einer niedrigen Entropie zur höheren Entropie entwickeln. Wenn Salz sich in der Minestrone aufgelöst hat, haben wir größere Schwierigkeiten, über seine Atome Informationen zu bekommen.

Gut. Das zur Theorie. Jetzt nehmen wir an, der Hulk oder Ant-Man hätten das alles ignoriert, die hören den Explikator wahrscheinlich nicht, und könnten mich, sagen wir einmal bescheiden, ein Jahr in die Vergangenheit beamen.

Was würde nach den Gesetzen der Physik, wie wir sie kennen, dann passieren?

Als erstes würde ich wohl ersticken und erfrieren gleichzeitig, denn die Erde ist von meinem Startpunkt 6,94 Mrd. Kilometer entfernt. Das liegt daran, dass sich unsere Sonne selber mit 792.000 Stundenkilometern um das galaktische Zentrum dreht. Hulk oder Ant-Man hätten mich also auch räumlich beamen müssen und nicht nur zeitlich, die Trottel! Aber das ist im Kern nur Newtonsche Physik. Wäre vielleicht auch noch lösbar.

Probleme macht wieder die Thermodynamik. Hulk und Ant-Man müssen den zweiten Satz sozusagen rückwärts laufen lassen. Sie müssen meine ganzen Atome also von einem Zustand höherer Entropie in einen Zustand niedriger Entropie verändern, damit ich entropisch in das Universum des Vorjahres passe.

Biochemische Vorgänge sind aber nicht reversibel. Die Energieträger der Zellen würden sich unkontrolliert spalten, die Ionenpumpen meiner Zellmembranen versagen und die Ordnung der Proteine – zum Beispiel im Gehirn – kollabieren. Und das sind nur die biologischen Prozesse, die mir als Laien auf Anhieb einfallen.

Am wahrscheinlichsten wäre, dass ich mich sofort in meine chemischen Ausgangsstoffe auflöse. Die verlorengegangene Information bekommt man nicht wieder in die Zellen hinein. Die verlorengegangene Wärme genauso wenig.

Trotzdem würde mein lautloses Zerfallen das Universum komplett verändern. Ein Photon, das vorher ungehindert zur Erde geflogen wäre, stößt dummerweise auf eines meiner Schwefelmoleküle und wird abgelenkt. Dabei hätte es auf der Erde in einer Wolke ein Elektron aus einem Wassermolekül kicken sollen. Macht es aber jetzt nicht, bloß weil der Hulk und Ant-Man mich zu diesem Experiment überredet haben.

Dieses eine Molekül kann, wie im berühmten Butterfly-Effect, zu einer Kette von Veränderungen führen, die letztlich auch meinen Startpunkt, wo die beiden Knallköpfe von den Avengers immer noch auf meine Rückkehr warten, völlig verändert haben könnte.

Wie groß der Grad der Veränderung ist, lässt sich nicht berechnen, aber man kann kinderleicht dramatische und trotzdem plausible Kausalketten bauen.

Die einzige Art, gefahrlos in die Vergangenheit zu reisen, ist unser Himmel. Wenn man in die Sonne blinzelt, sieht man sie, wie sie vor acht Minuten war. Schaut man, von Australien aus, auf Alpha Centauri, blickt man vier Jahre in die Vergangenheit.

Völlig, ohne in Schwefelatome zu zerfallen.

]]>
Triggerwarnungen [Archiv] https://explikator.de/2026/07/29/triggerwarnungen/ Wed, 29 Jul 2026 17:26:39 +0000 https://explikator.de/?p=842 Unterstützende hören diese Episode hier bei Steady oder hier bei Patreon.

Triggerwarnungen sind mittlerweile weit verbreitet. Ihr Sinn leuchtet vollkommen ein: Menschen mit Traumata sollten die Freiheit haben, Inhalte vermeiden zu können, die sie vielleicht triggern. Aber wissen wir, ob das so auch funktioniert?

Skript

Mir leuchtet der Sinn von Triggerwarnungen absolut ein. Es ist gut, Menschen, die Trauma oder Traumata erlebt haben, darauf hinzuweisen, dass Inhalte sie eventuell belasten könnten.

Viele meiner Geschichten drehen sich um Themen wie Krankheit, Tod, Trennung oder Einsamkeit. Darum habe ich mir schon oft überlegt, ob ich nicht selber Triggerwarnungen benutzen sollte. Und darum habe ich recherchiert, denn wie immer: Ich habe doch keine Ahnung!

Der eigentliche klinische Kern der Triggerwarnung reicht zurück in den Ersten Weltkrieg. Erst hier wurde man darauf aufmerksam, dass die überlebenden Soldaten oft ähnliche Symptome ausweisen. Psychologie war noch eine junge Wissenschaft. Diese Kriegstraumata nannte man „shell shock“ im Englischen, im Deutschen bezeichnete man Opfer sehr despektierlich als „Kriegszitterer“ oder „Kriegshysteriker“. Dabei wurde die kriegsbedingte post-traumatische Belastungsstörung schon von Homer beschrieben.

Aber dieser Begriff formt sich erst bei der Behandlung von Vietnam-Veteranen in den sogenannten „Rap Sessions“. Damals hieß „Rap“ noch, ohne Angst und Formalitäten frei von der Leber zu berichten. Hatte noch nichts mit Musik zu tun.

1980 landet PTSD – die englische Abkürzung – im „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ und ist damit als Diagnose erst möglich.

Feministinnen geben dem Trauma-Begriff eine neue Dimension, in dem sie die Belastungsstörung, völlig zu Recht, auch auf sexualisierte Gewalt ausdehnen. Keine Frage, Vergewaltigung zum Beispiel, ist traumatisierend.

Die Triggerwarnung wandert dann ins Netz und wird, ebenfalls völlig zu Recht, auch auf elterliche oder andere Formen von Gewalt angewendet. Und natürlich kann nicht nur Gewalt traumatisieren, sondern auch der grausame Tod eines geliebten Menschen. Auch Mobbing in der Schule oder der Arbeit.

Allerdings wird das „Triggern“, also das Auslösen einer Erinnerung an das traumatisierende Erlebnis, auch ein bisschen überdehnt. „Das hat mich getriggert“, sagt man heute vielleicht ein wenig zu beiläufig. Das letzte Mal habe ich die übertriebene Anwendung bei der WM von einem Moderator gehört, der meinte, eine falsche Schiedsrichterentscheidung habe eine ganze Nationalmannschaft „getriggered“.

Ach, übrigens hat Nintendo eine Epilepsie-Triggerwarnung auf seinen Games, weil es Fälle gab, in denen das Game „Kid Icarus“ bei amerikanischen Kindern epileptische Anfälle ausgelöst hatte. Es stellt sich die Frage, ob es hilft, das jetzt auf alle Games zu drucken.

Die Triggerwarnungen, wie wir sie heute kennen, finden immer noch am meisten im akademischen Kontext Anwendung. An US-Hochschulen sind sie mittlerweile die Norm. Teils von den Studierenden gefordert, teils von den Hochschulen selber.

Über alle Anwendungen hinweg gibt es sozusagen eine Top-Ten der häufigsten Warnungen. Die maßgebliche Systematik wäre die NEON-Typologie von 2022. Nach einer Auswertung von 6.254 Dokumenten ergab sich ungefähr folgende Häufigkeit: Gewalt, Sex, Stigma, verstörende Inhalte, Sprache, riskantes Verhalten, psychische Gesundheit, Tod, Elternhinweis, Kriminalität, Missbrauch, Sozio-Politisches, Epilepsie.

Gut, da wäre jetzt mit „Tod“ eines meiner Themen dabei. Aber was bedeutet denn „Sprache“? Triggerwarnung: Dieser Text enthält Abschnitte in Usbekisch?

Ganz klar wird in dieser Studie, dass Triggerwarnungen nicht mehr dem Trauma-Schutz dienen, sondern eher der größeren Handlungsfreiheit bei der Information über den Inhalt. Wissenschaftlich ausgedrückt: Es handelt sich um Mikro-Abstracts.

Die Anwendung hat sich also bereits verschoben. Auch das muss ja nichts Schlechtes sein, solange es die Bedürfnisse von Trauma-Betroffenen immer noch mit abdeckt.

Aber es stellt sich natürlich eine berechtigte Frage: Bringt das alles überhaupt etwas?

Und da ist die Forschung erstaunlich leise. Es ist, als würde man sich nicht an dieses Thema trauen.

Ich habe eine Meta-Analyse gefunden, die sich aus nur 407 Fundstellen gerade einmal zwölf Studien als belastenswert erkoren hat und die Ergebnisse sind ernüchternd:

Triggerwarnungen haben scheinbar keinerlei Effekt auf die emotionalen Reaktionen der Nutzer von Medien, die sie anwenden. Noch interessanter: Sie führen nicht dazu, dass Traumatisierte den Kontakt vermeiden würden. Mit oder ohne Triggerwarnung: Die gleiche Resonanz. Aber: Sie führen dazu, dass sowohl Traumatisierte als auch Nicht-Traumatisierte stärker sensibilisiert sind, oder, einfach ausgedrückt, beim Konsum mehr Angst haben. Einschließlich der Menschen, die eine entsprechende Diagnose haben.

Aus diesem Jahr stammt ein Experiment, das besonders intelligent angelegt ist. Probanden waren 143 Menschen, die als psychisch gesund eingestuft wurden. Traumatisierte für Experimente zu verwenden, ist ethisch ja eine eher schwierige Sache.

Inhalt war ein Film mit exzessiver Gewalt, der zwölf Minuten dauerte. Hierbei gab es drei Warnhinweise. Der erste war schlicht „Freigegeben ab 18 Jahre“, der zweite einer, wie er nur allzu üblich ist „Dieser Film enthält verstörende Inhalte, die belastend wirken könnten“. Der dritte war sehr detailliert und benannte die entsprechenden Szenen und die Wirkungen, die auftreten können.

Der erste Befund bestätigt alle anderen Studien: Alle drei Gruppen war gleichermaßen verängstigt, nervös oder angespannt. Die Warnungen haben die Reaktion auf den Film nicht gedämpft.

Doch der zweite Befund ist spannend: Der Unterschied zeigt sich nicht während der Vorführung, sondern danach.

Die Gruppe mit der handelsüblichen, vagen Warnung traute sich selber weniger zu, das Geschehen im Video verarbeiten zu können. Mit anderen Worten: Durch die Warnung war das Erlebte für sie schwerer zu verarbeiten.

Dieselbe Gruppe, die mittelmäßig Gewarnten, berichteten häufiger davon, dass sie ungewollte und aufdringliche Erinnerungen an das Gewaltvideo hatten, als die anderen beiden Gruppen. Im Prinzip kann man sagen: Diese vage Triggerwarnung hat Mechanismen ausgelöst, die man mit gutem Recht „Triggern“ nennen könnte. Auch wenn es sich nicht um Traumatisierte handelte – man kann aber durchaus davon ausgehen, dass es für diese nur intensiver wäre.

Eine vage Warnung kündigt Gefahr an, ohne zu sagen, worin sie besteht. Diese Ungewissheit versetzt das Gehirn in einen Hab-Acht-Zustand: Es scannt die Umgebung nach Bedrohungsreizen, ist übererregt, und speichert das Gesehene dadurch tiefer und eindringlicher ab.

Gruppe drei, mit den aufwendigen, langen und präzisen Informationen vor dem Film erlebten hingegen eine Orientierung. Das Gehirn wusste, woran es ist. Allerdings ist so eine Warnung natürlich auch ein Spoiler. „In der Szene, in der Sherlock Holmes von Moriaty gestoßen wird, stürzt er zu Tode“, schafft natürlich Orientierung, aber spoilt die ganze Episode.

Es handelt sich um eine frische Studie. Ob die Ergebnisse replizierbar sind, muss sich noch zeigen. 143 Probanden ist keine große Gruppe, auch wenn es in der Psychologie auch kleinere gibt. Natürlich ist auch die Frage berechtigt, ob Traumatisierte nicht anders reagieren würden.

Aber die Ergebnisse sind emotional gut nachvollziehbar. Die weitverbreitetste Form der Triggerwarnung – die kurze und vage Warnung, oft ist es ja nur ein Wort – ist problematisch. Wahrscheinlich schadet sie mehr, als sie nutzt.

Ich möchte meinen Geschichten nicht eine ausführliche Triggerwarnung mitgeben. Ein kleiner Absatz, der erklärt, das sich Romeo und Julia am Ende versehentlich selber umbringen, weil es noch keine Smartphones gibt, würde das ganze Theaterstück für die Zuschauenden, die es noch nicht kennen, entwerten, oder?

Jede Geschichte, die wir Menschen über uns schreiben, endet, wenn man sie nur lange genug erzählt, im Tod der Protagonist*innen. Oder? Was meinst Du?

]]>
Die Toten reden [Archiv] https://explikator.de/2026/07/23/die-toten-reden/ Thu, 23 Jul 2026 17:21:31 +0000 https://explikator.de/?p=830 Unterstützende hören diese Episode hier bei Steady oder hier bei Patreon.

Spiritismus: Wie aus der Langeweile zweier amerikanischer Teenager ein weltweites Phänomen wurde und warum keine Form von Debunking einem im Kern grausamen und gefährlichen Aberglauben Einhalt gebieten konnte.

Skript

Spiritismus und Spiritualität und Spiritus werden oft verwechselt. Mit den ersten beiden kann man aber nicht einmal Fenster putzen. Heute soll es um den Spiritismus gehen. Das ist die Vorstellung, dass die Toten als Geister, als Spirits, auf einer anderen Ebene weiter existieren und dass einzelne, besonders begabte Individuen mit ihnen kommunizieren können.

In der Blütezeit des Spiritismus gab es im angelsächsischen Raum in jedem größeren Ort Seancen, wie man sie aus Film, Fernsehen und Büchern kennt. Man setzt sich um einen Tisch und beschwört gemeinsam mit arkanen Methoden eine tote Wunschperson, die dann über das Medium kommuniziert. „Nein, Gladstone, ich hatte nie eine Affäre mit dem Bahnwärter, sondern habe immer nur Dich geliebt“.

Auch das Ouija-Bord, das meist von Kindern gefunden wird, die dann ganz aus Versehen Dämonen aus der Hölle beschwören, stammt aus dem Spiritismus. Auch eine Explikator-Episode wert. Der Spiritismus war schon damals eine gut geölte Industrie- und Illusionsmaschine, die aber klein anfing.

Es begann mit der Familie Fox. Die war fromm und fruchtbar. Sieben Kinder. Das hängt ja oft zusammen. Im Winter 1847 zog sie in ein eher unscheinbares Holzhaus in Hydesville. Im Haus lebten nur noch die beiden jüngsten Töchter, Maggie und Kate, und ihnen war es langweilig. Im Frühjahr 1848 begann es – Gott sei Dank – in ihrem Zimmer auf unerklärliche Art und Weise zu klopfen. In den Wänden. Wie gesagt, Holzhaus.

Sie erzählten ihrer Mutter von diesem seltsamen Phänomen und reicherten ihre Geschichte damit an, dass über Nacht im Zimmer auch Möbel verschoben waren. Also wartet die Mutter mit ihnen auf die nächsten Klopfgeräusche – und, richtig, da scheint etwas zu klopfen! Die Mädchen starren auf die Wand, die Mutter starrt auf die Wand und da ist es wieder – als würde jemand auf der anderen Seite der Wand stehen und hoffen, es würde sich plötzlich eine Tür öffnen.

Die arme Mutter tat, was man so macht, wenn man mit Geistern zu tun hat. Sie holte ihre Nachbarn. Das lässt sich erklären: Die Ghostbuster gab’s damals noch nicht. Vor diesem Publikum veränderte sich das Phänomen plötzlich. Die Mädchen stellen der unsichtbaren Kraft Fragen zur Beantwortung. Einmal Klopfen heißt Ja, zwei Mal Klopfen heißt Nein. Und tatsächlich antwortet sie. Einer der frommen Nachbarn ergreift die Flucht.

Es kommt zu mehr Auftritten und die Mädchen improvisieren bald ein simples Morse-Alphabet. Die unsichtbare Kraft sei ein Handelsreisender, der in ihrem Haus ums Leben gekommen sei. Das rundet alles ab. In dieser Form füllt die Geschichte in Windeseile die Zeitungen in den USA und bald reisen die Menschen weite Strecken, um das Geister-Phänomen selbst zu erleben.

Möglich wurde diese schnelle Popularität durch die Telegrafie, die Nachrichten unsichtbar und in unvorstellbarer Geschwindigkeit von einer Küste zur anderen übertragen konnte. Wie von Geisterhand, pflegte man zu sagen.

Der frischgeborene Spiritismus war keine Gegenbewegung zur modernen Technik. Er war ihr Aberglaube. Die Menschen glaubten nicht trotz der neuen Apparate an Geister, sondern wegen ihnen. Die Klopfgeister der Fox-Schwestern wurden in einem Artikel sogar wörtlich als „spiritueller Telegraf“ beschrieben.

Ihre große Schwester Leah, zwanzig Jahre älter, nahm sich der Schwestern an und wurde, wie man heute sagen würde, ihre Managerin. Kein Jahr war vergangen und schon traten die beiden Schwestern in der Corinthian Hall in Rochester vor vierhundert zahlenden Besuchern auf.

Es war, soweit ich das sagen kann, die erste kommerzielle Vorführung angeblicher übersinnlicher Kräfte vor einem Massenpublikum. Im gleichen Jahr, 1849, können auf einen Schlag, wie ein Wunder, immer mehr Menschen, meistens Frauen, mit den Verstorbenen kommunizieren. Der Spiritismus hat eine feministische Komponente, aber auch das ist eine andere Sendung.

Die Fox-Schwestern gingen auf Tournee, in den USA und in Europa. Sie traten meistens dreimal am Tag auf, und Leah verkaufte dazu noch private, sauteure Seancen mit ihren Geschwistern. Diese hatten ihren Code verfeinert und konnten inzwischen ganze Botschaften buchstabieren. Aus dem Geräusch in den Kinderzimmerwänden war ein Gewerbe geworden.

In manchen Orten empörten sich Christen und demonstrierten gegen die satanischen Praktiken; im Städchen Troy versuchte ein wütender Mob, Maggie zu entführen, weil man sie für besessen hielt. Schon 1851 untersuchten drei Ärzte in Buffalo die beiden Schwestern und kamen zu dem Schluss, sie würden das Klopfen durch ihre Gelenke entstehen lassen. Der Befund war da.

Das schadete der neuen Bewegung aber natürlich nicht. Wissenschaft, pah! Im Jahr 1855 glaubten zwei Millionen Amerikaner an die Echtheit des Phänomens. Das waren damals fast zehn Prozent. Sie glaubten, ohne viel darüber zu reflektieren an Verstorbene, die unbedingt Nachrichten an die Lebenden übermitteln wollten. Und: Sie glaubten an Maggie und Kate.

Der Spiritismus ist natürlich auch ein spirituelles Problem. Schon die Vorstellung, dass geliebte Menschen nach dem Tod in einer körperlosen Welt gefangen sind und von dem Wunsch getrieben werden, mit den Lebenden zu kommunizieren, ist ja furchtbar. Die Zahl der Opfer, die dieser Aberglauben produziert hat, ist nicht zu schätzen. Das geht ja von der einfachen Eintrittskarte bis hin zu Selbstmorden von Menschen, die wieder mit ihren Geliebten vereint sein wollten.

Mit zu den ersten Opfern gehörten aber die Schwestern selber. Jahrzehnte auf Tour, drei Auftritte am Tag – gehetzt von der eigenen Schwester, die immer größere Säle buchte und immer mehr Eintritt verlangte.

Und dabei immer zu wissen, dass man das alles vor vierzig Jahren als Teenager nur ausgedacht hatte, weil einem langweilig war. Beide Schwestern wurden alkoholabhängig, bevor sie achtzehn Jahre alt waren.

Maggie Fox beschließt, einen Schlussstrich zu ziehen. Sie ist verstritten mit Leah, ihrer Schwester und Managerin, aber selber chronisch pleite. In New York will sie die ganze Wahrheit über die Toten, die reden, verkünden und zweitausend Menschen kaufen ein Ticket.

Dort gesteht sie, wie sich die beiden Mädchen die Geschichte ausgedacht haben. Sie zeigt auf offener Bühne, wie sie mit ihren Zehengelenken die Klopfgeräusche erzeugt – dasselbe Geräusch, das vierzig Jahre lang als Stimme der Toten verkauft worden war, live demonstriert von der Frau, die es als Kind erfunden hatte. Vollständiger kann eine Aufklärung nicht sein. Die Erfinderin selbst, das Publikum als Zeuge, der Mechanismus zum Anfassen. The First Debunking.

Man liest immer, es habe sich um das Knacken der Zehen gehandelt. Das ist aber nicht ganz richtig. Vielmehr hatten die Schwestern eine Methode entwickelt, mit dem großen Zeh und dem daneben – ist der große Zeh der Daumen und der daneben der Zeigezeh? Sagt man das? – mit diesen beiden Zehen auf dem Boden quasi zu schnipsen. Der Holzboden im Kinderzimmer und die Holzbühnen verstärkten das Geräusch. Niemand sah unter den langen Kleidern, dass die Mädchen barfuß waren.

Man liest auch oft, dass dieses Bekenntnis dem Spiritismus nicht geschadet habe, aber in Wirklichkeit war es ein massives Problem. Sicher, es blieben genug Menschen übrig, die Maggie das Geständnis nicht geglaubt haben. Arthur Conan Doyle, der von Sherlock Holmes, wäre ein besonders bekanntes Beispiel.

Die Fox-Schwestern stehen am Anfang des Spiritismus, aber sie haben weder die Vorstellung erfunden, dass es Geister gibt, die mit uns Menschen kommunizieren wollen, noch die Sehnsucht nach dem Übernatürlichen erfunden.

Sie haben ihren Kinderstreich nur in einer Zeit erfunden, in der die Technologie so weit war, dass gezielt in Bargeld zu verwandeln. Leah Fox hat ein Marketing-Modell entdeckt. Das sich beliebig ohne finanziellen oder technischen Aufwand kopieren ließ.

Auch in Deutschland gab es bis 2024 „Astro TV“, wo – neben Tarotkarten und Astrologie – auch „mediale Live-Lebensberatung mit Schwerpunkt Jenseitskontakte“ angeboten wurde.

Knacks, knacks.

Quellen:

The Collector, „How the Fox Sisters Invented Western Spiritualism“

Wikipedia (de), „Fox-Schwestern“

Wikipedia (de), „Spiritismus“

]]>
Sommer, Sonne, Hautkrebs? [Archiv] https://explikator.de/2026/07/23/sommer-sonne-hautkrebs/ Thu, 23 Jul 2026 17:02:09 +0000 https://explikator.de/?p=821 Unterstützende hören diese Episode hier bei Steady oder hier bei Patreon.

Sommer! Die Sonne! Immer höhere Lichtschutzfaktoren, jedes Jahr höhere Empfehlungen, was die tägliche Dosis Sonnenschutzcreme betrifft. In den Medien frühsommerliche Sommerpanik. Das sollten wir mal recherchieren, oder?

Skript

Bleibe nicht am Boden heften,
Frisch gewagt und frisch hinaus!
Kopf und Arm mit heitern Kräften,
Überall sind sie zu Haus;
Wo wir uns der Sonne freuen,
Sind wir jede Sorge los.
Daß wir uns in ihr zerstreuen,
Darum ist die Welt so groß.

Sagt der Dings, der Goethe.

Hallihallo und willkommen beim Explikator!

Zum Zeitpunkt der Aufnahme schwitzt Europa bereits unter der zweiten Hitzewelle des Jahres. Das macht vielen Angst – mir zum Beispiel – aber es hat auch ein Gutes: Die Klimawandel-Zweifler*innen sind leiser geworden. Man kann das hören.

Es gibt ja bestimmte Inhalte in den Medien, die sich ganz prima wiederholen lassen. Zum Beispiel Artikel über den Sinn der Zeitumstellung, die wir zwei Mal im Jahr betreiben. Diese Beiträge brauchen kaum noch Recherche und werden trotzdem viel geklickt. Es könnte sein, dass die Aufregung um Sommer- und Winterzeit mittlerweile liebgewordene Rituale sind.

Ähnlich ist es mit der Sonne. An gefühlt jedem Sommeranfang mahnt gefühlt jedes Medium vor der Sonnenstrahlung. Klar, wenn man es genau überlegt, dann ist so ein Sonnenbrand tatsächlich der Strahlungsschaden eines sehr großen, weit entfernten Fusionsreaktors.

Ich habe den Eindruck, dass das Image der Sonne durch den Klimawandel jedes Jahr mehr beschädigt wird. Und genauso steigen die Werte des empfohlenen Lichtschutzfaktors und die Menge der aufzutragenden Sonnenschutzcremes. Wenn man den Empfehlungen der Deutschen Krebsgesellschaft folgt, landet man bei ungefähr 200 ml Sonnenschutzcreme des Lichtschutzfaktors 50 am Tag. Rechnet man die Angaben der Apotheken Umschau nach, landet man sogar darüber. Beim Amazon-Durchschnittspreis ca. 10 Euro am Tag.

Ich bin weder Apotheker noch Onkologe und glaube diese Angaben. Müsste ich, wäre ich Apothekerin oder Onkologin, eine Empfehlung abgeben, würde ich auf jeden Fall lieber viel zu hoch greifen als zu niedrig. Keine Ahnung, ob ein Risiko besteht, haftbar gemacht zu werden, aber allgemein ist zu viel Schutz besser als zu wenig. Ich würde nicht wollen, dass jemand wegen mir Hautkrebs bekommt.

Darum geht es doch, oder? Hautkrebs. Ich habe mir dazu die Zahlen angeschaut, weil ich – wie immer vor einer Episode – ja keine Ahnung hatte. Gott sei Dank gibt es das Zentrum für Krebsregisterdaten.

Das maligne Melanom ist bei Frauen die vierthäufigste und bei Männern die fünfthäufigste Tumorart in Deutschland. Jährlich erkranken etwa 27.000 bis 28.000 Menschen neu daran. Es betrifft überproportional die jüngeren Menschen. Bei Frauen in der Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren ist es statistisch gesehen sogar die häufigste Tumorart überhaupt. Das Melanom ist der Hauttumor mit der höchsten Tendenz, über die Lymph- und Blutbahnen Tochtergeschwülste in inneren Organen oder im Gehirn zu bilden.

Das scheint alles sehr besorgniserregend. Aber, man muss auch erwähnen, dass die relativen 5-Jahres-Überlebensraten mit 95 % bis 96 % extrem hoch sind. Bei den Krebstodesfällen belegt das Melanom bei Männern mit 1,5 Prozent Platz 15 und bei Frauen Platz 19 mit 1,2 Prozent. Im Jahr sterben in Deutschland durchschnittlich 3.200 Menschen am Melanom. Die anderen Nicht-Melanom-Hautkrebse töten weitere 1.400.

Das klingt nicht ganz so besorgniserregend. Ein wichtiger Schutz scheint es zu sein, sich regelmäßig auf Hautkrebs screenen zu lassen. Über 35 Jahre Lebensalter zahlen das die Kassen alle zwei Jahre, viele Kassen auch unter dem Alter, viele Private jährlich.

Nun wäre es interessant zu wissen, ob der Sonnenschein auch eine Sonnenseite hat. Dass wir es brauchen, um Vitamin D zu bilden, ist ja allgemein bekannt. Dieses Prohormon ist unverzichtbar für Knochen, das Immunsystem und den Schutz vor chronischen Krankheiten (darunter auch diverse andere Krebsarten). Das muss der Körper selber herstellen. Zwanzig Minuten am Tag scheinen bei deutscher Bewölkung im Mittel zu reichen.

Wenn UV-A-Licht auf die Haut trifft, wird im Gewebe Stickstoffmonoxid freigesetzt. Dies erweitert die Blutgefäße und senkt den Blutdruck. Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nummer 1 sind, schützt die Sonne hier wahrscheinlich statistisch mehr Menschen, als sie durch Hautkrebs gefährdet.

Sichtbares Sonnenlicht steuert über die Augen die Ausschüttung von Serotonin (Glückshormon) und Melatonin (Schlafhormon). Es taktet unsere innere Uhr, sorgt für besseren Schlaf und schützt vor Depressionen.

Jetzt stellt sich natürlich die berechtigte Frage, ob diese positiven Effekte auch bestehen, wenn man sich an die empfohlene Menge Sonnenschutzcreme hält. Und für die Vitamin-D-Synthese kann man sagen, dass sie bei diesen LSFs und dieser Menge praktisch geblockt wird.

Es gibt auch andere Argumente gegen zu viel Sonnencreme. So hat die FDA in Amerika zwei selten verwendete Inhaltsstoffe von Sonnenschutzmitteln, 4-Aminobenzoesäure (auch bekannt als PABA) und Trolaminsalicylat, als nicht empfehlenswert eingestuft, weil sie in den Blutkreislauf geraten. Die EU-Kommission kam aufgrund einer Studie zu dem Schluss, dass die Inhaltsstoffe Homosalat und Oxybenzon in den Mengen, in denen sie verwendet werden, nicht sicher sind. Die werden absorbiert und wirken sich auf den Hormonhaushalt aus. Bei Avobenzon stehen Studienergebnisse noch aus.

Ich habe keine Zahlen gefunden, aber würde davon ausgehen, dass die Risiken bei Sonnencreme trotzdem nicht höher sind, als bei vielen anderen kosmetischen Produkten.

Das zweite Argument ist die Scheinsicherheit, die durch Sonnencremes entsteht. Sie werden meistens verwendet, um die sonst ungeschützte Haut gezielt für längere Zeit der Sonne auszusetzen.

Die Sonnenbräune übrigens, stellt keinen Schutz vor Schäden dar. Umgerechnet höchstens wie Lichtschutzfaktor zwei, wenn man den richtigen Hauttypen hat. Allerdings bildet die Haut auch nicht sichtbare Lichtschwielen, weil sich die oberste Hautschicht durch UVB-Strahlung bis um das Vierfache verdickt. Das entspricht einem körpereigenen Lichtschutzfaktor von vier bis fünf.

Empfehle ich also, keine Sonnenschutzcreme zu verwenden? Auf keinen Fall tue ich das. Das ist hier ja keine Verschwörungs-Veranstaltung. Ich habe bei der Recherche nur beobachtet, dass in der Wissenschaft seit ein paar Jahren ein Umdenken stattfindet, dass sich in der Sonnenpanik unserer sommerlichen Medienlandschaft so noch nicht wiederfindet.

Abgesehen davon bin ich sowieso ein Totalausfall der menschlichen Vernunft, was die Krebsvorsorge betrifft. Denn ich rauche tatsächlich immer noch, und das ist mit Abstand das Dümmste, was man machen kann. Außer vielleicht, eine Woche im Reaktor von Tschernobyl zu campen. Ich empfehle ganz sicher gar nichts.

Ich bin wegen der Sonne nach Italien ausgewandert. Ich mag sie. Ich liebe den Frühling und Sommer, kann mit dem Herbst leben, aber Winter? Ich brauche das Sonnenlicht.

Darum fand ja schon der Dings, der Goethe, Italien toll.

Quellen:

The Guardian: Heat can be deadly, but sunshine itself? Science says we could use more of it

Apotheken Umschau: Sonnencreme schützt die Haut – wie Sie sich richtig eincremen

SWR3: Der Sonnencreme-Rechner

Recharge: 5 Benefits of Sun You Can’t Afford to Miss Out On

Zentrum für Krebsregisterdaten: Malignes Melanom der Haut

Environmental Working Group: The trouble with ingredients in sunscreen

UK Biobank: A Risk-Benefit Ratio of Sunlight Exposure

]]>
Die Evolution in uns [Archiv] https://explikator.de/2026/07/15/die-evolution-in-uns/ Wed, 15 Jul 2026 16:48:07 +0000 https://explikator.de/?p=784 Unterstützende hören diese Episode hier bei Steady oder hier bei Patreon.

Wenn der liebe Gott uns in der Form, in der wir heute existieren, geschaffen hat und wir nicht das Produkt eines evolutionären Prozesses sind: Warum sind wir voller Überbleibsel einer tierischeren Vergangenheit?

]]>
Zahme Füchse [Archiv] https://explikator.de/2026/07/08/zahme-fuechse/ Wed, 08 Jul 2026 17:12:06 +0000 https://explikator.de/?p=761 Unterstützende hören diese Episode hier bei Steady oder hier bei Patreon.

Kleine Kinder gehen davon aus, dass Tiere irgendwie komische Menschen sind. So wie unsere Haustiere davon ausgehen, dass wir halt komische Hunde, Katzen oder meinetwegen Papageien sind. Aber wie passiert das eigentlich? Dass wilde Tiere Haustiere werden? Dmitri Konstantinowitsch Beljajew hat das erforscht. (Vintage-Ferien 03/10)

]]>