Das echte Periodensystem ist leider irgendwie auserzählt. Darum haben wir seit der Antike bereits ein cooleres, alternatives Periodensystem entwickelt. Mythen, Sci-Fi und Fantasy sei Dank! Der Explikator stellt die coolsten alternativen Elemente vor, von der Antike über die Gegenwart bis hin ins 24. Jahrhundert.
Skript
In der Schule war ich noch zu dumm für die Naturwissenschaften. Chemie, Mathe, Physik – alles Dreier- oder sogar Viererfächer. In der Oberstufe hatte ich eine Lehrerin, die mich für Mathematik begeisterte – aber da war es schon zu spät.
Also habe ich auch den Chemie-Unterricht meistens mit Zeichnen, Dösen oder heimlich Chips-Essen verbracht. Damals hatte ich den Eindruck, diese drei Wissenschaften haben eigentlich schon alles Nötige entdeckt.
So wie das Periodensystem. Diese ordentliche Tabelle, in der alles seinen Platz hat. Wasserstoff ganz oben links, Helium rechts daneben, und dann geht’s los: Lithium, Beryllium immer Proton pro Proton. Damals ging das bis zu Einsteinium, heute endet es beim synthetischen Oganesson, Ordnungszahl 118. Klingt wie der Onkel von Michel aus Lönneberga, ist aber radioaktiv und hat eine Halbwertszeit von 0,7 Millisekunden.
Klar, man bastelt noch an schwereren, künstlichen Elementen mit noch größeren Atomkernen, aber auch die existieren dann nur Millisekunden und zerfallen dann wieder in ihre Einzelteile. Wie meine Neujahrsvorsätze, nur schneller.
Clip: Und jetzt ist der kleine Explikator enttäuscht, dass auch die Wissenschaft Grenzen hat?
Na ja, ist halt so. Das echte Periodensystem ist auserzählt. Keine Überraschungen mehr. Keine Entdeckung eines magischen Elements, das alle Probleme löst. Nur noch kurzzeitige Laborgeburten, die theoretisch interessant, aber praktisch ziemlich nutzlos sind.
Zum Glück haben sich Kreative nie um solche Kleinigkeiten wie physikalische Realität geschert. Während Chemiker*innen verzweifelt versuchen, Element 119 für ein paar Nanosekunden zusammenzuhalten, haben Autor‘innen, Spieleentwickler‘innen und Comic-Zeichner‘innen längst ihr eigenes Periodensysteme gebaut.
Mit Elementen, die alle eines gemeinsam haben: Sie sind verdammt cool.
Nehmen wir Adamant. Das älteste fiktive Supermaterial der Menschheit. Schon die alten Griechen schwärmten davon – ein unzerstörbares Metall, härter als alles andere. Der Name kommt von „adamas“, unbezwingbar. In der griechischen Mythologie wurden damit Götter gefesselt. Prometheus hing an Ketten aus Adamant. Das ist sozusagen der Urvater aller fiktiven Supermaterialien.
Später dachte man, Diamanten seien aus Adamant, aber die kann man immerhin noch zertrümmern, wenn man wirklich will.
Clip: Okay, also ein Metall, das … hart ist. Das ist ja sooo cool (ironisch)
Adamant hat einen würdigen Nachfolger: Orichalkum. Auch aus der Antike, aber deutlich mysteriöser. Platon erwähnt es in seiner Geschichte von Atlantis – ein rötlich schimmerndes Metall, das nur dort abgebaut wurde und nach der Zerstörung der Insel verloren ging.
Archäolog*innen haben übrigens tatsächlich antike Schiffswracks mit Barren aus einer Messinglegierung gefunden, die man deswegen auch „Orichalkum“ nennt. Aber das echte, das mythische? Das ist was anderes. In Fantasyspielen wie Final Fantasy ist Orichalkum das Material für die besten Waffen. Und laut Rudolf Steiner haben die Bewohner von Atlantis Orichalkum in ihr Auto gebaut und – Schwupps – konnte das fliegen. Das soll mal ein Element aus dem Real-Life-Periodensystem nachmachen!
Ähnlich esoterisch: Äther. Ja, das Element, von dem lange Zeit sogar Wissenschaftler dachten, es würde existieren. Ein unsichtbares Medium, das den gesamten Raum durchdringt und das Licht transportiert. Noch vor hundert Jahren wurden vor allem Atemwegserkrankung von Ärzten mit der Äthertherapie behandelt, aber die Physik hat den Äther wegrationalisiert. In der Fantasy lebt Äther prächtig weiter – als magische Energie, als Treibstoff für Luftschiffe, als das Element, aus dem Träume sind. Oder die Magie. Oder beides.
Clip: Das waren alles Elemente, die man für real hielt. Wann kommen die kreativen Erfindungen?
Jetzt.
Mithril, ein silbrig glänzendes Metall, leicht wie eine Feder, hart wie Drachenschuppen, wertvoller als Gold. Bilbo kriegt ein Kettenhemd daraus, das ihn mehrfach vor dem Tod bewahrt. Die Zwerge von Moria haben ihr ganzes Königreich darauf gebaut – buchstäblich. Dann kam ein Balrog und … halt, ich will ja „The rings of Power“ nicht spoilen, da kommt ja irgendwann noch eine Staffel.
Auch in Dungeons & Dragons gibt es Mithril, aber aus urheberrechtlichen Gründen heißt es Mithral. So wie die Hobbits Halblinge heißen.
1938 werden die neuen Superhelden geboren. Der erste heißt praktischerweise Superman. In Action Comics 1 konnte er auf hohe Häuser springen, war schneller als eine Lokomotive und ziemlich stark. Er konnte sogar ein Auto heben.
Sehr schnell wurde er immer superer und schuf damit ein erzählerisches Problem: Wer konnte dem Mann aus Stahl eigentlich noch gefährlich werden? Für die Superman-Radioshow wurde aus diesem Grund ein neues Element erfunden: Kryptonit. Entstanden, als die Trümmer von Supermans Heimatplaneten durch eine rätselhafte Wolke im All flogen und jetzt das pure Gift für den Kryptonier.
Kryptonit macht wieder Geschichten möglich. Deshalb gibt’s mittlerweile auch rotes Kryptonit (macht Superman böse), goldenes (nimmt ihm dauerhaft die Kräfte), schwarzes (spaltet ihn in zwei Personen)… Die Comic-Autor*innen sind da etwas eskaliert.
Clip: Ich verstehe. Kryptonit ist also das Element der narrativen Verzweiflung?
Könnte man so sagen. Aber es funktioniert. Und es zeigt: Fiktive Elemente sind nie nur cool, sie haben immer einen Job. Sie lösen Probleme – oder sie schaffen sie – beides wichtige Dinge für einen spannenden Plot.
So gibt es in Star Trek das Element Dilithium. Es löst das Problem mit der Lichtgeschwindigkeit, weil es die Materie-Antimaterie-Reaktion im Warp-Antrieb reguliert. Ohne Dilithium kein Warp, ohne Warp keine Enterprise, ohne Enterprise kein Star Trek. Dilithium ist der Grund, warum die Crew immer wieder nach diesem seltenen Metall suchen muss. Es ist das Öl des 23. Jahrhunderts, nur im Weltraum und ohne Klimawandel.
In einem anderen Universum, dem Marvel Universe gibt es eine Reihe von Elementen, aber am bekanntesten ist: Vibranium. Das Metall, aus dem Captain Americas Schild ist. Ein Metall aus einem Meteoriten, das in Wakanda gefunden wurde und… ja, was macht es eigentlich? Es absorbiert Vibrationen perfekt. Könnte ich in der Sprechkabine brauchen.
Darum kann der Schild Schüsse abfangen, ohne Cap dabei die Arme rauszureißen. Darum ist Wakanda so technologisch überlegen. Vibranium ist die Antwort auf die Frage: „Was wäre, wenn ein afrikanisches Land nicht kolonisiert worden wäre und Zugang zu einem beinahe übernatürlichen Material hätte?“
Das Ergebnis: Sehr coole Technologie. Und ein Black Panther.
Clip: Okay. Jetzt haben wir die wichtigsten Universen aus den gängigsten Film- und Fernseh-Franchises durchgehechelt. Fehlt noch etwas?
Unobtainium. Der Name ist Programm: „Unobtain-ium“, das Unerhältliche.
Ursprünglich ein Scherz-Begriff von Ingenieur*innen für ein theoretisch perfektes Material, das leider nicht existiert. Dann kam James Cameron und baute Avatar darum – ein Film über Menschen, die einen Planeten überfallen, um an… genau, Unobtainium zu kommen. Ein blau leuchtendes Superleitermaterial, das bei Raumtemperatur funktioniert und extrem wertvoll ist. Denn: Es ermöglicht Levitation und Überlichtreisen. Die Selbstironie des Namens ging dabei leider etwas unter. Aber hey, es sieht toll aus!
Die Wissenschaft hat uns 118 Elemente gegeben, das alternative Periodensystem kommt bei Wikipedia auf 94. Ich bevorzuge es, in einer Welt zu leben, in der das wissenschaftliche Periodensystem gilt. Muss ja alles seine Ordnung haben, oder?
Quellen:
Wikipedia (en): Liste der fiktiven Elemente
Die einzelnen Elemente: Adamant, Orichalcum, Aether, Mithril, Kryptonite, Dilithium, Vibranium, Unobtainium
Youtube: Intro: Avatar: Unobtainium Mineral