Erich von Däniken

Erich von Däniken ist gestorben. Er wird oft als Ufologe, Verschwörungstheoretiker oder Schwindler verspottet. Ich kannte ihn. Auch, wenn ich seine eine große These nie geteilt habe, hier eine persönliche Hommage an einen „leidenschaftlichen Spinner“ im guten Sinne.

Skript

Das, was da gerade zu hören war, war die Stimme von Erich von Däniken. Ein Schnipsel aus der Produktion der CD-ROM „Kontakt mit dem Universum“. Darin konnte man seine Thesen interaktiv erforschen.

Keiner erinnert sich mehr an diese CD-ROM. Dafür bin ich dankbar. Denn verantwortlich dafür war ich. Konzeption, Artwork, Programmierung und was dazu gehört. Unser Team bestand aus mir und einem Kollegen.

KI: Soso. Du hast also für den Spinner Erich von Däniken eine CD-ROM gemacht?

Nein. Ja. Es ist komplizierter. Aber es geht darum, dass Erich von Däniken, der am 10. Januar 2026 gestorben ist, kein Spinner war. Er war auch kein „Ufo-Gläubiger“ oder „Esoteriker“ oder „Verschwörungstheoretiker“. Die „Prä-Astronautiker“ sind auch keine Sekte.

Aber, um das klarzustellen: Auch während der Produktion habe ich seine These nie geteilt. Denn es war im Kern nur eine einzige These: Irgendwann in der prähistorischen Vergangenheit haben Außerirdische Einfluss auf die Entwicklung des Menschen genommen.

Das habe ich nicht geglaubt, weil ich schon damals, vor dreißig Jahren, nicht glaubte, dass sich kosmische Distanzen überbrücken lassen. Ich finde auch die Evolutionstheorie eine der bestechendsten in der Wissenschaftsgeschichte und so deutlich und hinreichend belegt, dass ich keinerlei externen Einflüsse brauche, um den Homo sapiens zu erklären. Wir sind auch nur Tiere.

Das war aber niemals ein Problem zwischen uns. Aber vielleicht sollte ich von vorne anfangen?

KI: Bei den Steinzeitmenschen, die plötzlich Besuch von Außerirdischen bekommen, die ihnen zeigen, wie man Feuer macht?

Nein. Bei Multimedia. Wird ein kurzer Ausflug, versprochen. Also: Bevor es das Internet gab, wurden große Dateiformate wie Audio, Grafiken, Fotos oder Videos gerne auf Daten-CDs gepresst und dann verkauft. Denn die einzigen anderen Möglichkeiten waren Disketten oder externe Festplatten. Und das war sehr unhandlich.

Diese Daten-CDs nannte man CD-ROM und wir waren Anfang der Neunziger einer der wenigen Hotshops, die so etwas herstellen konnten. Ein Freund von mir arbeitete beim Münchner Computer-Verlag „Markt und Technik“ und hatte Erich von Däniken nach einer seiner Veranstaltungen einfach angequatscht.

So kam es, dass ich auf einmal in einem kleinen Flieger nach Bern saß und am Abend mit Erich von Däniken zum Nachtessen an einem Tisch hockte. Ich war gut vorbereitet und hatte mich in seine Themen eingelesen, und schon waren sich alle Parteien einig.

Über die technischen Möglichkeiten von damals schweigen wir uns aus. Sagen wir einfach, ein Video ließ sich nur in 320 mal 240 Pixeln Auflösung erträglich darstellen, sonst riss der Datenfluss von der CD auf den Rechner ab. Der Sound war so furchtbar komprimiert – aber das hat man ja schon gehört.

KI: Und dann sind Du und Erich die dicksten Freunde geworden?

Nein. Wir haben uns vier Mal im Leben getroffen. Aber ich fühlte mich freundschaftlich verbunden. Einmal sind wir als Familie angerückt – meine Ex-Frau, meine kleinen Kinder und Ich – und er hat uns durch sein Haus geführt, hat für meine Kinder Klavier gespielt und ihnen seine Spiel-Uhrensammlung gezeigt und für uns am Abend gegrillt. Einfach so. Ist ein bisschen wie Freundschaft, finde ich.

KI: Also, er lädt Dich und Deine Familie „einfach so“ zu Besuch – aber ein Spinner ist er nicht gewesen?

Sehr witzig. Eigentlich mache ich diese Episode nur, weil es mir wehtut, wenn ich in deutschen Podcasts höre, wie er so herablässig behandelt wird. Die Vorurteile habe ich ja schon aufgezählt.

Es ist sicher so, dass er ein guter Geschäftsmann war und leidlich gut darin, seine Thesen zu drehen und zu wenden und immer wieder anzupassen und neu zu formulieren, um noch ein Buch dazu zu schreiben.

Aber zum Beispiel glaubte er niemals an Ufos. Zu mir hat er gesagt: „Weißt Du, ich habe mir diese angeblichen Belege alle angeschaut. Das wäre ja eigentich eine prima Sache für mich, wenn es so einen einfachen Beweis geben würde. Aber das war alles bisher kompletter Quatsch. Alles Unsinn!“

Und er war auch nicht religiös. Ihn als Sektengründer zu bezeichnen, ist beinahe paradox, wenn man weiß, wie sehr er Religionen ablehnte. Es gab ja keine Götter, weil die ja außerirdische Astronauten waren. Das war ja der springende Punkt.

Für ihn waren die Buchreligionen eher Quellen, um seine These zu belegen. Denn der Prophet Hesekiel berichtet ja im Detail – so Erich – wie das Raumschiff der Außerirdischen ausgeschaut hat!

Erich von Däniken lehnte die wissenschaftliche Methode nicht ab, auch wenn er Tiraden gegen Ägyptologen, Polemiken gegen Historiker oder Brandreden gegen Evolutionsforscher veröffentlicht hat. Er schrieb ja auch zur Unterhaltung und das wusste er – er hat sich nie selber als Wissenschaftler bezeichnet.

Und es fiel ja auch niemandem auf, wenn er seine Meinung änderte. Alle Bücher aus fünfzig Jahren stehen wie eine These nebeneinander und immer wieder wurde er auf olle Kamellen angesprochen.

KI: So. Er hat also seine Meinung geändert? Kannst Du das belegen?

Ein Beispiel: Es gibt Hieroglyphen im Tempel von Sethos I. in Abydos, die Panzer und Hubschrauber darstellen. Auf jeden Fall schaut es Panzern und Hubschraubern verdammt ähnlich. Natürlich wurde das in einem von Erichs Büchern auch so verbraten.

Doch als er darüber aufgeklärt wurde, dass diese sogenannten Palimpseste durch das Einmeißeln neuer Inschriften über die Originale – getrennt durch eine Schicht Putz – entstanden waren, gab er diese Theorie auf und hat sie nie wieder verwendet.

Anderes Beispiel: Irgendwie haben einige Verlage die Lizenzgebühren für verwendete Agenturfotos von seinen Tantiemen abgezogen. Bin mir nicht mehr ganz sicher. Aber, weil er Geschäftsmann war, hatte er sich ausgerechnet, es kommt ihn günstiger, selber zu fotografieren.

Und so hat er einen Indien-Aufenthalt benutzt, um in ein Dorf zu fahren, in der eine Jahrtausende alte Säule aus Metall stehen soll, die nie verrostet ist. Gemeint ist nicht die bekannte „Eiserne Säule von Delhi“.

Zitat: „Da gab’s in Indien in einem Dorf so eine ganz glatte Säule aus Metall. Seit Jahrhunderten steht die da schon und zeigt kein Zeichen von Rost. Die wollte ich fotografieren. Aber, was soll ich sagen. Wie ich in das Dorf komme, da ist das Drecksding von oben bis unten verrostet. Und alt ist es auch nicht!“

Also kam die These nicht ins Buch. Ach, da fällt mir noch etwas ein. Auch so eine vergessene Geschichte. Ende August 1995 zeigte RTL im Fernsehen exklusiv einen Film, der bei der Obduktion eines der Aliens gedreht wurde, die 1947 in Roswell eine Bruchlandung hingelegt hatten. So hieß es bei RTL.

Als ich Erich fragte, ob er denn schon gespannt sei, meint er nur: „Das ist ganz sicher eine plumpe Fälschung. Ich habe diesen Ray Santilli kennengelernt. Das ist ein ganz windiger Typ. Das kannst Du vergessen!“

KI: Und was ist die Moral von der Geschicht‘?

Erich von Däniken war kein Spinner. Erich von Däniken war ein leidenschaftlicher Mensch und er hatte eine Mission. Wahrscheinlich hatte er auch seine Schattenseiten, aber die habe ich persönlich nicht erlebt. Er war kein Wissenschaftler, aber er gehört auch nicht in die Schublade mit den Covid-Leugnern und den Aluhüten.

Aber selbst, wenn er ein Spinner gewesen wäre – ich ziehe leidenschaftliche Spinner jederzeit verbitterten Zynikern vor. Aber ist ja nur meine Meinung.