Ziel des Fußball-Turniers der Männer ist es, am Ende einen Pokal in die Kameras halten zu können. Darum schauen wir uns die bewegte Geschichte der beiden Trophäen an, die da bisher so abgelichtet wurden.
Skript
Es gibt keine Frage, dass die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer das weltweit am meisten beachtete, sportliche Ereignis der Welt ist, noch vor den Olympischen Spielen. Das WM-Finale 2022 sahen unfassbare 1,5 Mrd. Menschen gleichzeitig. Der amerikanische Super-Bowl zum Beispiel hat nur 125 Mio. Zusehende.
Organisiert wird das Event von einem gemeinnützigen Schweizer Verein mit dem Namen FIFA. Das sind die, die sich einen Friedenspreis ausgedacht haben, um ihn ihrem Kumpel Donald Trump verleihen zu können. Keiner mag die FIFA, nicht einmal die Fußballvereine.
Über die einzelnen Bestechungs- und anderweitigen juristischen Verfahren habe ich komplett den Überblick verloren. 2015, als sechs Funktionäre verhaftete wurden und Sepp Blatter zurücktrat, war es noch einfach. Aber jetzt gibt es gefühlt jedes Jahr einen neuen Skandal.
Vielleicht erklärt die Tatsache, dass erst 2012 eine Frau in den Männerklub des Exklusiv-Komitees kooptiert wurde, warum der Frauen-Fußball so unwichtig war. Eine Frauen-WM gibt es erst seit 1991, einen Champions Cup erst seit diesem Jahr und eine Klub-Weltmeisterschaft wird es erst in zwei Jahren geben.
Trotzdem verwaltet dieser Schweizer Verein genau das, worum es bei so einer WM eigentlich in Wirklichkeit geht. Das, wofür die wichtigsten Fußballnationen, außer Italien, gerade in Nordamerika, kämpfen. Die Belohnung für Blut, Schweiß und Tränen, die Absicht von Elfmeter-Schwalben, Schubsen, Fluchen und Weinen, das Ziel einer mitfiebernden Nation: Am Ende den Pokal in den Händen zu halten. Es geht um den Pokal. Muss doch so sein, oder? Denn, wenn die Gewinner den Pott am Ende in die Kameras gehalten haben, dann ist die Party vorbei. Habe ich da etwas falsch verstanden?
Schauen wir uns das Ding also mal näher an. Oder die Dinger. Denn es gibt zwei. Oder, genauer: Es gab zwei. Aber fangen wir von vorne an.
Die Fußball-WM der Männer gibt es seit 1930 und am Ende hielten die Spieler aus Uruguay den „Coupe de Monde“, also den „Weltpokal“ in den Händen, der später umgetauft wurde zum „Coupe Jules Rimet“, nach dem damaligen Boss der FIFA.
Er war 35 cm hoch und aus Sterlingsilber. Er stellte die Siegesgöttin Nike dar, die ihre geflügelten Arme ausstreckte, auf denen der Bildhauer Abel Lafleur das Rudiment eines Bechers befestigte. Alles im Nachfolgerstil des Art Deco gehalten, wie er Ende der Zwanziger Jahre des Vorgängerjahrhunderts modern war.
Damals war die Regelung, dass die Siegermannschaft den Pokal mit nach Hause nehmen durfte. Eine Mannschaft, die in drei Mal gewonnen hatte, durfte ihn komplett behalten, wurde 1930 verkündet.
Es sah dann so aus, als würden das die Italiener werden, die 1934 und 1938 zwei Mal gewannen, aber dann kam der Krieg und die Veranstaltung fiel aus. Man kann sich ja schlecht bombardieren und gleichzeitig miteinander Fußball spielen.
Aus irgendeinem Grund dachten die Nazis, dass der Pokal am besten bei ihnen aufgehoben wäre, obwohl Deutschland ihn noch nie gewonnen hatte. Davon bekam auch der FIFA-Vizepräsident Ottorini Bassi Wind und schmuggelte die Siegesgöttin aus einer Bank und versteckte sie während des Kriegs in einem Schuhkarton unter seinem Bett.
1950 fing man dann wieder an, Weltmeister spielerisch auszumachen. Damals nahm Uruguay den Pokal zum zweiten Mal in Empfang, dann landete er zum ersten Mal für vier Jahre in Deutschland, ohne geklaut werden zu müssen.
Zwei Mal hintereinander gewann Brasilien und 1966 wanderte er nach England, denn als Austragungsort mussten ihn die Briten ja vorrätig halten. Die stellten ihn in einer Briefmarken-Ausstellung namens „Sport in Briefmarken“ aus, bis auffiel, dass er nicht mehr da war. Jemand hatte ihn gestohlen.
Das ist eine hochnotpeinliche Situation für die ehemalige Weltmacht und es wäre noch peinlicher geworden ohne Pickles. Das war ein schwarz-weißer Mischlingshund, der eines Tages mit seinem Herrchen David Corbett in South London Gassi ging und etwas Seltsames erschnüffelte. Da lag, in einem Gebüsch, in Zeitungspapier eingeschlagen, der Coupe Jules Rimet. Der Täter wurde nie gefunden.
David bekam 6.000 Pfund Finderlohn und für Pickles wurde ein Festbankett veranstaltet, bei dem er die Teller aller anwesenden Gäste sauber schlecken durfte, weil das sein Lieblingshobby war.
Zur Belohnung wurden die Engländer 1966 auch Weltmeister. 1970 schafften die Brasilianer den Hattrick und durften den Pokal jetzt für immer behalten. Es musste also ein neuer gestaltet werden. Spätestens, nachdem der alte in Brasilien gestohlen und von den Dieben wahrscheinlich eingeschmolzen wurde, denn man fand nur noch den Sockel aus Lapislazuli.
Mit dem neuen Pokal für die WM 1974 fand man ein Design, dass mit „Pokal“ überhaupt nichts mehr zu tun hat, denn man müsste schon ein Loch bohren, um Champagner einfüllen zu können.
Er stellt jetzt, in abstrakter Form zwei Fußballer dar, die Hände hochhalten, um eine Kugel festzuhalten. Ob es die Welt ist oder ein Fußball, liegt im Auge des Betrachters. Auch die Frage, ob der Knüppel hübsch ist.
Dieses Mal ist sie aus echtem Gold, aber innen hohl, denn bei 35,8 cm Höhe wäre sie sonst 80 Kilo schwer – das hätte sich negativ auf die Hochhaltezeit der Triumphierenden ausgewirkt. Sein Materialwert dürfte beim gegenwärtigen Goldpreis so bei 400.000 Euro liegen, wird vermutet.
Nach den negativen Erfahrungen mit der Erstausgabe hat die FIFA die Regeln geändert. Die Sieger dürfen die Statuette – denn das ist der Pokal eigentlich – einen Abend lang in die Kameras halten, dann geht es wieder zurück nach Zürich.
Die Gewinner bekommen eine Nachbildung aus Bronze, bescheiden nur vergoldet. Aber auch die bleibt im Besitz der FIFA und muss auf Anfrage wieder abgegeben werden.
Der Pokal ist so wertvoll, dass er nur mit Handschuhen angefasst werden darf. Berühren dürfen ihn nur FIFA-Bosse und „amtierende Staatsoberhäupter“, heißt es bei der FIFA. Na, und natürlich die Weltmeister. Die dürfen ihn auch an ihre verschwitzten Trikots drücken, küssen oder abschlecken. Machen sie aber nur bei der WM und nicht im FIFA-Hauptquartier. Also, das vermute ich zumindest. Aber, wer weiß?
Die Gewinnernationen werden übrigens auf der Unterseite des Sockels eingraviert. Man hat dann bald gemerkt, dass der Platz bald ausgeht und 2018 wurde die schlichte Tabelle durch eine spiralförmige Textschlange ersetzt, aber auch jetzt heißt es: 2038 ist Schluss mit dem Goldknüppel des Mailänder Designers Silvio Gazzaniga.
Der Pokal der Frauen ist übrigens zehn Zentimeter größer, aber dafür halb so schwer und hat nur einen Materialwert von ca. 40.000 Euro. Dafür traut man den Frauen zu, dass sie auf ihren Pokal achtgeben. Für jede WM gibt es ein neues Exemplar, denn die Gewinnerinnen dürfen ihre Version behalten. Das löst auch das Problem mit der Tabelle auf der Unterseite. Man könnte fast denken, die FIFA lernt dazu.
Ist ja auch egal, denn es gilt die Regel: Rollt erst einmal der Ball, dann verstummt die Kritik.
Quellen:
Wikipedia: FIFA WM-Pokal
Stephen Silver: Women’s World Cup Trophy Is Made Of Gold-Clad Sterling Silver
Wikipedia: Pickles (Hund)
Youtube: Intro: FIFA World Cup Song