Die „zweite“ Pilotfolge

Der Explikator ist zurück! Das freut einige, lässt andere kalt und widert vielleicht sogar manche an. Darum erkläre ich heute, wie es dazu kommen konnte und wie es dieses Mal funktionieren soll.

Skript

Mein Name ist Oliver Wunderlich und ich war am 11. Juni 1982 bei einem Rock-Konzert im Olympiastadion in München. Wir waren über den Zaun geklettert und konnten, unten auf der Bühne, eine winzige Figur zappeln sehen. Das war Mick Jagger. Es war die Abschiedstournee der Rolling Stones. 1982. That’s funny because sie 2026 da wieder spielen wollen.

Abschied ist so 2010er, dass man das heute praktisch nicht mehr macht. Hat sich nicht durchgesetzt. War schon bei Sherlock Holmes eine schlechte Idee.

Clip: Warum ist das wichtig?

Der Explikator war schon einmal da. Zwischen dem 31. Juli 2014 und dem achten August 2017 habe ich 678 Episoden gesendet und mich dann verabschiedet. War ein tolles Ereignis.

Damals habe ich aufgehört, um ein anderes Format zu machen. Mit der Frau Anders entstand dann das Morgenradio, das dann „Anders & Wunderlich“ hieß. Dialog statt Monolog. Das gibt es heute noch.

Dazwischen lagen eine ganze Reihe von Auftragsproduktionen mit gemischten Ergebnissen. Zwei Formate hintereinander haben für Wochen die Audible-Charts getoppt. Das war cool. Das Podcasten habe ich also nie aufgehört.

Clip: Das ist ja schön und gut, aber warum fängst Du jetzt wieder an?

Es gibt zwei Gründe: Erstens: Ich habe auch nie aufgehört, neugierig zu sein. Ich kann mich wie ein Kind dafür begeistern, wie wunderlich die Welt ist. Ich interessiere mich für beinahe alles. Das habe ich dann beim alten Explikator einfach geteilt und siehe da: Das interessiert auch andere Menschen!

Und zweitens: Anfang 2025 ging es mir nicht so toll. Ich hatte mich mit Zynismus infiziert. Der Ursprungsort der Pandemie war Washington, glaube ich. Der Erreger hieß Donald Trump. „Als ob es vorher nicht schon scheiße genug war“, flüstert die zynische Stimme in mir gerade leise.

Eigentlich ist meine gesunde Grundstimmung eine, die der Psychologe Jamil Zaki „hoffnungsvolle Skeptik“ nennt. Denn weil wir aus evolutionären Gründen negative Dinge überbewerten – der negativity bias – verschiebt ein Faktencheck und Hoffnung das Bild in etwas, das die Welt realistischer abbildet.

Ich bin kein Optimist, aber auch kein Pessimist. Genau wie Zynismus verändern diese Einstellungen am Ende nichts. Wird ja sowieso alles toll oder scheiße, muss man ja nichts machen.

Aus beruflichen Gründen muss ich wirklich viele, viele Nachrichten lesen und ich fühle mich total überinformiert. Aber wenn ich dann plötzlich lese – nur so aus dem Augenwinkel beim Scrollen – dass nur 0,6 Prozent aller Delphine Linkshänder sind, dann kann ich nicht anders – dann muss ich alles darüber wissen, was man wissen kann! Woher kommt überhaupt Linksflossigkeit?

Clip: Jetzt aber mal Butter bei die Fische!

Okay. Bevor ich mich entschlossen habe, den Explikator wiederzubeleben, habe ich eine Liste mit möglichen Themen gemacht. Nur um zu sehen, ob es wirklich genug zu berichten gibt. Und, sagen wir’s mal so: Für die ersten drei Monate bin ich gut aufgestellt.

Außer um Delphinen und gekochte Eier wird es um Beethoven gehen, Hänsel und Gretel, Tampons, Michelangelo, Küssen, Lilo & Stitch – bester Disneyfilm aller Zeiten, was ich schlüssig beweisen werde – über Islamistan, das Volk, das nicht zählt, Tolkien, Langeweile, Popel, was Streaming aus dem Geschichtenerzählen macht, über mitochondriale DNA, das Verschlafen, warum Donkey Kong kein Esel ist, oder warum es tatsächlich einen Tag im Jahr gibt, an dem so viele Menschen Sex haben wie an keinem anderen. Das kann ich sogar belegen.

Vielleicht lese ich manchmal eine meiner Geschichten vor oder berichte aus meinem Alltag hier. Ab und zu gibt’s ein Hörspiel oder vielleicht stelle ich eines meiner ungewöhnlichen Geräusche vor, die ich sammele. Und da sind noch einige andere Ideen.

Ich verspreche, es wird nie langweilig und dass ich jeden Werktag – so Göttin will – mit neuen zehn Minuten aufschlagen werde. Ich versuche mein Bestes.

Clip: Sonst noch was? Ich habe noch einen Termin!

Äh. Nein. Das war das Wichtigste. Ach, nee, warte: Ich dachte mir, dieses Mal mache ich das so: Die neuesten Folgen kann jeder hören, aber nach zwei Wochen verschwinden sie aus dem freien Angebot. Auf Explikator.de bleiben dann das Skript und die Links.

Alle Folgen ohne Werbung, die Möglichkeit zu kommentieren und zu diskutieren und noch ein paar andere Dinge gibt es – gegen eine Gebühr – auf Steady oder auf Patreon. Wie findste das? Ist doch fair? Wer will kann immer kostenlos das Neueste hören. Was meinste?

Clip: Das ist mir egal. Ich bin eine KI.

Ja, ist ja auch schon gut. Machen wir für heute einen Deckel drauf! Genug Meta, genug Background. Jetzt geht’s los!

Vielen Dank fürs Zuhören! Beim nächsten Mal geht es dann um die Frage, wie viele Fische man wirklich braucht, um ein Fahrrad zu fahren und ob das wirklich jemand braucht.