Die ältesten Witze der Welt

Wahrscheinlich sind Witze so alt wie die Sprache. Aber wir kennen nur diejenigen, die aufgeschrieben worden sind. Waren die ältesten Witze der Menschheit lustig? Oder war der Humor ein ganz anderer? Eine antike Humorparade.

Skript

Ich weiß drei Witze auswendig. Nicht mehr und nicht weniger. Damit habe ich das Thema „Witz“ für mich erledigt, jetzt muss ich mir nur merken, welcher Person ich welchen Witz schon erzählt habe. Die Hexe und der Prinz, der kleine Kater oder Schneckensammeln.

Das größte Problem, das ich mit Witzen habe, ist aber nicht, dass ich sie mir schlecht merken kann. Das größte Problem ist, dass ich die meisten nicht witzig finde. Tut mir leid.

Speziell das Thema Furzen finde ich kein bisschen lustig. Auch nicht die Version im Opener. Darum habe ich mich gefragt, ob das schon immer ein bevorzugtes Thema der Witze-Erzähler war. Es stellte sich schnell heraus: Speziell das Thema „Verdauungsgeräusche“ ist eines, dass sich seit Jahrhunderten durch die Witzgeschichte der Welt zieht.

Der älteste Witz der Welt, der uns erhalten ist, ist ein sumerischer und stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1900 vuZ. Er kommt in Form einer Spruchweisheit daher und war in eine Wand geritzt: „Was es seit undenkbarer Zeit in der Geschichte nie gab: Eine junge Frau, die dem Mann beim Geschlechtsverkehr nicht in den Schoss furzt.“

Das erzählt uns natürlich viel über die sumerische Kultur, vor allem, dass Bohnen anscheinend ein wichtiger Bestandteil der Alltagsküche waren. Sex ist auch ein wichtiges Thema der antiken Witzeschreibenden, wie uns dieser Brüller aus Ägypten belegt, der auch schon über 3.000 Jahre auf dem Buckel hat:

„Männer sind noch geiler als Esel – aber ihr Geldbeutel behindert sie.“
Da lacht der Pharaoh – aber wir leider nicht.

Das beide Kulturkreise früher oder später von den Griechen unter Alexander, dem Großen erobert und dominiert wurden, hat vielleicht auch mit dem Humor zu tun.

Denn aus dem griechischen Kulturkreis wissen wir aus Quellen, dass es mehrere Witzesammlungen gegeben hat und eines davon, das Philogelos, ist sogar erhalten. Philogelos heisst „Freund des Lachens“ und wurde von den zwei Witzmachern Hierokles und Philagrios kompiliert, über die sich die Geschichte sonst ausschweigt.

Sie stammt wahrscheinlich aus dem dritten Jahrhundert, wobei einige der Witze wahrscheinlich deutlich älter sind.

Diese Witze sind schon um einiges lustiger und drehen sich auch nicht mehr ohne Ausnahme um Furzen und Sex. Viele sind uns nicht mehr so richtig verständlich, da bestimmte Dinge für uns eine andere Bedeutung haben. Z.B. gibt es einige Witze über Salat, die seltsam sind. Dazu muss man halt wissen, dass Salat in der Antike als Aphrodisiakum galt.

Im Großen und Ganzen aber funktionieren sie genauso wie unsere modernen Scherze und einige der Archetypen sind uns immer noch bekannt: Der verträumte Gelehrte, der Dummkopf, der Glatzkopf oder der gehörnte Ehemann.

Andere haben für unseren Geschmack einfach auch keine Pointe:
„Ein dummer Lehrling soll einem Kunden die Nägel schneiden, aber beginnt furchtbar zu weinen. Als der Kunde fragt warum, antwortet der Lehrling: ‚Ich fürchte mich so, darum weine ich. Denn ich werde Ihnen wehtun und ihre Finger werden wund sein und mein Meister wird mich schlagen“.
Damit lässt sich heute kein Blumentopf mehr gewinnen. Die alten Griechen hätten scheinbar „Oliver Twist“ für eine Komödie gehalten.

Hier einige bessere Beispiele – das ganze Witzebuch lässt sich übrigens auch virtuell durchblättern, Link wie immer auf der Website.

Einem Betrunkenen wird vorgeworfen, dass er so hackedicht sei, dass er nicht mehr richtig sehen kann. „Haha“ lallt der Besoffene zur Antwort, „und das von dem Typen mit den zwei Köpfen!“. Den Gag kann man immer mal wieder hören, dass ist auf jeden Fall eine der frühesten Versionen. 1.600 Jahre alt.

Ein Dummkopf musste, im Bett mit einer Tauben, furchtbar furzen. Als der Gestank die Partnerin erreicht und diese sich beschwert, sagt der Narr: „Hey – wie konntest Du das hören, ich denke, Du bist taub!“

Ein fauler Dummkopf liegt im Bett und will nicht glauben, dass es noch nicht Nachmittag sei. Also fordert er, dass man ihm eine Sonnenuhr ans Bett bringt, um das zu überprüfen.

–O.k., noch nicht die Brüller, aber ab jetzt wird’s besser:

Fragt der Friseur: „Wie soll ich Ihnen die Haare schneiden?“ Sagt der Kunde: „Schweigend“.

Und jetzt der erste Doktor-Witz, ein Genre, dass sich ja immer noch großer Beliebtheit erfreut:

„Doktor, Doktor, jeden Morgen brauche ich eine halbe Stunde nach dem Aufstehen, bis es mir gut geht.“ „Tja, dann stehen Sie doch eine halbe Stunde später auf!“

Wird der Ehemann gereizt: „Ich habe gestern mit Deiner Frau geschlafen!“ „Tja, ich muss ja, als Ehemann und was ist Deine Ausrede?“.

Kommt ein Mann zum Sklavenhändler und beschwert sich, dass der kürzlich gekaufte Sklave tot sei. Antwortet jener: „Komisch, bei mir hat er das nie gemacht!“

Ein Astrologe soll einem sehr kranken Kind die Zukunft prophezeien und sagt dem Kind baldige Gesundung und ein langes Leben voraus. Als er seinen Lohn kassieren will, sagt die Mutter, sie habe gerade kein Geld und er soll doch bitte am nächsten Tag wieder kommen. „Nee, das geht nicht: Am Schluss ist das Kind dann tot und ich sehe mein Geld nie mehr!“

Interessant finde ich hier, dass Astrologen im alten Griechenland scheinbar Hausbesuche machten.

Einer der Zwillingsbrüder stirbt. Da begegnet dem Überlebenden ein Narr und fragt ihn: „Warst das Du oder Dein Bruder, der gestorben ist?“

Ein Gelehrter, ein Friseur und ein Glatzkopf müssen gemeinsam verreisen. Nachts einigen sie sich darauf, wer wann Wache zu stehen habe. Der Friseur hat die erste Schicht und bald wird ihm langweilig und er schert dem Gelehrten deswegen zur Ablenkung im Schlaf den Kopf. Als Wachwechsel ist, weckt der Friseur den Gelehrten, der sich irritiert über den Kopf fährt und ruft: „Haha – was für ein Idiot Du bist, Friseur, jetzt hast Du den Glatzkopf geweckt statt mir!“

Soviel zum antiken Griechenland. Ich habe als Kontrast nach einem möglichst frischen Witz gesucht und den hier gefunden:
Ein Mann läuft mit einem Pinguin auf dem Arm durch die Stadt.
Passant: „Wo haben Sie denn diesen Pinguin her?“
Mann: „Ist mir so zugelaufen! Was meinen Sie soll ich mit ihm machen?“
Passant: „Gehen Sie doch mit ihm in den Zoo!“
Nach ein paar Stunden treffen sich die drei wieder.
Passant: „Aber ich sagte ihnen doch, gehen Sie mit ihm in den Zoo!“
Mann: „Waren wir ja, jetzt gehen wir ins Kino.“

Quellen:

Bibliotheca Augustana (gr): Philigelos