Wir waren jung. Wir hatten ja nichts. Nur „Horse with no Name“ von America. Und den Wunsch, dass der Text zu diesem Song Sinn macht – auf eine erleuchtete Art und Weise. Aber, Quatsch! Einige Songtexte sind einfach Rhabarber, let’s face it gemeinsam!
Skript
O.k., o.k., o.k., ich nehme die Songtexte zu ernst – es geht ja um das Feeling – ich weiß‘, ich weiß‘.
Aber, wenn ich auch ‚mal ‚was sagen dürfte: Viele Songtexte sind einfach faul geschrieben, sorry. Wie, Beispiele? Klar habe ich Beispiele – ich hab‘ da ‚mal ‚was vorbereitet…
Shakira, ‚Whenever, Wherever‘
„Lucky that my breasts are small and humble, so you don’t confuse them with mountains.“ Shakira ist froh, dass ihre Brüste klein und bescheiden sind, sonst hätten wir die glatt mit Bergen verwechselt. Im Winter würden wir da Skifahren, im Sommer Wanderungen unternehmen und die Aussicht vom linken Nippel auf Shakiras Nabel geniessen. Ohne den Song wäre das beinahe so gekommen…
REM, ‚You Are The Everything‘
„Late spring and you’re drifting off to sleep, with your teeth in your mouth.“ Es ist das Ende des Frühlings, Du schläfst ein und hast Deine Zähne in Deinem Mund“. Danke, Captain Obvious! Ich hatte die ganze Zeit gesucht und gesucht! Seit die Corega Tabs alle sind, verstecken die sich mal hier, mal da. Ich hätte auch eine Idee für einen Text: „Ich sitze hier und esse Pudding, mit meinen Knien genau zwischen Ober- und Unterschenkel.“ Gut, gell?
Color Me Badd, I Wanna Sex You Up‘
„Girl you make me feel real good, we can do it til we both wake up.“ Mädchen, Du machst, dass ich mich gut fühle, wir können Geschlechtsverkehr haben, bis wir beide aufwachen. Ich weiss‘ ja nicht viel von der Hip-Hop-Kultur. Aber man hat ja heute einfach keine Zeit mehr. Aber als wir jung waren, hatte man entweder Sex oder man hat geschlafen. Heute muss man das alles gleichzeitig machen, tss, tss, tss
Des’Ree, ‚Life‘
„I don’t want to see a ghost, it’s the sight that I fear most. I’d rather eat a piece of toast, and watch the evening news.“ Ich will keinen Geist sehen, davor habe ich am meisten Angst, lieber esse ich eine Scheibe Toast und kuck‘ die Tagesschau. Aha. So einfach ist das! Was für einen Affenzirkus die da bei Ghostbusters, Supernatural oder Akte X machen! Ich persönlich habe ja Angst vor dem Röntgenbild, wo man meinen unheilbaren Hirntumor sieht. Aber ich sammle Schlümpfe! Wird sicher helfen!
Deep Purple, ‚Highway Star‘
„She’s got everything – like a moving mouth, body control and everything.“
Sie hat einfach alles – einen beweglichen Mund, Körperkontrolle und alles. Seine bisherigen Freundinnen haben nämlich immer geschwiegen und so unkontrolliert gezuckt, das muss man verstehen. Das waren die Siebziger, das waren die Drogen.
Bob Dylan, ‚Ballad Of A Thin Man‘
„Give me some milk – or else go home.“
Gib‘ mir etwas Milch oder geh‘ nach Hause. Mann, Mann, Mann, Bob Dylan war Milch ächt wichtig, müsst ihr wissen. Wenn er seine Milch nicht gekriegt hat, dann… dann… dann hat er wirklich verrückte Dinge getan. Songtexte geschrieben, z.B.
The Clash, ‚Should I Stay Or Should I Go?‘
Should I stay or should I go now? If I go there will be trouble, if I stay it will be double.“ Soll‘ er bleiben oder soll er gehen? Wenn er geht, dann gibt’s Ärger, wenn er bleibt, dann gibt’s doppelt so viel Ärger. Hmm. Na dann, würde ich sagen, sollte er gehen, oder? Ist ja einfach. Simple Logik. Muss man ja nicht gleich ein Lied draus machen.
Kaiser Chiefs, ‚Oh My God‘
„You work in a shirt with your name tag on it, drifting apart like a plate tectonic.“ Du arbeitest in einem Hemd mit Namensschildchen, wir treiben auseinander wie die Plattentektonik. Was bedeutet, dass der Song sehr, sehr lang werden könnte. Und die Beziehung extrem stabil, wegen fünf Millimetern im Jahr würde ich mich nicht aufregen. Oder gar einen Song schreiben.
Pink Floyd, ‚Bike‘
„I know a mouse and he hasn’t got a house. I don’t know why, I call him Gerald.“ Ich kenne eine Maus, die hat kein Haus. Ich weiss nicht warum, aber ich nenne sie Gerald. Ich persönlich kenne ja gar kein Nagetier, dass irgendwelche Immobilien besitzt. Übrigens: Wir hatten auch einmal zwei Mäuse, eine war braun, die andere schwarz. Wir nannten die „Die Braune“ und „Die Schwarze“ – und ich weiß ganz genau, warum.
AC/DC, ‚Let Me Put My Love Into You‘
„Let me put my love into you babe, let me cut my cake with your knife.“ Lass‘ mich meine Liebe in Dich hineingeben, Neugeborenes, lass‘ mich meinen Kuchen mit Deinem Messer schneiden. Meine These zu diesem Stückchen Lyrik ist, dass das irgendwie schwülstig erotisch sein soll. Klappt aber echt nicht. Kuchen ist ja noch in Ordnung, aber Messer – nee, danke, verzichte.
Coldplay, ‚Fix You‘
„Lights will guide you home, and ignite your bones.“ Lichter werden dich nach Hause geleiten und deine Knochen entzünden. Wie bitte? Das ist ein verdammtes Liebeslied und kein Horror-Roman! Wenn dass so ist, dann geh‘ ich halt nicht nach Hause. So! Song aus.
New Order, ‚Slow Jam‘
„The sea was very rough, it made me feel sick. But I like that kind of stuff, it beats arithmetic.“ Das Meer war unruhig, mir wurde echt übel. Aber ich mag das, ist immer noch besser als Algebra. Ist so wie: Das Messer in meinem Bauch tat richtig weh, aber ist immer noch besser als Sozialkunde bei Herrn Müller. Oder: Ohne Kopf werde ich nicht mehr lange leben, aber ich hab‘ halt den Turnbeutel vergessen…
Thin Lizzy, ‚Jailbreak‘
„Tonight there’s going to be a jailbreak, somewhere in this town.“ Heute abend wird’s einen Gefängnisausbruch geben, irgendwo in der Stadt. „Also Boss, wir haben überall geschaut. In der Kirche, der Schule, dem Kino, dem Cafe, dem Bahnhof, der Buchhandlung und dem Schreibwarenladen. Aber da war nirgends ein Gefängnisausbruch, Sir.“ – „Ihr Trottel! Habt ihr auch das Gefängnis überprüft?“
The Killers, ‚Human‘
„I’m down on my knees, searching for the answer. Are we human or are we dancer?“ Er ist auf den Knien, sucht eine Antwort: Sind wir Menschen oder Tänzer? Eine völlig überflüssige Frage der Mystik, auf die aber speziell der Sufismus eine eigene, faszinierende Antwort gefunden hat. Aber ich glaube nicht, dass die dafür den Teppich abgesucht haben…
Nirvana, ‚All Apologies‘
„What else could I say? Everyone is gay.“ Jeder ist schwul. Aha. Das macht die Unterscheidung zwischen homo- und heterosexuell natürlich überflüssig. Und löst auch das Problem der Überbevölkerung. Binnen einer Generation, ungefähr. Gut gedichtet, Kurt Cobain!
Razorlight, ‚Somewhere Else‘
„I met a girl. She asked me my name. I told her what it was.“ Ich traf ein Mädchen. Die wollte wissen, wie ich heiße. Da hab‘ ich’s ihr gesagt. Na, wenn das nicht der Lebensstil eines echten Rockstars ist – und mit Leichtigkeit die langweiligste Songzeile, die je gedichtet wurde. Wahrscheinlich geht’s weiter mit: Ich zog Schuhe an. Die Schnürsenkel waren offen. Dann habe ich sie zugebunden. Oder: Ich wollte mir die Zähne putzen. War keine Zahnpasta auf der Bürste. Hab‘ ich welche draufgemacht. Oder: Ich hatte einen Song. Aber keinen Text. Hab‘ ich halt irgendeinen Scheiss erfunden…