Der heiße Scheiß von gestern: Eine Reise durch die spektakulärsten Tech-Flops des Jahrtausends von Obst in Plastiktüten über Weltraumreisen ohne Rückkehr bis zu einer rollenden Antigravitationsmaschine. Alle wollten das nächste große Ding und ganz viel Geld.
Skript
Ich bin wahrscheinlich nicht die geeignetste Person, Geschäftsideen zu beurteilen. Denn von allen meinen Geschäftsideen waren höchstens zwei oder drei nicht dumm.
KI: Und das schließt wahrscheinlich nicht einmal diesen Podcast ein.
Nein. Ja. Ich meine, wie meinst Du das? – aber egal: Es geht ja im Rückblick leichter, schlechte Geschäftsideen zu erkennen. Wie zum Beispiel mein Casual Game „Hotchpotch“ , das ich mit meinem Bruder und einem Freund nicht nur programmiert, sondern auch in alle Shareware-Börsen gedrückt habe. Glänzende Reviews – null Verkäufe. Also wirklich null. Das ist die Zahl, die nur ein Bild von einem Loch ist. Die Donut-Zahl, die Bagel-Zahl, die Kringel-Zahl, die …
KI: Es reicht an Analogien. Können wir anfangen?
Du hast recht. Man stelle sich also vor, es gäbe eine Brille, die man mit Sprache und Gesten navigiert. Sie kann einem den Weg zeigen, Dinge erklären, die man gerade sieht, Echtzeit-Übersetzungen einblenden, Termine verwalten und Informationen teilen. Natürlich kann sie filmen, fotografieren und man kann an Videokonferenzen teilnehmen.
Die Time nennt die Brille „Die Erfindung des Jahrhunderts“, die Vogue widmet ihr 12 Seiten, die Simpsons eine ganze Episode und Prince Charles, Oprah, Jennifer Lawrence und Bill Murray werden mit ihr abgelichtet.
Klingt wie ein Produkt von heute, bloß, dass das Wort KI nicht vorkommt. Ist aber der heiße Scheiß von 2012 und hieß „Google Glas“. Für den Sparpreis von 1.400 Dollar bekamen die Konsumenten ein ziemlich hässliches Brillengestell ohne Gläser. Allerdings funktionierten nicht alle Features und besonders die Tatsache, dass man nie wusste, ob ein Google-Brillenträger einen gerade filmt, erregte die Gemüter. Restaurants, Bars und Casinos stellten bald Verbotsschilder auf.
Jetzt kommt eine ganze Armada von neuen intelligenten Brillen auf uns zu. Gottseidank gibt es schon jetzt eine Warn-App, um zu erkennen, ob jemand in der Nähe eine solche nutzt. Was kommt als Nächstes?
KI: Im Skript steht: Jetzt zur Nachhilfestunde für Microsoft
Ah, danke. Microsoft dachte sich 2006: „Hey, der iPod ist seit fünf Jahren der unangefochtene König der MP3-Player – da steigen wir jetzt mal ein!“ Der Zune war im Grunde eine Kopie des iPod, trotzdem nur zehn Dollar billiger und ohne irgendeinen anderen überzeugenden Grund, warum jemand vom Marktführer wechseln sollte.
Das Timing war maximal schlecht. Apple stellte ein Jahr später nicht den nächsten iPod vor, sondern das iPhone, womit eigenständige MP3-Player quasi über Nacht zu Museumsstücken wurden. Das Ergebnis: kümmerliche zwei Prozent Marktanteil, bevor der Zune 2011 gnädig eingeschläfert wurde.
KI: Und jetzt?
Kannst Du die nächste Überschrift vorlesen?
KI: Wer zu spät kommt, bezahlt zwei Milliarden Dollar
Ah, das ist Quibi. Quibi hatte auf dem Papier alles, was man braucht, um grandios zu scheitern: 1,8 Milliarden Dollar von Investoren wie Disney, Goldman Sachs und Alibaba trendingtopics, ein Gründerduo aus einem Ex-Disney-Manager und einer Ex-HP-Chefin trendingtopics, und die brillante Idee, dass die Welt einen kostenpflichtigen Streamingdienst für maximal zehnminütige Hochkantvideos braucht.
Dumm nur, dass es bereits kostenlose Hochkantvideos auf Tiktok, Youtube und Instagram gab. Dumm nur, dass Quibi nur die Inhalte bekam, die Netflix und HBO nicht wollten. Auch dumm, dass die CEO im Interview nicht eine einzige Quibi-Serie benennen konnte, weil sie halt keine „Entertainment-Enthusiastin“ sei.
So abonnierten nicht, wie im Businessplan vorgesehen, 7,5 Mio. Amerikaner den Dienst, sondern nur 500.000. Zack: Zwei Milliarden Dollar verbrannt.
Und?
KI: Was?
Darf ich bitten?
KI: Och, na gut. „Wie man Silicon Valley auspresst“
Doug Evans wachte eines Morgens auf und dachte sich: Jeder Mensch braucht eine WLAN-fähige Saftpresse mit Scanner, Microprozessor und 400 anderen Einzelteilen, die 700 Dollar kostet und nur mit Obst- und Gemüsebeuteln funktioniert, die wir im Abo verkaufen.
Geboren war Juicero und sammelte bald Geld in Silicon Valley ein. Hier, nimm 120 Mio. Dollar, sagte zum Beispiel Google Ventures. In einem Video prahlte der Gründer damit, dass seine überteuerte Saftpresse so viel Druck erzeugen kann, dass man zwei Teslas damit anheben könnte. In einem anderen Video zeigte eine Bloomberg-Journalistin, dass man die Beutel genauso effektiv und schneller mit der Hand auspressen kann. Ohne Teslas.
Damit war die Party vorbei. Gründer Evans widmet sich momentan dem Verkauf von „Rohwasser“ für 40 Dollar den Krug.
(Pause) Na?
KI: Na gut: Ich heiße Mark Zuckerberg und habe keine Beine
Im Oktober 2021 hatte Mark Zuckerberg eine Vision – oder zumindest etwas, das er dafür hielt: Er benannte sein gesamtes Unternehmen von Facebook in „Meta“ um, als öffentliches Bekenntnis zur virtuellen Realität.
Was folgte, war eine Parade aus klötzigen „Horizon Worlds“-Umgebungen voller kreischender Kinder, endlosen Entlassungsrunden und der bemerkenswerten Leistung, seit 2021 über 70 Milliarden Dollar in ein Produkt zu versenken, das niemand benutzen will.
Der Totengräber des Metaverse war allerdings schon das Produktvideo zur Einführung, durch das uns Mark Zuckerberg höchstpersönlich führte. Die graphische Qualität entsprach ungefähr der ersten Playstation, um Rechenzeit zu sparen, hatten die Avatare keine Beine. Gruselig!
Ende 2025 wurde der Abteilung noch einmal 30 Prozent Budget gestrichen und die Börse atmete erleichtert auf. Die Investoren feierten buchstäblich, dass der Konzern endlich aufhört, ihr Geld in ein digitales Geisterhaus zu kippen.
KI: Auf zum Mars. Ohne Rakete, ohne Sauerstoff und ohne Geld!
Mars One war die vielleicht dreisteste Geschäftsidee auf dieser Liste – und das will angesichts der Konkurrenz etwas heißen. Eine kleine niederländische Firma mit vier Mitarbeitern versprach ab 2012, die ersten Menschen zum Mars zu schicken und dort dauerhaft anzusiedeln – ohne Rückfahrkarte. Geschätzte Kosten laut CEO Bas Lansdorp: sechs Milliarden Dollar Wikipedia. Zum Vergleich: Die NASA schätzte ein ähnliches Vorhaben damals auf 100 Milliarden.
Aber wer braucht schon die NASA, wenn man stattdessen die Reise als Reality-TV-Show finanzieren will? Das Unternehmen war ja schließlich auch keine Raumfahrtfirma und stellte keinerlei Hardware her. Es hatte weder eigene Raketen noch Verträge mit jemandem, der welche hatte – SpaceX bestätigte ausdrücklich, keine Verträge mit Mars One zu haben.
Einer der ausgewählten Finalisten – Doktor in Physik und Astrophysik – bezeichnete Mars One öffentlich als Betrug. Das MIT berechnete, dass die Besatzung nach 68 Tagen Flugzeit an Sauerstoffmangel verstorben wäre. Big-Brother-Macher Endemol stieg aus. Ende, Gelände.
Im Grunde war Mars One ein Crowdfunding-Projekt für eine interplanetare Selbstmordmission, das nicht mal genug Geld einsammelte, um sich ein ordentliches Büro zu finanzieren – geschweige denn eine Marsreise.
KI: Die Antigravitationsmaschine mit 20 Stundenkilometern
Ich gebe es zu: Ich war einer von denen, die drauf reingefallen sind. Dean Kamen kündigte an, seine Erfindung werde das Auto so aussehen lassen, wie das Auto die Pferdekutsche hat aussehen lassen. Steve Jobs nannte es „bigger than the Internet“, manche spekulierten über Antigravitationstechnologie.
Ich träumte von autofreien Innenstädten. Und dann kam, nach einer unvergleichlichen Marketingkampagne im Dezember 2001 die Enthüllung: Segway war nicht Magie. Segway war ein Elektro-Roller. Für 5.000 Dollar, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Ein Mofa darf 25 Stundenkilometer.
Das Fahrgefühl war im uncanny valley der Bewegung. Man wusste nicht, ob man schnell geht oder langsam fährt. Praktisch nirgendwo gab es eine Zulassung für Gehwege und in einigen Kommunen wurden auch die Autospuren verboten.
Segway wollte 100.000 Stück im ersten Jahr verkaufen und schaffte in 19 Jahren insgesamt 140.000 Fast Company. Das bleibende Vermächtnis: Touristen, die in Trauben vor Denkmälern den Fußgängern den Platz versperren.
KI: Ring, ring, ring, Bananaphone.
Schon ganz gut. Aber Du musst das singen.
KI: Das mache ich nicht.
(Singt) Ring, ring, ring, Bananaphone.
KI: Ring, ring, ring, Bananaphone.
Und während Zuckerberg 70 Milliarden für ein Metaverse verbrannte, das niemand besucht, Quibi fast zwei Milliarden für Kurzvideos versenkte, die niemand sehen wollte, und Mars One mit vier Mitarbeitern zum Mars fliegen wollte – hat still und leise ein Produkt den Markt betreten, das all diese Konkurrenten: das Banana Phone!
Ein Bluetooth-Headset in Form einer Banane, das sich per Knopfdruck mit dem Smartphone koppelt, 20 Stunden Gesprächszeit bietet, aus 100 Prozent recyceltem ABS besteht, und mit jedem Kauf Gorillas zu einem Prozent im Kongo schützt.
Man telefoniert also, indem man sich eine Plastik-Banane ans Ohr hält und dabei großartig aussieht. Und wenn wir ehrlich sind: In einer Welt, in der Leute mit VR-Brillen gegen Laternen laufen und Touristen auf Segways die Fußgängerzonen verstopfen, ist eine Bluetooth-Banane vielleicht die ehrlichste Tech-Innovation dieses Jahrtausends. Sie verspricht: Nichts! Und liefert genau das!
Quellen:
Failory: Google Glass
Techcrunch: A new app alerts you if someone nearby is wearing smart glasses
Inspire IP: Microsoft Zune
Trending Topics: Quibi
CNET: Juicero
Futurism: Zuckerberg Basically Giving Up on Metaverse After Renaming Entire Company “Meta”
Wikipedia: Mars One
Fast Company: Exclusive: Segway, the most hyped invention since the Macintosh, ends production
Die Webseite des Banana-Phones
Intromusik: Raffi – Bananaphone (Official Audio)