Kategorie: Gesellschaft

  • Küssen ist voll doof!

    Küssen kennt man in allen Völkern. Küssen ist das Natürlichste von der Welt, das sagen alle. Vor allem in Filmen. Christoph hält Küssen für ekliger als Blumenkohlsuppe. Wer hat recht?

    Skript

    Hallo, ich bin der Christoph, ich bin sieben Jahre alt und der Thomas und der Flo sagen, dass man andere Menschen küssen muss, weil das zu dem Sex gehört. Der Thomas meint, ich soll mir vorstellen, ich würde Taylor küssen, weil die so toll aussieht. Ich weiß nicht, welche Taylor er meint und darum weiß ich nicht, ob ich sie küssen will. Flo sagte, ich solle mir vorstellen, Ryan Gosling zu küssen, das wäre sicher einfach. Aber ich kenne auch Ryan Gosling nicht.

    Dann ist da noch meine große Schwester, die Daniela, und die hat mir erklärt, wie das mit dem Küssen ist. Sie hat gesagt, man kommt sich näher, bis sich die Köpfe berühren und dann drückt man die Lippen aufeinander und dann macht man den Mund auf und dann berühren sich die Zungen und die dreht man dann im Mund von dem Anderen.

    Ich weiß nicht genau, aber ich glaube, ich finde das voll doof.

    Ich habe gehört, dass alle Völker das Küssen kennen, weil es das Natürlichste von der Welt ist, aber ich will das nicht machen. Ich finde, Spucke ist noch ekliger als Blumenkohlsuppe. Und Blumenkohlsuppe ist voll eklig.

    Hast Du einen Tipp?

    [Intromusik]

    Vielen Dank, Christoph, für Deine Mail, die ich gerade komplett vorgelesen und frei erfunden habe. Aber: Ich kann mich gut daran erinnern, selber einmal sieben Jahre alt gewesen zu sein und das Küssen auch für eklig gehalten zu haben.

    Clip: Ist Blumenkohlsuppe wirklich voll eklig?

    Dachte ich mit sieben. Aber fangen wir von vorne an: Wir sollten festhalten, dass wir den erotischen Kuss meinen, der ja besonders toll sein soll. Denn es gibt in der Geschichte viele Formen von Küssen, die andere Funktionen haben.

    Den Kuss zur Begrüßung zum Beispiel, wie er in vielen europäischen Ländern üblich ist. Das ist mehr so auf die Wangen gehaucht und man tauscht nicht wirklich Spucke aus. das wäre die falsche Art jemandem zu begrüßen, wenn der andere dann ein Handtuch bräuchte, um sich abzutrocknen.

    Man kann einer Respektsperson als Zeichen der Bewunderung die Füße küssen. Das haben viele Kulturen gemacht. Bei den meisten war das Wetter nicht so schlecht, dass man dauernd in Strümpfen und Schuhen rumlaufen musste.

    Dann gibt es noch den Handkuss. Den haben Barden erfunden, die im Mittelalter von der Minne erzählt haben. Das ist eine spezielle Sache. Der Barde tut so, als würde er eine wichtige Frau unsterblich lieben, aber natürlich könnten sie niemals zusammen sein, weil sie ja schon verheiratet ist. Darum küsst der Barde der Frau nur die Hand, allerdings ohne die Haut zu berühren.

    Gut. Das wären also die komischen Küsse. Bleibt der Blumenkohlsuppe-Kuss, wo man wirklich Speichel austauscht.

    Wie bitte? Man macht das, um Speichel auszutauschen?

    Nein, nein, das nicht, aber egal: Die gute Nachricht für Dich, Christoph: Du musst gar nicht küssen. Denn Küssen ist NICHT das Natürlichste der Welt. Das ist nämlich kompletter Quatsch.

    Forscher der University of Nevada und der Indiana University haben sich 168 verschiedene Kulturen auf der ganzen Welt angeschaut. Und weißt Du, bei wie vielen davon die Menschen sich romantisch küssen? Bei 46 Prozent. Also nicht mal bei der Hälfte!

    Das heißt: Mehr als die Hälfte aller menschlichen Kulturen kennt den romantischen Kuss überhaupt nicht. Oder kennt ihn vielleicht, findet ihn aber – genau wie Du – ziemlich eklig.

    Und bei manchen dieser Völker, wenn man ihnen erklärt hat, was das sein soll, dieses Küssen, da war die Reaktion ungefähr so wie Deine Reaktion: „Was? Ihr tauscht Spucke aus? Wie ekelhaft ist das denn?“

    Wenn das nicht natürlich ist, warum macht ihr das dann?

    Jetzt könnte man ja fragen: Wenn das nicht natürlich ist, warum machen wir das dann? Gute Frage. Die Wissenschaft hat da ein paar Theorien.

    Theorie Nummer eins: Es hat mit dem Geruchssinn zu tun. Menschen können über Gerüche wahnsinnig viel über andere Menschen herausfinden. Ob jemand gesund ist zum Beispiel. Oder ob das Immunsystem gut zu dem eigenen passt – was wichtig ist, wenn man zusammen Kinder bekommen will. Küssen wäre demnach eine Art Gesundheits-Check. Man kommt sich nah, riecht am anderen, und das Gehirn entscheidet: Passt das oder passt das nicht?

    Theorie Nummer zwei: Es könnte vom „Kiss Feeding“ kommen. Also davon, dass Mütter früher Essen vorgekaut und dann mit dem Mund an ihre Babys weitergegeben haben. Das Argument ist: Die Bewegungen beim tiefen Küssen – Zunge rein, Zunge raus – ähneln diesem uralten Fütterungsverhalten.

    Das Problem an der Theorie ist aber: Es gibt Kulturen, die kennen dieses Kiss Feeding, küssen sich aber trotzdem nicht romantisch. Also so richtig überzeugend ist das nicht.

    Theorie Nummer drei, und die ist vielleicht die interessanteste: Küssen ist gar nicht so alt. Es ist eine ziemlich neue kulturelle Erfindung, die sich über die Welt verbreitet hat.

    Wie Parasiten, Bakterien, Viren – oder, ohne es übertreiben zu wollen: Podcasts?

    Die früheste schriftliche Erwähnung von Küssen findet sich in den Veden, also in uralten indischen Schriften, die etwa 3500 Jahre alt sind. Später dann im Kamasutra, das um das Jahr 200 herum geschrieben wurde – da gibt es ein ganzes Kapitel über verschiedene Kussarten.

    Die Griechen haben’s vielleicht von den Indern gelernt, als Alexander der Große nach Indien einmarschiert ist. Die Römer waren dann richtige Kuss-Fans. Die hatten sogar verschiedene Worte für verschiedene Kussarten: Osculum für den Kuss auf Hand oder Wange, Basium für den Kuss auf die Lippen mit geschlossenem Mund, und Savolium für den richtig leidenschaftlichen Kuss.

    Dann kam das Mittelalter, und das Küssen verschwand erstmal wieder aus Europa. Die Kirche fand das alles zu sündig. Erst Ende des 11. Jahrhunderts kam der romantische Kuss zurück – mit der höfischen Liebe. Romeo und Julia und so.

    Und dann kam Hollywood.

    Du meinst sicher die berühmteste Kuss-Szene der Welt – Susi und Strolch?

    Nein, ich meine den ersten Filmkuss von 1896. Der Film hieß „The Kiss“ und der Kuss dauerte 18 Sekunden. Die Leute sind ausgerastet. In New York haben Sittenwächter gefordert, dass die Polizei einschreiten müsse. „Das ist absolut widerlich!“ schrieb ein Kritiker.

    Aber die jungen Leute fanden’s toll. Die haben angefangen, ihre Stars zu imitieren. Rudolph Valentino hat seine romantischen Szenen immer mit einem Kuss beendet.

    Die amerikanische Filmindustrie wurde bald die größte – weil man Stummfilme nicht synchronisieren musste, waren sie bald auf der ganzen Welt zu sehen. Und im Handgepäck: der romantische Kuss.

    In Japan zum Beispiel war Küssen traditionell nicht üblich. 1931 hatte ein Regisseur einen Kuss in einen Film geschmuggelt. Als der Film in einem Tokioter Kino lief, wurde die Vorführung gestoppt und der Film konfisziert. Zu skandalös!

    Dann kam nach dem Zweiten Weltkrieg die amerikanische Besatzung. Und plötzlich durften japanische Filme Kussszenen haben – die amerikanischen Zensoren haben das explizit gefördert. Wenn die Japaner heimlich küssen, sollen sie das auch öffentlich tun. Sozusagen als Symbol demokratischer Freiheit.

    So hat sich das Küssen verbreitet. Nicht weil es natürlich ist. Sondern weil eine Kultur – die westliche – so dominant wurde, dass ihre Vorstellung von Romantik zur weltweiten Norm wurde.

    Kurze Unterbrechung: Ich glaube, der Christoph ist schon eingeschlafen vor Langeweile

    Also, lieber Christoph: Du musst niemanden küssen. Wirklich nicht. Es ist völlig okay, Küssen eklig zu finden. Mehr als die Hälfte der Menschheit sieht das genauso wie Du.

    Vielleicht ändert sich das noch, wenn Du älter wirst. Vielleicht aber auch nicht.

    Du kannst Menschen auf viele verschiedene Arten zeigen, dass Du sie magst. Du kannst Zeit mit ihnen verbringen. Ihnen zuhören. Sie zum Lachen bringen. Mit ihnen Abenteuer erleben. All das ist mindestens so wichtig wie ein Kuss. Vielleicht sogar wichtiger.

    Und was ist die Moral von der Geschicht‘?

    Die Geschichte vom Küssen zeigt uns etwas Wichtiges: „Das Natürlichste der Welt“ ist meist das, was wir kulturell gewohnt sind. Küssen per se ist nicht natürlich. Oder, sagen wir besser: Angeboren. Das nicht-küssen auch nicht.

    Aber die Welt ist groß. Und Menschen sind wahnsinnig kreativ, wenn es darum geht, ihr Leben zu gestalten.

    Was natürlich ist? Dass Menschen Nähe und Verbindung suchen. WIE sie das tun – ob mit Küssen, Nasenreiben, Umarmen, oder einfach nur Nebeneinandersitzen und Sterne gucken – das ist Kultur. Und Kultur ist vielfältig.

    Quellen:

    Wikipedia: Kiss

    Psychology Today: The History of Kissing.

    HRAF: Romantic or disgusting? Passionate kissing is not a human universal.

    Review von Kyoko Hiranos „Mr. Smith Goes to Tokyo: The Japanese Cinema under the American Occupation, 1945-1952

  • Die Wahrheit über Hänsel und Gretel

    In jedem Märchen steckt ein wahrer Kern. Was, wenn sich hinter „Hänsel & Gretel“ eine Wahrheit versteckt, die sogar noch grausiger ist als die Geschichte der Gebrüder Grimm? Und was, wenn nicht?

    Skript

    Heute geht es um ein Märchen, das keines ist und um einen Lehrer, der zum Hobbyarchäologen wurde und um eine Lebkuchenbäckerin, die ermordet wurde. Heute geht es um Hänsel und Gretel!

    Okay. Wann fängt denn Deine Geschichte an?

    1. Der Krieg ist vorbei und Georg Ossegg steht mit dreißig seiner Schüler mitten im Spessart, weil sie aus Böhmen evakuiert wurden. Die Landschaft erinnert ihn an etwas, aber an was?

    Dichter Märchenwald und Häuser, die so wahrscheinlich schon vor hunderten von Jahren ausgesehen haben. Es ist, als sei die Zeit hier im 17. Jahrhundert stehengeblieben. Ein Bauer erzählt Georg beim Bier, dass hier mal ein Hexenhaus gestanden haben soll.

    Da wird ihm klar, woran ihn der Spessart erinnert! An das antiquarische Märchenbuch seiner Kindheit, das in der Familie wie ein Schatz gehütet wurde!

    War das mit Hänsel und Gretel vielleicht gar kein Märchen? Ist es wie mit Troja? Würde er – wie Schliemann für Troja – die wahre Geschichte hinter der Erzählung der Gebrüder Grimm finden?

    Gab es also das Hexenhaus wirklich?

    Moment, komme ich gleich zu. Also: Siebzehn Jahre später – 1962 – steht Georg mit einem Spaten in der Hand am Engelsberg und gräbt. Er war sich sicher – hier würde er auf die Überreste des Hexenhauses stoßen.

    Ausgehend von den Illustrationen im Märchenbuch hatte er den Spessart abgesucht, bis er sich sicher war, wo genau das Elternhaus von Hänsel und Gretel gestanden haben musste.

    Dummerweise verlief dort jetzt die Autobahn Würzburg-Frankfurt. Doch in den Akten der Bahnmeisterei ist ein Verweis: Eine alteingesessene Familie hätte für ihr uraltes Haus und den Obstgarten mit 17 Bäumen vom Staat 18.000 Mark erhalten.

    Vom vermuteten Standort dieses Hauses aus und aus den Berichten der Einwohner rekonstruierte er penibel, wo das Hexenhaus gestanden haben musste. Und er grub.

    Er war so gründlich gewesen – er musste einfach recht haben. Und in zwei Metern und zwanzig Zentimetern Tiefe stößt er tatsächlich auf Mauern aus Feldstein. Er legt ein Haus frei, dass wohl aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs stammen muss.

    Und mehr noch als das: Er findet einen großen Ofen, der genauso augesehen haben muss wie der im Märchenbuch dargestellte und darin: Knochen. Ein menschliches Skelett!

    Ein eingeschalteter Fachmann bestätigt: Eine Frau, 35 Jahre alt, verbrannt. Aber vorher wohl erdrosselt. Erdrosselt? Ossegg spürt, dass er noch nicht am Ende der Geschichte angekommen war. Ist die Wahrheit über Hänsel und Gretel viel grausamer, als uns die Brüder Grimm zumuten wollten?

    Wer war denn dann die Lebkuchenhexe?

    Georg fand nicht nur das angebliche Hexenhaus. Er fand, in einer metallenen Schatulle auch ein Rezept. Für Lebkuchen. Vergraben an der Außenmauer, zusammen mit Backformen und einem handgeschriebenen Text aus dem 17. Jahrhundert.

    Doch verlieren wir uns nicht in den vielen Details der Recherche, sondern sprechen wir einfach über die harten Fakten:

    Katharina Schraderin, geboren 1618 in Wernigerode, war Köchlerin in der Abtei Quedlinburg. Dort entwickelte sie – möglicherweise mit Hilfe eines türkischen Patissiers – das Rezept für Lebkuchen. Sie verkaufte sie auf Märkten, wurde berühmt, und ein Nürnberger Hofbäcker stellte ihr nach. Nicht aus Liebe. Wegen des Rezepts.

    Sie behielt aber ihr Geheimnis, so dass er es aus eigenen Stücken nachbacken musste. Seine Pfefferkuchen verkauften sich auch anständig, doch jeder wusste auch, dass sie nur die Billigversion von Katharinas Lebkuchen waren.

    Also zeigte er sie an. Als Hexe. Für uns bewahrt in den Stadtbüchern von Gelnhausen, gefunden von Georg: Katharina wurde verhaftet, sie wurde gefoltert und trotz der Aussagen des Hofbäckers freigesprochen.

    Der Name des Hofbäckers war übrigens Hans Metzler, lesen wir in der Quelle. Er hatte eine Schwester, die – na, wie hieß die Schwester? – Grete Metzler!

    Hans und Grete Metzler schlichen zu Katharinas einsamer Hütte, brachen die Tür auf – Georg hat noch die verbogenen Angeln gefunden – erwürgten sie und warfen die Leiche in den Backofen.

    Das wissen wir aus dem gleichen Stadtbuch, denn ihr Mord flog auf und auch die Geschwister kamen vor Gericht – und auch sie wurden freigesprochen. Denn sie konnten glaubhaft versichern, dass die vermeintliche Hexe Katharina Kinder gefressen hatte. Sie hätten die Knochen im Ofen selber gesehen.

    Das ist ja True Crime aus dem Dreißigjährigen Krieg!

    Aufgedeckt von einem pensionierten Lehrer aus Aschaffenburg. Die Wahrheit über Hänsel und Gretel. Ein Buch mit genau diesem Titel wurde 1963 zu einem Bestseller mit mehreren hunderttausend verkauften Exemplaren.

    Hans Traxler hieß der Mann, der die Geschichte von Georg Ossegg nacherzählte und der dessen Recherchen penibel dokumentierte.

    Einige lobten die Rehabilitierung der historischen Katharina Schraderin, andere bewerteten die Geschichte als Symbol für die Grausamkeit der frühkapitalischischen Welt.

    Ganze Schulklassen wurden mit dem Buch ausgestattet und darin geschult, wie auch in Märchen immer ein wahrer Kern steckt. Eine Schulklasse machte sich sogar von Dänemark aus auf den Weg, um das Hexenhaus im Spessart zu bewundern.

    Okay, aber was ist die Wahrheit hinter der Wahrheit?

    Die Wahrheit hinter der Wahrheit ist, dass es das Hexenhaus nicht gab. Es gab ja nicht einmal einen Georg Ossegg. Den hatte Hans Traxler, seines Zeichens Karikaturist bei der Satirezeitschrift „Pardon“ frei erfunden und in den Fotos im Buch auch selber verkörpert.

    Da kann man sehen, wie er, mit einer Nickelbrille und aufgeklebtem falschen Bart, mit einem Backpinsel in der Baugrube einer Baustelle posiert.

    Auch dass das mehr als dreihundert Jahre alte Rezept für Lebkuchen wortgleich ist mit dem damals in jedem Haushalt zu findenden Dr.-Oetker-Kochbuch – ist niemandem aufgefallen.

    Der alberne Tonfall der „Wernigeroder Handschrift“ mit dem Hexenprozess-Protokoll? Der frei erfunden Professor Albert Vermeulen von der Universität Leiden, der an den Knochen erkennen konnte, dass das Opfer dreihundert Jahre zuvor erwürgt worden war? Der frei erfundene Dr. Helmut Petschau-Hartlieb, der das Vorwort schrieb? Alles niemandem aufgefallen.

    Zumindest lange nicht. 1964 erschien eine Reportage im Spiegel mit dem Titel „Hänsel und Gretel mit dem falschen Bart“. Traxler war erleichtert, endlich zu gestehen, dass alles nur Satire war – so verunsichert waren er und sein Verlag vom völlig unerwarteten Erfolg.

    Das Buch gibt es mittlerweile als Reclam-Heftchen – auch für Schulklassen und es wurde 1987 sogar verfilmt. Beides mit dem Vorwissen, dass es sich um Satire handelt.

    Was ist die Moral von der Geschicht?

    Eine Recherche auf Tiktok ergibt Dutzende von Videos, die die frei erfundene Geschichte immer noch als Wahrheit verkaufen und genauso ist es auf Youtube. Daneben gibt es auch Dutzende von Videos, die die wahre Wahrheit kennen und die falschen Videos entlarven.

    Die Wahrheit und die wahre Wahrheit kämpfen um Likes und Aufmerksamkeit und sie stehen heute einfach nebeneinander. Für eine Bearbeitung, einen Diskurs, einen Blick hinter die Geschichte – dafür ist keine Zeit zwischen zwei Swipes.

    Auf seine Weise ein sehr modernes Buch, seiner Zeit voraus.

    Ich persönlich glaube ja, dass Hans Traxler das Buch als Werbung für Dr. Oetker geschrieben hat. Ein Prototyp von Product Placement. Nicht nur, dass das Rezept aus dem Buch von Dr. Oetker ist, nein – ratet mal, von welcher Firma es noch heute für acht Euro ein Lebkuchenhaus-Dekorationsset zu kaufen gibt? Hmm? Hmm? Coincidence? I don’t think so!

    Quellen:

    Academia.edu: Die Wahrheit über Hänsel und Gretel Georg Ossegg 1963

    Deutschlandfunk: Die angebliche Hexe war eine Bäckerin

    Filmdienst: Ossegg oder Die Wahrheit über Hänsel und Gretel

    Cautionary Tales: The Truth About Hansel and Gretel