Jeden Tag besteht die Möglichkeit, dass wir einen Asteroiden entdecken, der das Leben auf der Erde bedroht. Für den Fall, dass das geschieht: Haben wir Möglichkeiten, ihn aufzuhalten? Und, falls ja: Welche?
Skript
or 66 Millionen Jahren näherte sich ein über zehn Kilometer großer Brocken der Erde. Dann schlug er auf und für die größeren Dinosaurier war es vorbei mit der Evolution.
Dieser Brocken war ein Asteroid. Also ein fliegender Felsen. Er durchflog die Erdatmosphäre in ein paar Sekunden und verwandelte sich in eine Feuerkugel, also war er ein Meteor. Dann schlug er ein und die Bruchstücke nannten sich dann Meteoriten.
Es gibt auch noch Kometen, die ich ja auch im Titel verwendet habe, weil es im Deutschen leichter von der Zunge rollt. Aber eigentlich sind Kometen schmutzige Schneebälle. Sie bestehen aus Eis, gefrorenen Gasen und Staub und bilden einen Schweif, wenn sie in Sonnennähe auftauen.
Am 30. Mai, vor ein paar Wochen, trat ein Asteroid mit 60.000 Stundenkilometern in die Atmosphäre ein und explodierte mit einer Sprengkraft von 260 Tonnen TNT. In Massachusetts wackelten die Häuser. Die Menschen glaubten an ein Erdbeben, den Überflug einer großen Militärmaschine oder an den Dritten Weltkrieg. Dieser Himmelskörper war etwas größer als ein Meter und hatte ungefähr das Gewicht eines Elefanten.
Obwohl die großen Planeten mit ihrer Schwerkraft die meisten Brocken für uns abfangen, besonderer Dank sei hier noch mal an Neptun zu richten, ist es früher oder später wieder so weit, dass ein Dinosauriermeteor einschlägt. Ein Meteor über 300 Meter Durchmesser schlägt im Durchschnitt alle 100.000 Jahre auf. Das klingt klein, aber wenn er Lyon als Ziel hätte, wäre ganz Frankreich weg.
Mittlerweile können wir Asteroiden dieser Größenordnung schon Jahre bevor sie die Erde erreichen, entdecken. Wir wissen vom Asteroiden Apophis, der im letzten Jahr schon für Weltuntergangsszenarien gesorgt hatte, dass er am 13. April 2029 in einem Abstand von 32.000 Kilometern an der Erde vorbeifliegen wird. In astronomischen Maßstäben ist das schon recht nahe. Der Mond ist 380.000 Kilometer entfernt und mit dem pflegen wir ja auch ein gutnachbarschaftliches Verhältnis.
Das Problem ist: Wenn wir das wissen, können wir im Moment genau nichts dagegen tun. Es wäre wahrscheinlich wie im Film „Don’t Look Up“ von 2021, wo Politik, Medien und die Wirtschaft alle Profit aus der Katastrophe schlagen wollen und am Ende … na ja … das Ende kommt.
Doch wir haben ja die NASA und die ESA. Bei der NASA gibt es das „Planetary Defense Coordination Office“ und bei der ESA „NeoShield 1 und 2“. NEO ist die Abkürzung für „Near Earth Object“.
Wie hält man nun einen Kometen auf?
Im Prinzip gibt es vier Methoden, die verschieden gut sind und von denen wir noch keine so richtig anwenden können.
Am ältesten ist die Methode eins. Die hat schon Edward Teller vorgeschlagen, einer der Konstrukteure der Atombombe: Wir schießen einfach eine Wasserstoffbombe auf den Himmelskörper und fertig. Im Film „Armageddon“ bohrt Bruce Willis ein Loch in einen Asteroiden, steckt eine Bombe rein und fertig ist die Rettung.
Das Problem: Im wahren Leben würde der Asteroid in Teile zerlegt, die dann immer noch, mit unveränderter Geschwindigkeit auf die Erde zurasen. Im Falle der Dinosaurier beispielsweise hätten zehn Brocken von einem Kilometer Durchmesser wahrscheinlich eine ähnlich große Katastrophe ausgelöst.
Methode zwei: Wir schubsen ihn einfach aus der Bahn
Im September 2022 haben wir tatsächliche schon einen Asteroiden namens Dimorphus geschubst. Eine Sonde namens DART (Double Asteroid Rederection Test) rammte den Himmelskörper und verkürzte seine Umlaufbahn um den Mutterasteroiden Didymos von 11 h 55 min auf 11 h 23 min. Das war ein überraschend starker Effekt, ausgelöst durch die Trümmer, die Dimorphus wegen des Aufpralls ausgestoßen hat. Ein voller Erfolg, also.
Dann gibt’s noch Hammer. (Hypervelocity Asteroid Mitigation Mission for Emergency Response). Das wären Raumschiffe, neun Meter lang und neun Tonnen schwer, die Objekte um die neunzig Meter schubsen könnten. Kamikaze-Raumschiffe, die im Notfall auch eine Bruce-Willis-Lösung möglich machen würden. Die sind allerdings bisher nur auf dem Papier vorhanden. Ist auch eine extrem teure und aufwendige Sache. Falls wir einen Dino-Brocken schubsen wollen, bräuchten wir mindestens vierzig gleichzeitige Raketenstarts. Dafür haben wir als Planet nicht die Infrastruktur.
Methode drei: Wir bauen einen Schubser auf dem Asteroiden
Anders ausgedrückt: Warum nicht einfach eine Rakete auf dem Asteroiden festschnallen, die ihn langsam und stetig ablenkt. Sie könnte vielleicht ihren Antriebsstoff aus Eis und Sauerstoff direkt aus dem Himmelskörper herstellen.
Oder sie wäre ein Bagger und ein Katapult in einem. Sie gräbt Brocken aus und schleudert sie ins All. Und weil Newton ja sein drittes Gesetz erlassen hat, folgt auf diese Aktion eine Gegenreaktion und der Asteroid wird geschubst. Das war ja der Überraschungserfolg bei DART.
Bleibt noch Methode vier: Wir heizen.
Wenn wir den NEO nur auf einer Seite erhitzen, tritt Gas aus dem Brocken und treibt ihn wieder nach Newtons Gesetz an. Dazu könnten wir einen Schwarm Satelliten bauen, die das Sonnenlicht bündeln und auf die richtige Stelle schießen. Wie Lupen mit denen als Kind man das Licht gebündelt hat, um Papierstückchen anzuzünden. Oder wir verwenden gleich Laserkanonen. Die wir noch nicht haben.
Oder, andere Variante: Wir befestigen einfach Alufolie auf einer Seite. Oder eine noch leichtere, reflektive Folie. Dann schubsen die Photonen der Sonne für uns den Brocken aus dem Weg. Das ist der sogenannte Yarkovsky-Effekt.
Und wenn wir keine Folie haben, dann können wir die schlechtesten Sprayer der Stadt engagieren, die sollen den Kometen mit Parolen beschmieren. Aber bitte nur eine Seite und bitte nur mit Silber-Spray.
Es gibt also mögliche Lösungen. Im Prinzip waren wir noch nie so nahe an einer Lösung unser Aussterben im Dinosaurier-Stil verhindern zu können. Sind die Zielobjekte aber kleiner und bedrohen nur lokal, sehe ich zwei Probleme:
Was interessiert es einen AfD-Wähler, wenn ein Komet Somalia auslöschen würde? Was interessiert es Putin, wenn der Komet auf Kiew fällt? Und was interessiert es Trump, wenn der Komet außerhalb der USA aufschlägt? Auch bei Los Angeles oder San Francisco würde er wahrscheinlich eher wegkucken.
Das ist auch das zweite Problem: Wenn wir erfolgreich Asteroiden schubsen können, dass können sie im Prinzip auch als Waffe eingesetzt werden.
Um nicht auf dieser Dark Note zu enden, etwas Partywissen: Jeden Tag landen 47 Meteoriten auf der Erde. Na ja, drei Viertel landen im Wasser. Von Menschen gefunden werden jedes Jahr weniger als zehn Stück
Quellen:
Nautilus: How to Stop a Killer Asteroid
Universe Today: Scientists Propose An Asteroid Nuke Mission To Save Earth From Potential Destruction
NASA: NASA Confirms DART Mission Impact Changed Asteroid’s Motion in Space