Ich habe jeden „klassischen“ Zeichentrickfilm aus dem Hause Disney gesehen. Auch die „Drei Caballeros“, „Taran und der Zauberkessel“ oder „Die Kühe sind los“. Heute aber meine zehn Lieblinge.
Skript
Ich mag Zeichentrickfilme. Ich zeichne auch gerne. Eigentlich ist „Illustrator“ die einzige Berufsausbildung, die ich habe. Dabei gab es den Beruf schon zu den Zeiten, als ich ihn erlernt habe, gar nicht mehr wirklich. Es gab zwar noch ein paar Verlage, die sich einen Illustrator leisteten, aber die Fotos hatten die Zeichnungen ersetzt.
Die „echten“ Zeichentrickfilme haben sich ja auch verändert, mittlerweile werden sie nicht mehr auf Folien gezeichnet, sondern in 3D-Programmen. Die mag ich auch. „Wall-E forever!“. Pixar hatte eine Phase, wo ein Klassiker nach dem anderen erschien. Es wirkte, als könnten sie einfach keine schlechten Filme machen.
Aber heute möchte ich meine zehn klassischen Lieblingsfilme von Disney vorstellen.
Platz zehn wäre „Der Schatzplanet“. Der „echte“ Zeichentrickfilm an, der auch schon teilweise am Rechner entstanden ist, zugegeben. Das funktioniert auch einigermaßen unaufdringlich.
Die Idee, die „Schatzinsel“ von Robert Lois Stevenson in einen Science-Fiction zu verwandeln, ist auch cool gewesen und John Silver ist sehr vertrauenswürdig und dann sehr böse. Kein richtiger Klassiker, aber doch anderthalb Stunden gute Unterhaltung.
Auf Rang neun habe ich „Bernard und Bianca“. Ein Film, der in einer für Disney schwierigen Zeit erschien. Aristocats, Robin Hood und Winnie Puuh hatten an den Kinokassen nicht den richtigen Erfolg und man sparte an allem. Robin Hood verwendet zum Teil eins zu eins Animationen vom Dschungelbuch wieder. Little John ist sozusagen Balu der Bär.
Bernard und Bianca war aber ein neuer Ansatz. Durch ein neues Kopierverfahren konnte man mit weicheren Konturen arbeiten und der Film wirkte wieder mehr nach klassischem Disney. Und die Nebenfiguren sind prima. Egal, ob es der Albatross Orville ist oder die bitterböse Medusa. Die Szene mit den falschen Wimpern ist sogar richtig gruselig.
Acht ist Winnie Puuh, einfach weil er Winnie Puuh ist und eine menschenfreundliche Botschaft hat, die sogar Vierjährige ohne Schwierigkeit verstehen können. Weil es der letzte der „Package Movies“ ist, kann man ihn mit Kindern auch in vier Teilen ankucken, was weniger anstrengend ist, als alle 74 Minuten am Stück zu schauen.
Sieben ist Aladdin, der erstaunlich schlecht gealtert ist. Ich weiß nur, dass ich mich im Kino sehr über den Dschinn gefreut habe, weil ich ein Riesen-Robin-Williams-Fan war. Heutzutage wirkt das Bagdad des Films zu stereotyp und speziell der böse Dschafar ist eine unerträgliche Karikatur des bösen, arabischen Großwesirs. In tausendundeiner Nacht spielt die Geschichte übrigens in China.
Auf Platz sechs steht bei mir Atlantis. Ein Film, der ziemlich gefloppt ist, obwohl die Handlung sich nicht viel von „Avatar“ unterscheidet. Der dritte Akt ist auch enttäuschend, was aber der erste wettgemacht hat. Ich mag den Film vor allem für seine Ästhetik, die sich am Stil von Mike Mignola orientiert, der einer der Production Designer war.
Natürlich muss das Dschungelbuch in die Liste, da gibt’s keine Frage. Ich glaube, es war der erste abendfüllende Zeichentrickfilm, den ich je gesehen habe. Und, Mann, wie toll der synchronisiert ist! Ich bevorzuge Klaus Havenstein als King Louie gegenüber der Originalversion von Louis Prima. Allerdings erinnere ich mich auch, dass ich vom Ende des Films enttäuscht war. Wäre der blöde Mowgli doch lieber bei seinen Kumpels im Urwald geblieben!
Wenn wir bei Filmen sind, die schlecht gealtert sind, dass würde meine Nummer vier ganz weit oben stehen. Die Darstellung der Native Americans in Peter Pan ist wirklich nicht mehr auszuhalten. Die „Rothäute“ sind wirklich knallrot und erfüllen alle Klischees, als würden sie eine Liste abarbeiten. Und Tiger Lilly ist nur die Damsel in Distress, aber trotzdem mit störender erotischer Energie aufgeladen.
Trotzdem war Neverland für mich ein Sehnsuchtsort, als kleiner Junge habe ich den versteckten Rassismus einfach nicht wahrgenommen. „Peter Pan“ ist auf jeden Fall ein Klassiker, den man kennen muss. Mir wäre trotzdem wohler, wenn es eine Version ohne die Rothäute und Tiger Lilly gäbe, wenn ich den Film Kindern zeigen wollte.
So. Die Bronzemedaille der Disneyfilme geht bei mir an: „Ein Königreich für ein Llama“. Ein Film mit einer irren Entstehungsgeschichte, die in einer eigenen Dokumentation festgehalten wurde. „The Sweatbox“. Im Prinzip sollte das ganze ein Musical im Stil des „König der Löwen“ werden und am Ende war es eine leichte Komödie im Stil von Chuck Jones. Das ist der Zeichner, dem wir Bugs Bunny, Daffy Duck, Karl, den Koyoten oder Schweinchen Dick zu verdanken haben.
Und dieser leichte Humor tut Disney richtig gut. Ich glaube, es gibt keinen anderen Zeichentrickfilm, bei dem ich so viel lachen musste wie bei „Ein Königreich für ein Llama“.
Dann kommen wir zum zweiten Platz und der gebührt: „Fantasia“. Den mögen nicht viele. Mit diesem Werk wollte Walt Disney den Zeichentrick auf ein neues Niveau heben und auch als Unterhaltungsform für Erwachsene etablieren.
„Fantasia“ ist, wenn man so will, das erste, gezeichnete, abendfüllende Musikvideo. Zu den Klassikern der Klassiker – wie Bach, Beethoven, Mussorgsky, Tschaikowski, Strawinski oder Schubert – toben sich die Zeichner und Animateure aus. Das reicht von abstrakten Formen und Zentauren bis hin zu einem Auftritt von Mickey Mouse als Goethes Zauberlehrling.
1940, im Jahr seines Erscheinens, ging es den Disneystudios finanziell nicht besonders gut. Die Figuren des Studios waren aus der Mode gekommen. Mickey wollte keiner mehr sehen, stattdessen hatte sich Donald Duck aus der zweiten Reihe hochgearbeitet, was Walt Disney aber gar nicht so recht war.
Warum also nicht alles auf eine Karte setzen und etwas völlig Anderes machen? Ja, warum nicht? Äh, na ja. Da wäre mindestens das Argument, dass es der Firma wahrscheinlich den Hals kosten würde, wenn’s nicht klappt. Trotzdem waren alle mit Begeisterung dabei, auch das Team. Diese Chuzpe muss man erst einmal haben. Dieser künstlerische Ehrgeiz ist mutig, finde ich. Deswegen mag ich den Film. Er ist ein bisschen irre.
„Fantasia“ war dann tatsächlich ein Riesenflop und hätte Donald Duck nicht für die amerikanische Regierung Anti-Nazi-Filmchen gedreht, wäre es vorbei gewesen mit dem schönen Unternehmen. Erst als die Hippies Fantasia unter Cannabis-Einfluss lieben lernten, kamen so langsam die Kosten wieder rein.
So. Bleibt nur noch der beste Disney-Zeichentrickfilm aller Zeiten. Und das ist natürlich „Lilo & Stitch“. Der hat auch beinahe ein Vierteljahrhundert hinter sich und es lässt sich nicht mehr einfach beschreiben, wie revolutionär er damals war.
Eine junge Frau erzieht ihre kleine Schwester und beide kommen kaum über die Runden. Im ganzen Film gibt es keine Person, die man als stereotyp „heldenhübsch“ bezeichnen könnte. Keine blassen Prinzessinnen, keine muskulösen Helden. Kein wirkliches Coming-of-Age, keine klassischen Bösewichter, keine Romanzen, kein Adel. Touristen haben Sonnenbrand, Tanzlehrer vielleicht einen zu hohen BMI und alles wäre trister, gäbe es nicht Elvis Musik. Meint Lilo.
Lilo ist das erste richtige Mädchen in einem Disneyfilm und Stitch die erste Massenvernichtungswaffe aus dem Weltall, die eine Hauptrolle spielt. Und über die Aquarellhintergründe oder den Sandwich-Fisch könnte ich auch noch Stunden monologisieren.
Ach, hätte es nur nicht die anderen Stitch-Filme, die Fernsehserien und die Realverfilmung gegeben. Dann wäre diesem Film mein erster Platz für immer sicher. So muss ich vielleicht noch einmal darüber nachdenken.