Mancher mag erstaunt sein, im eigenen Keller einen Basilisken zu entdecken. Das erklärt zwar den Gestank, ist aber eine lebensgefährliche Bedrohung. Der Explikator gibt Hinweise und Ratschläge, die er aus zahlreichen Werken der Geschichte geklaut hat. Es gibt Hilfe – aber nicht hinkucken, bitte!
Skript
Mein Tipp, wenn ihr einen Basilisken im Keller habt: Den Keller abschließen, auf keinen Fall das Licht anmachen und warten, bis er verhungert ist. Je nachdem, wie viele Vorräte da gelagert sind, kann sich das hinziehen. Falls das nicht hilft – und es gibt einige Quellen, die das für Aberglauben halten – dann braucht ihr ein Wiesel. Oder einen Spiegel.
KI: Woran erkennt man denn, dass man einen Basilisken im Keller hat?
Na, man geht in den Keller und da sieht man den Basilisken. Jetzt frag‘ bloß nicht, woran man erkennt, dass man einen Keller hat!
KI: Anders gefragt: Wie schaut ein Basilisk aus?
Ah. Das ist ganz einfach. Der ist so 50 bis 90 cm groß, hat den Kopf eines Hahns, den Körper einer sehr dicken Schlange, aber Beine. Manchmal trägt er eine Krone. Überhaupt scheint er Schmuck zu mögen. Aber man merkt das, wenn man einen hat, weil er furchtbar stinkt. Ach: Wenn Du Kartoffeln oder andere Nahrungsmittel im Keller lagerst, kannst Du die getrost vergessen – die sind jetzt alle verrottet und wahrscheinlich giftig.
KI: Also ein Mischwesen, das in Kellern lebt.
Oder in Brunnen. Das ist ärgerlich, weil dann das Wasser natürlich nicht mehr trinkbar ist. Es gibt aber auch Sichtungen in alten Ruinen, in feuchten Höhlen oder in Reformhäusern.
KI: In Reformhäusern?
Nein, das habe ich mir nur ausgedacht. Aber der Rest stimmt. Das Problem bei einem Basilisken ist übrigens gar nicht der teuflische Geruch, sondern dass seine Blicke töten können. Man verliert sofort den Lebensgeist und fällt tot um. Und das gilt für alle Lebewesen – der Basilisk tötet den Willen zu leben.
KI: Das dürfte ihm die Fortpflanzung deutlich erschweren.
Basilisken pflanzen sich doch nicht fort! Du bist ja lustig! Jedes Kind weiß, dass ein Basilisk entsteht, wenn ein alter Hahn plötzlich ein Ei legt, welches dann von einer Schlange ausgebrütet wird. Manche sagen, eine Kröte würde auch reichen. Daraus schlüpft dann ein Basilisk. Ein Segen, dass es so kompliziert ist, sonst wären wir Lebewesen ja schon längst ausgestorben.
KI: Und werden die oft gesehen?
Es gibt zahlreiche Sichtungen. Ich könnte Dir sofort Beispiele nennen aus Aachen, Basel, Bautzen, Halle, Memmingen, München, Pforzheim, Regensburg, Trier, Warschau oder Wien. Alphabetisch sortiert. Nicht, weil ich’s aus der Wikipedia vorgelesen habe, sondern damit Du es leichter nachschauen kannst.
Wenn Du willst, kannst Du auch in Zedlers Universallexikon nachschlagen. Oder im Physiologus, der Bibel, bei Plinius dem Ältereb, Hildegard von Bingen, Ulisse Aldrovandi, Thomas von Canimpre oder in den der Chronik von Aachen. Oder schau in die Prozessunterlagen aus Basel. Ganz berühmter Fall.
KI: Da wurde einem Basilisken der Prozess gemacht?
Nein – das geht natürlich nicht! Da wären ja alle Augenzeugen tot. Das wäre ein sehr stiller Prozess. Nein, der Prozess wurde natürlich dem Hahn gemacht, der plötzlich ein Ei gelegt hat. Am Kohliberg war das, wo damals die Freiknaben zu Gericht saßen. Die waren eine Bruderschaft von Armbrustschützen, die wichtig war für die Verteidigung der Stadt.
Ein richtiger, wenn auch sehr kurzer Prozess. Der Hahn war angeklagt, aber konnte sich natürlich keinen ordentlichen Verteidiger leisten. Der hatte ja kein Einkommen mehr. Damals wurden auch keine Pflichtverteidiger zur Verfügung gestellt und die Menschenmenge forderte lautstark die Hinrichtung.
So richtig fair ging es also nicht zu, das muss man schon einmal zugeben. Aber als der Hahn geköpft war, fand der Scharfrichter noch drei Eier in seinem Bauch – jetzt stell‘ Dir mal vor, der Hahn hätte einen guten Verteidiger gehabt und wäre freigesprochen worden. Dann hätten die in Basel aber so was von einer Basiliskenplage am Hals gehabt! Das ist übrigens gut belegt. Da gibt es drei zeitgenössische Quellen.
KI: Schon gesehen. 1474 war das. Und Dein Universallexikon ist von 1750.
Na und? Pythagoras ist schon seit 2.500 Jahren tot. Trotzdem ist die Summe der Katheter über einer Hypothese immer noch ein rechteckiges Dreieck! Oder?
KI: Eher nicht.
Aber, was ich noch sagen wollte: Für den Fall, dass der Basilisk in eurem Keller nicht verhungert, gäbe es noch zwei Möglichkeiten. Es gibt Wissenschaftler…
KI: Wissenschaftler?
Bartholomaeus Anglicus. Theologe. Der sagt, dass der Wiesel als einziges Tier einen Basilisken töten kann. Also, wenn er am Tag vorher Raute gefressen hat. Also die Pflanze Raute. Gibt’s rund um die Alpen überall. Also die Pflanze. Wiesel auch.
Sollte aber auch das nichts helfen, dann hilft ein Metallspiegel. Den stellt man einfach in den Keller – ohne zu kucken, das ist ein ganz wichtiger Tipp! Sagt nachher bloß nicht, ich hätte euch nicht gewarnt! Obwohl, das wäre dann ja auch nicht mehr… – egal: Man stellt also den Metallspiegel auf, macht beim Verlassen des Kellers das Licht an und das Problem ist gelöst. Übrigens sind heutzutage alle Spiegel Metallspiegel, weil sie produziert werden, indem man Flachglas mit Aluminium oder Silber beschichtet.
Der Basilisk wird früher oder später in den Spiegel schauen und sich dann praktischerweise selber töten. Das ist eigentlich das einfachere Verfahren, wenn man so drüber nachdenkt. Wer hat denn heutzutage noch einen Wiesel zur Hand, oder?
KI: Keiner. Du weißt, dass das alles Quatsch ist, oder? Das ist satirisch gemeint?
Ach! Der feine Herr KI glaubt nicht an Basilisken? Dann lass Dir mal erzählen, was ich heute alles auf Amazon gefunden habe:
- Einen Wasserwirbler von Cellavita. Den steckt man in einen Krug Wasser und das verwandelt sich durch das Gewirbele in Wasser in seiner „natürlichsten Form“. Nämlich in hexagonales Wasser, das es nicht gibt. Kostet nur 125 Euro.
- Ein Quantenresonanz-Magnetfeldanalysator von einer Firma mit unausprechlichem chinesischen Namen. Klemmt man seinen Daumen rein, schon bekommt auf dem Laptop die „menschlichen Anatomiestrukturen und Organe in brillanten Farben“ dargestellt. Beruht auf der Quantenresonanztheorie, die es nicht gibt. 133 Euro.
- Das Einlaufset zur Darmreinigung von Lyvanas. Denn: „das Einlaufset gilt als Wunderwaffe der Medizin, höchste Standards vorausgesetzt“! Mit einem extralangen Schlauch von zwei Metern und einem eigenen Rucksack. „Sie werden den vielseitigen Rucksack lieben lernen! Dieser Klistierbeutel hat sich aufgrund seiner leichten Kompaktheit auch als Geheimtipp für Reisen entpuppt!“. Dient der Entschlackung. Von Schlacken. Die es nicht gibt. Für 23 Euro fast geschenkt.
- Adele Blanc-Sec: Sammelband Nummer III von Jacques Tardi – halt. Quatsch, das ist ja von meiner Wunschliste.
KI: Okay. Was willst Du uns mit dieser überflüssigen Episode sagen?
Wie? War ich nicht deutlich genug? Muss ich das noch auserklären? Hörst Du überhaupt zu. Ich hab‘ manchmal den Eindruck, Du hörst gar nicht zu.
Dann: Noch einmal von vorne. Mach‘ Dir ruhig Notizen:
- Du gehen in Keller
- Du sehen Basilisk.
- Du nehmen Spiegel.
- Du stellen Spiegel in Keller – nicht kucken!
- Du verlassen Keller.
- Du schalten …
KI: Okay. Es reicht. Der Explikator hat den Boden der Realität verlassen! Aus. Ende!
Manno! Und wegen der Folge habe ich mir jetzt mein Amazon-Profil für alle Zeiten versaut!
Quellen:
Wikipedia (de): Basilisk (Mythologie)
Youtube: Intro: How Did They Not Know About The …