Mediation: Superman und Batman

Avengers hin, Spider-Man her. Wenn man nach Superhelden fragt, fallen den Meisten zuerst Superman und Batman ein. Sind ja auch schon 80 Jahren dabei. Da kann es schon einmal zu Super-Reibereien kommen. Verständlich. Aber immerhin – sie arbeiten daran!

Skript

New York. Oder ist es Metropolis? Die Kamera zoomt genießerisch von der Skyline auf einen einzelnen Wolkenkratzer zu, auf ein einziges Fenster: Schnitt!

Wir befinden uns im Wartezimmer einer angesehenen Psychotherapeutin. Bequeme Polstersessel, ein Regal voller Bücher. In zwei Sesseln sitzen Superman und Batman. Die Empfangskraft serviert gerade zwei Kaffee.

„So, einen Latte Macchiato mit extra Zucker für Herrn Superman. Und ein Triple-Espresso für Herrn Batman. Die Professorin wird gleich bei Ihnen sein. Haben Sie sonst irgendwelche Wünsche?“

Superman lächelt höflich und antwortet:
„Nein, Mr. Simmons. Vorerst nicht. Ich würde ihnen raten, mit dem Rauchen aufzuhören. Sie haben bereits einen Schatten auf einem Lungenflügel.“

Simmons fasst sich zitternd an die Brust und schwankt aus dem Raum.

Die Superhelden schweigen. Batman starrt vor sich hin. Superman liest die Bücherregal mit Röntgenblick.

Die Professorin betritt den Raum. Sie sieht ein bisschen aus wie Diane Keaton. Sie trägt eine Strickjacke, eine Brille und ein Clipboard. Sie wirkt etwas fahrig.
„Bitte kommen Sie in mein Behandlungszimmer, Herr…“

Sie blättert in den Unterlagen. Der Held, den Gotham verdient und der Mann aus Stahl setzen sich auf zwei weitere Lehnstühle im Behandlungszimmer, gegenüber des Schreibtischs. Es ist geschmackvoll eingerichtet. Im Fenster hängt ein Dreamcatcher. An der Wand hängt „Der Schrei“ von Munch. Daneben ein Bild, in dem ein Wolf den Mond anheult.

Professorin: „So, sie sind hier, weil es in ihrer Zusammenarbeit zu Konflikten gekommen ist.“
Batman schnaubt spöttisch durch die Nase.

Professorin: „Vielleicht beginnen wir damit, dass wir uns kurz vorstellen. Mein Name ist Professorin Diana McKeaton. Ich bin spezialisiert auf Mediation, speziell von Führungskräften.“
Batman schnaubt spöttisch durch die Nase.

Professorin: „Jetzt wäre der Zeitpunkt, an dem Sie sich vorstellen…“
Superman: „Vielen Dank, Frau Professorin. Mein Name ist Kal El, ich bin der Sohn von Jor-El vom untergegangenen Planeten Krypton. Die Erdenmenschen verehren mich als Superman. Mein irdische Identität ist leider geheim.“
Batman: „Ich bin Batman.“

Professorin: „Auf der Überweisung steht Bruce Wayne und Clark Kent. Stimmen diese Daten?“
Superman: „Mist…“
Batman: „Du glaubst immer noch, wenn Du eine Brille anziehst und stotterst, merkt keiner, dass Du Superman bist, oder?“
Superman: „Und Du bevorzugst die Methode, Deine Stimme zu verstellen. Das ist viel moderner, oder?“
Professorin: „Ähm, ja. Äh… Vielleicht erzählen Sie mir beide, was sie denn so beruflich machen?“
Sups & Bats: „Wir sind Superhelden.“

Der Professor notiert sich das. Und runzelt die Stirn.
„Was genau machen denn Superhelden so beruflich?“
Superman: „Wir sind übernatürliche Kreaturen mit übermenschlichen Kräften und retten die Welt. Bis auf Batman. Dessen Superkraft ist Kreditkarte.“
Batman: „Sagt der Bauernbub aus Smallville.“

Superman: „Wenn Du Dein Geld an die Armen in Amerika verteilen würdest, wie viel würde dann eigentlich jeder bekommen? $5000,- oder mehr?“
Batman: „Und wenn Du einfach immer mit Lichtgeschwindigkeit um den Planeten kreist und Banditen mit Supergehör aus dem Orbit identifizierst und denen mit Hitzeblick einfach eine Lobotomie verpasst? Wäre das nicht effektiver als Deine Superbösewichter im Boxen zu besiegen?“

Superman richtet sich im Sessel auf. Sein Kinn bebt. Leicht. Man kann das hören.
Die Stimmung gärt. Es riecht nach Tzaziki. Kein inhaltlicher Zusammenhang.
Die Professorin wirft schnell etwas dazwischen:

Professorin: „Ähm. Machen Sie sich durch Ihre Arbeit auch Feinde?“
Superman: „Oh ja. Batman zum Beispiel hat einen Gegner, dessen Superkraft darin besteht, sich wie ein betrunkener Clown zu schminken.“
Batman: „Er ist ein psychopathisches Genie.“
Superman: „Mit einem Klappmesser.“
Batman: „Er hat ganze Stadtteile …“
Superman: „Mit. Einem. Klappmesser.“
Batman: „Und Dein Erzfeind? Lex Luthor? Dessen Superkraft ist, dass er keine Haare hat?“
Superman: „Er ist ein …“
Batman: „Ein böser Glatzkopf. Ich verstehe schon. Glatze ist unamerikanisch.“

Die Professorin putzt sich genervt die Brille, sichtlich wird sie nicht gebraucht.
Superman: „Wer sind Sie? Wo ist Professorin McKeaton?“
Professorin: „Wie? Was?“
Batman: „Die Brille!“
Superman: „Sie gestehen sofort, wohin Sie die Professorin gebracht haben! Oder ich muss ein bisschen Gewalt anwenden!“
Professorin: „Aber ich bin Professorin McKeaton!“
Batman: „Ziehen Sie die Brille wieder an!“
Der Professor zieht schnell die Brille wieder an.
Superman: „Professorin McKeaton! Gott sei Dank!“
Sie lächelt unsicher. Ein Schweißtropfen läuft über ihre Nase.

Batman nippt an seinem Kaffee. Er setzt die Tasse wieder ab.
Batman: „Supie.“ Er klopft an die Tasse.
Superman: „Nee, nicht wirklich!“
Batman klopft wieder an die Tasse.
Supermans Augen werden rot, als er auf die Tasse schaut. Der Kaffee darin beginnt zu kochen.

Professorin: „Also vielleicht sollten wir den Dialog einmal anders aufbauen. Ich möchte, dass sie mir beide sagen, was sie am anderen mögen.“
Superman: „Das ist einfach. Ich finde es wirklich von menschlicher Größe, dass Bruce sich „Fledermausmensch“ nennt. Wussten Sie übrigens, Frau Professorin, dass Fledermäuse entweder ein großes Hirn oder große Hoden haben? Niemals beides?“
Batman: „Sagt der „Übermensch“. Von wem stammte die Idee für Deinen Namen noch einmal: Adolf Hitler? Oder war’s Goebbels?“

Die Professorin versucht etwas zu sagen, aber der Streit geht weiter.
Superman: „Dafür habe ich ab und an Sex und Du nicht!“
Batman: „Ja, ich weiß. Lois Lane, Lana Lang. Immer Alliterationen. Wo lernst Du Deine Freundinnen eigentlich kennen? Entenhausen?“
Superman: „Weil Vicky Vale keine Alliteration ist?“

Die Professorin verlässt das Behandlungszimmer. Es fällt keinem auf.

Batman: „Dafür bekomme ich nicht weiche Knie, wenn man mir grünes Meteoritengestein zeigt.“
Superman: „Nein, stimmt. Aber dafür fängst Du an zu heulen, wenn man Deine Eltern erwähnt. Die seit 40 Jahren tot sind!“
Batman: „Lass meine Eltern aus dem Spiel! Und ist Dir eigentlich aufgefallen, dass Deine Eltern auch schon lange als Staubpartikel durch’s All schweben?“

Die Professorin setzt sich ins Wartezimmer, holt ihr Smartphone, setzt Kopfhörer auf und spielt Candy Crush. Nach 10 Minuten nimmt sie die Kopfhörer ab. Aus dem Behandlungszimmer hört man Lachen.

Sie öffnet vorsichtig die Tür und schaut durch den Spalt. Eine dritte Person sitzt da. Sieht aus wie ein Obdachloser. Und riecht wie ein Duscheloser.

Superman: „Ah! Professorchen! Kommen Sie rein, setzen Sie sich zu uns!“
Batman: „Ja, das ist unser Superheldenfreund Flachman. Er hat spontan vorbeigeschaut.“
Professorin: „Superheld?“
Superman: „Ja, er kann jede Flüssigkeit in einen Cocktail verwandeln! Was trinken wir gerade, Flachi?“
Flachmann antwortet: „Caipis!“

Batman: „Wir schauen uns gerade auf dem Bat-Tablet Fotos von unserem Softballspiel gestern gegen die Avengers an – Tony Stark ist so ein Pfeife!“
Die Professorin schaut durch den ganzen Raum abwesend aus dem Fenster.

Superman: „Sie haben uns wirklich sehr geholfen. Vielen Dank, Frau Professorin.“
Batman: „Sups, schau‘ mal, hast Du schon gesehen, wie sich Black Widow und Wonder Woman über Thor’s Hammer lustig machen?“

Professorin: „Äh. Na gut. Es war mir eine Freude, mit ihnen zu arbeiten. Herr äh, Batman und Herr Superman. Wo soll ich die Rechnung hinschicken?“
Batman: „Festung der Einsamkeit.“
Superman: „Die Bathöhle.“

Die beiden fixieren sich. Ihre Augen werden zu Schlitzen. In Peking fällt ein Rad um. Kein inhaltlicher Zusammenhang. Flachman schaut die Professorin an.
Sie setzt ihre Kopfhörer auf.

Quellen:

Intro: „What We Became“, von Redmind – CC BY-NC-ND 4.0

Gigasheet: DC-MARVEL Comic Characters