Über die Kultserie „Alf“ und die wahrscheinlich seltsamste letzte Folge einer Fernsehserie ever. Alles erzählt vor dem Spiegel einer der toxischsten Fernsehproduktionen der Achtziger. War aber sowieso nicht lustig, dieser Alf, oder?
Skript
Es gab in den Achtzigern eine Fernsehserie, die vor allem in Deutschland ungeheuer beliebt war. Weil Tommi Piper so eine tolle Stimme hat in der Synchro, hieß es oft.
Diese Serie hieß „Alf“ und viele Menschen, die so alt sind wie ich, erzählen, dass es eine superwitzige Serie war. „Alf“ ist eine Abkürzung für „Alien Life Form“, was zufälligerweise genauso zu „Außerirdische Lebensform“ passt.
Diese außerirdische Lebensform war im Prinzip ein Muppet – wie Kermit, das Krümelmonster oder Elmo. Zu 95 Prozent sah man nur eine Puppe, ab und zu musste eine kleinwüchsige Menschenfrau im Ganzkörperfell durch die Szene laufen.
Die Grundidee war simpel: Ein durchgedrehter Alien muss sich bei einer ganz typischen, amerikanischen Vorstadtfamilie verstecken, damit die Regierung ihn nicht seziert, siehe E.T. – die Amerikaner lieben es ja bekanntlich, Außerirdische aufzuschneiden.
Durchgedreht ist dieser ALF, weil er vom Planeten Melmac stammt, wo man Katzen als Delikatesse betrachtet. „Mann, wie total durchgedreht ist das denn, bitte?“. Wahrscheinlich finden es alle Säugetiere gleich schlimm, auf den Grill geschmissen zu erden, würde ich einmal annehmen.
Ansonsten zeichnete sich die Handpuppe durch einen lakonischen Humor aus, der in sehr regelmäßigen Abständen Oneliner produzierte, die dann von der Laff-Box – siehe meine Episode dazu – mit Dosengelächter abgefeiert wurden.
So weit, so abgedroschen. Aber es gibt noch viele andere Dinge, die an Alf einfach unerträglich waren. Was alle Beteiligten gerne bestätigen. Die Sitcom gilt als eine der toxischsten Produktionen aller Zeiten.
Paul Fusco, der Produzent, Alf-Puppenspieler und Alfs englische Stimme, sah das ganz anders. Er hatte die Hoffnung, mit Alf berühmter zu werden als Frank Oz oder Jim Henson mit ihren Muppets.
Aber die Probleme fingen schon im Haus der Tanners an. So hieß die Familie. Das gesamte Set war auf einer ein Meter erhöhten Plattform gebaut, der Boden voller Falltüren, damit überall Platz war für die Alf-Puppe und die Menschen darunter. Natürlich durften die Schauspieler nicht auf den Boden kucken, wenn sie sich durch ihre ganz normale Wohnung bewegten, also kam es zu vielen Stürzen und Verletzungen.
Obwohl jede Folge nur 22 Minuten lang war, dauerte ein normaler Drehtag um die 22 Stunden. Der Hauptgrund war, dass die Elektronik in Alfs Gesicht dauernd ausfiel. Deswegen mussten auch eigentlich perfekte Szenen oft ein Dutzend Mal nachgeschossen werden, was dem Motor, der Alfs Augenbraue anhebt, völlig egal war, aber alle Anderen in den Wahnsinn trieb.
In der Serie wirkten außer der Puppe auch echte Schauspieler mit. Max Wright, der den Vater Willie Tanner spielte, hatte durchaus vor Alf eine Karriere gehabt. Er spielte in „Cheers“ mit und in all That Jazz, in „Playing For Time“ verkörperte er Josef Mengele.
Bei Alf aber war er, wie alle, ein Nebendarsteller. Die menschlichen Darsteller waren schlicht Stichwortgeber für Alf, der alle Pointen setzte und alle Lacher bekam. Max Wright war davon so angepisst, dass er einmal die Puppe schlug und schrie: „Steckt uns doch einfach alle auf Stöcke! Wir sind hier doch alle nur Puppen!“.
Dabei wurde allen immer wieder eingeschärft, Alf nicht als Puppe zu behandeln, sondern als richtiges Lebewesen. Paul Fusco zwang alle Beteilligten, Alf auch in den Drehpausen wie einen Besucher aus dem Weltall zu behandeln. Erzwungenes method acting in einer Sitcom.
Auch Anne Schedeen, die die Mutter Kate Tanner spielte, hatte vor der Serie gute Engagements zum Beispiel in „Three’s a Company“, eine große Sache in den Staaten, und auch in „Cheers“ gehabt. Sie sagte in einem Interview: „Es herrschte keinerlei Freude an diesem Set“.
Am letzten Drehtag verließ Max Wright das Set, bevor Fusco auch nur „Wrap“ sagen konnte, nahm seine Sachen und verließ das Studio, ohne sich von jemandem zu verabschieden.
In den Zehnerjahren tauchten dann verschiedene Blooper-Reels von Alf auf. Man hört die Puppe dann rassistische Witze reißen und wiederholt das N-Wort benutzen. Dazu kommen noch sexistische Sprüche und das Betatschen der Darstellerinnen – also die Puppenhand, in der aber Fusco steckte. Fellhandschuh, sozusagen.
Das enttäuschte viele, die noch nostalgische Erinnerungen an die Serie hatten, überraschte aber niemanden, der auch nur am Rande an der Produktion beteiligt war.
All das erklärt das vielleicht, warum Alf nach vier Staffeln mit 99 Episoden das vielleicht absurdeste Ende aller Sitcoms hat.
Man ging beim Dreh der letzten Folge davon aus, dass die Serie noch eine fünfte Staffel bekommt und wollte einen Cliffhanger abliefern. Hier der Spoil:
Alf spielt am Dachboden wieder mit der CW-Anlage von Willie herum und empfängt ein Signal. Es sind seine Artgenossen, die Melmakianer! Irgendwie haben zwei die nukleare Katastrophe auch überlebt und wollen Alf wieder auflesen.
Aber das Unternehmen ist riskant. Weil die Regierung und ihre „Alien Task Force“ überall ihre Augen und Ohren haben, gibt es nur ein sehr kleines Zeitfenster, in dem Alf an Bord gebeamt werden kann.
Bei einem letzten gemeinsamen Abendessen fließen noch einmal Tränen der Rührung, weil die Fellpuppe die Familie verlassen will, aber danach werden alle in die Familienkutsche gepackt, um Alf zu den vereinbarten Koordinaten zu fahren.
Was aber keiner weiß: Die ATF – die Alien Task Force – hat Alfs Experimente mit dem Radioempfänger alle, alle mitgehört. Sie lauern am Treffpunkt, um die Familie zu verhaften und das Alien zu sezieren.
Als die ATF zugreift, um den allerersten Alien auf der Erde gefangenzunehmen, erschrecken sich die Melmakianer so, dass sie mit ihrem Raumschiff das Weite suchen. Alf und die Tanners erkennen, dass es keine Möglichkeit zur Flucht mehr gibt.
Alleine steht Alf im Scheinwerferlicht des fliehenden Raumschiffs, als sich von allen Seiten Agenten nähern, um ihn einzukassieren. Er versucht, die etwas angespannte Stimmung mit einem Scherzchen zu lockern. „Hey Leute, habt ihr auch Bock auf ein Bierchen“, dann sieht man ihn hinter den Rücken der uniformierten Agenten verschwinden. Das war der letzte Satz, den er sagen sollte.
Es erscheint eine Schrift. „Wird fortgesetzt“, während eine Stimme Fragen stellt. „Hat die ATF Alf gefangen, um Versuche an ihm durchzuführen?“. Und: „Oder konnte sich Alf befreien und Kontakt zu den Melmakianern aufnehmen?“. Und: „Werden die Tanners verhaftet und verhört, weil sie illegalerweise einem Außerirdischen Unterschlupf gewährt haben?“.
Dieser letzte Teil wurde natürlich geschnitten, als klar wurde, dass die Serie nicht verlängert werden würde.
Das war das Ende von Alf. Irgendwie passend, wenn man die Umstände kennt. Hast Du Bock auf ein Bierchen?
Quellen:
Syfy.com: The Wild Ending of ALF, Explained
Collider.com: The Cast of ‚ALF‘ Hated Working With the Titular Star
Retroobsessed.com: The Set of ‘ALF’ Was a Living hell
Youtube: Intro: ALF – Intro